Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Zither

Zither ist ein organologischer (instrumentenkundlicher) Begriff für Saiteninstrumente (Chordophone), die aus einer oder mehreren Saiten bestehen, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Herkunft und historische Entwicklung
  3. 3. Konzertzither: Bau, Formen und Spielweise
  4. 4. Besaitung und Stimmung
  5. 5. Weitere Zitherarten und Systematik
  6. 6. Musik und Ausbildung

Grundbegriff und Bedeutung

Eine Zither ist ein Saiteninstrument, also ein Chordophon. Organologisch bedeutet der Begriff: Eine oder mehrere Saiten sind zwischen festen Punkten über einem Saitenträger gespannt. Dieser Saitenträger dient zugleich als Resonanzverstärker oder trägt einen ablösbaren Resonanzkörper. In der Hornbostel-Sachs-Systematik werden Zithern von zusammengesetzten Saiteninstrumenten wie Lauteninstrumenten und Harfen unterschieden, bei denen Saitenträger und Resonanzkörper fest und ohne Zerstörung des Klangapparats unlösbar verbunden sind.

Im engeren Sinn meint „Zither“ meist die Alpenländische Zither. Sie ist eine Kastenzither und entstand im 19. Jahrhundert aus einfacheren Vorläufern der bäuerlichen Tanzmusik als Volksmusikinstrument der alpenländischen Volksmusik. Später wurde sie auch ein Saloninstrument des europäischen Bürgertums. Nach den Weltkriegen entwickelte sich ihre Bauweise weiter bis zum heutigen Konzertinstrument, das sowohl in historischen Aufführungen als auch in zeitgenössischer Musik verwendet wird.

Bezeichnungen wie „Waldzither“, „Harzzither“ oder „Bergmannszither“ meinen dagegen keine Zithern im organologischen Sinn, sondern Cistern, also Lauteninstrumente.

Herkunft und historische Entwicklung

Der Ausdruck „Zither“ geht auf das griechische Wort „Kithara“ zurück. Im Deutschen erscheint er im 17. Jahrhundert als „Cyther“ und „Zitter“, bezeichnete damals aber zunächst die lautenartige Cister. Als frühe Vorläufer gelten das antike Monochord, im europäischen Raum außerdem das mittelalterliche Scheitholt und das Psalterium.

Zitherartige Instrumente gibt es weltweit. In Ostasien gehören dazu die Wölbbrettzithern Guzheng in China, Koto und Wagon in Japan, Đàn tranh in Vietnam und Ajaeng in Korea. In Nordeuropa sind die Kannel in Estland und die Kantele in Finnland Kastenzithern. Hackbrett und Santur in Iran und Nordindien sind ebenfalls Kastenzithern, werden aber nicht gezupft, sondern mit Klöppeln geschlagen.

Für den Alpenraum wird ein sehr einfaches Zitherinstrument schon von Thomas Platter (1499–1582) beschrieben: Er spannte Saiten auf eine Schindel, setzte einen Steg darunter und riss die Saiten mit den Fingern an. Michael Praetorius erwähnt 1619 in „Syntagma musicum“ ein ähnliches Instrument als Scheit- oder Stückeholz. Ein Instrument aus Brixen von 1675 hatte die Form eines langen Rechtecks, zwei Spiel- und zwei Begleitsaiten sowie ein Griffbrett mit 14 Bünden. Ab dem späten 18. Jahrhundert wurde dieser Instrumententyp besonders im Salzburger Raum und in Mittenwald modernisiert.

Wichtig für die Verbreitung im 19. Jahrhundert war Johann Petzmayer. Er spielte eine Zither mit drei Melodie- und 15 Begleitsaiten und machte das Instrument durch Konzertreisen bekannt. 1838 veröffentlichte Nikolaus Weigel seine „Theoretisch-practische Zitherschule“. In der Biedermeier-Zeit wurde die Zither durch die Vorliebe für Folkloristisches zu einem beliebten Instrument in Mitteleuropa und galt als „Das Klavier des kleinen Mannes“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Zithern in großen Stückzahlen hergestellt, weltweit exportiert, und es entstanden zahlreiche Zither-Vereine.

Konzertzither: Bau, Formen und Spielweise

Die heutige Konzertzither besteht grundsätzlich aus einem flachen Kasten. Parallel zur Längsseite sind 5 Griffbrettsaiten und 27 bis 37 Freisaiten gespannt. Unter den Freisaiten liegt ein Schallloch. Unter den Griffbrett- oder Melodiesaiten befindet sich ein Griffbrett mit chromatischen Bünden; „chromatisch“ bedeutet, dass die Töne in Halbtonschritten geordnet sind.

Die Konzertzither hat zwei Spielbereiche. Die Griffbrett- oder Melodiesaiten werden mit einem Zitherring, also einem Plektron am Daumen der rechten Hand, angerissen und mit den Fingern der linken Hand gegriffen. Die Freisaiten, umgangssprachlich auch Begleitsaiten genannt, werden mit den Fingern der rechten Hand gezupft.

