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Kristof Magnusson

Kristof Magnusson (* 4. März 1976 in Hamburg als Kristof Weitemeier-Magnusson) ist ein deutsch-isländischer Schriftsteller und Übersetzer.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und Lebensweg
  2. 2. Merkmale des Werks
  3. 3. Theaterstücke
  4. 4. Romane und Sachbücher
  5. 5. Übersetzungen, Projekte und Auszeichnungen

Person und Lebensweg

Kristof Magnusson, geboren am 4. März 1976 in Hamburg als Kristof Weitemeier-Magnusson, ist ein deutsch-isländischer Schriftsteller und Übersetzer. Besonders bekannt wurde er mit der Komödie „Männerhort“. Er schreibt Romane, Theaterstücke, Erzählungen, Essays und Reportagen und übersetzt Literatur aus dem Isländischen und Altisländischen ins Deutsche.

Magnusson ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines isländischen Vaters. Beide waren Lehrer. Er wuchs zweisprachig in Hamburg auf und verbrachte seine Sommerferien regelmäßig in Island. Nach dem Abitur leistete er bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in New York den Anderen Dienst im Ausland und arbeitete dort mit Obdachlosen und Überlebenden des Holocaust.

Zunächst ließ er sich bei der evangelischen Landeskirche Nordelbien zum Kirchenmusiker ausbilden. Anschließend studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, Szenisches Schreiben an der Hochschule der Künste Berlin und ein Jahr lang Isländische Literatur an der Universität Reykjavík.

Als Writer in Residence, also als zeitweise an eine Institution eingeladener Schriftsteller, arbeitete er unter anderem 2008 an der University of Iowa, 2010 am Grinnell College, 2013 an der Queen Mary University of London und 2014 am Massachusetts Institute of Technology. Am Deutschen Literaturinstitut Leipzig unterrichtete er in den Wintersemestern 2012/2013 und 2016/2017 als Gastprofessor Literarisches Schreiben. Im Wintersemester 2015/2016 war er Poetikdozent an der Hochschule RheinMain. Magnusson gehörte bis zu seinem Austritt dem PEN-Zentrum Deutschland an und ist Mitgründer des PEN Berlin. Außerdem wirkt er regelmäßig in Jurys für Literatur und Übersetzung mit.

Merkmale des Werks

Magnussons Werk umfasst vor allem Romane und Theaterstücke, daneben Erzählungen, Essays, Reportagen, Sachbücher und Übersetzungen. Seine Texte verbinden häufig Komik, Leichtigkeit und Unterhaltung mit genau recherchierten gesellschaftlichen Milieus. Der Blick auf Figuren, die oft auf ungewöhnliche Abwege geraten, wird als „sarkastisch, doch liebevoll“ beschrieben. Typisch sind ein schnelles Erzähltempo, handlungsreiche Geschichten sowie pointierte und schlagfertige Dialoge.

Magnusson trat zuerst als Dramatiker hervor und arbeitete bei Stücken wie „Männerhort“ und „Apokalypse Miau“ mit dem Regisseur Kay Voges zusammen. Seine ersten vier Romane erschienen im Verlag Antje Kunstmann: „Zuhause“ (2005), „Das war ich nicht“ (2010), „Arztroman“ (2014) und „Ein Mann der Kunst“ (2020). „Die Reise ans Ende der Geschichte“ erschien 2026 bei Klett-Cotta. Hinzu kommen das Sachbuch „Gebrauchsanweisung für Island“ (2011) und ein autobiografisch geprägter Band über die Pet Shop Boys (2021).

Theaterstücke

Den Durchbruch brachte die Komödie „Männerhort“ von 2002, die am 19. Oktober 2003 unter der Regie von Kay Voges am Schauspiel Bonn uraufgeführt wurde. Sie handelt von einem Rückzugsort für Männer in einem Einkaufszentrum. Das Stück wurde international gespielt und in zahlreiche Sprachen übertragen. Der Artikel nennt an einer Stelle Aufführungen auf über 120 Bühnen, später spricht er von über 80 Theatern im In- und Ausland. Im Oktober 2014 kam eine gleichnamige Verfilmung in die deutschen Kinos.

Zu den früheren Stücken gehören „Enge im Haus und im Sarg“, das am 7. November 2000 an der Berliner Volksbühne uraufgeführt wurde, und die Farce „Der totale Kick“ mit ihrer Uraufführung am 1. November 2001 am Staatsschauspiel Dresden. „Enge im Haus und im Sarg“ verbindet eine zeitlose Welt beschäftigungsloser Jäger mit einer gegenwärtigen Großstadtgeschichte und behandelt Identität, Freiheit, Gewalt und Liebessehnsucht. In „Der totale Kick“ scheitert der Einbruch einer jungen Frau und ihres ängstlichen Verlobten am Widerstand einer alten Dame und ihrer Freundinnen.

Die Komödie „Sushi für alle“ wurde am 11. März 2011 am Schauspiel Dortmund uraufgeführt. Darin sucht ein vermutlich todkranker Familienvater einen Nachfolger als Partner seiner Frau und Vater seiner Kinder. Bühnenfassungen der Romane „Zuhause“ und „Das war ich nicht“ wurden 2010 in Rostock beziehungsweise Basel uraufgeführt. Am 1. Dezember 2022 folgte am Volkstheater Wien „Apokalypse Miau – eine Weltuntergangskomödie“. Das mit Gunnar Klack als Mitarbeiter entstandene Ensemble-Stück besitzt acht ähnlich wichtige Rollen.

