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Lärm

In der Musik wird große Lautstärke als Lärm bzw. Krach bezeichnet, wenn sie als neuerfundene oder neuorganisierte künstlerische Äußerung (zum Beispiel …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Wahrnehmung
  2. 2. Quellen und typische Schallpegel
  3. 3. Messung und rechtliche Bewertung
  4. 4. Gesundheitliche Folgen
  5. 5. Nutzung und Schutz

Definition und Wahrnehmung

Lärm oder Krach ist Schall, der durch seine Struktur – meist durch seine Lautstärke – auf die Umwelt und insbesondere auf Menschen störend, belastend oder gesundheitsschädigend wirkt. In Gesetzestexten wird Lärm auch als „unerwünschter Schall“ definiert. Damit besitzt er neben messbaren physikalischen und medizinischen Eigenschaften eine subjektive Komponente: Dasselbe Geräusch, etwa Musik oder der Schall eines Kinderspielplatzes, kann von verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich bewertet werden. Auch nach einer akustischen Gewöhnung kann Lärm unbewusst weiterhin Körper und Psyche beeinflussen, den biologischen Tag-Nacht-Rhythmus stören und Schlafstörungen verursachen oder fördern.

Für die Wahrnehmung sind zunächst physikalische Merkmale wichtig. Der Schalldruckpegel beschreibt die Stärke des Schalldrucks. Hohe Töne werden meist unangenehmer empfunden als tiefe. Tonhaltigkeit bedeutet, dass einzelne deutlich erkennbare Töne in einem Geräusch hervortreten; sie erhöht die wahrgenommene Lautstärke. Impulshaltigkeit bezeichnet starke, schnelle Pegeländerungen, etwa beim Hämmern, die unangenehmer wirken können als ein gleichmäßiges Geräusch. Die Frequenzzusammensetzung lässt sich messtechnisch bestimmen und ist besonders beim Fluglärm bedeutsam. Auch der Informationsgehalt eines Geräusches kann die Aufmerksamkeit und damit die Störwirkung erhöhen. Ton-, Impuls- und Informationshaltigkeit sowie Ruhezeiten werden bei der Beurteilung nach der TA Lärm durch Zuschläge berücksichtigt.

Daneben wirken subjektive Faktoren: Lärm stört besonders beim Schlafen und bei Tätigkeiten, die hohe Konzentration verlangen. Persönliche Vorlieben sowie soziale und kulturelle Bewertungen beeinflussen das Urteil, etwa bei Kirchenglocken im Vergleich zu einem laufenden Motor. Der gesundheitliche Zustand kann die Empfindlichkeit erhöhen; genannt werden Depressionen und Meningitis. Bei Epilepsie und Eklampsie kann Lärm einen Anfall auslösen. Introvertierte und hochsensible Menschen gelten als lärmempfindlicher.

Von Lärmbelästigung spricht man, wenn ein Geräusch eine Aktivität unterbricht oder behindert. Besonders betroffen sind sprachliche Kommunikation, Denkleistungen, Lernen, Entspannung sowie das Ein- und Durchschlafen. Ein lautes Gespräch am Nachbartisch kann beispielsweise das Zuhören erschweren, während eine gleichmäßige, unbestimmte Geräuschkulisse teilweise ausgeblendet werden kann; dies wird als Cocktailparty-Effekt bezeichnet.

Quellen und typische Schallpegel

Nach der Quelle unterscheidet das deutsche Rechtssystem insbesondere Verkehrslärm – also Straßenverkehrs-, Schienenverkehrs- und Fluglärm –, Gewerbe- und Industrielärm, Baustellenlärm sowie Nachbarschafts- und Freizeitlärm. Weitere Quellen sind beispielsweise Glockengeläut, Schießplätze und öffentliche Veranstaltungen, für die teilweise besondere Regelwerke gelten. Der im Zuge der europäischen Einigung geprägte Begriff Umgebungslärm soll die Gesamtheit der vom Menschen wahrgenommenen unterschiedlichen Lärmquellen erfassen.

