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Kot

Der Kot setzt sich aus Wasser, Darmbakterien, abgeschilferten Zellen der Darmschleimhaut, Sekreten der Verdauungsdrüsen, nicht resorbierten …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Zusammensetzung
  2. 2. Funktionen in Ökosystemen
  3. 3. Nutzung durch den Menschen
  4. 4. Medizin, Darm und Stuhltransport
  5. 5. Historische, gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung

Definition und Zusammensetzung

Kot ist die Ausscheidung des Darms oder der Kloake. Er besteht aus Wasser, nicht resorbierten Nahrungsbestandteilen, körpereigenen Substanzen und Mikroorganismen. Zu den Nahrungsresten gehören vor allem unverdauliche Ballaststoffe, aber auch unverdaute Fette, Stärke, Bindegewebs- und Muskelfasern. Außerdem enthält Kot abgeschilferte Darmzellen, Schleim, Reste von Verdauungsenzymen sowie geringe Mengen von Gallensäuren, Lecithin und anderen Phospholipiden. Bei einer Ausscheidung über die Kloake kommen zusätzlich Produkte der Exkretion hinzu.

Die Darmflora, also die im Darm lebenden Mikroorganismen, besteht überwiegend aus Bakterien. Beim Menschen macht sie, teilweise abgestorben, etwa 20 bis 30 % der Gesamtmasse des Kots aus; in geringer Menge kommen auch Hefen wie Candida und andere einzellige Eukaryoten vor. Gallenfarbstoffe werden im Dickdarm durch Bakterien zu Sterkobilin, Bilifuscin und Mesobilifuscin abgebaut. Dadurch entsteht die typische gelblichbraune bis dunkelbraune Farbe.

Der Geruch von Kot bei Allesfressern entsteht vor allem durch Indol, Skatol und Alkanthiole, die beim Abbau von Proteinen gebildet werden. Auch Schwefelwasserstoff aus dem Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren durch Fäulnisbakterien trägt dazu bei. Fäkalindikatoren dienen zum Nachweis einer Verunreinigung durch Fäzes.

Funktionen in Ökosystemen

Kot enthält Mineralien und unverdaute Bestandteile und ist deshalb ein wichtiger Bestandteil von Nährstoffkreisläufen. Der Artikel nennt für ausgewachsene Elefanten einerseits mehr als 100 Kilogramm Kot pro Tag, andererseits eine tägliche Menge von 120 bis 180 Kilogramm. Von solchen Ausscheidungen profitieren zahlreiche andere Tiere und Pflanzen. Auf einzelnen Dunghaufen grasender Weidetiere wie Rindern, Pferden oder Büffeln können mehrere 1.000 Insekten und mehrere 10.000 Raubmilben vorkommen. Dung entwurmter Weidetiere kann dagegen eine ökologische Sackgasse sein, weil darin enthaltene Chemikalien Eier und Larven abtöten.

Schimmelpilze und Milben nutzen Kot als Nahrung. Bei der Zersetzung organischer Stickstoff- und Ammoniumverbindungen wird Nitrat frei, das Pflanzen zusammen mit anderen Mineralien als Dünger dient. Besonders spezialisierte koprophile Pilze aus der Familie der Ascobolaceae sind auf den Kot bestimmter Großtiere angewiesen. Im Meer besitzt Wal-Kot eine wichtige Funktion als Nahrungsgrundlage für Phytoplankton. Wegen der stark dezimierten Großwalbestände wird deshalb sogar an künstlichem Walkot geforscht.

Nagetiere und Hasenartige bilden weiche Kotpillen, den Blinddarmkot, und nehmen ihn direkt wieder auf. Diese Koprophagie ermöglicht ihnen die Aufnahme von Nährstoffen, die im Dickdarm freigesetzt wurden. Pferde sind ebenfalls keine Wiederkäuer und setzen je nach Fütterung alle 30 bis 120 Minuten Pferdeäpfel ab; insgesamt können es bis zu 50 kg pro Tag sein.

Mistkäfer nutzen Wiederkäuerkot als Nahrung und als Kinderstube für ihre Larven. Medikamentenrückstände, auch aus prophylaktischen Entwurmungen, können die Larven töten. Deshalb stehen einige dungbewohnende Käfer auf der Roten Liste; indirekt sind auch Stutzkäfer und Kurzflügler betroffen, die sich von den Käferlarven ernähren.

