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Liste geflügelter Worte/D

1 Da beißt die Maus keinen Faden ab · 2 Da bleibt kein Auge trocken · 3 Da geht er hin und singt nicht mehr! · 4 Da hört sich doch alles auf! · 5 Da lacht die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Aufbau
  2. 2. Redewendungen aus Literatur und Theater
  3. 3. Bibel, Antike und Philosophie
  4. 4. Politik, Geschichte und Gesellschaft
  5. 5. Alltagssprache, Werbung und Popkultur
  6. 6. Typische Bedeutungsverschiebungen

Gegenstand und Aufbau

Der Artikel ist eine alphabetische Sammlung geflügelter Worte, Redewendungen, Zitate, Werbeslogans, Lied- und Filmtitel sowie politischer Schlagworte, die im Deutschen mit dem Buchstaben D beginnen. Ein geflügeltes Wort ist eine fest gewordene Formulierung, die aus Literatur, Bibel, Philosophie, Politik, Alltagssprache, Werbung oder Populärkultur stammt und später allgemein verwendet wird.

Die Einträge erklären meist drei Dinge: den Wortlaut, die Herkunft und die heutige Bedeutung. Viele Formulierungen sind ursprünglich Zitate aus Werken bekannter Autoren, zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Bertolt Brecht, Heinrich Heine, William Shakespeare oder Blaise Pascal. Andere stammen aus Bibelstellen, antiken Quellen, Sprichwörtern, Filmen, Liedern, politischen Reden, Werbekampagnen oder historischen Ereignissen. Der Artikel zeigt dadurch, dass Redewendungen oft ihren ursprünglichen Zusammenhang verlieren und später scherzhaft, ironisch, kritisch oder allgemein gebraucht werden.

Redewendungen aus Literatur und Theater

Ein großer Teil der Sammlung stammt aus der deutschen und europäischen Literatur. Aus Goethes Faust I kommen mehrere bekannte Formulierungen: „Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor“ bezeichnet vergebliche Mühe oder Ratlosigkeit nach intensiver Beschäftigung mit einem Thema. „Das also war des Pudels Kern“ wird verwendet, wenn der eigentliche Kern einer Sache sichtbar wird. „Das Kind beim rechten Namen nennen“ bedeutet, eine Sache offen auszusprechen. „Denn, was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“ betont den Wert schriftlicher Belege. Auch „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“ und „Die Erde hat mich wieder“ stammen aus Faust.

Friedrich Schiller ist ebenfalls stark vertreten. Aus Wilhelm Tell stammt „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“, heute oft auf Heimwerken bezogen. Aus Die Piccolomini kommen „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären“ und „Der Krieg ernährt den Krieg“. Aus Wallensteins Tod stammen „Daran erkenn ich meine Pappenheimer“ und „Das ewig Gestrige“. Aus dem Lied von der Glocke kommen „Da werden Weiber zu Hyänen“ und „Doch der Segen kommt von oben“. Die Ballade Der Taucher lieferte „Da unten aber ist’s fürchterlich“, Der Handschuh „Den Dank, Dame, begehr ich nicht“.

Aus Shakespeare stammen unter anderem „Das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde“, „Der Rest ist Schweigen“, „Die ganze Welt ist ein Theater“ und „Der braucht einen langen Löffel, der mit dem Teufel isst“. Aus moderner Literatur kommen etwa Brechts „Die im Dunkeln sieht man nicht“, „Die Mühen der Ebene“, „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ und „Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so“. Viele dieser Zitate werden heute losgelöst vom ursprünglichen Werk gebraucht, behalten aber eine erkennbare Grundbedeutung.

Bibel, Antike und Philosophie

Mehrere Wendungen gehen auf die Bibel zurück. „Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist“ stammt aus dem Evangelium nach Matthäus und bedeutet heute, seine Pflicht gegenüber der Obrigkeit zu erfüllen. „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen“ stammt aus dem Buch Ijob und drückt eine resignierte Annahme des Schicksals aus. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ findet sich in 5 Mos 8,3 und Mt 4,4. „Den Reinen ist alles rein“ steht im Brief an Titus. „Die Ersten werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein“ stammt aus dem Evangelium nach Matthäus. Auch „Das Land, wo Milch und Honig fließt“ ist ein alttestamentliches Bild für Überfluss.

