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Kool Savas

Kool Savas gilt als einer der einflussreichsten deutschen Rapper und einer der wichtigsten Vertreter des Battle-Raps, hier konnte er unter anderem mit dem Titel …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Vom Berliner Nachwuchs zum Durchbruch
  3. 3. Stil und musikalische Arbeitsweise
  4. 4. Gesellschaftliches Engagement
  5. 5. Diskografie und Auszeichnungen
  6. 6. Kontroversen und öffentliche Debatten

Einordnung und Bedeutung

Kool Savas, bürgerlich Savaş Yurderi, wurde am 10. Februar 1975 in Aachen geboren. Er ist ein deutscher Rapper mit türkischen Wurzeln und seit Mitte der 1990er-Jahre in der Berliner Hip-Hop-Szene aktiv. Bekannt wurde er zunächst durch die Gruppen M.O.R. und Westberlin Maskulin. Als Solokünstler sowie durch Kollaborationsalben wie One mit Azad, Gespaltene Persönlichkeit mit Xavier Naidoo und Royal Bunker mit Sido wurde er kommerziell erfolgreich.

Kool Savas gilt als einer der einflussreichsten deutschen Rapper und als wichtiger Vertreter des Battle-Raps. Dieser Stil konnte in Deutschland zwar bereits zuvor durch Künstler wie Moses Pelham und Konkret Finn beobachtet werden, gewann aber durch Savas deutlich an Bedeutung. Sein Erfolg trug dazu bei, die damaligen Grenzen zwischen „Deutschrap“ und „Migrantenrap“ zu überwinden, weil er ein breites Publikum von Jugendzentren bis zu Gymnasien erreichte. Außerdem wird er wegen früher Stücke wie LMS als Mitbegründer des deutschsprachigen Porno-Raps angesehen.

Zahlreiche Rapper bezeichneten Savas oder sein Frühwerk als Vorbild. Auch Musikkritiker nahmen seine Veröffentlichungen in Bestenlisten auf: Hoes, Flows, Moneytoes belegte in einer Liste der wichtigsten Deutschrap-Alben der 1990er-Jahre von Intro Platz acht. In einer Juice-Befragung von 2008 erreichten vier Veröffentlichungen die Top 20: Der beste Tag meines Lebens Platz fünf, Battlekings Platz 14, Hoes, Flows, Moneytoes Platz 15 und NLP Platz 18.

Vom Berliner Nachwuchs zum Durchbruch

Savas wuchs zunächst in der Türkei und ab seinem elften Lebensjahr wieder in Berlin-Kreuzberg auf. Anfang der 1990er-Jahre beteiligte er sich an Demonstrationen gegen Neonazis und Abschiebungen, bezeichnete diese politische Phase später jedoch als „eher pseudopolitisch“. Gleichzeitig begann er, zunächst auf Englisch, zu rappen. Er orientierte sich an US-amerikanischen Westcoast-Rappern und trat bei Hip-Hop-Workshops auf.

1995 lernte er Ono von Walkin’ Large kennen. Beide bildeten mehr als zwei Jahre das Duo Basic Elements. Zusammen mit Fumanschu und Justus nahm Savas 1996 das Lied Masters Of Rap auf; daraus entstand die Gruppe Masters of Rap, kurz M.O.R. 1997 gründete er mit Taktloss Westberlin Maskulin. Im selben Jahr erschien Hoes, Flows, Moneytoes zunächst in einer auf 50 Compact Cassettes begrenzten Auflage und 1999 erneut auf CD und Vinyl. 1997 spielte Savas außerdem im Fernsehfilm Geschwister – Kardeşler mit.

Im Juni 1999 veröffentlichte er mit LMS/Schwule Rapper seine erste Soloveröffentlichung. Größere Bekanntheit erlangte er 2000 mit King of Rap, einer Zusammenarbeit mit dem Produzenten Plattenpapzt. 2001 stieg die EP Haus & Boot mit Valezka erstmals in die deutschen Charts ein; das Video wurde von MTV ausgestrahlt. Anfang 2002 gründete Savas Optik Records als Subunternehmen von Sony BMG. Zur Optik Crew gehörten unter anderem Valezka, der von Savas entdeckte Eko Fresh, Melbeatz und DJ Nicon.