Kot unterstützt außerdem die Pflanzenverbreitung. Bei der Endochorie oder Verdauungsausbreitung werden Samen von Tieren aufgenommen und mit dem Kot ausgeschieden. Die Verbreitung durch Vögel heißt Ornithochorie. Die Samen besitzen eine Schutzschicht, die ihnen das Überstehen der Verdauung ermöglicht. Beim Afrikanischen Affenbrotbaum (Adansonia digitata) können die für die Keimung nötigen hohen Temperaturen beispielsweise im Darm von Elefanten erreicht werden. Kot kann auch der Feindabwehr und Reviermarkierung dienen: Vögel wie Schleiereule, Wiedehopf und Wacholderdrossel bespritzen Angreifer, Ringelnattern setzen übel riechenden Kot ein, und Östliche Honigbienen beschichten damit den Nesteingang. Wölfe, Uhus, Hunde und Katzen verwenden Kot oder Urin als Duftmarken.

Nutzung durch den Menschen

Die Nutzung von Kot unterscheidet sich je nach Region und Verfügbarkeit. Getrockneter Dung kann als Festbrennstoff dienen. In Asien und Afrika werden vor allem Büffel- und Kuhdung, in Wüstengegenden auch Kamel- und Elefantendung verwendet. In untersuchten Gebieten der Mongolei wurde rund ein Drittel der Energie zum Kochen und Heizen durch getrockneten Tierkot in Form sogenannter dung cakes erzeugt. In Indien werden Kuhdungkuchen vielerorts zum Heizen und Kochen genutzt. Der entstehende Ruß kann Bauwerke verfärben; in Agra wurde die Nutzung von Kuhmist als Brennstoff 2015 zum Schutz der hellen Fassade des Taj Mahal verboten. Untersucht werden auch Auswirkungen auf die Raumluft und die mögliche Verbreitung von Krankheitserregern.

Im Lehmbau kann Dung die Eigenschaften von Lehm verbessern. Pferdemist enthält viele unverrottbare Faserstoffe. In Australien wird unter Leitung der RMIT University erforscht, menschliche Exkremente anteilig als Baustoff einzusetzen. Bei 15 Prozent Klärdünger in Mauerziegeln war die CO2-Bilanz deutlich günstiger; außerdem wurde weniger Ton benötigt. Die hergestellten Ziegel waren poröser und dadurch besser als Isolierstoff geeignet als Vergleichsziegel.

Kot wird außerdem als natürlicher Dünger verwendet. Mist ist Dung aus Ställen mit einem Bindemittel wie Stroh, Sägespänen, Hanfhäckseln oder Heu. Gülle ist eine Flüssigkeit aus Kot und Urin. Guano, also Vogelkot, wurde im 19. Jahrhundert in großen Mengen auf vogelreichen Inseln gesammelt, verschifft und als Dünger genutzt. Früher wurden menschliche Fäkalien in sogenannten Goldeimern gesammelt und mit Schwefelsäure zu Dünger verarbeitet; Berichten aus dem Jahr 2022 zufolge wird eine ähnliche Praxis in Nordkorea noch in großem Umfang angewandt.

Regenwurmkot gilt als Indikator für Bodenfruchtbarkeit. Er enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium in konzentrierter Form. Zusammen mit den Gängen der Regenwürmer trägt er zu einem lockeren, nährstoffreichen Boden bei, erleichtert das Wurzelwachstum und verbessert die Bodenstruktur sowie das Nährstoffangebot.

Medizin, Darm und Stuhltransport

Die Untersuchung von Fäzes auf verborgenes oder okkultes Blut, vorwiegend mit einem guajakbasierten Test, ist eine wichtige Maßnahme der Darmkrebs-Früherkennung. Mit Stuhluntersuchungen lassen sich außerdem Krankheitserreger und Parasiten nachweisen. Durch Schmierinfektion oder Kot können unter anderem Hepatitis A und E, Salmonellen, Shigellen, Yersinia enterocolitica, Campylobacter, Aeromonas, Candida beziehungsweise Candida albicans, enterohämorrhagische Escherichia coli, Kryptosporidien sowie Band-, Haken-, Maden- und Spulwürmer übertragen werden. Toxoplasmose kann durch Katzenkot von Hauskatzen auf den Menschen übergehen. Calprotectin, ein calcium-bindendes Protein, weist auf Entzündungen der Darmschleimhaut hin und wird unter anderem zur Erkennung und Verlaufskontrolle von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn verwendet. Im Stuhl können auch aufgenommene giftige oder radioaktive Stoffe wie Blei, Cadmium, Polonium oder Uran nachgewiesen werden.