Zur Familie der Konzertzithern gehören mehrere Tonlagen. Die übliche Form ist die Diskantzither. Davon abgeleitet sind die Altzither, die eine Quarte tiefer klingt, und die Basszither, die eine Oktave tiefer klingt. Die seltenere Quintzither ist eine Quinte höher gestimmt als die Diskantzither. Diese Instrumente werden oft gemeinsam im Ensemble gespielt, können aber auch solistisch verwendet werden. Bis auf die Diskantzither werden sie transponierend notiert, das heißt: Die Notenschrift steht nicht in derselben Tonhöhe, in der das Instrument tatsächlich klingt. Die Tonumfänge liegen etwa zwischen fünfeinhalb und viereinhalb Oktaven.

Wichtige Bauformen sind die Salzburger Form mit einer Ausbuchtung an der vom Spieler abgewandten Seite, die Mittenwalder Form mit zwei Ausbuchtungen und die Psalterzither. Die Psalterform wurde um 1970 von Ernst Volkmann entwickelt und wurde zur Vorlage vieler heutiger Konzertinstrumente. Schon vorher entstanden wichtige Weiterentwicklungen: 1851 ergänzte Georg Tiefenbrunner die Diskantzither durch eine Alt- oder „Elegie“-Zither, 1862 baute Max Amberger in München die erste Konzertzither heutiger Bauform mit verlängerter Mensur. Um 1930 schuf Adolf Meinel sen. eine Quintzither und eine Basszither.

Besaitung und Stimmung

Für die Konzertzither gibt es zwei wichtige Besaitungen: die Standardbesaitung und die Wiener Besaitung. Besaitung bedeutet hier nicht nur die Anzahl der Saiten, sondern auch deren Stimmung und Anordnung.

Die Standardbesaitung, früher auch „Normalstimmung“ oder umgangssprachlich „Münchner Stimmung“, ist heute die gebräuchlichste Form. Die Griffbrettsaiten sind auf a’, a’, d’, g und c gestimmt. Die Freisaiten sind nach einem System von Nikolaus Weigel (1811–1878) in Quart-Quint-Folge angeordnet und decken den Tonraum von f’ bis Kontra F lückenlos, also vollchromatisch, ab. Die Kontrasaiten sind von F abwärts chromatisch gestimmt. Die Anordnung im Quintenzirkel sorgt dafür, dass die Grundakkorde einer Tonart nahe beieinanderliegen und schnell gegriffen werden können. Notiert wird meist in zwei Systemen wie beim Klavier: Griffbrett oben im Violinschlüssel, Freisaiten unten im Bassschlüssel. 1878 wurde diese Besaitung beim Kongress des Verbandes deutscher Zithervereine als Normalstimmung eingeführt.

Die Wiener Besaitung wird heute nur noch selten verwendet, vor allem für traditionelle Wiener Salon- und Schrammelmusik. Ihre Griffbrettsaiten sind auf a’, d’, g’, g und c gestimmt. Kennzeichnend ist die Hilfssaite g’ in der Mitte der Griffbrettsaiten. Im Freisaitenbereich werden sechs Saiten im Bassbereich eine Oktave tiefer gestimmt; dadurch entstehen zwei Tonbereiche, as’ bis gis und c bis Cis, mit einer Lücke von g bis cis. Die Kontrasaiten beginnen mit C und sind chromatisch abwärts gestimmt. Der gesamte Freisaitenbereich wird im Bassschlüssel notiert.

Weitere Zitherarten und Systematik

Zithern kommen in vielen Bauformen vor. Die einfachste Gruppe sind Stabzithern: Eine oder mehrere Saiten verlaufen über einen stabförmigen Saitenträger. Je nach Material unterscheidet die Hornbostel-Sachs-Systematik Musikbögen mit biegsamem Saitenträger und Musikstäbe mit starrem Saitenträger. Beispiele sind Formen der indischen vina, die Rudra vina, die jantar, die tuila, die phin phia, die kse diev und ostafrikanische Plattstabzithern wie die zeze.

Bei Röhrenzithern liegen die Saiten an der Außenseite einer Rinne oder Röhre, meist aus Bambus. Manche sind idiochord: Die Saiten bestehen aus demselben Material wie der Korpus und sind aus ihm herausgeschnitten. Beispiele sind valiha, sasando, kolitong, celempung bambu, gumbeng, guntang, gintang, chigring, yalambar und die ältere Form der vietnamesischen đàn bầu. Halbröhrenzithern bestehen aus längs gespaltenen Röhren und gelten als Vorläufer der ost- und zentralasiatischen Wölbbrettzithern wie guqin, guzheng, se, yatga, jetigen, koto, wagon, gayageum, ajaeng und đàn tranh.

