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Kowloon Walled City
Die Walled City wurde unkontrolliert mit bis zu 14-stöckigen Hochhäusern dicht bebaut. Die Wohnungen waren im Durchschnitt etwa 20 m² groß und wurden meist von …
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Gegenstand und Lage
Kowloon Walled City war ein Stadtteil Hongkongs auf der Halbinsel Kowloon. Sein rechtlicher Status blieb lange ungeklärt. Dadurch entstand eine chinesische Enklave innerhalb des britisch verwalteten Hongkong. Wegen ihrer extremen Bevölkerungsdichte galt sie als der am dichtesten besiedelte Ort der Welt: 1987 lebten etwa 33.000 Menschen auf knapp 2,7 Hektar beziehungsweise 0,027 km². Daraus ergaben sich hochgerechnet etwa 1,3 Millionen Einwohner pro Quadratkilometer.
Die Siedlung lag ursprünglich an der Ostküste der Kowloon Bay. Durch Landgewinnung ist diese Bucht heute auf der Landkarte nicht mehr erkennbar. Das ursprüngliche Gebiet war zu Beginn des 20. Jahrhunderts 70 Mu groß, also etwa 47.000 m² beziehungsweise 0,047 km². Die historische Mauer wurde während der japanischen Besetzung Hongkongs abgerissen. Später wurden weitere Teile des Geländes für Stadtentwicklung und den Bau der Carpenter Road verwendet, sodass die spätere Walled City ungefähr die Hälfte der ursprünglichen Fläche umfasste.
Vom Fort zur Enklave
Das Gebiet war zunächst ein chinesischer Militärposten. 1668 waren dort zunächst 30, von 1682 bis 1811 etwa zehn Wachsoldaten stationiert. 1810 entstand das Kowloon Fort mit 48 Soldaten. Nachdem Hong Kong Island im Vertrag von Nanking an Großbritannien abgetreten worden war, wurde der Posten 1847 zu einem stark befestigten Fort ausgebaut.
Als Großbritannien 1898 die New Territories einschließlich der Kowloon-Halbinsel für 99 Jahre pachtete, blieb das Fort von der Pacht ausgenommen und wurde dadurch zu einer chinesischen Exklave. China nutzte den Außenposten jedoch kaum. Auch die britische Kolonialregierung ignorierte das Gebiet weitgehend, abgesehen von einigen kirchlichen Wohlfahrtseinrichtungen. Während der japanischen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurden die verbliebenen Mauern abgerissen; die Steine dienten zur Erweiterung des Flughafens Kai Tak.
Ungeplante Verdichtung und Bebauung
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung rasch. Nationalchina kündigte 1947 an, die Exklave wieder aktiv zu nutzen, setzte dies aber nicht um. Großbritannien verfolgte weiterhin eine Politik der Nichteinmischung. Dadurch wurde die Walled City nahezu rechtsfrei und geriet unter den Einfluss der Triaden, also des organisierten Verbrechens. Niedrige Mieten und das Ausbleiben von Steuern zogen weitere Bewohner und kleine Gewerbebetriebe an.
Das ursprüngliche Fort war ungefähr 213 Meter lang und 126 Meter breit. Es besaß eine vier bis sechs Meter hohe Mauer mit vier Haupttoren; das südliche Tor war der Haupteingang. In der Mitte lag ein Yamen, ein Verwaltungsgebäude, das später als Gemeindezentrum erhalten blieb. Mit zunehmender Bevölkerung wurden Gebäude aufgestockt oder durch Hochhäuser ersetzt. Schließlich standen dort mehr als 300 bis zu 14-stöckige Hochhäuser und insgesamt mehr als 500 Gebäude.
Zwischen den Häusern gab es kaum Straßen, sondern enge, oft von Unrat gesäumte Gänge. Stege, Treppen und Gänge verbanden die verschiedenen Ebenen; auch die Dächer dienten als Wege. Untere Räume erhielten kaum Tageslicht. Trinkwasserversorgung, Elektrizität und Abwasserentsorgung waren in vielen Bereichen nicht gewährleistet. Das ungeplante Wachstum prägte das Bild eines dicht gedrängten, zusammenhängenden Gebäudekomplexes.
Bevölkerung und Alltag
Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten dort höchstens wenige hundert Menschen. Die Wohnungen waren meist kaum größer als 20 m² und wurden von ganzen Familien bewohnt. Wegen der besonderen Rechtslage gab es lange keine verlässlichen Bevölkerungszahlen. Offizielle Schätzungen nannten 1971 10.004 und 1981 14.617 Bewohner; diese Werte gelten als deutlich zu niedrig. Eine Studie von 1987 ermittelte etwa 33.000 Menschen und gilt als verlässlichste Angabe. Für das damals mit 0,025 km² angegebene Gebiet ergibt sich daraus eine Bevölkerungsdichte von über 1,3 Millionen Einwohnern je Quadratkilometer.
Trotz der schwierigen Bedingungen ähnelte der Alltag dem anderer Einwohner Hongkongs. Die Dächer waren Treffpunkte und Spielplätze. Der Yamen diente als soziales Zentrum, in dem Kurse und gemeinsames Fernsehen möglich waren. Dort fanden auch christliche und andere religiöse Versammlungen statt. Die Tempel Tin Hau und Fuk Tak waren Versammlungsorte für Buddhisten, Taoisten und Anhänger animistischer Religionen. Neben Wohnungen gab es Geschäfte, Schulen, kleine Handwerksbetriebe und nicht lizenzierte Zahnarztpraxen. Gleichzeitig war die Walled City lange ein Zentrum von Drogenhandel und Prostitution.
Räumung, Park und kulturelle Darstellungen
Ab Mitte der 1970er-Jahre führte die Regierung Hongkongs Tausende Razzien durch und schwächte dadurch die Triaden. 1983 erklärte der Polizeichef von Kowloon, die Kriminalität sei unter Kontrolle. Dennoch blieben Lebensstandard, Hygiene und sanitäre Verhältnisse weit schlechter als in anderen Stadtteilen Hongkongs.
1987 beschlossen die Regierungen, das Gebiet zu räumen, alle Gebäude abzureißen und einen Park anzulegen. Hongkong zahlte Entschädigungen von 2,7 Milliarden HK$ beziehungsweise 350 Millionen US$ an die Bewohner. Einige weigerten sich zunächst zu gehen und wurden zwischen November 1991 und Juli 1992 zur Räumung gezwungen. Der Abriss begann am 23. März 1993 und war im April 1994 abgeschlossen. Der Kowloon Walled City Park wurde im Dezember 1995 eröffnet. Er ist im Stil eines Gartens der frühen Qing-Dynastie gestaltet und enthält ein Museum, historische Artefakte, Gebäudeteile, archäologische Ruinen sowie eine begehbare Rekonstruktion des Yamen mit zwei historischen Kanonen.
Die Walled City wurde unter anderem in den Filmen Bloodsport und Twilight of the Warriors: Walled in, im Manga Kowloon Generic Romance, im Videospiel Shenmue II und in der Spielwelt von Stray aufgegriffen. Außerdem behandelt die Podcastfolge GAG507 des Podcasts Geschichten aus der Geschichte ihre Geschichte.