Aus der Antike kommen viele lateinische oder griechische Formeln. „De gustibus non est disputandum“ bedeutet „Über Geschmack soll man nicht streiten“. „De mortuis nil (= nihil) nisi bene“ bedeutet sinngemäß, über Tote nicht schlecht zu sprechen. „Do ut des“ heißt „Ich gebe, damit du gibst“ und bezeichnet ein Gegenseitigkeitsprinzip. „Deus ex machina“ bedeutet „Gott aus der Maschine“ und bezeichnet ursprünglich das überraschende Eingreifen einer Gottheit durch Bühnenmaschinerie in der antiken Tragödie; heute meint es oft eine Lösung von außen.

Philosophische Zitate sind ebenfalls wichtig. Heraklit prägte den Gedanken „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“. Von Karl Marx stammen „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ als Verkürzung von „Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt“ sowie die elfte Feuerbachthese: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.“ Kant steht hinter dem Ausdruck „Ding an sich“. Hegel schrieb: „Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug“, womit gemeint ist, dass Erkenntnis oft erst im Rückblick möglich wird. Pascal formulierte „Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt“ und „Der Mensch ist weder Engel noch Tier …“.

Politik, Geschichte und Gesellschaft

Viele geflügelte Worte entstanden in politischen und historischen Situationen. „Der Feind steht rechts“ sagte Reichskanzler Joseph Wirth nach der Ermordung Walther Rathenaus am 24. Juni 1922 im Reichstag. „Deutschland, einig Vaterland“ stammt aus der DDR-Hymne Auferstanden aus Ruinen und wurde 1989 während der Wende wieder besonders präsent. „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“ wurde 1989 von Erich Honecker aufgegriffen und wirkte damals wie eine starre Durchhalteparole. „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ stammt aus Louis Fürnbergs Lied der Partei von 1950.

Aus der deutschen Geschichte und Erinnerungskultur stammen besonders belastete oder mahnende Sätze. „Die Fahne hoch!“ ist der Beginn des Horst-Wessel-Lieds, eines Kampflieds der SA und später einer Parteihymne der NSDAP; seine Verwendung ist in Deutschland nach § 86a StGB im Zusammenhang mit Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen strafrechtlich relevant. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist der erste Satz von Artikel 1 des Grundgesetzes und eine bewusste Reaktion auf die nationalsozialistische Missachtung der Menschenwürde. „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“ stammt aus Heinrich Heines Almansor und gilt auch wegen der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen als prophetisch.

Internationale Geschichte erscheint in Wendungen wie „Der Würfel ist gefallen“, bezogen auf Caesars Überschreiten des Rubikon am 10. Januar 49 v. Chr.; „Das ist die Sonne von Austerlitz!“, Napoleons Erinnerung an seinen Sieg vom 2. Dezember 1805; „Die Augen der Welt sind auf euch gerichtet“, Eisenhowers Befehl zur Landung in der Normandie am 6. Juni 1944; und „Der Lotse geht von Bord“, die deutsche Wiedergabe der Punch-Karikatur Dropping the Pilot zur Entlassung Otto von Bismarcks 1890. Umstrittene oder unsichere Zuschreibungen nennt der Artikel ebenfalls, etwa bei „Der Staat bin ich“, das Ludwig XIV. zugeschrieben wird, dessen genaue Überlieferung aber zweifelhaft ist.

Alltagssprache, Werbung und Popkultur

Zahlreiche Wendungen stammen aus Alltag, Werbung, Film, Liedern und Comics. „Da weiß man, was man hat … Guten Abend!“ war ab 1969 ein Volkswagen-Slogan und wurde ab 1973 auch für Persil benutzt. „Da werden Sie geholfen!“ stammt aus Telegate-Werbespots von 1997 mit Verona Pooth und wurde wegen der bewusst fehlerhaften Grammatik kultig. „Denn eins ist sicher: die Rente“ war ein Wahlplakat-Slogan des Arbeitsministers Norbert Blüm von 1986 und wurde später oft parodiert.