Typische Beispiele für Schallpegel zeigen die große Spannweite: Uhrticken erreicht etwa 20 dB, Flüstern 30 dB, ein Kühlschrank oder ein normales Gespräch 50 dB und ein Büro 60 dB. Ein lautes Gespräch oder ein Rasenmäher liegt bei ungefähr 70 dB, starker Straßenverkehr bei 80 dB. Für eine laute Fabrikshalle oder einen schweren Lkw werden 90 dB angegeben, für einen Presslufthammer oder eine Diskothek 100 dB und für eine Kesselschmiede 110 dB. Ein Verkehrsflugzeug in 50 m Entfernung erreicht etwa 120 dB.

Messung und rechtliche Bewertung

Schallpegelmesser erfassen den Schalldruckpegel in Dezibel (dB). Fast immer wird eine A-Bewertung verwendet, die häufig als dB(A) geschrieben wird. Einige Geräte können außerdem die Lautheit nach ISO 532 B bestimmen.

Für die rechtliche Bewertung in Deutschland wird die Schallimmission, also der am betrachteten Ort einwirkende Schall, gemessen oder berechnet. Daraus entsteht ein Beurteilungspegel. Dabei werden zum gemessenen Pegel Zuschläge für besonders störende Eigenschaften wie Tonhaltigkeit („Quietschen“) oder Impulshaltigkeit („Hämmern“) addiert. Mess- und Berechnungsverfahren können sich je nach Lärmart grundlegend unterscheiden, etwa bei Fluglärm und Straßenverkehrslärm. Häufig verwendete Jahresmittelwerte erlauben keine zuverlässigen Aussagen über einzelne Lärmereignisse.

Die Lautheitsmessung soll die menschliche Lautstärkewahrnehmung möglichst genau abbilden. DIN 45631 und ISO 532 B beschreiben entsprechende Verfahren. Das Ergebnis wird in Sone angegeben. Sone ist ein lineares Maß: Eine Verdoppelung des Sone-Wertes entspricht einer Verdoppelung der wahrgenommenen Lautstärke. Als logarithmische Vergleichsgröße zur Pegelmessung kann der Lautstärkepegel in Phon angegeben werden.

Am Arbeitsplatz wird der Lärmexpositionspegel nach DIN EN ISO 9612 (2009-09) bestimmt. Da die Belastung meist aus mehreren Tätigkeiten besteht, werden deren jeweilige Lärmbelastungen und Zeitanteile zur Gesamtexposition einer Person zusammengeführt. Dafür stellt das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung einen Lärmexpositionsrechner als Excel-Tabelle und Webanwendung bereit.

Gesundheitliche Folgen

Lärm kann Menschen und Tiere belasten und schädigen. Eine gesundheitliche Gewöhnung an Lärm ist nicht möglich. Tiere können betroffen sein, weil viele Arten zur Kommunikation auf Schallsignale angewiesen sind; Auswirkungen wurden beispielsweise bei Singvögeln in Städten beobachtet. Außerdem werden Langzeitwirkungen auf Pflanzen genannt.

Schon bei 45 dB(A) ist eine entspannte Unterhaltung erschwert. Bei 50 dB(A) heben Menschen ihre Stimme an, bei 60 dB(A) müssen sie laut sprechen. Bei einer Außenbelastung von mehr als 65 dB(A) verändern Anwohner ihr Verhalten, halten beispielsweise Fenster geschlossen und nutzen Balkone nicht mehr.

Die WHO bezeichnete Lärm in einer im Frühjahr 2011 veröffentlichten Studie nach der Luftverschmutzung als zweitgrößten Umweltfaktor, der die Krankheitslast erhöht. Nach Schätzung der Europäischen Umweltagentur sind in Europa rund 20 Prozent der Menschen einem nach WHO-Definition gesundheitsschädlichen Lärmpegel ausgesetzt. Lärm greift nicht nur das Ohr an, sondern kann auch den Haushalt von Stresshormonen, besonders Cortisol und anderen Kortikosteroiden, stören. Mögliche Folgen sind körperlicher und seelischer Stress, geringere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, eine Schwächung oder Schädigung des Immunsystems und ein erhöhtes Unfallrisiko, wenn Warnsignale verdeckt werden.

