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Manele
Das Wort Manele ist eigentlich die Pluralform von Manea, einer traditionellen rumänischen Liedform, die aus der balkanischen Musik der Lăutari entstanden ist …
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Einordnung und Ursprung
Manele ist eine rumänische Popmusikrichtung, die seit den 1990er Jahren stark an Beliebtheit gewonnen hat. Sie polarisiert: Es gibt begeisterte Fans, aber auch entschiedene Ablehnung. Die meisten Komponisten und Interpreten sind Roma.
Der Name ist die Pluralform von Manea. Die traditionelle Manea ist eine rumänische Liedform, die aus der balkanischen Musik der Lăutari hervorging und türkische Wurzeln hat. Manele weist Gemeinsamkeiten mit Popfolk beziehungsweise Tschalga in Bulgarien, Tallava in Albanien, Laiko in Griechenland und Arabesk in der Türkei auf. Der serbische Turbo-Folk ist ebenfalls ähnlich, arbeitet aber meist mit schnelleren Rhythmen und mehr modernen Elementen, etwa aus der Rockmusik.
Von der traditionellen Manea zur modernen Musik
Ab dem 17. Jahrhundert brachten professionelle Musiker, oft aus der Roma-Minderheit, bei Festen der Phanarioten und Bojaren orientalische Rhythmen und Instrumente aus dem osmanischen Kulturraum in die Walachei und Moldau. Die Liedform Manea entstand im frühen 19. Jahrhundert; das Wort ist erstmals 1820 belegt. Es bezeichnete orientalisch geprägte Liebeslieder für den Hof des Gospodars und reiche Bojaren.
Ein frühes überliefertes Stück ist Anton Panns 1852 in Neumen notiertes „Spitalul amorului sau cântătorul dorului“. Neumen sind eine ältere Notenschrift, die hier nur die Grundmelodie überliefert. Nach dem Ende der osmanischen Herrschaft rückten orientalische Traditionen zugunsten westeuropäischer Vorbilder zunächst in den Hintergrund.
In den 1950er und 1960er Jahren belebten Romamusiker die orientalische Manea-Tradition in Dörfern neu. Melodien und Texte wurden durch Zuhören weitergegeben und für Anlässe wie Geburtstage, Verlobungen oder Hochzeiten verändert. Nach der Rumänischen Revolution 1989 fielen staatliche Einschränkungen weg. Elektronische Instrumente, professionelle Aufnahmen, Effekte, Starkult und Kommerzialisierung formten daraus das Manele als neue Popmusikrichtung.
Entwicklung seit 1990
Nach 1990 konnten Labels frei veröffentlichen und Musiker auch im Ausland aufnehmen. Sänger rückten als Stars in den Mittelpunkt, während Instrumentalisten an Bedeutung verloren. 1991 fand in Bukarest erstmals die Miss Piranda statt, ein Schönheits- und Tanzwettbewerb mit Manele-Musik, der sich zu einem jährlichen Treffpunkt der Szene entwickelte.
Seit etwa 2000 verstärkten private Fernseh- und Musiksender, Musikvideos und Auswanderung den Erfolg. Neben den balkanisch-türkischen Wurzeln beeinflussten spanische Romamusik, lateinamerikanische Rhythmen, amerikanischer Hiphop, Flamenco, puerto-ricanischer Reggaeton, jamaikanischer Reggae und westliche Rockballaden den Stil.
Viele Musiker übernahmen gehörte Melodien und schrieben neue rumänische Texte dazu. Dies führte zu Kritik wegen Urheberrecht und Tantiemen, also Vergütungen für ursprüngliche Komponisten. Mit dem EU-Beitritt Rumäniens 2007 galten EU-Gesetze dort zumindest auf dem Papier als einklagbar. Über YouTube sowie Download- und Streamingplattformen erreichen große Hits mehrere Millionen Views.
Musikalische Merkmale und Themen
Manele gilt heute als die verbreitetste Popmusikrichtung Rumäniens. Sie läuft in Radio- und Musikfernsehen, Bars, Diskotheken, bei Konzerten und Festivals sowie im öffentlichen Raum. Besonders beliebt ist sie bei ärmeren Bevölkerungsschichten und bei vielen, aber nicht allen Roma.
Die Melodien folgen meist einem starren traditionellen Muster und unterscheiden sich von der klassischen Manea vor allem durch geringe Betonungsveränderungen. Moderne Stücke sind elektronisch und technisch stark arrangiert. Häufige Instrumente sind Keyboard, Akkordeon, Glasharmonika und Saxophon; verwendet werden einfache Akkorde und Anschlagrhythmen. Kennzeichnend sind leicht vorgezogene oder verzögerte Akzente des Gesangs gegenüber dem Begleitrhythmus sowie instrumentale Riffs zwischen Textzeilen.
Die Texte behandeln Liebe, Geld, Konkurrenz, Familie, Alltagsprobleme, Korruption, Konflikte und den Sinn des Lebens; dabei wird oft ein Gottesbezug hergestellt. Sie verwenden einfache Sprache und achten teilweise wenig auf grammatische Richtigkeit. Außerhalb Rumäniens ist Manele besonders in der Republik Moldova, Serbien sowie unter rumänischen Emigranten in Italien, Spanien, Portugal und Frankreich bekannt.
Abgrenzung und Beispiele
Nicht jede rumänische Romamusik ist Manele. Taraf de Haïdouks, Fanfare Ciocărlia sowie Lavinia Raducanu & Rromak spielen laut Artikel keinen Manele. Auch Dance-Pop- oder Folk-Pop-Bands wie Hi-Q, O-Zone und Zdob și Zdub gehören nicht zu diesem Stil.
Beispiele für Manele sind „Made in Romania“ von Ionuț Cercel, „Ce bine ne sta impreuna“ von Florin Salam & Claudia, „N-ai valoare“ von Nicolae Guță und „Te astept noapte si zi“ von Adrian Copilul Minune.