Am 4. November 2002 erschien das Debütalbum Der beste Tag meines Lebens. Es erreichte Platz sechs der deutschen Album-Charts und bedeutete den kommerziellen Durchbruch. Neben Battle-Rap enthielt es auch persönliche Themen und sozialkritische Aspekte, etwa Savas’ Überzeugung vom Vegetarismus. Nach der Trennung von Eko Fresh entstand eine öffentlich ausgetragene musikalische Auseinandersetzung. Auf Eko Freshs Stück Die Abrechnung antwortete Savas im Februar 2005 mit Das Urteil, einem seiner bekanntesten Disstracks. 2025 traten beide in Berlin erstmals nach über 20 Jahren wieder gemeinsam auf und erklärten die Streitigkeiten damit für beendet.

2005 veröffentlichte Savas mit Azad das Album One, das Platz fünf der deutschen Charts erreichte. 2006 erschien der Labelsampler Optik Takeover!. 2007 löste Savas Optik Records auf; 2009 endete die Tätigkeit der Firma endgültig. Anschließend gründete er Essah Entertainment als Independent-Label und Booking-Agentur. Das Album Tot oder lebendig erschien am 2. November 2007 und erreichte Platz zehn in Deutschland, außerdem Platzierungen in Österreich und der Schweiz. Mit Aura gelang Savas im November 2011 erstmals Platz eins in Deutschland und der Schweiz.

Aus der Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo entstand das Duo Xavas. Das Album Gespaltene Persönlichkeit erschien im September 2012 und erreichte in Deutschland und der Schweiz Platz eins; in Deutschland wurde es mit Platin ausgezeichnet. Die Single Schau nicht mehr zurück gewann den Bundesvision Song Contest 2012 und erhielt später Gold- und Platinstatus.

Am 1. April 2014 gründete Savas Essah Media; Essah Entertainment fungiert seitdem nur noch als Booking-Agentur. Das Album Märtyrer erschien am 14. November 2014 und erreichte in Deutschland und der Schweiz Platz eins sowie in Österreich Platz drei. 2016 folgte das Mixtape Essahdamus, sein kommerziell erfolgreichstes Mixtape, mit Platz drei in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit Sido veröffentlichte Savas am 29. September 2017 das Album Royal Bunker, das in Deutschland und Österreich Platz eins und in der Schweiz Platz zwei erreichte.

Das fünfte Studioalbum KKS erschien am 8. Februar 2019 und erreichte Platz eins in Deutschland und der Schweiz sowie Platz zwei in Österreich. 2021 veröffentlichte Savas die Autobiografie King of Rap; Ghostwriter war Juri Sternburg. 2023 wurde er Coach der erstmals ausgestrahlten Casting-Show The Voice Rap. Sein Studioalbum Aghori erschien am 19. Februar 2021, Lan Juks am 2. Oktober 2025.

Stil und musikalische Arbeitsweise

Kool Savas’ Musik ist zu einem großen Teil dem Battle-Rap zuzuordnen. Dabei greifen Rapper reale oder fiktive Gegner in möglichst kreativer Sprache an und stellen die eigenen Fähigkeiten besonders positiv dar. In sogenannten Battles tragen zwei Gegner auf einer Bühne vor Publikum einen verbalen Wettstreit aus. Savas übertrug dieses Prinzip auf Studioaufnahmen, sowohl als Solokünstler als auch bei M.O.R. und Westberlin Maskulin.

Einige Lieder sind konkrete Diss-Tracks. Das Urteil richtet sich vor allem gegen Eko Fresh, während Renexekution MC Rene angreift. Häufiger sind die Gegner jedoch fiktiv. Typisch sind die Überhöhung der eigenen Person, die Abwertung des Gegners, komplexe Reime und teilweise eine sexuell konnotierte Sprache. Seit Der beste Tag meines Lebens verarbeitet Savas auch persönliche Themen, besonders die Bedeutung der Familie. Nach eigener Aussage legte er seit John Bello Story III größeren Wert auf „Themensongs“, die sich von Liedern unterscheiden, in denen es „nur um’s Rappen“ geht.

