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Markgröningen
Markgröningen ist eine Stadt im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg und Bestandteil der Deutschen Fachwerkstraße. Sie gehört zur Region Stuttgart …
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Stadtprofil und Lage
Markgröningen ist eine Stadt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region und zur europäischen Metropolregion Stuttgart sowie zur Deutschen Fachwerkstraße. Am 31. Dezember 2025 hatte sie 14.052 Einwohner auf 28,17 km²; die Bevölkerungsdichte betrug 499 Einwohner je km². Die Stadt liegt auf etwa 281 m Höhe im Strohgäu, neun Kilometer westlich von Ludwigsburg und knapp 16 Kilometer nordwestlich von Stuttgart.
Die Kernstadt liegt zwischen den tief in den Muschelkalk eingeschnittenen Tälern von Glems und Leudelsbach. An den sonnigen Hängen befinden sich Weinberg-Steillagen und geschützte Schafweiden. Zur Stadt gehören die vier Stadtteile Markgröningen, Unterriexingen, Talhausen sowie Hardt- und Schönbühlhof, wobei nur der Schönbühlhof auf Markgröninger Gemarkung liegt. Unterriexingen befindet sich rund vier Kilometer nördlich der Kernstadt an der Mündung der Glems in die Enz und wurde am 1. Januar 1973 eingemeindet.
Die Landschaft besitzt zahlreiche schutzwürdige Biotope. Besonders wichtig ist das 117,9 Hektar große Naturschutzgebiet Leudelsbachtal, von dem 98,4 Hektar zu Markgröningen gehören; es umfasst auch den Bannwald Rotenacker. Hinzu kommen mehr als sechzig flächenhafte und 13 einzelne Naturdenkmale. Acht erfasste Geotope – geologisch bedeutsame Landschaftsstellen – umfassen Dolinengruppen, ein Lössprofil, ehemalige Steinbrüche und den rund 100 Meter langen Siegfriedsfelsen.
Historische Entwicklung
Der Ort wurde 779 als „Gruoninga“ erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich geht der Name auf einen alemannischen Gründer namens Gruono zurück. Die später ergänzte Vorsilbe „Mark“ wurde zwar mit einer alten Grenzmark erklärt, dürfte aber eher vom bedeutenden Markt zur Kirchweih der Bartholomäuskirche stammen. Einheimische nennen die Stadt weiterhin „Gröningen“.
Grüningen war zunächst Königsgut und zeitweise Freie Reichsstadt. Burg, Stadt und Reichssturmfahne waren mit dem Amt des Reichssturmfähnrichs verbunden. Im 13. Jahrhundert widersetzten sich Graf Hartmann II. und Hartmann III. von Grüningen König Rudolf von Habsburg. Hartmann III. wurde 1280 gefangen genommen; seine Familie musste die Stadt zurückgeben. 1336 kamen Grafschaft, Burg, Stadt und Reichssturmfahne endgültig an Württemberg. Als Zweitresidenz und Amtsstadt erlebte Grüningen im späten Mittelalter eine Blütezeit. Davon zeugen Rathaus, Kirchenchöre, Spitalbauten und Bürgerhäuser. 1514 unterstützte Stadtpfarrer Reinhard Gaißer den Aufstand des „Armen Konrads“ gegen die Steuerpolitik Herzog Ulrichs und die herrschende „Ehrbarkeit“.
Der Dreißigjährige Krieg brachte schwere Verluste. 1626 starben 466 Einwohner an der Pest. Nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 litt die Stadt unter kaiserlichen Truppen, Hunger und Seuchen; 1638 lebten nur noch 40 Bürger in der Stadt. Weitere Kriege und eine Hungersnot, die 1693 angeblich 177 Menschen tötete, verzögerten die Erholung. Erst nach etwa hundert Jahren waren die Bevölkerungsverluste seit 1634 ausgeglichen.
