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Laurence Anyways

Laurence Anyways ist ein kanadisches Filmdrama von Xavier Dolan-Tadros aus dem Jahr 2012, das die intensive Liebesgeschichte zwischen einer Frau und ihrem …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Coming-out und Trennung
  3. 3. Wiedersehen und offene Konflikte
  4. 4. Entstehung und deutsche Fassung
  5. 5. Gestaltung, Resonanz und Auszeichnungen

Überblick

Laurence Anyways ist ein kanadisches Filmdrama aus dem Jahr 2012. Regie, Drehbuch und Schnitt übernahm Xavier Dolan; die Musik stammt von Noia, die Kamera führte Yves Bélanger. Der 168 Minuten lange Film ist französisch- und englischsprachig und in Deutschland ab FSK 6 freigegeben.

Im Zentrum steht die über ein Jahrzehnt erzählte, intensive Liebesgeschichte der trans Frau Laurence Alia und ihrer Partnerin Frédérique „Fred“ Belair. Laurence wird von Melvil Poupaud gespielt, Fred von Suzanne Clément. Der Film verbindet die Fragen nach geschlechtlicher Identität, gesellschaftlicher Reaktion und der Belastbarkeit einer Liebesbeziehung.

Coming-out und Trennung

Im September 1989 lebt Laurence seit zwei Jahren mit Fred zusammen, arbeitet als Literaturlehrerin und schreibt Gedichte sowie Kurzgeschichten. An ihrem 35. Geburtstag erklärt Laurence Fred, sie lebe im falschen Körper und habe beschlossen, fortan als Frau zu leben. Fred ist zunächst erschüttert. Ihre Mutter und ihre Schwester Stef raten ihr zur Trennung. Fred bemerkt, dass sie schwanger ist, lässt das Kind abtreiben und erzählt Laurence nichts davon. Trotzdem will sie zunächst bei Laurence bleiben.

Anfang 1990 tritt Laurence erstmals in Frauenkleidung öffentlich auf und erscheint geschminkt vor ihrer Schulklasse. Die Schüler reagieren unerwartet gelassen, doch Elternproteste führen zu ihrer Entlassung durch den Schulrat. Laurence erlebt außerdem Gewalt in einer Bar. Ihre Mutter verweigert zunächst den Kontakt; Hilfe findet Laurence bei Baby Rose aus der Travestiegruppe Les cinq Roses („Die fünf Rosen“). Fred wird depressiv und fühlt sich durch die Reaktionen anderer sowie die veränderte Beziehung überfordert. Sie beginnt eine Affäre, gesteht sie Laurence, zieht aus und geht nach Trois-Rivières.

Wiedersehen und offene Konflikte

1995 ist Laurences Transition weiter fortgeschritten; sie hat lange Haare und lebt mit Charlotte zusammen. Fred ist mit Albert verheiratet und zieht mit ihm den Sohn Leo groß, ist in ihrer Rolle als Hausfrau jedoch verzweifelt. Laurence veröffentlicht den Gedichtband D’Elles („Über Frauen“), in dem Fred Aspekte ihres Lebens wiedererkennt. Fred nimmt Kontakt auf. Der Brief erreicht zunächst Charlotte, die Laurence daraufhin verlässt. Laurence und Fred reisen gemeinsam auf die Île au Noir.

Dort möchte Laurence Fred am Beispiel von Alexandre zeigen, dass ein Zusammenleben nach einer Geschlechtsangleichung möglich sein kann. Fred erfährt, dass Alexandre transsexuell war, und reagiert überrascht und geschockt. Der Streit mit Laurence verschärft sich, als Fred offenlegt, dass sie bei Laurences Coming-out schwanger war und das Kind abtreiben ließ, weil sie ihrer Beziehung eine Chance geben wollte. Am nächsten Morgen ist Laurence verschwunden.