Durchfall, Blut und Schleim im Stuhl können Anzeichen einer ernsten Erkrankung sein. Ein Kotstein ist ein meist im Blinddarm entstehendes, steinhartes Gebilde aus Kot, Schleim und Phosphaten. Das Pica-Syndrom bezeichnet eine seltene Essstörung, bei der ungenießbare Stoffe, darunter auch Kot, aufgenommen werden.

Bei der fäkalen Mikrobiota-Transplantation wird eine untersuchte Stuhlspende in den Verdauungstrakt eines Empfängers eingebracht. In Deutschland war dieses Verfahren 2022 noch keine zugelassene Therapie, sondern ein individueller Heilversuch. Auch ein Eigentransfer ist möglich, um nach einer anderen Therapie das körpereigene Mikrobiom wieder aufzubauen. Bei einer natürlichen Geburt kommt ein Neugeborenes mit Bakterien der Vaginal-, Haut- und in geringem Maß auch der Darmflora der Mutter in Kontakt; enger Körperkontakt fördert den weiteren Austausch.

Fäzes werden nicht kontinuierlich in Richtung Darmentleerung bewegt. Abschnitte des Dickdarms können sich an vorhandene Stuhlmengen anpassen; dies heißt Akkommodation. Eine rückwärts gerichtete retrograde Peristaltik des Colon transversum kann Stuhl im Colon ascendens und im Caecum zurückhalten und speichern. Normalerweise treten nur zwei- bis dreimal pro Tag analwärts gerichtete Massenbewegungen auf. Sie füllen das Rektum und lösen den Stuhlreflex aus. Wird dieser Reflex unterdrückt, kann auch das Rektum akkommodieren und als Stuhlspeicher dienen.

Historische, gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung

Erhaltene Kotreste, sogenannte Koprolithen, liefern Informationen über Ernährung, Gesundheit und Parasitenbefall vergangener Bevölkerungen. Analysen von Kot aus dem historischen Salzbergwerk Hallein-Dürnberg ermöglichten Erkenntnisse über die hallstattzeitlichen Bergleute, die dort seit 600 v. Chr. arbeiteten. Einzelne Gerichte konnten rekonstruiert und zusammen mit Grabungsfunden Rückschlüsse auf Sozialstrukturen sowie Migrations- und Wirtschaftsbeziehungen gezogen werden. In den Paisley-Höhlen im US-Bundesstaat Oregon wurde 2002/2003 nach Forscherangaben 14.300 Jahre alter Menschenkot gefunden. Der Fund gilt als älteste bekannte menschliche Spur in Amerika und deutet darauf hin, dass Menschen dort 1000 Jahre früher lebten als zuvor angenommen.

In der Psychoanalyse unterschied Sigmund Freud eine anale Phase, in der ein Kind Befriedigung aus der Kontrolle seiner Exkremente bezieht. Mit der wachsenden Bevölkerungsdichte während der Industrialisierung wurde die Beseitigung menschlicher Fäkalien zu einer gesellschaftlichen, technischen und rechtlichen Aufgabe. Hamburg begann im Jahr des Großen Brandes von 1842 mit dem Bau eines modernen Kanalisationssystems. In London wurde ein ähnliches Vorhaben im „Jahr des großen Gestanks“ 1858 beschlossen. In der Schweiz wurde in den 1950er-Jahren der Gewässerschutz verfassungsrechtlich verankert; durch den subventionierten Bau kommunaler Kläranlagen in den 1960er- und 1970er-Jahren wurde die Abwasserproblematik weitgehend bewältigt.

Koprophilie bezeichnet eine sexuelle Vorliebe für menschliche Fäkalien. Kot kann außerdem im Zusammenhang mit Klistieren, Analplugs, sogenannten Kaviarspielen, SM-Spielen und Dirty Talk vorkommen. Die medizinische und gesellschaftliche Behandlung des Themas ist von der praktischen Beseitigung menschlicher Ausscheidungen zu unterscheiden.

Kot erscheint auch in Kunst und Literatur. Martin Luther verwendete das Wort mehrfach in seiner Bibelübersetzung. Piero Manzoni füllte eigenen Kot in Dosen und verkaufte ihn als „Künstlerscheiße“. Wim Delvoyes Maschine Cloaca simuliert seit 2000 die Verdauung und produziert kotähnliche „Exkremente“. Das Kothaufen-Emoji wurde 2010 in Version 6.0 des Unicode-Standards aufgenommen.

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