Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Amphibien
Aufgrund ihrer Physiologie sind alle Amphibienarten aber auch im Erwachsenenstadium zumindest an Lebensräume mit hoher Luftfeuchtigkeit gebunden. Viele Lurche …
Inhalt5 Abschnitte
Definition, Lebensweise und Evolution
Amphibien oder Lurche sind Landwirbeltiere, die sich im Allgemeinen nur in Gewässern fortpflanzen können. Die heute lebenden Formen werden wissenschaftlich als Lissamphibia zusammengefasst. Anfang 2026 sind etwa 9000 Amphibienarten bekannt. Ihre Entwicklung beginnt meist mit einem im Wasser abgelegten Ei. Daraus schlüpft eine aquatile, kiemenatmende Larve, die durch Metamorphose zu einem meist lungenatmenden erwachsenen Tier wird. Auch erwachsene Amphibien bleiben wegen ihrer Haut und ihrer Atmung an feuchte Lebensräume gebunden; viele sind nachtaktiv, um Wasserverluste und das Risiko durch Fressfeinde zu verringern.
Amphibien gehören zusammen mit Reptilien, Vögeln und Säugetieren zu den Landwirbeltieren. Ihre Vorfahren entwickelten sich aus bestimmten Knochenfischen, die im Oberdevon vor etwa 380 Millionen Jahren begannen, das Land zu besiedeln. Sie gelten innerhalb der Landwirbeltiere als ursprünglichste Gruppe, unter anderem wegen ihrer Abhängigkeit vom Wasser, teilweise unvollständig verknöcherter Skelette sowie der vergleichsweise wenig leistungsfähigen Lungen und Kreislaufsysteme. Der Ursprung der modernen Amphibien ist umstritten. Als mögliche Vorfahrengruppen gelten Temnospondylen und Lepospondylen; ob die Lissamphibia aus einer oder aus beiden Gruppen hervorgingen, ist ungeklärt.
Körperbau und besondere Funktionen
Amphibien sind sehr unterschiedlich groß: Die Froschgattung Paedophryne erreicht ausgewachsen kaum acht Millimeter, während Riesensalamander bis zu eineinhalb Meter lang werden können. Schwanzlurche schreiten oder kriechen, Froschlurche springen und Schleichenlurche graben meist im Boden. Im Wasser schwimmen Schwanzlurche mit dem Ruderschwanz und Frösche mit den kräftigen Hinterbeinen.
Typisch ist der besondere, pedicellate Zahnbau: Eine von Zahnschmelz überzogene Krone sitzt auf einer Dentinbasis, dem Pedikel, wobei dazwischen eine schwach mineralisierte Zone liegt. Die Zähne werden mehrfach im Leben ersetzt. Frosch- und Schwanzlurche besitzen meist vier Finger und fünf Zehen; Schleichenlurche haben ihre Gliedmaßen vollständig verloren. Rippen sind kurz und bilden keinen richtigen Brustkorb; ein Brustbein fehlt. Froschlurche besitzen meist fünf bis neun, Schwanzlurche dagegen zehn bis 60 Hals- und Rückenwirbel.
Die dünne, kaum verhornte Haut ist mit Schleim-, Gift- und Pigmentzellen ausgestattet. Sie dient der Atmung, dem Schutz und dem Wasserhaushalt. Amphibien trinken nicht, sondern nehmen Wasser über die Haut auf und speichern es unter anderem in Lymphsäcken und der Harnblase. Larven atmen mit Kiemen, erwachsene Tiere mit einfachen Lungen sowie über die Haut. Sie sind wechselwarm, ihre Körpertemperatur hängt also von der Umgebung ab. Das Herz besitzt zwei Vorkammern und eine ungeteilte Hauptkammer. Darm, Ausscheidungs- und Geschlechtsorgane münden in der Kloake.
Fortpflanzung, Metamorphose und Nahrung
Viele Froschlurchmännchen locken Weibchen durch Rufe an, die mithilfe von Kehlkopf, Lungen und Schallblasen erzeugt werden. Fast alle Arten legen Eier in gallertigem Laich ab. Die Befruchtung erfolgt meist außerhalb des Körpers; bei den meisten Schwanzlurchen findet eine indirekte innere Besamung statt.