Wichtig für Savas’ Musik ist der Flow. Damit sind die rhythmischen Gestaltungsweisen sowie die „Verschränkung von Sprechgesang und Begleitpattern“ gemeint. Savas verwendet unterschiedliche Vortragsweisen: Der Beweis von 2007 enthält Tempowechsel, während Neongelb von 2001 durchgehend im Doubletime vorgetragen wird. Savas betrachtet seine Stimme als Soloinstrument und beschreibt die Anordnung von Takten, Wörtern und Silben als eine mathematisch anmutende Struktur. In Optimale Nutzung unserer Ressourcen von 2011 stand nach seiner Aussage vor allem das Präsentieren von „30 verschiedenen Reimpatterns“ über dem Beat im Mittelpunkt.

Die musikalische Grundlage bilden Hip-Hop-Beats. Frühe Stücke wie LMS und Schwule Rapper produzierte Savas teilweise selbst. Für den Großteil seines Hauptwerks, darunter das vollständige Debütalbum, war Melbeatz verantwortlich. Die Produktionen nutzen teilweise Samples oder im Studio neu eingespielte Ausschnitte anderer Musikstücke. Neben Hip-Hop finden sich vereinzelt G-Funk, etwa in Keep it Gangsta von 2002, und Electro-Rap, etwa in Techno Pilot von 2010. Durch Kooperationen mit Moe Mitchell und Xavier Naidoo kamen außerdem Soul- und R&B-Einflüsse hinzu.

Gesellschaftliches Engagement

Savas stammt aus einem politisch engagierten Elternhaus und beteiligte sich bereits als Jugendlicher an Protesten gegen Neonazis und Abschiebungen. In seinen frühen Rap-Texten vermied er politische und religiöse Themen zunächst bewusst, um Affronts zu vermeiden. Ab Der beste Tag meines Lebens flossen vereinzelt sozialkritische Inhalte in seine Musik ein.

Seit 2005 engagiert sich Savas in verschiedenen Projekten. Ein zentrales Anliegen ist die Ablehnung der Intensivtierhaltung. Er unterstützt die Tierrechtsorganisation PETA und propagiert Vegetarismus, den er seit seinem 18. Lebensjahr praktiziert. Außerdem war er 2005 an der umstrittenen Kampagne Du bist Deutschland beteiligt. Er spricht sich gegen Cannabis als Rauschmittel und für generelle Drogenverbote aus und beteiligte sich an der Präventionskampagne CanNObis.

Im Projekt Mein Kiez, meine Idee behandelte Savas mit Jugendlichen Mobbing und Rassismus und förderte Kreativität. Daraus entstand unter anderem das Musikvideo Sky is the Limit. Er unterstützt außerdem Viva con Agua und Visions for Children. 2014 versteigerte er mit Hiphop.de Kleidung zugunsten von Sonnenblume e. V. in Bremerhaven. 2015 und 2017 veranstaltete er Rap4Good-Festivals zugunsten der Spendenkampagne Urban Culture/DeluxeKidz e. V.

Diskografie und Auszeichnungen

Zu den Studioalben gehören Der beste Tag meines Lebens (2002), Tot oder lebendig (2007), Aura (2011), Märtyrer (2014), KKS (2019), Aghori (2021) und Lan Juks (2025). Die Chart-Höchstplatzierungen der Studioalben lauten: Der beste Tag meines Lebens Platz sechs in Deutschland; Tot oder lebendig Platz zehn in Deutschland, 51 in Österreich und 13 in der Schweiz; Aura Platz eins in Deutschland und der Schweiz sowie Platz sechs in Österreich; Märtyrer Platz eins in Deutschland und der Schweiz sowie Platz drei in Österreich; KKS Platz eins in Deutschland und der Schweiz sowie Platz zwei in Österreich; Aghori Platz eins in Deutschland und Österreich sowie Platz zwei in der Schweiz; Lan Juks Platz zwei in Deutschland, Platz drei in Österreich und Platz fünf in der Schweiz.

