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Biodiversitäts-Hotspot
2,3 % der weltweiten Landfläche beherbergen 50 % aller Pflanzenarten, 55 % aller Süßwasserfischarten und 77 % (22.022) aller Landwirbeltiere. Ausgehend von der …
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Bedeutung und Verbreitung
Biodiversitäts-Hotspots, auch Brennpunkte der Biodiversität, sind Regionen mit besonders vielen endemischen Pflanzen- und Tierarten. Endemisch bedeutet, dass eine Art nur in einem bestimmten Gebiet vorkommt. Gleichzeitig ist die Natur dieser Regionen in besonderem Maß bedroht. Hotspots sind daher für den weltweiten Artenschutz wichtig: Mit begrenzten Mitteln sollen möglichst viele gefährdete Arten und Lebensräume geschützt werden.
Die meisten Hotspots liegen in der Nähe des Äquators. Die Länder mit Hotspots bedecken weniger als 10 % der Erdoberfläche, beherbergen aber 70 % der weltweiten Fülle des Lebens. Die 36 benannten Hotspot-Regionen umfassen zusammen nur 2,5 % der gesamten Landfläche. Ursprünglich bedeckten die 35 Hotspots 15,7 % der Landoberfläche; 86 % ihrer Lebensräume wurden jedoch durch Menschen zerstört.
Auf 2,3 % der weltweiten Landfläche leben 50 % aller Pflanzenarten, 55 % aller Süßwasserfischarten und 77 % beziehungsweise 22.022 aller Landwirbeltiere. Als Landwirbeltiere werden Wirbeltiere bezeichnet, die an Land leben, etwa Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien. 43 % aller Landwirbeltiere und 50 % der weltweiten Flora kommen nur in den 36 Hotspots vor. Die Gesamtzahl aller dort vorkommenden Arten wird höher geschätzt, als es die beobachtete Zahl der Landwirbeltiere erkennen lässt. Ein verwandtes Konzept ist die Megadiversität, die jedoch nicht auf die Gefährdungslage bezogen ist.
Entstehung des Konzepts
Naturschutzbiologen stellten fest, dass es Regionen mit besonders hoher Dichte endemischer Arten gibt, meist in Äquatornähe. Die Biologen Russell Mittermeier und Norman Myers entwickelten das Hotspot-Konzept Ende der 1980er Jahre. Es sollte beantworten, welche Gebiete für den Artenschutz besonders wichtig sind, damit Naturschutzmaßnahmen weltweit gezielt gebündelt werden können.
Mittermeier untersuchte zunächst Primatenschutzprogramme und stellte fest, dass vier Länder zwei Drittel aller Primatenarten beherbergen. Danach bezog er weitere Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Pflanzen und ausgewählte Insektengruppen ein. Den Begriff „Biodiversität-Hotspot“ prägte Myers 1988.
Als Grundlage dienten vor allem Pflanzenarten: Sie lassen sich vergleichsweise weniger aufwändig bestimmen und erfassen, und von Pflanzenvorkommen hängt die Vielfalt anderer Arten ab. Myers ordnete Regionen nach zwei Merkmalen ein: Pflanzen-Endemismus und Lebensraumverlust. 1990 ergänzte er acht Hotspots, darunter vier Gebiete mit mediterranem Klima. Conservation International überarbeitete 1996 die Liste der besonders schutzbedürftigen Hotspots.
Kriterien und regionale Verteilung
Conservation International legte zwei strikte Kriterien fest. Eine Region muss erstens mindestens 1.500 endemische Arten von Gefäßpflanzen besitzen; das entspricht mehr als 0,5 % der Summe aller Gefäßpflanzenarten der Erde. Gefäßpflanzen sind Pflanzen mit Leitgewebe für Wasser und Nährstoffe. Zweitens müssen die Pflanzenarten dort bereits 70 % ihres ursprünglichen Habitats verloren haben. Habitat bedeutet Lebensraum.
