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Missing Link
Ein Missing Link (englisch für „fehlendes Bindeglied“) ist eine noch unentdeckte fossile Übergangsform zwischen entwicklungsgeschichtlichen Vor- und …
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Bedeutung und Kennzeichen
Ein Missing Link („fehlendes Bindeglied“) ist eine noch nicht entdeckte fossile Übergangsform zwischen entwicklungsgeschichtlichen Vor- und Nachfahren. Sie wird aufgrund evolutionstheoretischer Überlegungen vorhergesagt und würde eine Überlieferungslücke im Fossilbericht schließen. Solche verbindenden Funde besitzen Mosaikformcharakter: Sie zeigen zugleich Merkmale einer älteren und einer jüngeren Form. Heute wird dafür eher Connecting Link („Bindeglied“) verwendet.
Ursprünglich bezog sich der Ausdruck auf eine fehlende Zwischenform zwischen einem menschenaffenähnlichen Vorfahren und dem Menschen, also auf die Hominisation. Im Englischen bleibt missing link vor allem außerhalb der Wissenschaft gebräuchlich.
Entwicklung der Verwendung und wichtige Funde
Charles Lyell verwendete Missing Link 1851 zunächst für fehlende Schichtglieder der Historischen Geologie. Im heutigen Sinn, als vermutete Übergangsarten zwischen chronologisch trennbaren Taxa, erschien der Ausdruck 1863 in seinem Werk Geological Evidences of the Antiquity of Man. William Hopkins hatte ihn bereits 1860 auf fossile Lebewesen angewandt. Charles Darwin sprach 1859 in On the Origin of Species noch von Transitional Fossils („Übergangsfossilien“).
Darwin, Thomas Henry Huxley und Ernst Haeckel übernahmen die Bezeichnung später für das vermutete Bindeglied zwischen Affen und Menschen; diese Verwendung ist spätestens seit 1866 belegt. Missing Links wurden anfangs oft als Gegenargument gegen Darwins Theorie verstanden. Wissenschaftlich gelten sie jedoch als Erfolgsgeschichte: Weit über 1000 ehemalige Missing Links wurden bis heute gefunden.
Ein besonders spektakuläres Beispiel ist Archaeopteryx, der Urvogel. Er vereint Dinosaurier- und Vogel-Merkmale. Fossilien erlauben es inzwischen, die Entwicklung von Federn bis zu bodenbewohnenden Sauriern zurückzuverfolgen. Auch Acanthostega, ein Vorläufer der Amphibien, sowie die Schnecke Neopilina galatheae als Bindeglied zwischen Weichtieren und Ringelwürmern werden als Mosaikformen genannt. Sie zeigen fließende Übergänge zwischen Organismengruppen im Rahmen der Makroevolution.
Warum Übergangsfossilien selten sind
Fossilisation ist die Einlagerung und Erhaltung von Organismen über geologische Zeiträume. Sie hängt von geologischen, biologischen und zufallsbedingten Voraussetzungen ab. Mosaikformen zwischen Taxa existieren oft nur kurz, weil sich abgespaltene Linien physiologisch rasch verändern können. Besonders schnell kann dies geschehen, wenn ein neues Merkmal eine weitreichende Änderung der Lebensweise ermöglicht: Weitere Merkmale folgen dann nach, und der Bauplan verändert sich zur später bekannten Form.
Für Fossilien müssen geeignete Sedimente vorhanden sein, etwa in Schwemmland. In Gebirgsregionen wird das Substrat dagegen vor allem abgetragen. Sedimente können außerdem später in große Tiefe gelangen; dabei entstehen Metamorphgesteine, die Fossilien verlieren. Magmatite wie Granit und Basalt können keine Fossilien enthalten. Erosion und tektonische Bewegungen haben viele Fossilien zerstört, und die meisten erhaltenen Funde sind nur Fragmente.
Auch biologische Bedingungen begrenzen die Erhaltung: Tote Individuen dürfen nicht gefressen oder zerstreut werden. Die Wahrscheinlichkeit unterscheidet sich je nach Tierart und Lebenswelt; Organismen, die nur aus Weichteilen bestehen, fossilisieren besonders selten. Bei Umweltveränderungen werden Populationen stark dezimiert, wodurch gerade die durch neue Bedingungen ausgelösten evolutionären Änderungen selten fossil überliefert werden. Fossilien bewahren meist äußere Merkmale, aber wenig darüber, wie ein Organismus funktionierte. Verglichen mit der heutigen Biodiversität repräsentiert der Fossilbericht vermutlich nur einen kleinen Teil der früher lebenden Arten.
Bedeutung in der heutigen Evolutionsbiologie
Von zahlreichen Entwicklungsformen ist weiterhin kein Fossil bekannt. Innerhalb der Evolutionsbiologie hat Missing Link aber seine frühere Brisanz verloren. Im 19. Jahrhundert war die Stichhaltigkeit der Abstammungstheorie noch umstritten; heute vertrauen Biologen darauf, dass zunehmende Fossilfunde mit der Zeit weitere Belege liefern.
Wichtig ist außerdem die Erkenntnis, dass Evolution nicht zwingend allmählich und mit gleichmäßiger Geschwindigkeit abläuft. Sie kann mitunter sehr schnell erfolgen. Dadurch ist es weniger überraschend, wenn gerade für kurze Übergangsphasen keine Fossilien vorliegen.
Genetische Einordnung und Sprachforschung
Fossile Missing Links sind heute vor allem eine Fragestellung der Paläontologie, der Wissenschaft von Lebewesen vergangener Erdzeitalter. Daneben gewinnen genetische Methoden zur Bestimmung von Verwandtschaft an Bedeutung. In der Genetik wird nach Übergangsreihen von Mutationen gesucht. Mit ihnen lässt sich die Verwandtschaft zweier beliebiger rezenter, also heute lebender, Lebewesen bestimmen. Fossile Lebewesen können damit jedoch nur indirekt eingeordnet werden.
In Anlehnung an Huxleys Wortschöpfung wird Missing Link auch in der Sprachforschung verwendet.