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Konglomerat (Firmen)
Als Konglomerat in Zusammenhang mit Firmenstruktur wird ein stark diversifiziertes Unternehmen mit Tochtergesellschaften bezeichnet, die unterschiedliche …
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Definition und Struktur
Ein Konglomerat ist ein stark diversifiziertes Unternehmen mit Tochtergesellschaften, die in unterschiedlichen Branchen tätig sind, verschiedene Wertschöpfungsketten besitzen und nicht miteinander im Wettbewerb stehen. Es wird auch als Mischkonzern, Multikonzern oder Mischkombinat bezeichnet.
Die Diversifikation entsteht meist durch gleichzeitige Aktivitäten in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel Energietechnik, Medizintechnik, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Häufig hält eine Gründerfamilie bereits seit Generationen eine beherrschende Stellung. Umgangssprachlich wird „Konglomerat“ außerdem für besonders verschachtelte und undurchsichtige Beteiligungskonstruktionen verwendet.
Regionale Formen und Entwicklung
In den sozialistischen beziehungsweise RGW-Ländern wurden um 1950 Kombinate gebildet. Sie galten als Gegenstück zu den Konzernen in den kapitalistischen beziehungsweise OEEC-Ländern, etwa in Westdeutschland.
Im asiatischen Wirtschaftsraum besitzen Mischkonzerne weiterhin große Bedeutung. In Südkorea beherrschen Konglomerate, die Jaebeol genannt werden, die gesamte Wirtschaft. Sie befinden sich im Besitz einer Einzelperson oder Familie. Die fünf größten sind Samsung, Hyundai, SK, LG und Lotte. Ein Beispiel für ein indisches Konglomerat ist die Tata-Group.
In Japan entstand nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Keiretsu ein anderes Modell. Zuvor waren die familienkontrollierten Mischkonzerne Zaibatsu mit einem mächtigen Mutterunternehmen und mehreren Tochterunternehmen verboten worden. Bis 1997 waren diese Holdinggesellschaften durch die Besatzungsmacht untersagt. Ehemalige Zaibatsu-Tochterunternehmen banden sich deshalb durch Überkreuzbeteiligungen informell aneinander; im Zentrum stand eine Hausbank. Yamaha wird als Beispiel genannt.
Beispiele in Amerika und Europa
In der amerikanischen und europäischen Wirtschaft besteht seit den 1990er Jahren eine starke Tendenz, verbliebene Konglomerate zu entflechten. Leitgedanke ist die „Konzentration auf die Kernkompetenzen“. Erhalten bleiben sollen vor allem Unternehmensteile, die dem festgelegten Unternehmenszweck unmittelbar dienen. Ein europäisches Beispiel ist die Virgin Group im Vereinigten Königreich.
Ein prominentes Beispiel aus den Vereinigten Staaten ist GE, früher General Electric genannt. Das Unternehmen war ursprünglich unter anderem in der Elektrotechnik tätig, sowohl bei Industrieanlagen als auch bei Haushaltsgeräten, expandierte aber zusätzlich in verschiedene andere Branchen.
Ein frühes deutsches Beispiel ist Hugo Stinnes. Unter der 1892 gegründeten Hugo Stinnes GmbH entstand ein unüberschaubarer Mischkonzern. Besonders während der Inflation ab 1923 übernahm der Konzern unter anderem Theater, Baumärkte, Ölhandel und Reifendienste. Bereits 1920 kontrollierte Stinnes ein Viertel der Produktion des Ruhrgebiets.
NAGEMA war von 1948 bis 1990 ein Misch-Kombinat von Maschinenbauunternehmen mit Hauptsitz in Dresden in Ostdeutschland. Typisch für heutige deutsche Konglomerate sind Überkreuzbeteiligungen mit Banken und Versicherungen. Dafür wurde der Begriff „Deutschland AG“ geprägt. Als die Veräußerung von Beteiligungen steuerfrei gestellt wurde, begann die Entflechtung dieser Deutschland AG. Beteiligungen und Tochtergesellschaften wurden in starkem Maß von Private-Equity-Firmen erworben, die unter anderem durch den Abbau von Arbeitsplätzen die Unternehmenserträge erhöhten. Als Beispiel für ein deutsches Konglomerat wird die Siemens AG genannt.
Chancen und Kritik
Das Modell des Mischkonzerns ist umstritten. Befürworter sehen mehrere Vorteile:
- Die Streuung der Geschäftsaktivitäten kann Klumpenrisiken vermeiden. Klumpenrisiken sind einseitige Abhängigkeiten von einzelnen Branchen.
- Durch die Machtkonzentration kann Eigenkapital schnell investiert werden.
- Verlustbringende Teilbereiche können ohne langwierige Verhandlungen mit Banken oder Investoren saniert oder verkauft werden. Außerdem lassen sich neue Geschäftsfelder schnell erschließen.
- Ein einheitlich angewandtes professionelles Management kann die Unternehmensführung effizienter machen. Als Beispiel gilt General Electric mit der Einführung der Six-Sigma-Methode.
Kritiker bezeichnen Mischkonzerne abwertend als „Gemischtwarenladen“. Ihrer Ansicht nach führt die große Vielfalt zu Verzettelung und unnötigen Reibungsverlusten zwischen den Geschäftsbereichen. Außerdem seien die Synergieeffekte oft zu gering. Ein homogener Konzern, der nur in einer Branche tätig ist, kann beispielsweise gemeinsam benötigte Fremdleistungen in großen Mengen einkaufen und dadurch bessere Preise erzielen.
Weitere Kritik betrifft die Machtballung: Wichtige operative Entscheidungen könnten von Personen getroffen werden, die wenig Sachkenntnis über eine bestimmte Branche besitzen. Dadurch drohten teure Fehlentscheidungen, etwa im Fall von Edzard Reuter. Eine Verringerung des Anlagerisikos sei durch gestreute Investmentfonds effizienter möglich.
Erfolgreiche Mischkonzerne wie die Tata-Group oder General Electric bewältigen diese Spannung, indem sie unter dem Dach einer Zentrale mit übergreifender Corporate Identity als Finanzholding arbeiten. Die Zentrale greift dabei nur wenig in das operative Tagesgeschäft ein.