Romane und Sachbücher

Der Debütroman „Zuhause“ erschien im August 2005. Im Mittelpunkt steht Lárus Lúðvígsson, der nach dem Ende seiner Beziehung von Hamburg nach Reykjavík reist. Dort erfährt er, dass ihn das isländische Einwohnermeldeamt als tot registriert hat. Seine Beziehung zur Jugendfreundin Matilda ist von Streit geprägt, und eine Liaison mit Dagur führt ihn in die Geheimnisse einer mächtigen Familie. Nach Dagurs Tod entdeckt Lárus zugleich ein verborgenes Kapitel seiner eigenen Kindheit. Der Roman verbindet humoristisch Elemente des Schelmenromans, des Entwicklungsromans, des Krimis und des Roadmovies mit Stoffen isländischer Sagas und Zitaten aus Popsongs.

„Das war ich nicht“ von 2010 erzählt abwechselnd aus der Sicht des Investmentbankers Jasper Lüdemann, des Bestsellerautors Henry LaMarck und der Übersetzerin Meike Urbanski. Alle drei geraten in persönliche Krisen und werden durch Liebe und Geld voneinander abhängig. Schauplätze sind unter anderem Chicago, Hamburg, das Ruhrgebiet und die norddeutsche Landschaft hinter dem Deich. Zugleich behandelt der Roman auf sarkastische und unterhaltsame Weise die Banken- und Finanzkrise. Er stand 2010 auf der Spiegel-Bestsellerliste und der SWR-Bestenliste und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Der gründlich recherchierte „Arztroman“ von 2014 spielt in Berlin. Ausgangspunkt ist die Rettungsstelle des Kreuzberger Klinikums Am Urban, in der die Notärztin Dr. Anita Cornelius arbeitet. Erzählt werden ihre beruflichen und privaten Konflikte. Auch dieser Roman erreichte die Spiegel-Bestsellerliste.

In „Ein Mann der Kunst“ von 2020 lebt der berühmte, menschenfeindliche Maler KD Pratz zurückgezogen auf einer Burg am Rhein. Weil in Frankfurt ein Museum für ihn gebaut werden soll, muss ein Förderverein zustimmen. Museumsdirektor Neuhuber bewegt Pratz dazu, die möglichen Geldgeber zu empfangen. Aus dieser Begegnung entwickelt sich eine Komödie über Kunst und den Kunstbetrieb. 2026 wurde der Roman als Buch der Serie „Ein Buch für die Stadt“ ausgewählt.

Die „Gebrauchsanweisung für Island“ von 2011 ist kein gewöhnlicher Reiseführer. Magnusson verbindet darin essayistisch Beobachtungen, Anekdoten und Fakten über Islands Geschichte, Kultur, Bevölkerung und Literatur. Er untersucht verbreitete Klischees teils kritisch, teils augenzwinkernd. Im Band über die Pet Shop Boys von 2021 betrachtet er die Band autobiografisch, unter anderem als queere Identifikationsfiguren. Dabei schreibt er erstmals autobiografisch über seine Sexualität, Identität und Beziehung zu Gunnar Klack. Den 2020 erschienenen „Akzente“-Band „Nostalgie“ gab Magnusson heraus; darin wird Nostalgie auch als politisch problematisches Denkmodell behandelt, wenn aus einer idealisierten Vergangenheit die Forderung nach einer gesellschaftlichen Rückkehr zu einem angeblich besseren Früher entsteht.

Übersetzungen, Projekte und Auszeichnungen

Magnusson übersetzt Prosa, Theaterstücke und Gedichte aus dem Isländischen und Altisländischen. Sein Spektrum reicht von mittelalterlichen Sagas bis zur Gegenwartsliteratur. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören Einar Kárason, Hallgrímur Helgason, Sigurbjörg Þrastardóttir, Þorvaldur Þorsteinsson, Auður Jónsdóttir, Steinar Bragi und Arnaldur Indriðason. Außerdem schuf er eine Neuübersetzung der mittelalterlichen „Saga von Grettir Ásmundarson“.

Sein Übersetzungsprinzip nennt er „Wirkungsäquivalenz“: Der deutsche Text soll auf deutsche Leser möglichst so wirken wie das Original auf isländische Leser. Deshalb übersetzt er beispielsweise das isländische Neuwort „tölva“, wörtlich „Zahlenhexe“, mit „Computer“, weil damit vergleichbare Assoziationen entstehen. Er nutzt die gesamte Bandbreite des Deutschen einschließlich Fremdwörtern und vermeidet künstlich altertümliches germanisches Vokabular. Obwohl er zweisprachig aufwuchs, bezeichnet er Deutsch eindeutig als seine Muttersprache und schreibt eigene Literatur nur auf Deutsch.

2016/2017 beteiligte er sich am Projekt „Frankfurt, Deine Geschichte. Literatur in einfacher Sprache“. Sechs Autoren entwickelten dafür ein Regelwerk und verfassten zugängliche Texte zur Frankfurter Geschichte. Ziel war soziale Inklusion durch neue Literatur für Menschen, denen herkömmliche Texte sprachliche Barrieren setzen. Es ging nicht darum, sämtliche vorhandene Literatur zu vereinfachen. Magnusson sah in den Regeln zugleich eine Möglichkeit für sprachlichen Minimalismus und künstlerische Experimente.

Zu seinen wichtigen Ehrungen gehören der Hamburger Förderpreis für Literatur 2003 für „Zuhause“, der Rauriser Literaturpreis 2006 für denselben Roman, die Nominierung von „Das war ich nicht“ für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2010, der Euregio-Schüler-Literaturpreis 2012 und der Jane-Scatcherd-Preis 2016 für seine Übersetzungen aus dem Isländischen. Für 2023/2024 erhielt er den Rompreis der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo; 2024 war er Bonner Stadtschreiber. Bereits seit 2001 erhielt er zahlreiche Arbeits- und Aufenthaltsstipendien für sein Schreiben und Übersetzen.

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