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Kriegerdenkmal

Ein Kriegerdenkmal oder Gefallenendenkmal erinnert an die im Krieg ums Leben gekommenen Soldaten einer Nation, einer Schlacht, eines bestimmten Wohnortes …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Funktionen
  2. 2. Entwicklung in Deutschland
  3. 3. Deutsche Denkmäler nach Kriegen
  4. 4. Bundeswehr und Österreich
  5. 5. Weitere Länder

Grundidee und Funktionen

Ein Kriegerdenkmal oder Gefallenendenkmal erinnert an Soldaten, die im Krieg ums Leben gekommen sind. Es kann sich auf die Gefallenen einer Nation, einer Schlacht, eines Wohnortes oder eines militärischen Truppenteils beziehen. Solche Denkmäler werden auch Ehrenmale genannt und gehören in vielen Ländern zum Stadt- und Landschaftsbild. In Mitteleuropa sind besonders Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs verbreitet; viele wurden später um Inschriften für die Toten des Zweiten Weltkriegs ergänzt. Kriegerdenkmäler sind von Siegesdenkmalen zu unterscheiden, die vor allem einen militärischen Erfolg feiern.

Kriegerdenkmäler im heutigen Sinn entstanden nach der Französischen Revolution und der Levée en masse, also der allgemeinen Mobilisierung großer Bevölkerungsgruppen für den Krieg. Neu war, dass nicht nur Feldherren und Offiziere, sondern auch einfache Soldaten erinnert wurden. Eine besondere Form sind Schlachtendenkmäler, die den Tod namentlich bekannter oder anonymer Soldaten einer Schlacht darstellen.

Die Funktion solcher Denkmäler ist mehrdeutig. Sie sollen Angehörige trösten, indem sie dem Tod der Gefallenen einen Sinn geben. Sie sollen Überlebende auf das Vorbild der Opfer verpflichten und zugleich den Staat und seine Ideale darstellen. Deshalb waren und sind Kriegerdenkmäler oft umstritten: Verschiedene Gruppen verbinden mit ihnen unterschiedliche Vorstellungen von Krieg, Trauer, Heldentum, Nation, Volk, Freiheit oder Frieden.

Entwicklung in Deutschland

In Deutschland begann die Geschichte der Kriegerdenkmäler kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts, unter anderem im Zusammenhang mit den Befreiungskriegen 1813–1815 und dem Deutschen Krieg 1866. Danach gab es zwei große Entstehungswellen: Die erste folgte auf den für Deutschland siegreichen Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871. Die zweite, deutlich größere Welle setzte nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg etwa 1920 ein und dauerte während der Weimarer Republik an.

In Deutschland sollen sich, einschließlich Gedenktafeln, über 100.000 Kriegerdenkmäler befinden. Zu den ältesten deutschen Beispielen im heutigen Sinn gehören Denkmäler und Tafeln für Gefallene der napoleonischen Kriege; eines der ersten ist das York-Blücher-Denkmal in Nossentin von 1806. Ein wichtiger Hintergrund war der Wandel von Söldnerheeren zu Armeen, in denen der Staat versprach, den Tod auf dem Schlachtfeld ehrend zu erinnern. Für Preußen regelte König Friedrich Wilhelm III. dies am 5. Mai 1813 in einer Verordnung über bleibende Denkmäler für diejenigen, die „für Unabhängigkeit und Vaterland“ gefallen waren.

Viele Kriegerdenkmäler nennen die Gefallenen und Vermissten eines Ortes namentlich. Wenn nur ein Widmungstext ohne Namen vorhanden ist, handelt es sich nach der Darstellung des Artikels eher um ein Ehrenmal oder Mahnmal. In größeren Städten waren vollständige Namenslisten oft schwer oder unmöglich zu erstellen. Materialien wie Bronze, Granit, Marmor oder Findlinge sollten Dauerhaftigkeit ausdrücken. Bis 1945 betonten Inschriften häufig Tugenden wie Tapferkeit, Mut, Vaterlandsliebe, Treue, Opferbereitschaft, Kameradschaft und Pflichterfüllung. Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte stärker die Deutung der Toten als Kriegsopfer und das Denkmal als Mahnung zum Frieden in den Vordergrund.

Deutsche Denkmäler nach Kriegen

Nach den Einigungskriegen von 1864, 1866 und 1870/71 ehrten viele Denkmäler nicht nur Gefallene, sondern auch überlebende Kriegsteilnehmer. Nach der Reichsgründung und dem Sieg über Frankreich wurden Soldaten in Inschriften oft als „siegreiche Helden“ bezeichnet. Die Denkmäler standen häufig an zentralen Orten wie Rathaus, Schulhaus, Marktplatz oder Stadtgarten und wurden von Kriegervereinen und Gemeinden gestiftet. Häufige Symbole waren Nike beziehungsweise Victoria, Germania, Adler mit ausgebreiteten Schwingen und der Obelisk als Siegeszeichen. Ein Gesetz von 1890 übertrug die Befugnis zur Errichtung von Denkmälern auf die Gemeinden; besonders zu Jubiläen des Sedantags entstanden danach viele neue Ehrenmale.

