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Kongruenz (Zahlentheorie)
Dieser Artikel behandelt die Kongruenz bezüglich der Division mit Rest. Zur Kongruenz bezüglich des Flächeninhalts siehe Kongruente Zahl. Die Kongruenz ist …
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Grundidee und Definition
Die Kongruenz ist eine Beziehung zwischen ganzen Zahlen. Zwei ganze Zahlen a und b heißen modulo m kongruent, wenn sie sich um ein ganzzahliges Vielfaches von m unterscheiden. Für m ≠ 0 gilt gleichwertig: Sie haben bei der Division durch m denselben Rest.
Formal gilt für a, b, m ∈ ℤ und m ≠ 0:
- a ≡ b (mod m) ⇔ m ∣ (a − b)
- a ≡ b (mod m) ⇔ ∃ k ∈ ℤ: a = km + b
- a ≢ b (mod m) ⇔ m ∤ (a − b)
Übliche Schreibweisen sind a ≡ b mod m, a ≡ b (mod m) oder a ≡ₘ b. Der Modul m ist die Zahl, nach der die Kongruenz betrachtet wird. Für m = 0 erzwingt die Kongruenz in ℤ Gleichheit: a ≡ b (mod 0) ⇒ a = b. Die interessanten Standardfälle haben m ≠ 0.
Beispiele und Restklassen
Beispiele zeigen beide gleichwertigen Prüfungen:
- 11 ≡ 5 (mod 3), weil beide bei Division durch 3 den Rest 2 haben und 11 − 5 = 6 = 2 · 3 gilt.
- 11 ≢ 5 (mod 4), weil die Reste 3 und 1 verschieden sind und 11 − 5 = 6 nicht durch 4 teilbar ist.
- −8 ≡ 10 (mod 6), weil beide den Rest 4 haben und die Differenz −18 durch 6 teilbar ist.
Bei negativen Zahlen gilt in der Mathematik die Konvention, dass ein nichtverschwindender Rest dasselbe Vorzeichen wie der Divisor hat. Daher ist −8 : 6 = −2 Rest 4 und nicht −1 Rest −2.
Die Kongruenz modulo m ist eine Äquivalenzrelation: Sie ist reflexiv, symmetrisch und transitiv. Ihre Äquivalenzklassen heißen Restklassen. Die Restklasse, die a enthält, wird mit [a] oder a̅ bezeichnet. Zwei Restklassen sind entweder gleich oder disjunkt; insbesondere gilt [a] = [b] genau dann, wenn a ≡ b (mod m).
Für m ≠ 0 enthält eine Restklasse alle Zahlen mit demselben Divisionsrest. Die Anzahl der Restklassen ist |m|. Für m = 2 gibt es beispielsweise die Restklasse der geraden und die der ungeraden Zahlen. Mit den von ℤ übernommenen Additions- und Multiplikationsregeln bilden die Restklassen den Restklassenring ℤ/mℤ. ℤ/1ℤ ist der Nullring mit nur einem Element.
Rechnen mit Kongruenzen
Seien m ≠ 0, a ≡ a′ (mod m) und b ≡ b′ (mod m). Dann darf man Kongruenzen unter anderem addieren, subtrahieren und multiplizieren:
- ca ≡ ca′ (mod m)
- a + b ≡ a′ + b′ (mod m)
- a − b ≡ a′ − b′ (mod m)
- ab ≡ a′b′ (mod m)
Für jedes Polynom f ∈ ℤ[X] gilt außerdem f(a) ≡ f(a′) (mod m).
Beim Kürzen ist Vorsicht nötig. Mit dem größten gemeinsamen Teiler ggT gilt:
ca ≡ cb (mod m) ⇔ a ≡ b (mod m/ggT(c,m)).
Ist m eine Primzahl p und p kein Teiler von c, darf man modulo p gewöhnlich kürzen: ca ≡ cb (mod p) ⇔ a ≡ b (mod p). Für jeden Teiler d von m folgt aus a ≡ b (mod m) auch a ≡ b (mod d). Kongruenzen modulo m₁, …, mₖ sind genau dann alle gleichwertig zu einer Kongruenz modulo ihrem kleinsten gemeinsamen Vielfachen m, wenn sie für alle mᵢ gelten.
Für n ∈ ℕ₀ gilt aⁿ ≡ (a′)ⁿ (mod m). Sind a und m teilerfremd, liefert der Satz von Euler aᵠ(m) ≡ 1 (mod m); daraus folgt aⁿ ≡ aⁿ′ (mod m), falls n ≡ n′ (mod φ(m)). Der kleine fermatsche Satz ist der Spezialfall aᵖ ≡ a (mod p) für jede Primzahl p.
Nützliche Folgerungen
Aus den Rechenregeln folgen unter anderem:
- Für t ≠ 0 gilt t · a ≡ t · b (mod |t| · m).
- Ist k ein Teiler von m, dann folgt aus a ≡ b (mod m), dass a ≡ b (mod k) gilt.
- Für jede ungerade Zahl a gilt a² ≡ 1 (mod 8).
- Für jede ganze Zahl ist a³ modulo 9 gleich 0, 1 oder 8; modulo 7 gleich 0, 1 oder 6.
- Für jede ganze Zahl gilt a³ ≡ a (mod 6).
- Für jede ganze Zahl ist a⁴ modulo 5 gleich 0 oder 1.
- Ist a zugleich Quadratzahl und Kubikzahl, gilt modulo 36: a ≡ 0, 1, 9 oder 28.
- Für eine Primzahl p mit n < p < 2n gilt (2n über n) ≡ 0 (mod p).
- Für eine ungerade ganze Zahl a und n > 0 gilt a²ⁿ ≡ 1 (mod 2ⁿ⁺²).
- Sind p und q = p + 2 Primzahlzwillinge mit p > 3, dann gilt p · q ≡ −1 (mod 9).
Lineare und simultane Kongruenzen
Eine lineare Kongruenz ax ≡ c (mod m) ist genau dann lösbar, wenn g = ggT(a,m) die Zahl c teilt. In diesem Fall gibt es genau g Lösungen im Bereich {0, 1, …, m − 1}; sie sind untereinander modulo m/g kongruent.
Der erweiterte euklidische Algorithmus bestimmt g sowie s und t mit g = s · a + t · m. Eine Lösung ist dann x₁ = s · c/g. Alle weiteren Lösungen unterscheiden sich von x₁ um ein Vielfaches von m/g.
Beispiel: 4x ≡ 10 (mod 18) ist lösbar, weil ggT(4,18) = 2 die 10 teilt. Der erweiterte euklidische Algorithmus liefert 2 = −4 · 4 + 1 · 18 und damit x₁ = (−4 · 10)/2 = −20. Die Lösungen sind modulo 18 die zwei Klassen; als ganze Zahlen lautet die Lösungsmenge {…, −20, −11, −2, 7, 16, 25, …}.
Bei simultanen Kongruenzen, etwa aᵢx ≡ cᵢ (mod mᵢ), ist eine Lösung sicher vorhanden, wenn jede einzelne Kongruenz lösbar ist, also ggT(aᵢ,mᵢ) cᵢ teilt, und die Zahlen mᵢ/ggT(aᵢ,mᵢ) paarweise teilerfremd sind. Der Chinesische Restsatz liefert den Lösungsweg.
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