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Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV; englisch price-to-earnings ratio, PER oder P/E) ist in der Aktienanalyse und der Fundamentalanalyse eine …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Grundidee
  2. 2. Berechnung und Bedeutung
  3. 3. Rechenbeispiele und Sonderfall Verluste
  4. 4. Varianten und Shiller-KGV
  5. 5. Einordnung, Zinsen und Aussagekraft
  6. 6. Unterschiede und wirtschaftliche Bewertung

Definition und Grundidee

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, ist eine Kennzahl der Aktienanalyse und Fundamentalanalyse. Es setzt den Börsenkurs einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Auf Englisch heißt es price-to-earnings ratio, PER oder P/E.

Das KGV soll zeigen, mit welchem Vielfachen des Gewinns eine Aktie an der Börse bewertet wird. Es kann für eine einzelne Aktie, einen ganzen Wirtschaftszweig oder den gesamten Aktienmarkt berechnet werden. Anleger können das KGV zusammen mit anderen Kennzahlen als Grundlage für Kauf-, Halte- oder Verkaufsentscheidungen nutzen.

In der Fundamentalanalyse werden Unternehmensdaten ausgewertet. Beispiele sind die Dividende bei der Aktienrendite oder Dividendenrendite, der Jahresüberschuss beim KGV, der Buchwert beim Kurs-Buchwert-Verhältnis, die Umsatzerlöse beim Kurs-Umsatz-Verhältnis und der Cashflow beim Kurs-Cash-Flow-Verhältnis. Durch den Vergleich des KGV einer Aktie mit dem durchschnittlichen KGV einer Branche kann man das Kursniveau einer Aktie besser einordnen.

Berechnung und Bedeutung

Die Grundformel lautet:

KGV = K / G

Dabei ist K der Börsenkurs und G der Gewinn je Aktie. Der Gewinn je Aktie wird auch EPS genannt, von englisch earnings per share. Er ist der Jahresüberschuss einer Aktiengesellschaft geteilt durch die Gesamtstückzahl des umlaufenden Streubesitzes.

Das KGV kann so verstanden werden: Es gibt an, wie viele Jahre die Aktiengesellschaft bei gleichbleibendem Gewinn je Aktie brauchen würde, bis der gegenwärtige Kurswert erreicht ist. Es macht aber keine verlässliche Aussage über künftige Gewinnchancen.

Statt des Gewinns je Aktie können auch die ausgeschüttete Dividende oder der EBIT je Aktie verwendet werden. EBIT bedeutet Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Eine alternative Berechnung stellt den Gewinn g der Marktkapitalisierung mc gegenüber:

KGV = mc / g

Die Marktkapitalisierung ist der Börsenwert eines Unternehmens.

Rechenbeispiele und Sonderfall Verluste

Beispiel 1: Der aktuelle Kurs einer Aktie beträgt 50 €. Im letzten Geschäftsjahr wurde ein Gewinn von 4 € je Aktie erzielt. Dann gilt:

KGV = 50 / 4 = 12,5

Das bedeutet: Die Aktie wird mit dem 12,5-Fachen des Ergebnisses des letzten Geschäftsjahres bewertet. Wenn das Unternehmen jedes Jahr 4 € Gewinn pro Aktie erzielen würde, dauerte es 12,5 Jahre, bis 50 € erwirtschaftet wären. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn das Unternehmen 16 Mio. Gewinn erwirtschaftet und 4 Mio. Aktien ausgegeben hätte.

Beispiel 2: Der aktuelle Kurs einer Aktie beträgt 50 €. Analysten erwarten für das kommende Geschäftsjahr einen Gewinn von 5 € je Aktie. Dann gilt:

KGV = 50 / 5 = 10

Diese Kennzahl zeigt, mit welchem Vielfachen ihres erwarteten Ergebnisses die Aktie bewertet wird. Steigt der Gewinn von 4 € auf 5 €, verkürzt sich die rechnerische Zeit, bis der Aktienpreis durch Gewinne erreicht wäre, von 12,5 auf 10 Jahre.

Diese Deutung funktioniert nicht, wenn ein Unternehmen Verluste macht. Dann ist das KGV nach der Definition negativ, und die Aktie könnte rechnerisch niemals durch Gewinn „bezahlt“ werden. Um diese Lücke bei Werten unter 0 zu umgehen, wird häufig der Kapitalfluss, also der Cashflow, verwendet. Daraus entsteht das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis, abgekürzt KCV oder KCF.

Varianten und Shiller-KGV

In der US-amerikanischen Fachliteratur gibt es zwei wichtige Varianten des KGV. Beim Trailing P/E werden Gewinne der letzten zwei oder drei Quartale aus fortgeführten Aktivitäten berücksichtigt. Die Formel lautet:

KGV = K / Gq

Dabei steht Gq für die Quartalsgewinne. Diese Variante betrachtet also die Ertragslage der Vergangenheit.

Beim Forward P/E wird der prognostizierte Jahresüberschuss des nächsten Geschäftsjahres verwendet. Die Formel lautet:

KGV = K / Gp

Dabei steht Gp für den erwarteten Gewinn. Diese Variante berücksichtigt die künftig prognostizierte Ertragskraft.

Weitere Abwandlungen sind üblich, aber nicht standardisiert. Oft werden andere Einkommensgrößen verwendet, zum Beispiel bereinigt um außergewöhnliche Ereignisse oder einmalige Gewinne und Verluste. Für Unternehmen mit Verlusten oder stark veränderten Gewinnen kann ein „primäres KGV“ verwendet werden, das auf Gewinnprognosen für die nächsten Jahre und einer Abschlagsberechnung beruht.

