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Bodendegradation
Als Bodendegradation (auch Landdegradation, Landverödung) bezeichnet man die Verschlechterung der Ökosystemdienstleistungen des Bodens bis hin zu deren …
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Grundbegriff und Bedeutung
Bodendegradation, auch Landdegradation oder Landverödung genannt, bezeichnet die Verschlechterung der Ökosystemdienstleistungen des Bodens bis hin zu ihrem völligen Verlust. Ökosystemdienstleistungen sind Leistungen der Natur, die für Menschen und andere Lebewesen wichtig sind, zum Beispiel der Abbau von totem organischem Material, das Recycling von Nährstoffen und der Anbau von Feldfrüchten.
Bodendegradation kann natürlich entstehen, etwa durch Klimaveränderungen. Häufig ist sie aber vom Menschen verursacht, zum Beispiel durch Bewirtschaftung ohne Ausgleich der entnommenen Nährstoffe. Ackerbau mit Pflug und Kunstdüngersalzen gilt als Kernelement menschgemachter Bodendegeneration, weil dadurch Bodenleben und Humusbildung gestört werden können. Humus ist der fruchtbare organische Bestandteil des Bodens. Wenn Poren verschlossen werden, hält der Boden weniger Feuchtigkeit; nährstoffreicher Boden wird dann leichter ausgeschwemmt oder durch Wind und Trockenheit erodiert.
Nach Angaben des Zentrums für Entwicklungsforschung der Universität Bonn und des International Food Policy Research Institute in Washington hat sich in den letzten 30 Jahren global die Qualität von 33 % des Weidelands, 25 % der Ackerflächen und 23 % der Wälder verschlechtert. Von diesen Flächen sind 3,2 Milliarden Menschen abhängig.
Ausmaß des Problems
Bodendegradation ist ein globales Problem und kein neues Phänomen, hat aber in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Bereits 1997 zeigten 15 % der eisfreien Landoberfläche anthropogen verursachte Degradationserscheinungen, also Schäden durch menschliche Einwirkung. Diese Fläche war größer als die USA und Mexiko zusammen. Ein Prozent war damals schon so stark zerstört, dass eine Rückgewinnung des Bodens nicht mehr möglich war. 2008 lag die betroffene Fläche bereits bei 24 %.
Jährlich gehen ungefähr 24 Milliarden Tonnen Oberflächenboden verloren. Die dadurch degradierte Fläche entspricht ungefähr der Größe der Schweiz. Besonders stark betroffen ist Asien, wo bereits 39 % der Böden degradiert sind. Trockengebiete sind besonders gefährdet: Sie machen 40 % der Landfläche aus, und bei 70 % dieser Fläche zeigt sich bereits Bodendegradation.
Problematisch ist der schleichende Verlauf. Schäden werden oft erst spät bemerkt. Ein Landwirt kann in einer stark verregneten Nacht etwa 0,1 cm Boden verlieren; das entspricht 1,2 Tonnen Boden auf 1000 m². Nach 20 Jahren wären dadurch über 2 cm Boden unwiederbringlich verloren. Für die Neubildung dieser Bodenschicht würden fast 500 Jahre benötigt. Bezogen auf ein Menschenleben gilt Boden deshalb als nicht erneuerbare Ressource.
Ursachen
Wichtige Ursachen der Bodendegradation sind Eingriffe, die die Vegetationsdecke zerstören. Dazu gehören Abholzung, Brandrodung und Überweidung. Ohne schützende Pflanzendecke ist der Boden stärker Wind, Regen und Austrocknung ausgesetzt.
Eine weitere Ursache ist Misswirtschaft in der Landwirtschaft. Dazu zählen Monokulturen, also der wiederholte Anbau nur einer Pflanzenart, unzureichende Versorgung mit organischen Düngern, Gründüngung oder Gülle, übermäßiger Ackerbau an Hängen sowie intensive Bewässerung mit qualitativ minderwertigem Wasser. Wenn Ackerflächen unzureichend entwässert werden, kann dies zur Versalzung führen.
Auch chemische Belastungen tragen zur Degradation bei: intensive Verwendung anorganischer Düngemittel, Verschmutzung durch Industrie- und städtische Abfälle, Luftverschmutzung und Altlasten. Physische Schäden entstehen durch Zerstörung der Bodenstruktur, etwa durch Verdichtung mit Maschinen, große Nutztierbestände oder Menschen auf Trampelpfaden sowie durch Abtragung von Böden. Die Plaggenwirtschaft kann zwar sehr fruchtbaren Plaggenesch erzeugen, degradiert aber zugleich in erheblichem Ausmaß das Herkunftsgebiet der Plaggen.
Formen und Folgen
Grundsätzlich wird zwischen biologischer, chemischer und physikalischer Bodendegradation unterschieden.
