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Lambertsche W-Funktion

In der Mathematik ist die lambertsche W-Funktion (oder Lambert-W-Funktion), auch Omegafunktion oder Produktlogarithmus, benannt nach Johann Heinrich Lambert …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Reelle Eigenschaften
  3. 3. Komplexe Zweige und besondere Werte
  4. 4. Integrale und Berechnung
  5. 5. Anwendungen und Verallgemeinerungen
  6. 6. Bezüge zu anderen Funktionen und Werte

Definition und Bedeutung

Die lambertsche W-Funktion, auch Lambert-W-Funktion, Omegafunktion oder Produktlogarithmus genannt, ist in der Mathematik die Umkehrfunktion der Abbildung f: x ↦ x e^x. Das bedeutet: Wenn z = w e^w gilt, dann ist w = W(z). Meist wird sie mit W(x) bezeichnet.

Sie ist wichtig, weil sie Gleichungen lösbar macht, in denen eine Größe zugleich außerhalb und innerhalb einer Exponentialfunktion vorkommt. Die W-Funktion lässt sich nicht als elementare Funktion ausdrücken. Häufig wird sie in der Kombinatorik verwendet, zum Beispiel zur Auswertung von Bäumen oder zur asymptotischen Bestimmung der Bell-Zahlen. Auch außerhalb der Kombinatorik dient sie zum Lösen bestimmter transzendenter Gleichungen.

Reelle Eigenschaften

Im Reellen hat die W-Funktion auf dem Intervall [-1/e, 0) zwei Funktionsäste, weil die Funktion x e^x auf (-∞, 0] nicht injektiv ist. Diese Äste heißen W_0(x) und W_-1(x). Mit W(x) ist in der Regel der obere Ast W_0 gemeint. Am Punkt x = -1/e treffen die Äste bei W(-1/e) = -1 zusammen.

Die Ableitung eines Astes lautet für x > -1/e und x ≠ 0: W'(x) = W(x) / (x(1 + W(x))). Am Punkt -1/e existiert die Ableitung nicht; bei Annäherung wird ihr Betrag in jedem Ast beliebig groß. Für den oberen Ast gilt W'_0(0) = 1, während der untere Ast für x ≥ 0 nicht definiert ist.

Eine Stammfunktion ist: ∫ W(x) dx = x(W(x) - 1 + 1/W(x)) + C. Außerdem erfüllt W die Differentialgleichung: (1 + W) z dW/dz = W, mit z ≠ -1/e.

Die Taylor-Reihe um x_0 = 0 ist: W(x) = Σ_{n=1}^∞ [(-n)^{n-1}/n!] x^n = x - x^2 + 3/2 x^3 - 8/3 x^4 + 125/24 x^5 - … Ihr Konvergenzradius beträgt 1/e.

Komplexe Zweige und besondere Werte

Im Komplexen gibt es für jedes k ∈ Z einen Zweig W_k der W-Funktion. Die Zweige W_0 und W_-1 entsprechen den reellen Zweigen. Der Hauptzweig W_0 ist auf der gesamten komplexen Zahlenebene definiert und erfüllt W_0(0) = 0. Für alle anderen Zweige gilt lim_{z→0} W_k(z) = -∞ für k ≠ 0; diese Nebenzweige haben also bei z = 0 eine Definitionslücke.

Die Verzweigungsstelle des Hauptzweigs liegt bei z = -1/e und setzt sich entlang der negativen reellen Halbachse in Richtung -∞ fort. Diese Verzweigung trennt den Hauptzweig von den Nebenzweigen W_-1 und W_+1. Auf den Nebenzweigen beginnt die Verzweigung bereits bei z = 0 und läuft ebenfalls in Richtung -∞. Alle Zweige sind injektiv und ihre Wertebereiche sind disjunkt.

Wichtige spezielle Werte sind: W(-π/2) = iπ/2, W(-1/e) = -1, W(-ln 2 / 2) = -ln 2, W(0) = 0, W(1) = 0,5671432904… = Ω, die Omega-Konstante, W(e) = 1.

