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Monopolgruppentheorie
Als Monopolgruppentheorie bezeichnet man die marxistische Theorie, nach der sich die Kapitalistenklasse in rivalisierende Gruppen, die branchenspezifische …
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Grundidee der Monopolgruppentheorie
Die Monopolgruppentheorie ist eine marxistische Theorie. Sie geht davon aus, dass die Kapitalistenklasse nicht einheitlich handelt, sondern in rivalisierende Gruppen zerfällt. Diese Gruppen vertreten jeweils branchenspezifische wirtschaftliche Interessen. Der Ansatz wurde besonders zur Erklärung der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und der Machtübertragung an die NSDAP verwendet. In der westlichen Geschichtswissenschaft wird er weitgehend abgelehnt.
Marxistisch-leninistische Grundlagen und DDR-Modelle
Nach marxistisch-leninistischer Auffassung ging die freie Konkurrenz des Konkurrenzkapitalismus in den wichtigsten Industriezweigen gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Monopolkapitalismus über. Dies zeige sich besonders in der Kohlen- und Eisenindustrie, bei großen Elektrizitätsgesellschaften und Erdölproduzenten.
Ein kapitalistisches Monopol ist in dieser Sicht ein Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnis sowie die Einheit der fünf Merkmale von Lenins Imperialismusdefinition. Es entsteht bei hoher Konzentration von Produktion und Kapital, gewinnt durch Absprachen und Zusammenschlüsse wesentliche Anteile am Kapital eines Wirtschaftszweigs, beherrscht Märkte und schränkt die freie Konkurrenz auch mit ökonomischer und außerökonomischer Gewalt ein. Monopole streben vor allem nach Preiskontrolle, um Extraprofite zu erzielen. Lenin schrieb 1916: „Der freien Konkurrenz entspricht die Demokratie. Dem Monopol entspricht die politische Reaktion.“
Jürgen Kuczynski unterschied die Gruppen „Kohle-Eisen-Stahl“ und „Chemie-Elektro“. „Kohle-Eisen-Stahl“ habe eine reaktionäre, „Chemie-Elektro“ eine liberalere Politik verfolgt. Die Gründung der Weimarer Republik deutete er als Sieg von „Chemie-Elektro“, die Machtübertragung an die NSDAP als Sieg von „Kohle-Eisen-Stahl“; die NSDAP sei deren Massenbasis gewesen.
Kurt Gossweiler bezog Banken ein und sah eine „alldeutsche“ sowie eine „amerikanische“ Fraktion. Als Hauptvertreter der „amerikanischen“ Fraktion nannte er Fritz Thyssen und Hjalmar Schacht. Dietrich Eichholtz erklärte die Gruppenbildung mit unterschiedlichen Interessen von Montankonzernen, die Stoffe und Energien erzeugten, und Chemie- sowie Elektroindustrie, die sie umwandelten. Er deutete die Entmachtung Schachts und Thyssens als Sieg der „alldeutschen“ Fraktion. Montankonzerne hätten vor allem auf die Reichtümer der Sowjetunion gezielt, Nichteisen-Metallkonzerne und Monopolreedereien auf ein afrikanisches Kolonialreich; Chemie- und Elektrokonzerne hätten die Weltmarktkontrolle angestrebt.
Nach Eichholtz und Gossweiler konnten Konzerngruppen und Teile des Staatsapparats „staatsmonopolistische Gruppierungen“ bilden, etwa die Vierjahresplanorganisation. Dietmar Petzina stellte 1968 für I.G. Farben im Vierjahresplan eine Verschmelzung industrieller und staatlicher Bereiche sowie eine Privatisierung der Wirtschaftspolitik zugunsten großer Monopolgruppen fest. Er bewertete dies aber als atypisch: Spätestens seit 1936 hätten politische Vorgaben klar dominiert und die Handlungsspielräume der Privatwirtschaft stark eingeschränkt.
Eberhard Czichon unterschied „Nazi-Industrielle“, die mit der NSDAP Wirtschaftskrise, Wiederaufrüstung und Autarkiepolitik verbinden wollten, von einem als „Keynesianer“ bezeichneten Flügel, der eine staatlich gelenkte Wirtschaftsankurbelung anstrebte.