Aus Film und Unterhaltung stammen „Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ aus Casablanca von 1942, „Das Imperium schlägt zurück“ als deutscher Titel des Star-Wars-Films The Empire strikes back von 1980, „Das große Fressen“ als deutscher Titel des französischen Films La grande bouffe von 1973, „Der Mörder ist immer der Gärtner“ aus einem Lied von Reinhard Mey und „Die spinnen, die Römer!“ aus Asterix. „Don’t worry, be happy!“ wurde durch Bobby McFerrins Hit von 1988 bekannt und geht im Artikel zugleich auf Meher Baba zurück.

Sportliche und alltägliche Sprüche sind ebenfalls vertreten. Sepp Herberger wird „Der Ball ist rund“ und „Das nächste Spiel ist immer das schwerste Spiel!“ zugeschrieben; „Das Runde muss in das Eckige“ wird im Artikel dagegen auf Helmut Schulte zurückgeführt. „Dabei sein ist alles“ wird oft als olympischer Gedanke bezeichnet, obwohl das offizielle olympische Motto Citius, altius, fortius lautet. Alltagssprachliche Wendungen wie „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“, „Die Gelegenheit beim Schopf fassen“, „Dreimal umgezogen ist so gut wie einmal abgebrannt“, „Das Leben ist kein Ponyhof“ oder „Die Seele baumeln lassen“ erklären typische Situationen: Überforderung durch Details, Nutzen einer günstigen Gelegenheit, Verluste beim Umzug, Warnung vor naiven Erwartungen und Erholung vom Alltag.

Typische Bedeutungsverschiebungen

Der Artikel macht deutlich, dass viele geflügelte Worte ihre Bedeutung verändern. „Daran erkenn ich meine Pappenheimer“ ist bei Schiller ursprünglich anerkennend gemeint, wird heute aber meist augenzwinkernd für bekannte Schwächen benutzt. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan“ lautet bei Schiller eigentlich „Der Mohr hat seine Arbeit getan“ und wird heute meist für jemanden verwendet, der nach erledigter Aufgabe nicht mehr gebraucht wird. „Der wahre Jakob“ meint das Richtige oder lange Gesuchte, hat aber mehrere Erklärungsmöglichkeiten, etwa den Apostel Jakobus oder den biblischen Jakob.

Manche Wendungen haben mehrere Herkunftserklärungen. „Da beißt die Maus keinen Faden ab“ wird unter anderem mit Äsops Fabel Der Löwe und das Mäuschen, dem Gertrudentag am 17. März und früheren Aufbewahrungspraktiken für Nahrungsmittel verbunden; die Bedeutung ist: etwas ist unumstößlich. „Da liegt der Hase im Pfeffer“ bedeutet „da liegt das Problem“; der Artikel nennt historische Erklärungen über Pfefferbrühe, eine mögliche Jägersprache-Deutung und weitere, teils nicht hinreichend belegte Interpretationen. „Da liegt der Hund begraben“ bezeichnet den Kern einer Sache, könnte aber entweder auf einen tatsächlich begrabenen Hund in Winterstein oder auf mittelhochdeutsch hunde für Beute oder Schatz zurückgehen.

Einige Einträge markieren bewusst falsche Zuschreibungen oder unsichere Überlieferungen. „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ geht auf Gottfried Benn zurück, wird aber häufig fälschlich Karl Kraus, Bertolt Brecht oder Kurt Tucholsky zugeschrieben. „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder“ erscheint bei Georg Büchner, beruht aber auf letzten Worten Pierre Vergniauds. „Die Garde stirbt und ergibt sich nicht“ wird Pierre Cambronne zugeschrieben, obwohl er den Ausspruch bestritt. Solche Beispiele zeigen, dass geflügelte Worte nicht nur sprachliche Formeln sind, sondern auch Erinnerungsstücke, deren Herkunft, Wortlaut und Bedeutung geprüft werden müssen.

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