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Meghalaya
Die Hauptrolle spielt dabei der Wander-Feldbau (shifting cultivation), der mit der Brandrodung (jhumming) einer Waldfläche beginnt, um ein Feld für ihren …
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Überblick und Lage
Meghalaya ist ein Bundesstaat im Nordosten Indiens. Er wurde am 21. Januar 1972 gegründet, umfasst 22.429 km² und hatte laut Volkszählung 2011 knapp 3 Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Shillong, das auf etwa 1500 m Höhe liegt und 2011 rund 143.000 Einwohner hatte. Khasi, Garo und Englisch dienen als Amtssprachen.
Der Bundesstaat erstreckt sich ungefähr 300 km von Ost nach West und 100 km von Nord nach Süd. Im Norden und Osten grenzt er an Assam, im Süden und Westen über etwa 443 km an Bangladesch. Meghalaya besteht überwiegend aus Berg- und Hügelland mit Schluchten und kleinen Tälern. Die Höhen reichen von 150 bis 1950 m. Im Norden bildet das Tal des Brahmaputra eine geografische Begrenzung, im Süden die Ebene des Surma in Bangladesch.
Klima, Wälder und Artenvielfalt
Das gemäßigte, stark von Höhenlage und Monsun beeinflusste Klima gliedert sich in Frühling, Sommer beziehungsweise Monsunzeit, Herbst und Winter. Der Südwest-Monsun dauert meist von der dritten Maiwoche bis Ende September, manchmal bis Mitte Oktober. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt im Westen 2600 mm, im Norden 2500 bis 3000 mm und im Südosten 4000 mm. An den Südhängen der Khasi Hills liegen einige der regenreichsten Gebiete der Erde. Cherrapunji, auch Sohra genannt, verzeichnet durchschnittlich 12.000 mm Niederschlag pro Jahr.
Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Monsunwäldern: tropischen Tiefland-Regenwäldern zwischen 30 und 300 m, subtropischen Feuchtwäldern zwischen 300 und 1100 m sowie Wäldern der gemäßigten Höhenstufe bis 1900 m, darunter örtliche Nebelwälder. Bambuswälder bedecken 14 % der Landesfläche. Nur 12 % der bewaldeten Flächen sind in staatlichem Besitz.
Meghalaya gehört zum Biodiversitäts-Hotspot Indo-Myanmar. Die WWF-Ökoregion „Meghalaya Subtropical Forests“ gilt als eine der artenreichsten Asiens. Hier wachsen unter anderem Hunderte Orchideenarten, ursprüngliche Reis-, Bananen- und Zitrusarten sowie Nepenthes khasiana, die einzige Kannenpflanze Indiens. 850 Heilpflanzen sind erfasst; mehr als 370 werden von etwa drei Vierteln der Bevölkerung regelmäßig als Volksmedizin genutzt. Nachgewiesen wurden 139 Säugetier-, 659 Vogel-, 107 Reptilien- und 152 Fischarten. Zu den Säugetieren gehören Asiatischer Elefant, Königstiger, Nebelparder und Weißbrauen-Gibbon.
Die Natur ist stark gefährdet. Nach Angaben des WWF sind zwei Drittel der Ökoregion entwaldet oder geschädigt; sieben staatliche Schutzgebiete umfassen weniger als 1 % der Ökoregion. Das Wildlife Institute of India bezifferte 2017 dagegen sämtliche geschützten Flächen verschiedener Kategorien auf 6 % der Staatsfläche. Ursachen der Schädigung sind unter anderem Entwaldung, Bergbau und Infrastruktur. Auch mehr als 100 heilige Wälder der Khasi können den Aufforstungsbedarf nur zu einem kleinen Teil decken.
Bevölkerung, Sprachen und Religionen
Die Volkszählung 2011 nennt 2.966.889 Einwohner; an anderer Stelle wird die gerundete beziehungsweise leicht abweichende Zahl 2.964.007 angegeben. Etwa 20 % der Bevölkerung lebten in Städten. Mit 132 Einwohnern je km² war Meghalaya deutlich dünner besiedelt als Indien insgesamt mit 382 Einwohnern je km². Rund 86,1 % oder 2.555.861 Menschen gehörten zu einem der 17 staatlich anerkannten Stammesvölker, den Scheduled Tribes.