Für die Gefallenen von 1914–1918 stand wegen der hohen Opferzahl zunächst das Totengedenken im Mittelpunkt. Stifter waren oft Gemeinden oder Kirchengemeinden, weshalb viele Denkmäler an oder in Kirchen standen. Weil der Krieg verloren, das Kaiserreich beendet und die alte Armee aufgelöst war, fehlten häufig nationale Symbole. Typisch waren Eisernes Kreuz, Eichenlaub, Schwert, Stahlhelm und christliche Symbolik. In fast jedem Dorf in Deutschland und Österreich wird an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnert, während Großstädte selten Gesamtdenkmäler mit allen Namen besitzen. Beispiele für andere Formen waren Gedenkbücher oder größere Namensdenkmäler wie in München oder Bremen. In den 1920er Jahren gab es auch pazifistische Gegenakzente, etwa Denkmäler mit der Inschrift „Nie wieder Krieg“.

Nach 1933 rückten Denkmäler für 1914–1918 stärker Opferbereitschaft, Kampfbereitschaft, Mut und Siegesgewissheit in den Mittelpunkt. Wieder häufiger waren Siegessymbole wie Säulen, Adler, Schwerter und Flammen sowie heroische Kampfdarstellungen. Viele Denkmäler wurden an zentralen Orten und abseits von Kirchen errichtet, um das „Heldengedenken“ stärker öffentlich und weniger christlich-trauernd erscheinen zu lassen. Für die geplante „Welthauptstadt Germania“ war ein riesiger Triumphbogen mit den Namen von etwa zwei Millionen im Ersten Weltkrieg gefallenen Deutschen vorgesehen; aus der Vorbereitung blieb der Schwerbelastungskörper erhalten.

Nach 1945 wurden reine Kriegerdenkmäler nur noch vereinzelt neu errichtet. Wegen der enormen Zahl ziviler Opfer des Zweiten Weltkriegs, der politischen Diskussionen und des Pazifismus der Nachkriegszeit wurden Denkmäler meist allen Opfern des Krieges gewidmet. Häufig verzichtete man auf einzelne Namen, auch weil Millionen Vertriebene und Vermisste eine genaue Erfassung erschwerten. Oft wurden ältere Denkmäler für 1914–1918 um Namen der Toten von 1939–1945 ergänzt. Christliche Symbole wie Kreuz, Pietà oder Palmzweige wurden häufig verwendet. In der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR verhinderte die politische Lage deutsche Kriegerdenkmäler für 1939–1945 weitgehend. Die Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrates vom 31. Mai 1946 untersagte Denkmäler, die deutsche militärische Tradition oder nationalsozialistische Erinnerung bewahren oder kriegerische Ereignisse verherrlichen sollten; bestehende Denkmäler sollten bis zum 1. Januar 1947 entfernt werden, mit Ausnahmen für Anlagen von allgemeinem Nutzen oder großem architektonischen Wert.

Bundeswehr und Österreich

Das Ehrenmal der Bundeswehr steht am Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung auf dem Gelände des Bendlerblocks. Es wurde nach einem Entwurf des Münchner Architekten Andreas Meck errichtet, ist öffentlich zugänglich und trägt die Widmung: „Den Toten unserer Bundeswehr für Frieden, Recht und Freiheit“. Der Grundstein wurde am 27. November 2008 gelegt, die Einweihung erfolgte am 8. September 2009 durch Bundespräsident Horst Köhler. Das Denkmal ist ein Stahlbetonquader von 32 Metern Länge, acht Metern Breite und zehn Metern Höhe, umgeben von einer durchbrochenen Bronzehülle, deren Struktur an im Todesfall halbierte Erkennungsmarken erinnert.

In einem Raum der Stille werden jeweils etwa fünf Sekunden lang Namen der seit 1956 über 3400 im Dienst ums Leben gekommenen Soldaten und zivilen Bundeswehrangehörigen an die Wand projiziert. Diese flüchtige Namensnennung soll Heldenverehrung vermeiden und Vergänglichkeit sowie Individualität des Todes betonen. Seit 2014 gibt es zusätzlich ein „Buch des Gedenkens“ mit 20 bronzenen Platten, auf denen die Namen eingraviert sind. Die Teilstreitkräfte besitzen eigene Ehrenmale: das Marine-Ehrenmal Laboe und das U-Boot-Ehrenmal Möltenort, das Ehrenmal der Luftwaffe bei Fürstenfeldbruck und das Ehrenmal des Deutschen Heeres auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz.