1999 kehrt Laurence nach drei Jahren in den USA nach Montréal zurück. Sie hat ein neues Buch veröffentlicht, besucht ihre kranke Mutter und gibt einer Journalistin ein Interview, in dem sie gegen deren Voreingenommenheit ankämpfen muss. Von Stef erfährt sie, dass Fred Albert verlassen hat. Beim Treffen der beiden wird deutlich, dass ihre Beziehung schon vor Laurences Entschluss Probleme hatte. Fred weist Laurences Deutung zurück und verlässt das Café. Ein Rückblick zeigt ihr erstes Kennenlernen an einem Filmset: Laurence stellt sich mit „Alia. Mais, c’est Laurence anyways“ vor.

Entstehung und deutsche Fassung

Xavier Dolan bereitete Laurence Anyways über Jahre vor. Die Idee entstand im Herbst 2008, nachdem ihm ein Stabsmitglied seines Regiedebüts I Killed My Mother erzählt hatte, dass dessen Freund als Frau leben wolle. Dolan schrieb nach eigener Aussage sofort 30 Seiten Drehbuch. Seinen zweiten Film Herzensbrecher drehte er, weil für Laurence Anyways noch nicht genug Geld vorhanden war. Nach dessen Erfolg stellte die Filmförderung Québec Produktionsgelder bereit. Die Gesamtkosten lagen bei rund 10 Millionen Dollar.

Ursprünglich war Louis Garrel für die Hauptrolle vorgesehen, sagte jedoch kurz vor Drehbeginn ab. Zwei Wochen vor Beginn der Dreharbeiten wurde Melvil Poupaud besetzt. Bis Ende Juni 2011 war die Hälfte des Films gedreht; weitere Dreharbeiten folgten ab Herbst 2011 in Colorado, Miami, Montréal, Trois-Rivières und Paris. Die Premiere war am 18. Mai 2012 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes in der Reihe Un certain regard. In Deutschland lief der Film erstmals am 2. Oktober 2012 beim Filmfest Hamburg und ab dem 27. Juni 2013 im Kino.

Die deutsche Synchronisation entstand bei Rotor Film Babelsberg. Christoph Cierpka schrieb das Dialogbuch und führte die Dialogregie. André Szymanski spricht Laurence, Anita Vulesica Fred, Katharina Lopinski Julienne Alia und Sanam Afrashteh Stef.

Gestaltung, Resonanz und Auszeichnungen

Der Soundtrack kombiniert zeitgenössische elektronische Musik, die der erzählten Zeit vorausgreift, mit Liedern aus den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren, lokaler frankokanadischer Popkultur und klassischer Musik. Beispiele sind „Bette Davis Eyes“ von Kim Carnes, „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode, „Pour que tu m'aimes encore“ von Céline Dion, „If I Had a Heart“ von Fever Ray sowie Beethovens 5. Sinfonie in c-Moll, Op. 67: Allegro con brio.

Kritiken würdigten den Film überwiegend als emotionales, formal auffälliges Werk. Die Neue Zürcher Zeitung nannte ihn außergewöhnlich und mutig, erwähnte aber gewisse Längen im zweiten Teil. Wolfgang M. Schmitt betonte die Auseinandersetzung mit Identität, Wahrnehmung und gesellschaftlichen Normen: Mode und Ästhetik machten die Konstruktion von Geschlechterrollen sichtbar. Als zentrale Frage hob er hervor, ob Liebe fortbestehen kann, wenn sich das äußere Erscheinungsbild eines geliebten Menschen radikal verändert.

2012 gewann Xavier Dolan in Cannes die Queer Palm; Suzanne Clément erhielt dort als Beste Darstellerin der Reihe Un certain regard einen Preis. Beim Toronto International Film Festival wurde der Film 2012 als Bester kanadischer Spielfilm ausgezeichnet. 2013 folgten unter anderem eine César-Nominierung als Bester ausländischer Film, zwei Canadian Screen Awards für Kostüm und Make-up, drei Jutra Awards sowie ein Prix Lumières für Xavier Dolan als Bester französischsprachiger Film.

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