Kritik an den DDR-Theorien
Henry A. Turner urteilte, die Monopolgruppentheorie und die Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus seien die ausgeklügeltsten DDR-Theorien, die das Dritte Reich wirtschaftlich erklärten. Forschungsergebnisse der vorangegangenen 30 Jahre hätten jedoch ihre Glaubwürdigkeit geschwächt; die Annahme eines „Primats der Wirtschaft“ sei unhaltbar geworden.
Iring Fetscher verwies 1972 darauf, dass die von Marx erwartete Konzentration zwar eingetreten sei, seit 1950 bei Eigentum und Einkommen jedoch zurückgehe. Reinhard Neebe kritisierte 1981, die Theorien blieben trotz Differenzierungen bei der Dimitroff-These vom Faschismus als „terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. Sie unterstellten Monopolfraktionen eine grundlegende Interessengemeinsamkeit, die es nicht gegeben habe, und blendeten die sozioökonomische Gesamtentwicklung weitgehend aus. Dadurch wirke Faschismus wie ein „monokausaler Kaufakt“ einzelner Großindustrieller, Bankiers und Junker.
Turner kritisierte 1985 außerdem, die Theorien seien untereinander nicht vereinbar, weil keine Einigkeit über die Zuordnung von Industriellen zu Monopolgruppen bestehe. Sie vereinfachten komplexe Vorgänge zur Machtergreifung zu einer quellenmäßig nicht gedeckten Agententheorie, nach der Kapitalisten Hitler an die Macht gebracht hätten. Wolfgang Wippermann bemängelte 1986, Hitler erscheine dabei als willenloses Werkzeug von Kapitalisten; zugleich würden die meisten Deutschen von Mitschuld an den Verbrechen des NS-Regimes freigesprochen.
Ansätze westlicher Forscher
George W. F. Hallgarten zog 1955 eine Trennung zwischen anonymen Gesellschaften und unabhängigen Familienunternehmen. 1974 meinte er, die unabhängigen Werke von Krupp, Hoesch, Haniel und Klöckner hätten die Hitler-Führung bei der Sammlung des rechten Lagers abgelehnt, weil sie eine Diktatur der mit Hitler verflochtenen Männer des Stahlvereins, der Vereinigten Stahlwerke, gefürchtet hätten. Henry Turner bezeichnete Hallgartens erste Veröffentlichung 1975 als veraltet und kritisierte auch den Aufsatz von 1974: Er beruhe nicht auf neuer Forschung, verteidige vor allem ältere Thesen und übernehme teilweise fehlerhafte oder entstellte Angaben aus der DDR-Faschismusforschung.
Industriegruppen bei Sohn-Rethel
Alfred Sohn-Rethel unterschied in der Weimarer Republik ein „Brüning-Lager“ aus Elektro-, Chemie- und Maschinenbauindustrie sowie Großbanken und ein Lager der „Harzburger Front“ aus Stahl-, Montan-, Bau- und Betonindustrie; Krupp bildete eine Ausnahme. Die erste Gruppe wurde als „Exportindustrie“, die zweite unter dem Schlagwort „Autarkie“ zusammengefasst. Beide hätten den internationalen Wirtschaftskampf angestrebt, aber unterschiedliche Wege und Methoden verfolgt. Das „Brüning-Lager“ habe noch Gewinne gemacht, während das andere als „Fronde der faulen Debitoren“ gegolten habe.
Heinrich August Winkler widersprach 1978: 1932/33 habe weder innerhalb der Industrie noch zwischen Industrie und Agrariern Konsens über eine von Sohn-Rethel behauptete „Umlagerung des deutschen Außenhandels“ bestanden. Ein Regimewechsel sei dafür auch nicht nötig gewesen; die Angaben Sohn-Rethels seien daher „weitgehend spekulativ“.
Schwerindustrie und verarbeitende Industrie
Hartmut Pogge von Strandmann hielt 1978 Kuczynskis Formel „Kohle-Stahl“ gegen „Elektro-Chemie“ für zu einfach, um Machtkämpfe und Rivalitäten der Großindustriellen zu erfassen. Er unterschied allgemeiner zwischen Schwerindustrie und verarbeitender Industrie. Die verarbeitende Industrie sei Träger der durch die Novemberrevolution geschaffenen Modernisierung gewesen. Die Schwerindustrie habe dagegen eine autoritäre Umformung der Weimarer Republik angestrebt und dadurch destabilisierend gewirkt.