Die Gründung Ludwigsburgs 1718 im bisherigen Grüninger Amtsgebiet leitete einen dauerhaften Bedeutungsverlust ein. Markgröningen verlor nach und nach seine Aufgaben als Zweitresidenz, Sitz der Reichssturmfahne, Obervogtei, Oberamtsstadt, Hochgericht, Dekanat und Kameralamt. 1807 wurde es endgültig dem Oberamt Ludwigsburg zugeordnet. Die Stadt stagnierte wirtschaftlich und blieb um 1850 ohne Anschluss an die Westbahn. Erst 1915 kam der Anschluss ans Stromnetz, 1916 eine Nebenbahn nach Ludwigsburg. Der Erste Weltkrieg kostete die Stadt genau 100 Einwohner. Zugleich wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert Teile der mittelalterlichen Befestigung und wertvolle historische Gebäude abgebrochen.
Nationalsozialismus und Entwicklung seit 1945
1933 wurde der Gemeinderat gleichgeschaltet, KPD und SPD ausgeschlossen und Bürgermeister Heinrich Zillhardt trotz seines früheren Wahlerfolgs abgesetzt. Nach der Abschaffung der Kommunalwahlen 1935 hatten die verbliebenen, ausschließlich der NSDAP angehörenden Gemeinderäte nur noch beratende Aufgaben. Der Schäferlauf erhielt einen „völkischen“ Charakter.
In Unterriexingen bestand von Oktober 1944 bis April 1945 ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof. Etwa 1000 überwiegend jüdische Häftlinge mussten unter katastrophalen Bedingungen Zwangsarbeit leisten; etwa 250 Tote wurden auf dem dortigen KZ-Friedhof bestattet. Im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde wurden 1940 und 1941 außerdem 120 Menschen aus dem Landesheim für Behinderte nach Grafeneck gebracht und ermordet. Am 13. März 1945 griffen französische Jagdflieger einen voll besetzten Zug an: 24 Menschen starben, rund 50 wurden verletzt. Insgesamt verlor Markgröningen 204 Männer bei Kriegseinsätzen oder in Gefangenschaft. Französische Truppen besetzten die Stadt am 21. April 1945, amerikanische Truppen folgten am 15. Juli.
Nach dem Krieg nahm Markgröningen viele Ausgebombte, Flüchtlinge und Vertriebene auf. Die Einwohnerzahl stieg von 3927 im Jahr 1943 auf 4602 im Jahr 1946. Neue Wohngebiete entstanden, und durch viele katholische Neubürger änderte sich die konfessionelle Zusammensetzung. Ab den 1960er Jahren wurden zahlreiche historische Häuser abgerissen. Zum 1200-jährigen Stadtjubiläum 1979 begann ein Umdenken; seit den 1980er Jahren wurden viele Gebäude renoviert.
1968 begann der Bau des Bildungszentrums am Benzberg. Trotz wachsenden Pendlerverkehrs stellte die Deutsche Bundesbahn 1975 den Personenverkehr nach Ludwigsburg ein. Seit 1989 besteht eine Städtepartnerschaft mit Saint-Martin-de-Crau in Südfrankreich.
Politik, Wirtschaft und Infrastruktur
Der Gemeinderat besteht aus ehrenamtlich gewählten Mitgliedern und dem stimmberechtigten Bürgermeister als Vorsitzendem. Seit der Wahl vom 9. Juni 2024 hat er 24 Mitglieder: Freie Wähler 9, CDU 6, SPD 5, Grün-Alternative Liste 2, FDP 1 und AfD 1. Die Wahlbeteiligung betrug 59,8 Prozent. Durch die „Unechte Teilortswahl“ sind Unterriexingen vier Sitze garantiert. Bürgermeister ist seit dem 13. Mai 2022 Jens Hübner (SPD), der im ersten Wahlgang 79,4 Prozent erhielt.
Das Stadtwappen zeigt unter einem blauen Schildhaupt mit fünf sechsstrahligen goldenen Sternen einen rotbezungten schwarzen Reichsadler auf goldenem Grund. Der Adler erinnert an die ehemalige Reichsstadt. Die mit Stadt und Burg verbundene Reichssturmfahne zeigte ebenfalls den schwarzen Adler im goldenen Feld und trug einen langen roten Schwenkel. Sie wurde später nach Ludwigsburg gebracht und ist verschollen.