1999 wurden nach diesen Kriterien 25 Biodiversitäts-Hotspots identifiziert; 2005 erschien eine aktualisierte Darstellung. Die Kriterien sind in der Fachwelt umstritten. Diskutiert wird unter anderem, ob die Bedrohung der Biodiversität Teil der Definition sein sollte. Auch die Einbeziehung anderer Organismengruppen oder von Tieren zusätzlich zu Pflanzen führt zu anderen Ergebnissen.
Die 36 Hotspots verteilen sich auf mehrere Weltregionen. In Nord- und Zentralamerika gehören dazu Mesoamerika, die Karibischen Inseln, Kalifornien, die subtropischen Bergwälder Mexikos und des Südwestens der USA sowie die Atlantische Küstenebene und Golfküstenebene Nordamerikas. In Südamerika liegen unter anderem die Tropischen Anden, Mata Atlântica, Tumbes-Chocó-Magdalena, Cerrado und der Valdivianische Regenwald.
In Afrika zählen beispielsweise Madagaskar und die Inseln des Indischen Ozeans, die Küstenwälder Ostafrikas, die Guineischen Wälder Westafrikas, Kapflora, Karoo, das Horn von Afrika und Eastern Afromontane dazu. In Europa und Zentralasien sind der Mittelmeerraum, Kaukasus, Iran-Anatolien und die Zentralasiatische Gebirgskette aufgeführt. Im Asien-Pazifik-Raum liegen unter anderem Sunda, Wallacea, die Philippinen, Hinterindien, Westghats und Sri Lanka, Himalaya, Japan, Neuseeland sowie Polynesien und Mikronesien.
Schutzstrategie
Nach der Identifizierung besonders artenreicher und stark gefährdeter Regionen wurden Schutzprogramme entwickelt. Das Hotspot-Konzept wird von weltweit tätigen Institutionen wie den MacArthur and Moore Foundations, der Weltbank und der Global Environment Facility verwendet. Viele NGOs arbeiten ebenfalls am Schutz dieser Gebiete. Bis 2003 wurden insgesamt 750 Millionen Dollar in die Umsetzung der Strategie investiert; dies wird als größte Summe bezeichnet, die jemals in ein Naturschutz-Projekt investiert wurde.
Die Strategie beruht darauf, dass Naturschützer wegen begrenzter Spendengelder nicht alle bedrohten Arten schützen können. Deshalb setzen sie Prioritäten: Das vorhandene Geld soll dort eingesetzt werden, wo der größte „Schutzwert“ erreicht werden kann. Da Hotspots häufig in sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungs- und Schwellenländern liegen, gehören logistische und finanzielle Unterstützung durch westliche Staaten und Organisationen meist zur Strategie. Zwölf Megadiversityländer schlossen 2002 im mexikanischen Cancún die Declaración de Cancún; bis 2003 traten zwei weitere Staaten bei.
Nationale Hotspots in Deutschland
Das Bundesamt für Naturschutz übernahm die Hotspot-Idee für die nationale Biodiversitätsstrategie. Anhand von Daten zu FFH-Lebensraumtypen und zum Vorkommen verschiedener Artengruppen wurden 30 Hotspots der Biodiversität in Deutschland bestimmt. FFH-Lebensraumtypen sind Lebensraumtypen im Zusammenhang mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Die deutschen Hotspots zeichnen sich durch eine besonders hohe Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräume aus.
Sie sind über ganz Deutschland verteilt und umfassen etwa 11 % der Landesfläche. Erhalten werden sollen die für den jeweiligen Naturraum typische Vielfalt von Landschaften, Lebensräumen und Lebensgemeinschaften sowie die natürlich und historisch entstandene Artenvielfalt. Für jeden Hotspot soll ein Konzept entstehen und beispielhafte Maßnahmen sollen umgesetzt werden. Langfristig sollen regionale Partnerschaften aus Städten und Gemeinden, Naturschutzakteuren sowie Wirtschafts- und Sozialpartnern die Gebiete sichern.