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Kauf Alaskas

Der Kauf Alaskas seitens der Vereinigten Staaten (englisch Alaska Purchase) beziehungsweise der Verkauf von Alaska durch das Russische Kaiserreich (russisch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern des Kaufs
  2. 2. Russisches Alaska und Gründe für den Verkauf
  3. 3. Argumente in den Vereinigten Staaten
  4. 4. Ratifizierung, Übergabe und heutiges Gedenken
  5. 5. Behauptetes Angebot an Liechtenstein

Kern des Kaufs

Der Kauf Alaskas (englisch Alaska Purchase) bezeichnet die vertraglich geregelte Überlassung russischer Ansprüche auf das Gebiet des heutigen US-Bundesstaats Alaska an die Vereinigten Staaten im Jahr 1867. Das Areal umfasste etwa 1,6 Millionen km² (600.000 Quadratmeilen); der vereinbarte Preis betrug 7.200.000 US-Dollar. Russland verkaufte damit ein schwer zu verteidigendes, wirtschaftlich zunehmend belastendes Gebiet, während die USA ihr Territorium und ihren Einfluss im Nordwesten Nordamerikas erweiterten.

Russisches Alaska und Gründe für den Verkauf

Bis in die 1830er Jahre ließen sich etwa 800 Russen in Alaska nieder. Hinzu kamen versklavte Einheimische, die teilweise unter Zwang russisch-orthodox christianisiert wurden. Die wichtigsten russischen Siedlungen lagen auf den vorgelagerten Inseln Kodiak, ab 1784, und Sitka, ab 1799. Hauptort wurde Novo-Archangelsk auf Sitka.

Nach Grigori Schelichows Tod entstand 1799 auf seine Initiative hin die Russisch-Amerikanische Kompanie; ihr erster Direktor war Aleksandr Baranov. Die schwierige Versorgung mit Lebensmitteln führte ab 1806 zur Gründung russischer Niederlassungen im heutigen Kalifornien, darunter Fort Ross. Dieses wurde 1841 verkauft.

Die Lage Russlands in Alaska verschlechterte sich, weil die Pelztierbestände zurückgingen. Nach dem Krimkrieg von 1856 befand sich das Russische Reich zudem in einer prekären Finanzlage. Es befürchtete außerdem, Alaska in einem Krieg, besonders gegen das Vereinigte Königreich, ohne Entschädigung zu verlieren: Die britische Marine hätte das für Russland schwer zu verteidigende Gebiet leicht erobern können. Zar Alexander II. beschloss daher den Verkauf an die USA und beauftragte den russischen Botschafter in Washington, Baron Eduard von Stoeckl, mit Verhandlungen mit US-Außenminister William H. Seward.

Ein erster, von amerikanischen Beamten angestoßener Kaufversuch scheiterte mit dem Beginn des US-Bürgerkriegs 1861. Später wurde zunächst inoffiziell und ab 1867 ernsthaft verhandelt. In einer Sitzung, die die ganze Nacht dauerte, unterschrieben die Beteiligten gegen 4 Uhr morgens am 30. März den Vertrag. Russland legte den Preis auf 7,2 Millionen US-Dollar fest und lehnte ein höheres britisches Angebot ab.

Die öffentliche Reaktion fiel weitgehend positiv aus, doch gab es auch Kritik. Sie richtete sich unter anderem gegen den hohen Kaufpreis und erwartete Verwaltungs- und Militärkosten, die große Entfernung des nicht an das bisherige US-Gebiet grenzenden Landes sowie die Sorge, weitere indigene Bevölkerungsgruppen regieren zu müssen. Kritiker beschrieben das Gebiet als wertarm und verwiesen auf die durch starke Jagd bedrohten Pelztiere; die New York Tribune nannte es eine „gefrorene Wildnis“.

Argumente in den Vereinigten Staaten

Die oft erzählte Darstellung, das Gebiet sei allgemein als Seward’s Folly („Sewards Torheit“), Seward’s Icebox („Sewards Gefriertruhe“) oder als Präsident Andrew Johnsons polar bear garden („Eisbärpark“) verspottet worden, galt lange als erfundene Legende. Laut später veröffentlichten Briefen betrachteten allerdings etliche Senatoren Alaska als persönliche Bereicherung Johnsons. Der Abschnitt ist in der Vorlage als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet. Eine Umfrage unter großen US-Zeitungen im Sommer 1867 ergab jedoch, dass fast alle den Kauf redaktionell unterstützten oder dazu schwiegen; Wissenschaftler und Journalisten hielten ihn überwiegend für sinnvoll.