Eine besondere Form ist das Shiller-KGV, auch Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio, CAPE, P/E 10 ratio oder Shiller P/E genannt. Robert J. Shiller verfeinerte das KGV, indem er beim Gewinn den inflationsbereinigten Durchschnitt der letzten zehn Jahre zugrunde legte. Dadurch sollen stark schwankende und zufällige Gewinne geglättet werden. Das Shiller-KGV wird besonders bei der Asset Allocation genutzt, um auf die durchschnittliche Marktrendite der kommenden zehn Jahre zu schließen und Überbewertungen, etwa durch Spekulationsblasen, zu erkennen. Um das Leitzinsumfeld einzubeziehen, formulierte Shiller den Excess CAPE Yield.

Einordnung, Zinsen und Aussagekraft

Die Gewinnrendite ist der Kehrwert des KGV in Prozent. Sie wird berechnet als Gewinn je Aktie geteilt durch Aktienkurs und kann als Verzinsung der Aktie verstanden werden.

Das KGV des Aktienmarkts wird auch vom Zinsniveau beeinflusst. Weil Anleger Anlagen mit hoher Rendite bevorzugen, gleichen sich Renditen nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage durch Arbitrage-Geschäfte teilweise an. Der Aktienkurs passt sich demnach so an, dass der Kehrwert des KGV sich am herrschenden Zinssatz orientiert, bereinigt um Risikoaufschläge. Senkt die Zentralbank den Leitzins, steigen ceteris paribus mit Zeitverzögerung die KGV und die Aktienkurse. Wird der Leitzins erhöht, sinken entsprechend KGV und Aktienkurse. Außerdem kann der Zinssatz über Fremdkapitalkosten die Unternehmensgewinne beeinflussen.

Obwohl das KGV eine der meistgebrauchten Kennzahlen zur Aktienbewertung ist, muss es vorsichtig interpretiert werden. Gewinne können nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden. Wichtige Einflussfaktoren sind Konjunkturschwankungen, innerbetriebliche Veränderungen, Wettbewerb, Konsumverhalten, Zinsentwicklung, Produktlebenszyklen, Wetter oder politische Entscheidungen anderer Wirtschaftssubjekte.

Einmalige außerordentliche Erträge und Aufwendungen sowie vorübergehende Schwankungen des Steuersatzes sollten nicht überbewertet werden. Bei unsicheren Schätzungen sind Risikoabschläge nötig, etwa auf Schrumpfmärkten oder bei Marktsättigung. Bei sicheren Wachstumsperspektiven kann ein KGV-Aufschlag möglich sein.

Die Höhe der Gewinne kann in gewissen Grenzen durch stille Rücklagen, Rückstellungen oder Zahlungsbedingungen beeinflusst werden. Eine zusätzliche Analyse des Cashflows kann hier helfen. Außerdem beschreibt das KGV vor allem die aktuelle Ertragslage, nicht sicher die zukünftige Ertragskraft. Für das KGV relevant ist der Gewinn je Aktie nach Abzug von Zinsaufwand, Steuern und konzernfremden Gewinnanteilen. Zu beachten ist auch, ob ein aktueller Aktienkurs oder ein Durchschnittswert verwendet wurde.

Unterschiede und wirtschaftliche Bewertung

KGV-Werte schwanken stark nach Land, Branche und Zeitraum. Gründe sind unterschiedliche Chancen und Risiken von Aktien sowie Unterschiede im Zins- und Preisniveau.

Im deutschen Aktienmarkt galten in den 1970er und 1980er Jahren KGVs von 8 als billig und von 15 als teuer. Seit den 1990er Jahren schwanken die KGVs für den Gesamtmarkt zwischen 12 und 25. Bei den 30 DAX-Werten liegt das KGV im historischen Durchschnitt bei 14,6. Ende 2008 betrug das KGV dagegen weniger als 10.

Grundsätzlich gilt: Je niedriger der KGV-Wert ist, desto größer erscheint das Kurspotenzial nach oben, und umgekehrt. Bei einem KGV von unter 15 wird im Artikel ein Underperformer genannt, der eine Kaufempfehlung rechtfertigt; bei über 22 sollte für den Outperformer eine Verkaufsempfehlung abgegeben werden. Das Marktrisiko steigt mit zunehmendem KGV-Wert, und Aktien mit niedrigem KGV gelten gegenüber solchen mit hohem KGV als vorzuziehen.

Diese Aussagen sind aber betriebswirtschaftlich nicht ganz sicher. Der KGV-Wert allein sagt nichts Verlässliches über das Kurspotenzial einer Aktie aus. Außerdem unterscheidet sich das KGV-Niveau je nach Wirtschaftszweig und Staat. Wenn viele Aktionäre bei hohem KGV verkaufen, sinkt ceteris paribus der Kurs, und das KGV fällt wieder, ohne dass sich die Ertragslage des Unternehmens geändert haben muss.

Empirische Untersuchungen zeigen, dass Aktien mit niedrigem KGV eine höhere Dividendenrendite erzielen als Aktien mit hohem KGV. Zwischen KGV und Performance besteht jedoch nur eine geringe positive Korrelation. Deshalb kann das KGV Kauf-, Halte- oder Verkaufsentscheidungen nur zusammen mit anderen Kennzahlen wie Fundamentaldaten und Kurstrends vorbereiten.

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