In Österreich entstanden schon vor dem Ersten Weltkrieg bedeutende Erinnerungsorte, etwa der Husarentempel bei Mödling von 1813 für die Gefallenen der Schlacht bei Aspern, das Heldentor an der Wiener Ringstraße, die Gedenkstätte Heldenberg von 1849 und der Löwe von Aspern. Die Ruhmeshalle des Wiener Heeresgeschichtlichen Museums wurde als Gedenkstätte für die Kaiserliche Armee und später die k.u.k.-Armee konzipiert; Marmortafeln nennen dort über 500 Offiziere vom Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918.

Seit dem Ersten Weltkrieg stehen in vielen österreichischen Orten Kriegerdenkmäler auf Hauptplätzen, bei Kirchen oder auf Friedhöfen. Sie erinnern meist an die Gefallenen beider Weltkriege und nennen oft Namen, Todesdatum und Todesland der Personen aus dem jeweiligen Ort. Erste Denkmäler entstanden bereits während des Ersten Weltkriegs. Wegen der hohen Opferzahl wurden 1915 Leitlinien zur Errichtung von Gefallenendenkmälern erstellt; Entwürfe kamen unter anderem von Josef Hoffmann, Franz Barwig und Oskar Strnad.

Weitere Länder

Auch in der neutralen Schweiz gibt es zahlreiche Kriegerdenkmäler. Im 19. Jahrhundert entstanden im Zeichen des Nationalismus Denkmäler für mittelalterliche Schlachten der Alten Eidgenossenschaft, etwa das Winkelrieddenkmal in Stans von 1865 oder das Schlachtdenkmal in Giornico von 1937. Andere Denkmäler erinnern an Gefallene der Französischen Revolution und des Franzoseneinfalls, darunter das Löwendenkmal in Luzern von 1821 für die 1792 beim Tuileriensturm gefallenen Schweizergardisten. Im Ersten Weltkrieg starben im Aktivdienst über 2000 Schweizer Soldaten, die meisten 1918 an der Spanischen Grippe. In den frühen 1920er Jahren entstanden dafür kantonale, regionale und kommunale Gedenktafeln, Gedenksteine und Denkmäler. Einige wurden nach dem Zweiten Weltkrieg erweitert.

In Frankreich wurden besonders in den 1920er Jahren viele Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. Anders als in Deutschland entstanden auch in vielen größeren Städten umfangreiche Gedenkorte, etwa in Paris mit „livres d’or“ in Bezirksrathäusern und einem virtuellen „Monument aux morts“. Ein Teil der Denkmäler der 1920er Jahre war ausdrücklich pazifistisch oder antimilitaristisch. In Elsass und Lothringen war das Gedenken besonders schwierig, weil die Gebiete zeitweise unter deutscher Herrschaft standen und Gefallene aus späterer Sicht oft für die jeweils „falsche Sache“ gestorben waren. Das Kriegsgräbergesetz vom 4. April 1873 führte zudem zu vielen Denkmalen auf Gräbern der Opfer des Deutsch-Französischen Krieges. Auch für Opfer des Indochinakrieges 1945–1954 und des Algerienkrieges 1954–1962 gibt es Denkmäler.

In den Vereinigten Staaten wurde nach dem Ersten Weltkrieg die Skulptur „The Spirit of the American Doughboy“ vielfach kopiert. Das United States Marine Corps War Memorial von 1954 auf dem Nationalfriedhof Arlington geht auf Joe Rosenthals Foto „Raising the Flag on Iwo Jima“ von 1945 zurück und steht in der Tradition der Heldenverehrung. Einen anderen Charakter hat das Vietnam Veterans Memorial in Washington, D.C., entworfen von Maya Ying Lin und 1982 eingeweiht: Eine Wand aus schwarzem polierten Marmor nennt kommentarlos über 58.000 Namen in der Reihenfolge von Tod oder Vermisstenmeldung. Sein anklagender Charakter löste Kontroversen aus.

In Russland ist Poklonnaja Gora in Moskau der zentrale Gedenkort für den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion 1941–1945; die Mutter-Heimat-Statue in Wolgograd erinnert an die Schlacht von Stalingrad 1942/43. In vielen weiteren Ländern gibt es Kriegerdenkmäler, etwa in Großbritannien, Italien, Staaten der früheren Donaumonarchie, den Nachfolgestaaten Jugoslawiens, Portugal, Japan oder für den Koreakrieg in Seoul. Im früheren Jugoslawien sind besonders die Denkmäler des antifaschistischen Befreiungskrieges der Partisanenverbände von Josip Broz Tito bedeutsam, häufig als weitläufige Anlagen oder Skulpturenparks.

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