Biologische Bodendegradation betrifft das Leben im Boden. Ein Verlust der Biodiversität, also der Vielfalt von Lebewesen, führt zum Rückgang des Lebendverbaus. Damit ist die Stabilisierung des Bodens durch lebende Organismen gemeint. Wenn sie abnimmt, steigt die Gefahr der Erosion.
Chemische Bodendegradation verändert die Stoffzusammensetzung des Bodens. Die Verarmung des Kohlenstoffpools im Boden verstärkt den CO₂-Gehalt der Luft. Änderungen des pH-Werts können den Boden unfruchtbar machen; dazu gehört die Bodenversauerung. Bodenversalzung verhindert die Wasseraufnahme der Pflanzen. Vergiftung durch anorganische und organische Schadstoffe tötet Organismen und kann das Grundwasser verunreinigen.
Physikalische Bodendegradation betrifft die Struktur des Bodens. Bodenverdichtung zerstört Bodenporen, also Hohlräume im Boden. Dadurch verlieren Bodenorganismen und Pflanzen Lebensraum, die Bodenatmung wird verringert, und Wasser kann nicht mehr aufgenommen werden. Bodenversiegelung kann Hochwasser fördern, weil Wasser nicht mehr in den Boden eindringen kann. Bodenschwund kann dazu führen, dass Landwirte den Boden nicht mehr nutzen können.
Gegenmaßnahmen und Projekte
Zur Bekämpfung der Bodendegradation gibt es sowohl technische und biologische Gegenmaßnahmen als auch große Projekte. Gegen chemische Degradation wird zunehmend Phytosanierung eingesetzt. Das ist eine biologische Sanierungstechnik, bei der Pflanzen Schadstoffe aus dem Boden filtern. Gegen Bodenversauerung wird großflächig Kalkung eingesetzt, um den pH-Wert wieder anzuheben.
Landwirtschaft in Agroforstsystemen schützt das Bodenleben und kann Bodendegradation verhindern. Agroforstsysteme verbinden landwirtschaftliche Nutzung mit Gehölzen oder Bäumen auf derselben Fläche.
Als große Projekte werden die Grüne Mauer Chinas der Volksrepublik China und die Grüne Mauer im Sahel der Afrikanischen Union genannt. Beide Projekte wurden getrennt gestartet und sollen die fortschreitende Bodendegradation bekämpfen. Außerdem gründete der indische Yogi und Mystiker Sadhguru 1998 in Tamil Nadu die Save Soil Bewegung, um degradierte Böden wieder zu begrünen.
Soziale Folgen und Europa
Bodendegradation gefährdet weltweit die Ernährungsgrundlage. Bereits 20 % der von Menschen landwirtschaftlich genutzten Flächen zeigen Degradationserscheinungen. 2016 war ein Drittel der Agrarfläche weltweit mit rund 3,2 Milliarden abhängigen Menschen von signifikanter Bodendegradierung betroffen. Zugleich sind nur 11 % der Landfläche uneingeschränkt landwirtschaftlich nutzbar. Der größte Teil ist zu trocken (23 %), 10 % sind chemisch unausgeglichen, 6 % zu feucht, 6 % Permafrostböden; beim restlichen Land ist der Boden nicht tiefgründig genug für Landwirtschaft. Direkt betroffen sind 1,5 Milliarden Menschen.
In den folgenden 25 Jahren wird mit Einbußen in der Nahrungsmittelproduktion zwischen 15 und 35 % gerechnet. In ärmeren Regionen können Ernteausfälle durch degradierte Böden oft nicht durch verbesserte Nutzpflanzen abgefedert werden; das kann zu Massenmigrationen führen. Für die nächsten 10 bis 20 Jahre werden für globale Umweltveränderungen, darunter Desertifikation und Bodendegradation, ökonomische Schäden von 5 Billionen US-Dollar erwartet. Bodendegradation stört außerdem biogeochemische Stoffkreisläufe, zum Beispiel den Wasserkreislauf, und verringert die Funktion des Bodens als Speicher für Treibhausgase, was den Klimawandel verstärkt.
In Europa liegt der Anteil degradierter Fläche mit elf Prozent unter dem globalen Durchschnitt, doch einzelne Regionen sind stark betroffen. Wegen der Besiedlungsdichte ist Bodenverdichtung besonders problematisch; in der Ukraine sind etwa 40 % der Böden verdichtet. In Deutschland sind über 30.000 km² Boden degradiert, mehr als neun Prozent der Gesamtfläche; ein Beispiel ist die Lieberoser Wüste. Im mediterranen Raum sind 157 Millionen Hektar durch Bodenerosion gefährdet und weitere vier Millionen durch Bodenversalzung. In dicht besiedelten westlichen Staaten wie Belgien und Dänemark sind bereits 16 bis 20 % der Fläche versiegelt. Giftstoffe im Boden sind europaweit ein Problem, weil sie auch ins Grundwasser gelangen; in Polen zeigen durch Verschmutzungen bereits 35 % der Landfläche Versauerungserscheinungen.