Der beste Tag meines Lebens verkaufte sich mehr als 100.000-mal. Aura und Märtyrer erhielten für jeweils mehr als 100.000 Verkäufe eine Goldene Schallplatte. Gespaltene Persönlichkeit wurde in Deutschland mit Platin, in der Schweiz und Österreich mit Gold ausgezeichnet; in Deutschland wurden 200.000 Exemplare verkauft. Schau nicht mehr zurück war mit 150.000 Verkäufen in Deutschland Savas’ erfolgreichste Single und erhielt dort zunächst Gold und später durch insgesamt 30.000 weitere? Einheiten Platin; in der Schweiz wurde sie für 15.000 Verkäufe mit Gold ausgezeichnet. Die Angabe zur späteren Platin-Auszeichnung wird im Artikel zusätzlich mit insgesamt 30.000 verkauften Einheiten verbunden.

Savas erhielt 2003 den VIVA Comet in der Kategorie Hip Hop national. Das Video zu Das Urteil wurde bei MTVs Total Request Live in 20 Ausgaben von den Zuschauern auf Platz eins gewählt; dafür erhielt er als erster Musiker die TRL Golden Tape. 2012 gewann er mit Xavier Naidoo den Bundesvision Song Contest. Insgesamt erhielt er sechs Echo-Nominierungen. Bei den Hiphop.de Awards gewann er zwischen 2005 und 2022 zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem als bester Rapper, für Alben, Singles, Videos, Punchlines und Live-Auftritte sowie 2012 für sein Lebenswerk.

Kontroversen und öffentliche Debatten

Vor allem frühe Texte von Kool Savas wurden als pornografisch, frauenverachtend und homophob kritisiert. Im Mittelpunkt standen unter anderem LMS, Schwule Rapper und die EP Warum rappst Du?. Kritiker sahen darin eine sexistische und homophobe Sprache sowie eine Abkehr vom „respektvollen Gegeneinander“ des Hip-Hops zugunsten von Erniedrigungen durch Beleidigungen. Die Kritik bezog sich auch auf die Verbindung von Sex und Gewalt und auf die Verwendung von „schwul“ als abwertendem Ausdruck.

Die EP Warum rappst Du? wurde am 31. März 2001 indiziert. Betroffen waren laut Bundesprüfstelle die Stücke Pimplegioneah, 16/2 und Warum rappst Du?. Die Single LMS wurde am 31. Juli 2001 ebenfalls indiziert, einschließlich des Liedes Schwule Rapper. Eine Indizierung bedeutet, dass die Veröffentlichung nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft oder beworben werden darf. 2005 distanzierte sich Savas von früheren frauenfeindlichen Textpassagen.

2012 führte der Hidden Track Wo sind sie jetzt? aus Gespaltene Persönlichkeit zu Vorwürfen gegen Savas und Xavier Naidoo, Homosexualität mit Pädophilie gleichzusetzen und zu Gewalt aufzurufen. Linksjugend solid stellte Strafanzeige wegen des behaupteten Aufrufs zu schwerer Körperverletzung und Totschlag sowie wegen Volksverhetzung. Savas und Naidoo wiesen die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft Mannheim sah keine Aufforderung zum Mord und keine erkennbare Volksverhetzung.

Im Zusammenhang mit dem Kachelmann-Prozess wurde Savas wegen schwerer Persönlichkeitsrechtsverletzung zu 10.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. 2023 räumte er in einem Spiegel-Interview jahrelanges und systematisches Fehlverhalten gegenüber weiblichen Fans ein. Er erklärte, wegen des Machtgefälles zwischen Musiker und Fan sei es ein Fehler gewesen, bei Sex mit Groupies automatisch von Einvernehmlichkeit auszugehen, und kündigte gegebenenfalls persönliche Entschuldigungen an.

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