Die größten Bevölkerungsgruppen waren die Khasi mit 1.411.775 Angehörigen beziehungsweise 47,6 % und die Garo mit 821.026 beziehungsweise 27,7 %. Die Khasi leben vor allem im mittleren und östlichen, die Garo im westlichen Drittel. Kleinere Gruppen sind unter anderem Hajong, Raba, Koch, Karbi und Synteng.
Khasi wurde laut Zensus 2001 von 47,0 % gesprochen und gehört zu den Mon-Khmer-Sprachen der austroasiatischen Sprachfamilie. Garo erreichte 31,4 % und gehört zu den tibetobirmanischen Sprachen. Weitere tibetobirmanische Sprachen sind Maram, Rabha und Koch. Unter der nicht indigenen Bevölkerung sind besonders Bengali mit 8,0 %, Nepali mit 2,3 %, Hindi mit 2,2 %, Marathi mit 1,7 % und Assamesisch mit 1,6 % verbreitet.
Meghalaya ist neben Mizoram und Nagaland einer der drei indischen Bundesstaaten mit christlicher Bevölkerungsmehrheit. 2011 waren 74,59 % Christen, 11,53 % Hindus und 4,40 % Muslime. Weitere 8,71 % wurden unter „andere Religionen und Überzeugungen“ geführt. Dazu zählen besonders die indigenen Religionen Niam Khasi, Niamtre und Songsarek. Die starke Verbreitung des Christentums geht wesentlich auf baptistische und andere Missionen zurück. 9.089 Menschen beziehungsweise 0,29 % wurden als Atheisten erfasst.
Matrilineare Gesellschaft und soziale Kennzahlen
Meghalaya gilt als weltweit einziger Bundesstaat mit einer offiziell matrilinearen Gesellschaft. Matrilinearität bedeutet, dass Abstammung, Familienname und Clanzugehörigkeit über die Mutter weitergegeben werden. Dieses System prägt besonders Khasi und Garo, die 2011 zusammen 75,3 % der Bevölkerung stellten. Land und Vermögen werden von Frauen für die Familie verwaltet und meist an Töchter vererbt. Bei den Khasi erbt bevorzugt die jüngste Tochter, bei den Garo die älteste. Dennoch sind politische und dörfliche Leitungsämter traditionell häufig männlich besetzt. Deshalb beschreibt die Bezeichnung „Land der Frauen“ die tatsächliche Machtverteilung nur unvollständig.
Viele Khasi-Ehemänner ziehen zur Ehefrau und deren Mutter; dies heißt Matrilokalität. Bei den Garo gründen Ehepaare häufig einen neuen Haushalt. Der Bruder der Mutter und andere männliche Verwandte übernehmen wichtige soziale und offizielle Aufgaben innerhalb der Familie.
2011 kamen in Meghalaya 989 Frauen auf 1000 Männer, gegenüber 943 in Indien. Bei Kindern unter sechs Jahren waren es 970 Mädchen je 1000 Jungen, gegenüber 914 indienweit. Bei den Khasi lag das Verhältnis insgesamt bei 1033 Frauen, bei den Garo bei 988.
Die Alphabetisierungsrate, also der Anteil der Lesefähigen ab sechs Jahren, betrug 2011 in Meghalaya 74,4 % und damit etwas mehr als der indische Wert von 73,0 %. Bei Frauen waren es 72,9 %, bei Männern 76,0 %. Unter den Khasi lag die Rate bei 77,0 %; Frauen erreichten dort mit 78,5 % einen höheren Wert als Männer mit 75,5 %. Bei den Garo betrug sie 71,8 %.
Der Human Development Index (HDI) verbindet Lebenserwartung, Bildung und Kaufkraft. Für Meghalaya werden wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden teils abweichende Werte genannt: Für 2006 berechneten die Vereinten Nationen 0,543, während die indische Unionsregierung 0,629 angab. 2017 lag der HDI bei 0,650. Beim India Female Empowerment Index erreichte Meghalaya 2015 mit 0,69 den zweiten Rang unter den untersuchten indischen Bundesstaaten und Unionsterritorien.