Weitere Gruppen sind Floßzithern aus mehreren verbundenen Röhren, Schalenzithern oder Trogzithern mit Saiten über einem flach schalenförmigen Holzbrett, Rahmenzithern mit Saiten innerhalb eines Rahmens, Bordunzithern mit Melodiesaiten und frei gezupften Bordunsaiten, Brettzithern und Kastenzithern. Zu den Kastenzithern zählen unter anderem die alpenländischen Zithern, Akkordzither, Autoharp, Äolsharfe, Hackbrett, Hummel, Scherrzither, Kantele, Bandura, kanun, Santur, kacapi und celempung. Tastenzithern sind Brett- oder Kastenzithern, bei denen Melodiesaiten durch eine Tastenmechanik verkürzt werden, etwa taishōgoto, bulbultarang und nolin.

Neben diesen systematischen Gruppen gibt es besondere Formen. Die Scherrzither, auch Kratzzither oder Schlagzither, ist eine bäuerliche Zither mit diatonisch angeordneten Bünden und wird in der alpenländischen Volksmusik weiterhin gespielt, besonders im Allgäu, in benachbarten Gebieten Vorarlbergs und Tirols sowie in Oberbayern. Die Akkordzither oder Gitarrenzither hat kein Griffbrett, sondern frei schwingende oder in Akkordgruppen angeordnete Saiten. Mit einem untergelegten speziellen Notenblatt, einer Tabulatur, kann sie auch ohne Notenkenntnisse gespielt werden. Eine E-Zither ist eine Diskantzither mit elektrischen Tonabnehmern wie bei einer E-Gitarre; der Moodswinger ist eine elektrisch verstärkte Flachbrettzither mit zusätzlichem beweglichem drittem Steg.

Musik und Ausbildung

In traditionellen Volksmusikensembles des Alpenraums, zum Beispiel in der Stubenmusik, hat die Zither seit langem einen zentralen Platz. Gemeinsam mit der Gitarre dient sie oft auch als Begleitinstrument für Gesang.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden viele Bearbeitungen für Zither allein oder für Zitherensembles aus allen Epochen der Musikgeschichte. Dabei spielte die klangliche Nähe zu historischen Zupf- und Lauteninstrumenten eine wichtige Rolle. Seit den 1980er Jahren interessierten sich auch zeitgenössische Komponisten für die Zither, besonders wegen ihrer unverbrauchten Klangmöglichkeiten und erweiterten Spieltechniken. Genannt werden unter anderem Violeta Dinescu, Georg Friedrich Haas, Leopold Hurt, Mauricio Kagel, Peter Kiesewetter, Bernhard Lang, Dieter Schnebel, Christian Wolff und Walter Zimmermann.

In Deutschland bietet die Hochschule für Musik und Theater München als einzige Hochschule einen Studiengang Zither mit dem Abschluss Bachelor of Music an. Daneben gibt es Ausbildungsmöglichkeiten an mehreren Berufsfachschulen. Auch in Österreich und Südtirol bieten Hochschulen entsprechende Studiengänge an.

Weiterlesen

Musikinstrumentenkunde Die Lehre vom Einsatz der Musikinstrumente in Kompositionen und Arrangements (die Instrumentation) nennt man Instrumentationslehre oder Instrumentationskunde. Resonanzkörper Ein Resonanzkörper, auch Korpus, ist ein schwingungsfähiger Körper, der Klänge oder Töne durch Resonanz verstärkt. Resonanzkörper sind Bestandteil vieler … Harfe Die Harfe ist ein Saiteninstrument und gemäß der Tonproduktion ein Zupfinstrument. Unter den drei Grundtypen der Saiteninstrumente, die in der … Antikes Griechenland Das antike Griechenland hat die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt. Es umfasst im Kern den Zeitraum von ca. 800 v. Estland Als nördlichster der drei baltischen Staaten grenzt er im Süden an Lettland, im Osten an Russland und im Norden und Westen an die Ostsee. Über den Finnischen … Rechteck In der Geometrie ist ein Rechteck (ein Orthogon) ein ebenes Viereck, dessen Innenwinkel alle rechte Winkel sind. Es ist ein Spezialfall des Parallelogramms … Violine Die Violine oder Geige ist ein zu den Kastenhalslauten gehörendes Streichinstrument. Ihre vier Saiten (g – d 1 – a 1 – e 2) werden hauptsächlich mit den … Biedermeier Als Biedermeier wird die Zeitspanne vom Ende des Wiener Kongresses 1815 bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution 1848 in den Ländern des Deutschen Bundes … Quarte Als „reine“ Quarte umfasst sie fünf, in ihren „unreinen“ Varianten auch vier oder sechs Halbtonschritte. Das Komplementärintervall zur Quarte ist die Quinte. Im … Quinte Die Quinte besteht als „reine“ Quinte aus sieben, in ihren Varianten auch sechs oder acht Halbtonschritten. Die Quinte ist das Komplementärintervall zur Quarte. Oktave Als Oktave (von lateinisch octava ‚die achte') bezeichnet man in der Musiktheorie ein Intervall sowie einen durch heptatonische Unterteilung acht Tonstufen … Transponierendes Instrument Transponierendes Instrument ist die übliche Bezeichnung für Musikinstrumente, bei denen die Notation nicht in der Tonhöhe erfolgt, die erklingen soll …