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Love Jihad
Love Jihad (wörtlich: "Liebesdschihad") ist eine in Indien verbreitete islamfeindliche Verschwörungstheorie. Sie wird dort vorwiegend von rechtsextremen …
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Kern der Verschwörungstheorie
„Love Jihad“ (wörtlich „Liebesdschihad“) ist eine in Indien verbreitete islamfeindliche Verschwörungstheorie. Sie wird vor allem von rechtsextremen Hindutva-Aktivisten und Politikern vertreten. Nach dieser Vorstellung versuchen muslimische Männer, Hindu-Frauen durch Verführung, vorgetäuschte Liebe, Täuschung, Entführung oder Heirat zum Islam zu bekehren.
Die Theorie deutet solche Beziehungen als Teil eines größeren Plans: Muslime führten demnach einen „demografischen Krieg“ gegen Hindus und wollten Indien islamisieren. Damit ähnelt „Love Jihad“ der unter Rechtsextremen in Europa verbreiteten Theorie des „Großen Austauschs“. Die Behauptung beschreibt keine nachgewiesene organisierte Verschwörung, sondern wird im Artikel als Verschwörungstheorie eingeordnet.
Gesellschaftlicher Hintergrund und Entstehung
In Indien sind knapp 14 % der Bevölkerung Muslime und knapp 80 % Hindus. Verschwörungstheorien und interkonfessionelle Gewalt, also Gewalt zwischen Angehörigen verschiedener Religionen, haben auf dem indischen Subkontinent eine lange Vorgeschichte. Seit der Teilung Indiens kam es wiederholt zu Ausschreitungen zwischen Muslimen und Hindus.
Interkonfessionelle Ehen sind in Indien selten und gesellschaftlich wenig akzeptiert. In Umfragen lehnten sie über drei Viertel der Bevölkerung ab. 2009 wurde erstmals ein Fall mit „Love Jihad“ in Verbindung gebracht. Zwei junge Frauen aus Kerala, eine Hinduistin und eine Christin, waren mit ihren muslimischen Freunden durchgebrannt, die sie auf dem College kennengelernt hatten. Die Familien erstatteten Anzeige wegen Entführung; die Polizei verhaftete die beiden Paare. Vor Gericht änderten die Frauen ihre Darstellung und beschuldigten die Männer, sie gewaltsam entführt und zu einer Konversion, also einem Religionswechsel, gedrängt zu haben. Der zuständige Richter sprach von einem „Love Jihad“. Der Kerala High Court stellte die Untersuchung später ein.
Ausbreitung und Folgen in Indien
In der Folge gewann die Vorstellung, Muslime würden Hindu-Frauen entführen und zum Islam bekehren, besonders im armen und rückständigen Bundesstaat Uttar Pradesh an Bedeutung. Hindunationalistische Medien verbreiteten die Theorie, zusätzlich wurden Gerüchte über soziale Medien gestreut. Die Vorstellung begünstigte den Aufstieg der hindunationalistischen Bharatiya Janata Party.
Die Theorie führte zur Belästigung interkonfessioneller Paare, zu Morden und zu Ausschreitungen. 2013 soll ein muslimischer Jugendlicher namens Shahnawaz Qureshi im Dorf Kawal ein Mädchen aus der hinduistischen Jat-Gemeinschaft belästigt haben. Hinduistische Verwandte des Mädchens töteten ihn. Als dessen zwei Brüder zu fliehen versuchten, wurden sie von einem muslimischen Mob gelyncht. In der Folge kam es im Distrikt Muzaffarnagar zu schweren Ausschreitungen, bei denen knapp 50 Menschen ums Leben kamen.
2020 verabschiedete Uttar Pradesh unter dem zum Chief Minister gewählten fundamentalistischen Hindumönch Yogi Adityanath ein erstes Gesetz gegen „Love Jihad“. Weitere Bundesstaaten folgten mit ähnlichen Gesetzen. Dadurch wurden interkonfessionelle Ehen erschwert; häufig lag die Beweislast bei den Beschuldigten, die nachweisen mussten, dass keine „Entführung“ vorlag. Es wurde berichtet, dass Gerichte freiwillig geschlossene Ehen verhindert haben sollen. Fanatisierte Hindu-Gruppen bedrohten und belästigten muslimische Partner von Hindu-Frauen, teils gemeinsam mit Familien, die solche Beziehungen ablehnten. Bedrohte Paare mussten untertauchen. 2022 wurde im Bundesstaat Karnataka der 24-jährige Arbaaz Aftab Mullah getötet und seine Leiche zerstückelt, weil er angeblich eine Beziehung zu einer Hindu-Frau gehabt hatte.
Gegenkampagne und Übernahme in Myanmar
Als Reaktion auf den angeblichen „Love Jihad“ erklärten Mitglieder der Rashtriya Swayamsevak Sangh, eine Kampagne des „Reverse Love Johad“ („Umkehrung des Liebesdschihads“) gestartet zu haben. Ziel sei es, Hindu-Männer mit muslimischen Frauen zu verheiraten. Aus verschiedenen Teilen Uttar Pradeshs wurden damit verbundene Fälle gemeldet, in denen muslimische Frauen vergewaltigt oder entführt worden sein sollen. Noch minderjährige Frauen seien zwangskonvertiert und mit Hindu-Männern verheiratet worden. Die Täter gehörten radikalen Hindu-Gruppen an, denen auch Verbindungen zu Chief Minister Adityanath zugeschrieben wurden. Adityanath erklärte öffentlich: „Wenn ein Hindu-Mädchen konvertiert, werden wir 100 muslimische Mädchen konvertieren.“ Für den Distrikt Kushinagar wurden zwischen 2014 und 2016 knapp 400 Entführungen angegeben.
Im benachbarten Myanmar übernahm die buddhistisch-nationalistische 969-Bewegung die Theorie als Vorwurf, muslimische Männer wollten buddhistische Frauen islamisieren. Die Tatmadaw, Myanmars Streitkräfte, nutzte sie als Rechtfertigung für die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya.