Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Beschaffungsmarktforschung
Preisanalyse (Vergleich von vorangegangenen zu aktuellen Preisen),; Kostenanalyse (Zerlegung der Objektkosten in Kostenelemente),; Make or buy – Analyse …
Inhalt6 Abschnitte
Gegenstand und Bedeutung
Beschaffungsmarktforschung ist ein Teilgebiet der Marktforschung. Sie untersucht die Beschaffungsmärkte für Rohstoffe, Halb- und Fertigerzeugnisse, Vorprodukte und Produktionsmittel.
In Anlehnung an Grün bezeichnet sie die systematische Ermittlung der Lieferantenstruktur anhand aller relevanten Merkmale. Dazu gehören das Produktionsprogramm oder Sortiment, Marktpreise und Konditionen, die lieferbare Menge je Zeiteinheit sowie das Know-how der Lieferanten. Außerdem werden Informationen über aktuelle und potenzielle Beschaffungsmärkte gesammelt und aufbereitet.
Ziel ist es, die Markttransparenz zu erhöhen. Markttransparenz bedeutet, dass die für Beschaffungsentscheidungen wichtigen Strukturen, Preise, Qualitäten, Liefermöglichkeiten und Entwicklungen besser erkennbar sind. Dadurch lassen sich beschaffungsrelevante Entwicklungen frühzeitig erkennen, passende Beschaffungsentscheidungen treffen und die Beschaffungsstruktur optimieren.
Für Handelsunternehmen und Verbundgruppen des Handels ist die Beschaffungsmarktforschung wegen der hohen Komplexität ihrer Sortimente besonders wichtig. Sie müssen die Entwicklungen ihres Beschaffungsmarktes, Absatzmarktes, Konkurrenzmarktes und internen Marktes berücksichtigen. Neben der Struktur tatsächlicher und potenzieller Lieferanten soll auch deren Verhalten systematisch vergleichend, möglichst permanent und psychotaktisch abgesichert ermittelt werden.
Untersuchungsobjekte
Zentrale Untersuchungsobjekte der Beschaffungsmarktforschung sind:
- die zu beschaffenden Einsatzgüter;
- die Angebotsstruktur auf den Beschaffungsmärkten;
- die wirtschaftliche und technische Leistungsfähigkeit aktueller und potenzieller Lieferanten;
- der Preis.
Die Untersuchung verbindet damit die Betrachtung der benötigten Güter mit der Analyse der Anbieter, ihrer Leistungsfähigkeit, des Marktangebots und der Preisbedingungen.
Teilbereiche und Analysemethoden
Die Beschaffungsmarktforschung umfasst mehrere spezialisierte Teilbereiche:
- Die Wertanalyse schätzt die Kosten für Objektleistungen.
- Die Preisanalyse vergleicht vorangegangene mit aktuellen Preisen.
- Die Kostenanalyse zerlegt die Objektkosten in einzelne Kostenelemente.
- Die Make-or-buy-Analyse vergleicht Kosten und Leistungen externer Anbieter mit den eigenen Kosten und Leistungen. Sie unterstützt damit die Entscheidung, ob eine Leistung selbst erbracht oder fremdbezogen werden soll.
- Die Lieferantenanalyse ermittelt, bewertet und wählt Lieferanten aus.
- Die Marktanalyse untersucht Marktstrukturen und Marktbewegungen.
Diese Teilbereiche liefern jeweils unterschiedliche Grundlagen für die Bewertung von Beschaffungsmöglichkeiten und für die Gestaltung der Beschaffung.
Informationsgewinnung und Informationsquellen
Beschaffungsmarktforschungsaktionen können kontinuierlich oder diskontinuierlich durchgeführt werden. Kontinuierliche Aktionen sind ein permanenter Prozess. Dabei werden insbesondere Mengen-, Preis- und Qualitätsentwicklungen auf relevanten Märkten stetig kontrolliert. Diskontinuierliche Maßnahmen erfolgen nur aus einem bestimmten Anlass, beispielsweise bei der Suche nach neuen Lieferanten.
Mögliche Informationsquellen sind:
- Lieferantennachschlagewerke;
- Branchenverbände und deren Internetangebote;
- Industrie- und Handelskammern;
- Online-Datenbanken;
- Fachzeitschriften;
- Messen;
- Facheinkäufertagungen;
- Produktkataloge und Prospekte;
- Betriebsbesichtigungen;
- Einkaufsreisen.
Für eine objektive Beschaffungsmarktforschung müssen die Informationsquellen objektiv und vertrauenswürdig sein. Die gewonnenen und gesammelten Daten müssen außerdem ständig aktualisiert und überprüft werden.
Funktionen
Die Beschaffungsmarktforschung erfüllt mehrere Detailfunktionen:
- Die Selektionsfunktion verlangt, dass Informationen sachlich relevant, vollständig, aktuell und wirtschaftlich beschafft werden.
- Die Aufklärungsfunktion hat als oberste Priorität die Schaffung von Markttransparenz.
- Die Innovations- und Rationalisierungsfunktion liefert Informationen über Tatbestände und Entwicklungen, die innovatives Verhalten fördern und einen ökonomischen Einsatz der Ressourcen sicherstellen.
- Die Strukturierungsfunktion fordert Informationen, die langfristige Bedeutung haben. (Arnold, 2004)
Ziele und Nutzen für die Beschaffung
Die Beschaffungsmarktforschung soll die Markttransparenz hinsichtlich der Marktform, des Qualitätsniveaus sowie des Preis- und Kostenniveaus schaffen oder verbessern. Sie versorgt Entscheidungsträger mit Informationen aus den Beschaffungsmärkten und hilft, zukünftige Marktentwicklungen zu erkennen.
Weitere Ziele sind die langfristige Sicherstellung einer optimalen Versorgung durch die Erweiterung des Beschaffungsradius, die Erschließung neuer Beschaffungsquellen und die Ermittlung von Substitutionsgütern. Außerdem kann sie Möglichkeiten des Exklusiv- oder Vertragsvertriebs sowie der Vertragsproduktion von Handelsmarken erkunden.
Die gewonnenen Informationen schaffen eine Grundlage für eine optimale Beschaffung und unterstützen die Ableitung von Beschaffungsstrategien. Sie dienen auch dem Risikomanagement, beispielsweise durch Informationsbeschaffung für Material-Kosten-Hedging. Insgesamt ermöglichen die erhöhte Markttransparenz und die systematische Informationsauswertung bessere Beschaffungsentscheidungen und eine optimierte Beschaffungsstruktur.