Wirtschaft und Umweltprobleme
Die 17 anerkannten Stammesvölker betreiben traditionell vor allem Subsistenzwirtschaft, also Landwirtschaft zur Selbstversorgung. Bedeutend ist der Wanderfeldbau: Waldflächen werden durch Brandrodung, örtlich „jhumming“ genannt, für den Anbau vorbereitet und später gewechselt. Diese Wirtschaftsweise führte zusammen mit dem starken Bevölkerungswachstum zu Entwaldung, Bodenerosion und Bodendegradation. Die Bevölkerung stieg von 1,33 Millionen im Jahr 1981 auf rund 3 Millionen im Jahr 2011.
82 % der Häuser befanden sich in Eigenbesitz, während 16 % vermietet wurden. Dorfbewohner besitzen gleichberechtigte Nutzungsrechte am Gemeinschaftsland. Die offizielle Arbeitslosenquote lag bei 4,8 %. 2012 lebten 11,9 % unter der Armutsgrenze, verglichen mit 21,9 % in ganz Indien. Als Grenze galten in Meghalaya monatlich 890 Rupien auf dem Land und 1150 Rupien in Städten.
Meghalaya besitzt bedeutende Vorkommen an Steinkohle, Kalkstein, Kaolin, Uran und Sillimanit; 95 % der indischen Sillimanitvorkommen liegen dort. Der Abbau erfolgt häufig kleinteilig im sogenannten Rattenlochbergbau. Dabei bestehen teilweise ungesetzliche und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen. Bergbau, Infrastruktur und Landwirtschaft tragen zugleich zur Schädigung der artenreichen Wälder bei.
Geschichte, Politik und Verwaltung
Unter britischer Herrschaft wurden die Garo- und Jaintia-Berge direkt kontrolliert, während sich die Khasi-Berge weitgehend selbst verwalteten. Nach der indischen Unabhängigkeit 1947 kamen die Gebiete als Garo Hills und United Khasi and Jaintia Hills zu Assam. Die indische Verfassung von 1950 gewährte Stammesgebieten besondere Selbstverwaltungsrechte und ermöglichte ihre spätere Erhebung zu eigenen Bundesstaaten.
Der Assam Official Language Act von 1960 sollte Assamesisch zur alleinigen Verwaltungssprache Assams machen. Dagegen gründeten Vertreter der Bergvölker die All Party Hill Leaders’ Conference und forderten einen eigenen Bundesstaat. Ab 1967 blieb Englisch in den Stammesgebieten Amtssprache, doch die Unabhängigkeitsforderung bestand fort. Am 2. April 1970 wurde Meghalaya zunächst ein autonomer Staat innerhalb Assams. Am 21. Januar 1972 entstand der vollwertige Bundesstaat mit Shillong als Hauptstadt. Im Unterschied zu mehreren Nachbarstaaten blieb Meghalaya weitgehend von schweren ethnischen Konflikten verschont.
Das Parlament, die Meghalaya Legislative Assembly, besitzt eine Kammer mit 60 Abgeordneten. Sie werden alle fünf Jahre in Einpersonenwahlkreisen nach relativem Mehrheitswahlrecht gewählt. Das Parlament bestimmt den Chief Minister als Regierungschef. Der indische Präsident ernennt den Gouverneur, der den Chief Minister einsetzt und mit der Regierungsbildung beauftragt. Seit 2012 ist der Meghalaya High Court in Shillong das höchste Gericht des Bundesstaats. Meghalaya entsendet zwei Abgeordnete in die Lok Sabha und einen in die Rajya Sabha.
Die Parteienlandschaft ist stark zersplittert. Von 1972 bis 2018 gab es 20 Regierungen mit einer durchschnittlichen Amtsdauer von 2,3 Jahren. Bei der Wahl 2018 gewann die Kongresspartei 21 Sitze, die National People’s Party 20 und mehrere kleinere Parteien die übrigen Mandate. Conrad Sangma von der NPP wurde am 6. März 2018 als Leiter einer Mehrparteienkoalition Chief Minister.
Zur Distriktzahl enthält der Artikel unterschiedliche Zeitstände: Der Abschnitt zur aktuellen Einteilung nennt 11 Distrikte nach den Neugründungen von 2012. Die historische Übersicht verzeichnet jedoch zusätzlich die Bildung von Eastern West Khasi Hills am 10. November 2021 und kommt damit auf 12 Distrikte. Bei der Staatsgründung 1972 bestanden zunächst nur Garo Hills und United Khasi and Jaintia Hills.