Die Larven entwickeln sich gewöhnlich im Wasser. Bei Froschlurchen heißen sie Kaulquappen und atmen zunächst mit Außenkiemen. Während der hormonell gesteuerten Metamorphose bilden sich Kiemen zurück, Lungen und Haut übernehmen die Atmung, das Skelett verknöchert und die Gliedmaßen entwickeln sich. Bei Molchlarven erscheinen zuerst die Vorder-, bei Kaulquappen zuerst die Hinterbeine. Der Schwanz verschwindet bei Froschlurchen, bleibt bei Schwanzlurchen erhalten. Manche Arten bleiben dauerhaft im Larvenstadium; dieses Phänomen heißt Neotenie oder Pädomorphie. Der Axolotl ist ein Beispiel. Nur sehr wenige Arten, etwa der Alpensalamander, sind lebendgebärend. Andere entwickeln sich direkt im Ei und schlüpfen als fertige Jungtiere.
Kaulquappen ernähren sich überwiegend pflanzlich, von Detritus oder Aas. Molchlarven und erwachsene Amphibien sind dagegen rein carnivor. Sie fressen vor allem Insekten, andere Gliedertiere, Weichtiere und Spinnen, meist als lebende Beute. Viele besitzen eine hervorschnellbare klebrige Zunge. Wegen ihres wechselwarmen Stoffwechsels lauern sie häufig auf Beute, statt sie aktiv zu verfolgen. Laich und Larven werden von Insektenlarven, Fischen, Wasservögeln und anderen Amphibien gefressen.
Systematik, Verbreitung und Arten in Europa
Die drei Ordnungen sind Schwanzlurche mit etwa 820 Arten, Froschlurche mit etwa 7700 Arten und Schleichenlurche mit etwa 220 Arten. Das entspricht ungefähr 9 %, 88 % und knapp 3 %. Die Lissamphibia gelten als monophyletisch, umfassen also eine gemeinsame Abstammungslinie. „Amphibia“ ist bei Einbeziehung fossiler Formen weiter gefasst und paraphyletisch.
Amphibien leben auf allen Kontinenten außer Antarktika. Die größte Artenvielfalt liegt in tropischen und subtropischen Regionen, besonders im tropischen Lateinamerika. Brasilien besitzt 1154, Kolumbien 819, China 569 und Indien 448 Arten. Europa ist dagegen mit knapp 90 einheimischen Arten arm an Amphibien. Ursache waren vor allem die pleistozänen Kaltzeiten von 1,8 Millionen bis etwa 10.000 Jahren vor heute, die viele Arten in südliche Refugialräume verdrängten.
Deutschland besitzt 20 einheimische Taxa, darunter 19 Arten und eine Hybride. Zehn Arten stehen auf der Roten Liste, sechs gelten als nicht gefährdet. Die Artenspektren der Schweiz und Österreichs ähneln dem deutschen, weisen aber einige regionale Unterschiede auf. Europäische Arten sind durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und nationale Naturschutzgesetze geschützt; die Tabellen führen außerdem Gefährdungskategorien wie „vom Aussterben bedroht“, „stark gefährdet“, „gefährdet“ und „potentiell gefährdet“ auf.
Gefährdung und ökologische Bedeutung
Durchlässige Haut und die Bindung an Gewässer und Landlebensräume machen Amphibien besonders empfindlich gegenüber Umweltveränderungen. Sie gelten deshalb als Bioindikatoren für den Zustand von Ökosystemen. Die IUCN stufte 2024 insgesamt 2.873 Arten als bedroht ein: 799 als vom Aussterben bedroht, 1.263 als stark gefährdet und 811 als gefährdet. Mindestens 37 Arten gelten als ausgestorben, weitere 130 wurden seit Jahren nicht gefunden. Für 908 Arten fehlen ausreichende Daten. Andere Angaben zur Artenzahl unterscheiden sich: Die IUCN berücksichtigte 2024 8022 Arten, während Datenbanken im November 2025 8958 Arten aufführten.
Wichtige Gefährdungsursachen sind Lebensraumverlust und -fragmentierung, Pestizide, Schwermetalle, Stickstoffdünger, Straßenverkehr, Krankheiten durch Viren oder Pilze, Wildfänge und möglicherweise Klimawandel sowie verstärkte UV-Strahlung. Mehrere Faktoren können sich gegenseitig verstärken. In Mitteleuropa gefährden außerdem zerstörte oder vergiftete Kleingewässer, Wälder, Wiesen, Auen und Moore sowie Fallen wie Lichtschächte und Straßengullys die Bestände.ેણ
Lernvideos zu Amphibien
3:05
Amphibien
Biologie - simpleclub · 176.846 Aufrufe
2:35
5 Fakten über Amphibien: Frosch, Salamander, Axolotl & Co. - Tier-Doku für Kinder
tierchenwelt.de · 54.125 Aufrufe
9:53
Die Wirbeltierklasse der Amphibien - Lernen macht Spaß
Lernen macht Spaß · 5.847 Aufrufe
5:00
Was sind Amphibien? | EINFACH ERKLÄRT
StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! · 1.516 Aufrufe