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Konsumkapitalismus
Er sieht die Nachfrage nach Gebrauchsgütern im Mittelpunkt der kapitalistischen Wirtschaft. Kernannahme ist, dass der Verbraucher verführt und manipuliert wird.
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Grundidee und Abgrenzung
Konsumkapitalismus ist ein Konzept der Politikwissenschaften. Im Mittelpunkt der kapitalistischen Wirtschaft steht dabei die Nachfrage nach Gebrauchsgütern. Seine Kernannahme lautet, dass Verbraucher verführt und manipuliert werden, damit sie Waren kaufen. Das unterscheidet den Konsumkapitalismus vom wirtschaftswissenschaftlichen Konzept der Konsumentensouveränität. Dort wird angenommen, dass Konsumenten durch ihre als souverän verstandenen Kaufentscheidungen die Wirtschaft indirekt steuern.
Zentrale Thesen zur Gesellschaft
Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Benjamin Barber fasst die Entwicklung so zusammen: „Früher produzierte man Waren, um Bedürfnisse zu befriedigen; heute produziert man Bedürfnisse, um Waren zu verkaufen.“ Nach Barber lösen sich soziale Bindungen im Konsumkapitalismus auf, während der Kapitalismus über die Demokratie zu siegen drohe. Konsumenten seien daran beteiligt, indem sie ihre persönliche Identität auf Markengläubigkeit und Lifestyle gründen und sich immer weniger am politischen Prozess beteiligen.
Besonders wichtig sei es, Kinder in Konsumenten und erwachsene Konsumenten in Kinder zu verwandeln. Dadurch werde Kindern einerseits die Kindheit genommen. Erwachsene entwickelten andererseits ein kindlich-impulsives Konsumverhalten und verlören dadurch ebenfalls Interesse an politischer Partizipation.
Der Soziologe Zygmunt Bauman beschreibt eine ähnliche Veränderung: Der heutige Kapitalismus habe sich von einer „Gesellschaft der Produzenten“ zu einer „Gesellschaft der Konsumenten“ entwickelt.
Produktion, Bedürfnisse und Umwelt
Der Sozialökologe Rudolf Bahro sieht im Konsumkapitalismus eine „Erzeugungsschlacht“. Sie führe bei Menschen zu künstlich erzeugten kompensatorischen Bedürfnissen, also Bedürfnissen, die einen wahrgenommenen Mangel ausgleichen sollen.
Nach dem Sozialkritiker Burkhard Bierhoff stabilisiert sich der auf Massenproduktion beruhende Kapitalismus durch Konsum. Waren würden nach dem Kauf möglichst schnell entwertet und vernichtet, damit weiterhin produziert und eine neue, angeblich verbesserte Produktgeneration verkauft werden könne. Das Warenangebot übersteige dabei den Bedarf, der aus Sicht einer nachhaltigen Produktion sinnvoll wäre.
Chandran Nair stellt den Konsumkapitalismus wegen der weltweiten Ausweitung des Massenkonsums infrage, besonders in China und Indien. Zusammen mit der zunehmenden Verknappung nicht erneuerbarer Ressourcen setze dies dem Modell aus ökologischen Gründen enge Grenzen. Als weltweites Modell für den Konsum aller Menschen sei der Konsumkapitalismus ungeeignet, weil er einem Kollapsmodell des Wirtschaftens statt einem Kreislaufmodell gleiche. Paul Hawken fordert deshalb einen Öko-Kapitalismus oder „natural capitalism“.
Werbe- und Marketing-Strategien manipulierten Verbraucher nach dieser Kritik bewusst und koordiniert. Auch der Kauf unsinniger Güter werde in großem Maßstab zum Vorteil von Produzenten und Verkäufern gefördert.
Kritik am Konzept
Die Theorie des Konsumkapitalismus ist umstritten. Kritisiert wird vor allem ihre Annahme, dass die Manipulation der Nachfrage eine starke Zwangswirkung auf Verbraucher ausübe. Damit steht sie deutlich im Gegensatz zur Konsumentensouveränität.
Während „Konsumgesellschaft“ überwiegend eine neutrale Begriffsbestimmung darstellt, verbindet das Konzept des Konsumkapitalismus eine kapitalismuskritische Position damit, dass Prozesse der Entfremdung und Ausbeutung auch im fortgeschrittenen Kapitalismus fortbestehen.