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Meike Spitzner
Meike Annamarie Spitzner (* 17. Juni 1957 in Köln) ist eine deutsche Verkehrswissenschaftlerin, die eine der Begründerinnen der feministischen …
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Bedeutung und Forschungsschwerpunkte
Meike Annamarie Spitzner (* 17. Juni 1957 in Köln) ist eine deutsche Verkehrswissenschaftlerin und eine der Begründerinnen der feministischen Verkehrsforschung in Deutschland. Außerdem arbeitet sie in der feministischen Nachhaltigkeitsforschung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, wie Verkehr, Energie- und Klimapolitik ökologisch tragfähig und zugleich geschlechtergerecht gestaltet werden können.
Besonders wichtig sind ihre Forschungen zur Verkehrsvermeidung und zur Mobilität in der Reproduktionsarbeit. Reproduktionsarbeit umfasst hier die Tätigkeiten, die für Versorgung und Alltag notwendig sind. Spitzner untersuchte als Erste systematisch die damit verbundene Mobilität. Weitere Schwerpunkte sind die „Krise der Versorgungsökonomie“, die Nahverkehrsplanung, Genderfragen in Forschung und Politik sowie eine sozial-ökologische Suffizienzpolitik. Suffizienz bezeichnet dabei eine Politik, die den Bedarf und Verbrauch von Ressourcen verringern soll.
Ausbildung und verkehrspolitische Arbeit
Nach dem Abitur am Kölner Genoveva-Gymnasium studierte Spitzner ab 1975 an der Universität zu Köln zunächst Mathematik und Geschichte, später Sozialwissenschaften und Geschichte für das Lehramt. Bereits während ihres Studiums arbeitete sie von 1975 bis 1984 als Hilfskraft bei der Bundesanstalt für Straßenwesen und anschließend von 1984 bis 1987 beim Ingenieurbüro Steuerwald, Schönharting.
Von 1988 bis 1990 war sie bei der Bundestagsfraktion der Grünen beschäftigt. Dort koordinierte sie die Bereiche Raumordnung, Städtebau, Wohnungspolitik und Verkehr. Sie verantwortete unter anderem die Große Anfrage „Emanzipation vom Auto – das Recht der Frauen auf eine Verkehrswende“ und bündelte die zivilgesellschaftliche Opposition gegen den Transrapid.
Spitzner war zudem Koordinatorin des 1989 gegründeten bundesweiten Netzwerks „Frauen in Bewegung“. Von 1988 bis 1998 gehörte sie zu den drei Sprechern der Bundesarbeitsgemeinschaft Verkehr von Bündnis 90/Die Grünen.
Arbeit am Wuppertal Institut
1991 holte Ernst Ulrich von Weizsäcker Spitzner an das damals im Aufbau befindliche Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Ab 1993 leitete sie dort den Arbeitsbereich „Feministische Ansätze zur Verkehrsvermeidung“. Sie entwickelte Hilfestellungen und Maßnahmen für eine ökologisch verträgliche Mobilität in Stadtregionen und betrachtete Verkehrsvermeidung aus einer gleichstellungsorientierten Perspektive.
Dabei analysierte sie die Mobilität, die durch Reproduktionsarbeit entsteht, und richtete ihre Forschung zunehmend auf die „Krise der Versorgungsökonomie“. Sie erarbeitete dazu theoretische Ansätze und politische Lösungsstrategien. Außerdem untersuchte sie, wie die Grundlagen und Verfahren der Nahverkehrsplanung verbessert werden können.
Nach einer Umstrukturierung des Instituts und der Auflösung der bisherigen Verkehrsabteilung im Jahr 2003 wurde Spitzner wissenschaftliche Koordinatorin für Gender in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik. Ihre Arbeit umfasste nun zusätzlich Energiefragen, Stadtumbau und internationale Klimapolitik.
Genderresponsive Forschung und Beratung
Spitzner wirkte an der Weiterentwicklung des Gender Impact Assessment mit. Dieses wissenschaftliche Analyse- und Politikinstrument untersucht, wie sich Maßnahmen auf unterschiedliche Geschlechter auswirken. Sie beschäftigte sich außerdem mit genderresponsiven Ansätzen, die Geschlechterverhältnisse in Forschung, Planung und Politik gezielt berücksichtigen sollen. Damit verband sie das Ziel, den Androzentrismus zu überwinden, also die Ausrichtung von Erkenntnissen und Entscheidungen an einer vorwiegend männlichen Perspektive.
2018 berief die Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission sie als Expertin in die Horizon-2020-Expertise-Gruppe „Gendered Innovations / Innovation through Gender“. Bis 2020 leitete sie dort die „Subgroup 3 Climate Change, Energy, Environment, Agriculture“. Seit 2024 berät sie über ihr unabhängiges Büro „genderrespo: Verkehr, Klima, Energie – genderresponsiv“.
Ihr wissenschaftlicher Vorlass wurde 2024 in das Archiv des FrauenMediaTurms in Köln beziehungsweise in das Archiv Grünes Gedächtnis bei der Heinrich-Böll-Stiftung aufgenommen.
Zentrale Themen der Veröffentlichungen
Spitzners Schriften behandeln vor allem die Zusammenhänge zwischen Geschlechterverhältnissen, Mobilität, Versorgung, Energie und Klima. Frühe Arbeiten beschäftigen sich mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Autos, der Forderung nach einer sozialen, ökologischen und feministischen Verkehrswende sowie mit der Bewegungsfreiheit von Frauen in der kommunalen Verkehrsplanung.
Weitere Veröffentlichungen untersuchen strukturelle Verkehrsvermeidung, die Beteiligung von Frauen an Verkehrswissenschaft, Verkehrsplanung und Verkehrspolitik sowie die Regionalisierung des öffentlichen Nahverkehrs. 1999 erschien mit Ute Beik eine umfangreiche Untersuchung zur „Reproduktionsarbeitsmobilität“, die deren theoretische und empirische Erfassung, Entwicklung, ökologische Dimensionen und mögliche Handlungsstrategien behandelt. Im selben Jahr veröffentlichte Spitzner einen feministisch-ökologischen Theorieansatz zur Krise der Reproduktionsarbeit als Herausforderung eines öko-sozialen Strukturwandels.
Spätere Arbeiten befassen sich unter anderem mit Gender Mainstreaming in der Stadtentwicklungspolitik des Bundes, einer Genderanalyse des öffentlichen Personennahverkehrs, der geschlechtlichen Dimension globaler Erwärmung und einer nachhaltigen Grundsicherung. Gender Mainstreaming bedeutet, die Auswirkungen auf verschiedene Geschlechter bei politischen Vorhaben grundsätzlich mitzudenken.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Energiesuffizienz und Klimapolitik. Dazu gehören Untersuchungen zur Veränderung von Energiebedarf, Versorgungsökonomie und Geschlechterverhältnissen, zur Verringerung des Stromverbrauchs von Haushalten sowie zu miteinander verbundenen Genderaspekten der Klimapolitik. Veröffentlichungen von 2020 bis 2025 behandeln geschlechtergerechte und transformative Klimapolitik, emanzipative Suffizienz-Perspektiven sowie die Frage, wie Androzentrismus eine klimarelevante Verkehrswende behindert. Der Beitrag „Gender – Verkehr – Klima. Strategien zur Transformation“ erschien 2025.