Seward, der eine Ausdehnung der Vereinigten Staaten befürwortete, und Charles Sumner, Vorsitzender des Senatsausschusses, trieben die Unterzeichnung voran. Sie begründeten sie mit strategischen Interessen: Russland war während des Bürgerkriegs ein wertvoller Verbündeter der Nordstaaten, während das Vereinigte Königreich beinahe offen als Gegner aufgetreten war. Der Kauf sollte Russland helfen und britische Pläne erschweren.

Auch das angrenzende britische Gebiet, das heutige Kanada, spielte eine Rolle. Es grenzte fast vollständig an US-Gebiet und erschien deshalb für das Vereinigte Königreich möglicherweise weniger strategisch wertvoll; es könne eines Tages ebenfalls gekauft werden. Zeitungen deuteten den Kauf als taktischen Schritt gegen Kanada und als Signal an Frankreich und das Vereinigte Königreich, sie hätten auf diesem Kontinent „nichts zu suchen“.

Am 9. April verteidigte Sumner den Vertrag in einer langen Rede. Er behandelte Geschichte, Klima, natürliche Beschaffenheit, Bevölkerung und Rohstoffe Alaskas, darunter Wälder, Minen, Pelze und Fischereien. Er argumentierte, amerikanische Demokratie, Handel und Seefahrt würden das Gebiet entwickeln. Zugleich stellte er den Kauf als Schritt dar, durch den mit Russland ein weiterer Monarch vom nordamerikanischen Kontinent weiche.

Ratifizierung, Übergabe und heutiges Gedenken

Der Senat der Vereinigten Staaten ratifizierte den Vertrag am 9. April 1867 mit 37 Stimmen dafür und 2 dagegen. Das Repräsentantenhaus verzögerte wegen Widerstands die Bereitstellung des Kaufpreises um mehr als ein Jahr, genehmigte sie dann aber mit 113 zu 48 Stimmen.

Nach den von Sumner berichteten russischen Schätzungen lebten in Alaska rund 2500 Russen und Mischlinge sowie 8000 Ureinwohner unter der Oberhoheit der russischen Pelzhandelsgesellschaft, insgesamt also gut 10.000 Menschen. Außerhalb ihres Hoheitsbereichs könnten weitere 50.000 Eskimos und Indianer gelebt haben. Die Europäer bewohnten 23 Handelsposten auf Inseln und an der Küste. Kleinere Posten hatten oft nur vier oder fünf Russen und dienten als Lager für von Indianern eingetauschte Felle. Nowo-Archangelsk, das heutige Sitka, war 1804 gegründet worden, um den Handel mit Seeotterfellen zu koordinieren; dort lebten in 116 kleinen Blockhäusern 968 Einwohner. St. Paul auf Kodiak Island hatte 100 Blockhütten und 283 Siedler und war das Zentrum der Robbenjagd.

Die Amerikaner übernahmen den aus der Sprache der Aleuten stammenden Namen „Alaska“. Die offizielle Übergabe fand am 6. Oktober jul. beziehungsweise 18. Oktober 1867 greg. statt. Weil Alaska vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender wechselte, dauerte der Oktober 1867 dort nur ungefähr drei Wochen. Vor dem Haus des Gouverneurs wurde die russische Flagge eingezogen und unter Artilleriesalut die amerikanische gehisst. Fregattenkapitän Alexei Alexejewitsch Peschtschurow übergab das Territorium im Namen des Zaren an General Lovell Rousseau. General Jefferson C. Davis bezog das Gouverneurshaus; die meisten russischen Siedler kehrten in ihre Heimat zurück, während einige Händler und Priester blieben.

Alaska Day erinnert bis heute am 18. Oktober an die Übergabe. Seward’s Day, der letzte Montag im März, erinnert an die Unterzeichnung und ist ein gesetzlicher Feiertag in Alaska.

Behauptetes Angebot an Liechtenstein

Eine SRF-Dokumentation verbreitete am 17. November 2018 die Information, der russische Zar habe Alaska 1867 zunächst Fürst Johann II. von Lichtenstein zum Kauf angeboten; dieser habe abgelehnt, bevor das Gebiet den USA angeboten worden sei. Ähnlich hatte die Welt am Sonntag bereits 2015 berichtet. Die Behauptung wurde zunächst als Gerücht bezeichnet.

Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein erklärte wenige Tage später in einem Leserbrief an liechtensteinische Zeitungen, es handle sich nicht um ein Gerücht. Das Angebot und das Bedauern über die Ablehnung seien in der fürstlichen Familie wiederholt besprochen worden. Schriftliche Belege für das Kaufangebot fehlten laut Artikel jedoch bislang; Hans-Adam II. äußerte die Erwartung, sie könnten noch in Archiven gefunden werden.

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