Nächtlicher Lärm, etwa Nachtfluglärm, gilt als besonders kritisch. Auch einzelne hohe Pegel können bei dauerhafter Belastung die Gesundheit gefährden; Maximalpegel ab 45 dB(A) können Aufwachreaktionen auslösen. Eine Erhöhung um 10 dB wird als Verdoppelung der Lautstärke wahrgenommen. Der tatsächliche Schalldruck verdoppelt sich dagegen bereits bei einer Erhöhung um 3 dB.

Ab 55 dB(A) werden Geräusche vermehrt als Belästigung empfunden. Eine länger anhaltende Belastung mindert Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Geräusche von 65 bis 75 dB(A) lösen körperlichen Stress aus, der zu arterieller Hypertonie (Bluthochdruck), Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Myokardinfarkt (Herzinfarkt) beitragen kann. Lärm kann außerdem die Bildung von Magensaft vermindern und Magengeschwüre verursachen.

Bei dauerhafter Einwirkung A-bewerteter Schalldruckpegel ab 85 dB ist das Gehör gefährdet; über längere Zeit kann eine Lärmschwerhörigkeit entstehen. Berufsbedingte Einschränkungen des Hörvermögens stehen in Deutschland an erster Stelle der Berufserkrankungen. Oberhalb von 110 dB(A) kann bereits ein einzelnes Ereignis ein akutes Schalltrauma verursachen, besonders beim Überschreiten der Schmerzschwelle. Das Schadensausmaß hängt von Einwirkungsdauer und Tonhöhe ab. Neben Stress gilt Lärm als Hauptrisikofaktor für Tinnitus.

Laut Artikel ist eine dauerhafte Lärmbelästigung von 55 dB für rund 15 % aller Demenzerkrankungen verantwortlich; als Ursachen werden ein erhöhter Stresspegel und eine verringerte Schlafqualität genannt.

Nutzung und Schutz

Lärm wird teilweise absichtlich erzeugt. Im Freizeitbereich dienen dazu Lärminstrumente wie Trillerpfeifen, Ratschen, Blockflötenköpfe und Vuvuzelas, die seit der Fußball-WM 2010 auch in Europa bekannt sind. Schallkanonen können als nicht tödliche Mittel gegen Menschen eingesetzt werden, beispielsweise gegen Piraterie. Die New Yorker Polizei verwendete bei Demonstrationen LRAD-Geräte (Long Range Acoustic Devices). Gerichtete Lautsprecher erzeugen dabei für Menschen unerträglichen Lärm mit besonders unangenehmem Frequenzspektrum und hohem Schalldruck. In der Musik kann große, elektrisch verstärkte oder verzerrte Lautstärke zunächst als unmusikalischer, ungewohnter oder politisch störender „Krach“ wahrgenommen werden; als Beispiel nennt der Artikel Jimi Hendrix.

Zum Schutz dienen Lärmvermeidung, etwa durch weniger oder langsameren Verkehr, technische Verbesserungen wie leisere Motoren sowie Schalldämmung, Lärmschutzwände und -wälle oder Lärmschutzfenster. Rechtliche Grundlagen sind in Deutschland unter anderem das Bundes-Immissionsschutzgesetz und die Straßenverkehrs-Ordnung, die vermeidbare Belästigungen erfasst. Auf europäischer Ebene gilt die Umgebungslärmrichtlinie. Vorschriften zur Nachtruhe können die Belastung ebenfalls verringern.

Der deutsche „Tag gegen Lärm“ wurde 1998 ausgerufen und findet jährlich am letzten Mittwoch im April statt. Er ist die deutsche Variante des International Noise Awareness Day und wird von der Deutschen Gesellschaft für Akustik organisiert. Aktionen wie Malwettbewerbe für Kinder, virtuelle Hörreisen und thematische Stadtführungen sollen unterschiedliche Altersgruppen für Lärmschutz, Ruhe, gutes Hören und Zuhören sensibilisieren. Das Umweltbundesamt kritisierte 2012, das gesellschaftliche Lärmbewusstsein sei im Vergleich zum Bewusstsein für andere negative Umwelteinflüsse wenig ausgeprägt.

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