Die fruchtbaren Ackerböden prägen die Landwirtschaft, doch die Zahl der Betriebe sank stark. 2010 gab es noch 38 Betriebe, darunter 22 im Haupt- und zwölf im Nebenerwerb. Der früher bedeutende Weinbau wird heute nicht mehr hauptberuflich betrieben; verbliebene Weinlagen gehören zur Großlage Schalkstein im Weinbaugebiet Württemberg. In der Stadt bestehen mehr als 500 Betriebsstätten mit durchschnittlich zehn Beschäftigten. Bedeutende Arbeitgeber und Unternehmen sind unter anderem Mahle, die Orthopädische Klinik Markgröningen, die Benseler Firmengruppe, Bosal Oris, Kumpf und Trans-Logo-Tech.
Buslinien verbinden Markgröningen mit den Bahnhöfen Asperg, Ludwigsburg und Schwieberdingen. Die 1916 eröffnete Bahnstrecke nach Ludwigsburg verlor 1975 den Personen- und 2002 den Güterverkehr bis Markgröningen; seit 1991 gibt es Bemühungen um ihre Reaktivierung. Straßenanschlüsse bestehen über die Bundesstraße 10 und die nahe Bundesautobahn 81. Wegen sehr hoher Abgaswerte wurde 2011 eine Umweltzone eingeführt, die inzwischen Fahrzeuge mit Grüner Plakette zulässt.
Die Trinkwasserversorgung nutzt in der Kernstadt eine Mischung aus Eigen- und Bodenseewasser. Ein 1990 gebauter, 45 Meter hoher Wasserturm besitzt einen Hochbehälter von 1000 Kubikmetern. Zwei Gruppenklärwerke reinigen das Abwasser. Markgröningen verfügt außerdem über eine Orthopädische Klinik mit Reha-Zentrum, Pflegeeinrichtungen und alle Schularten des Primär- und Sekundärbereichs, darunter das Hans-Grüninger-Gymnasium, das musisch-künstlerische Helene-Lange-Gymnasium und die August-Hermann-Werner-Schule für Körperbehinderte.
Kultur, Schäferlauf und Stadtbild
Markgröningen ist besonders für seinen Historischen Schäferlauf und sein spätmittelalterliches Stadtbild bekannt. Der Schäferlauf findet jährlich am letzten Augustwochenende statt und entstand aus der Kirchweih der Bartholomäuskirche am 24. August, einem großen Jahrmarkt und dem Zunfttag der württembergischen Schäfer. Der Bartholomäus-Markt ist erstmals 1445 urkundlich belegt. Seit dem 1. Januar 2022 trägt Markgröningen die Zusatzbezeichnung „Schäferlaufstadt“.
Das viertägige Fest beginnt freitags mit dem Leistungshüten. Am Samstag, dem Haupttag, laufen junge Schäfer und unverheiratete Schäfertöchter barfuß über ein 300 Schritt langes Stoppelfeld; anschließend ehrt der Schäfertanz das Siegerpaar. Sonntags folgt ein Kinderprogramm. Am Montag endet das Straßenfest mit einem Feuerwerk. Seit 1967 findet eine Woche zuvor das Internationale Musikfest statt.
Das wichtigste Bauensemble besteht aus der gotischen Bartholomäuskirche des 13. bis 15. Jahrhunderts, dem Fachwerk-Rathaus von 1441 und dem Marktplatz. Weitere Zeugnisse sind Teile der Stadtbefestigung, der Obere Torturm von 1555, Überreste von Reichsburg und Schloss, die Heilig-Geist-Kirche mit Resten des Spitals, zwei Keltern, Landesfruchtkasten, Zehntscheuer, Bürgerhäuser des 15. und 16. Jahrhunderts sowie der Wimpelinhof mit dem städtischen Museum. Dort und im Oberen Torturm werden Ausstellungen angeboten; Stadt- und Kirchenführungen behandeln unterschiedliche historische Themen. Das Sportangebot wird von zahlreichen Vereinen getragen, wobei Handball als größter Publikumsmagnet gilt.