Integrale und Berechnung

Für die W-Funktion gibt es Integraldarstellungen. Eine Darstellung für den Kehrwert von 1 + W(x) lautet: 1/(1 + W(x)) = ∫_{-∞}^{∞} 1/([x exp(y) - y]^2 + π^2) dy. Auch W(x) selbst besitzt Integralidentitäten. Der Artikel nennt Arbeiten von German Kalugin, David Jeffrey, Robert Corless und István Mező zu solchen Integralrepräsentationen.

Es gibt außerdem Integrale, in denen die W-Funktion selbst vorkommt. Beispiele sind: ∫_0^{+∞} W(x)/(x√x) dx = √(8π), ∫_0^{+∞} W(x)/(x∛x) dx = 3^{5/3} Γ(2/3), ∫_0^{+∞} W(x)/(x∜x) dx = 2^{7/2} Γ(3/4), ∫_0^{+∞} W(x)/(x fünfte Wurzel aus x) dx = 5^{9/5} Γ(4/5). Dabei bezeichnet Γ die Gammafunktion.

Numerisch kann W(z) rekursiv angenähert werden. Eine angegebene Iteration lautet: w_{j+1} = w_j - (w_j e^{w_j} - z)/(e^{w_j}(w_j + 1) - ((w_j + 2)(w_j e^{w_j} - z))/(2w_j + 2)). Alternativ kann das Newton-Verfahren auf w e^w - z = 0 angewendet werden: w_{j+1} = w_j - (w_j e^{w_j} - z)/(e^{w_j} + e^{w_j} w_j). Für große x gilt näherungsweise: W_0(x) ≈ ln(x) - ln(ln(x)) + ln(ln(x))/ln(x).

Anwendungen und Verallgemeinerungen

Die W-Funktion kann Gleichungen der Form a(x) e^{a(x)} = y lösen, wobei a(x) ein von x abhängiger Ausdruck ist. Auch die Gleichung x^x = z lässt sich mit ihr lösen: x = ln z / W(ln z) = exp(W(ln z)).

Der unendliche Potenzturm x ↑↑ ∞ = x^{x^{x^{...}}} kann an den konvergenten Stellen in geschlossener Form dargestellt werden: x ↑↑ ∞ = W(ln(1/x)) / ln(1/x).

Verallgemeinerungen der W-Funktion entstehen bei Gleichungen wie e^{-cx} = a_0(x - r), deren Lösung x = r + (1/c) W(c e^{-cr}/a_0) ist. Weitere verallgemeinerte Formen behandeln rechte Seiten mit quadratischen Polynomen, etwa e^{-cx} = a_0(x - r_1)(x - r_2), oder Verhältnisse unendlicher Produkte von Polynomen. Der Artikel nennt Anwendungen in allgemeiner Relativitätstheorie, Quantenmechanik, Quantengravitation, Atom- und Molekularphysik sowie Zusammenhänge mit dem Keiper-Li-Kriterium für die Riemannsche Vermutung.

Bezüge zu anderen Funktionen und Werte

Die W-Funktion steht in Beziehung zu verallgemeinerten hypergeometrischen Funktionen. Der Artikel gibt dazu Formeln an, die die Riemannsche Zetafunktion ζ(n) mit hypergeometrischen Funktionen _{n+1}F_n für a_1 = a_2 = … = a_n = 1 und n - 1 ∈ N verknüpfen.

Auch zur Fox H-Funktion wird eine direkte Beziehung angegeben, insbesondere über eine Relation für den komplex-konjugierten Ausdruck von W_-1(-α z), abhängig davon, ob |z| < 1/(e|α|) gilt oder nicht.

Für reelle Werte zeigt die Tabelle den oberen Zweig W_0 und den unteren Zweig W_-1. Beispiele für W_0 sind W_0(0) = 0, W_0(1,2) ≈ 0,6356, W_0(10) ≈ 1,7455 und W_0(40) ≈ 2,6968. Für den unteren Zweig gilt zum Beispiel W_-1(-0,1) ≈ -3,5772, W_-1(-0,01) ≈ -6,4728 und W_-1(0) = -∞. Andere Werte lassen sich über x = y e^y berechnen.

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