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Karneval der Tiere
Instrumente: Klavier I, Klavier II, Streicher (1. + 2. Violine, Viola ... Dieses Stück wurde auch als Musik zu dem Tanz-Solo Der sterbende Schwan bekannt.
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Überblick und Bedeutung
Der Karneval der Tiere (französisch: Le Carnaval des animaux) ist eine Suite für Kammerorchester von Camille Saint-Saëns. Sie entstand 1886, trägt keine Opuszahl, besteht aus 14 kurzen Sätzen und dauert etwa 22–25 Minuten. Der Untertitel lautet Grande fantaisie zoologique. Heute gehört das Werk zu den bekanntesten Kompositionen von Saint-Saëns.
Das Werk ist Programmmusik: Die Musik stellt außermusikalische Inhalte dar, hier vor allem Tiere, Tierstimmen, Bewegungen und kleine Szenen. Saint-Saëns imitiert dafür mit Instrumenten zum Beispiel Löwengebrüll, Hühnergackern, Kuckucksrufe, Vogelgezwitscher oder das Gleiten eines Schwans. Außerdem parodiert er bekannte Musikstücke, also er verwendet sie in veränderter, oft komischer Form.
In heutigen Aufführungen werden die einzelnen Stücke häufig von einem Erzähler eingeleitet. Diese Zwischentexte gehören aber nicht zum ursprünglichen Werk. Der Komponist legte die Suite als reines Instrumentalwerk an. Bekannte Textfassungen stammen unter anderem von Peter Ustinov und Loriot; eine „originale“ Textfassung zu Saint-Saëns’ Werk gibt es nicht.
Entstehung und Veröffentlichung
Saint-Saëns komponierte den Karneval der Tiere im Januar 1886 in einem kleinen österreichischen Dorf. Dabei griff er auf frühe Skizzen zurück, die aus seiner Zeit als Lehrer an einer privaten Musikschule in Paris stammten. Dort hatte er zwischen 1861 und 1865 unterrichtet; musikalische Parodien standen auf dem Lehrplan. Seine Schüler sollen ihn dazu überredet haben, eine seiner humorvollen musikalischen Ideen auszuarbeiten. Schon damals soll der Titel entstanden sein.
Als konkreter Anlass für die Niederschrift gilt ein Konzert, das der Cellist Charles Lebouc jedes Jahr am Fastnachtsdienstag gab. Die Uraufführung fand am 9. März 1886 statt. Camille Saint-Saëns und Louis Diémer spielten dabei die beiden Klavierstimmen.
Saint-Saëns ließ das Werk zu Lebzeiten nicht veröffentlichen. Ein Grund war, dass er darin Tierstimmen musikalisch nachahmte und außerdem Berufskollegen und bekannte Stücke parodierte, etwa Jacques Offenbach bei den Schildkröten sowie Hector Berlioz und Felix Mendelssohn Bartholdy beim Elefanten. Auch eine Arie von Gioachino Rossini wurde offenbar im Satz Fossilien parodiert. Erst nach seinem Tod erschien das Werk am 16. Dezember 1921 bei seinem Verleger Jacques Durand. Die Wiederaufführung fand am 25. Februar 1922 in Paris unter der Leitung von Gabriel Pierné statt.
Besetzung
Die Suite ist für ein kleines Kammerorchester geschrieben. Zur Besetzung gehören Holzblasinstrumente, Schlaginstrumente, zwei Klaviere und Streicher.
Die Holzbläser sind Flöte und Klarinette. Die Flöte spielt im Finale auch Piccoloflöte; die Klarinette wird in B und C verwendet. Zum Schlagwerk gehören Xylophon und Glasharmonika. Die Glasharmonika wird in Aufführungen häufig durch Glockenspiel oder Celesta ersetzt. Dazu kommen Klavier I und Klavier II.
Die Streicher bestehen aus Violine I, Violine II, Viola, Violoncello und Kontrabass. Die Besetzung ist wichtig für den Charakter des Werks, weil Saint-Saëns die Klangfarben gezielt einsetzt: tiefe Instrumente wie Kontrabass und Violoncello können schwer oder würdevoll wirken, hohe Flöten- und Klavierfiguren können Vogelstimmen, Wasserbewegungen oder Leichtigkeit andeuten.
Die 14 Stücke
Die Suite beginnt mit Introduction et Marche royale du Lion. Die Tiere ziehen in eine Arena ein, und der Löwe erscheint als „König der Tiere“. Sein Brüllen wird durch schnelle chromatische Triolenläufe in Klavieren und Streichern dargestellt. Danach folgen Poules et coqs, also Hühner und Hähne. Streicher imitieren das Gackern, Klaviere und Klarinette das „Kikeriki“.
Hémiones (Animaux veloces) zeigt schnelle Steppentiere oder Fluchttiere. Zwei Klaviere spielen rasende Läufe über vier Oktaven. Tortues stellt Schildkröten dar und parodiert den Can-Can aus Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach: Die eigentlich sehr schnelle Musik wird extrem langsam und schwerfällig gespielt. L’Éléphant zeigt einen Dressurakt in der Arena. Der Kontrabass spielt Themen, die normalerweise leicht und beweglich wirken, unter anderem aus Berlioz’ Danse des sylphes und Mendelssohns Sommernachtstraum-Scherzo; dadurch klingen sie unbeholfen und grotesk.
Kangourous stellt die hüpfende Fortbewegung von Kängurus dar. Die zwei Klaviere spielen Sprünge, die erst schneller werden (accelerando) und dann wieder langsamer (ritardando). Aquarium ist ein Stimmungsbild mit Flöte, Glasharmonika, zwei Klavieren und gedämpften Streichern. Perlende Klavierläufe und der feine Klang der Glasharmonika lassen Wasser, Luftblasen und Zierfische entstehen. Personnages à longues oreilles meint Esel: Zwei Violinen spielen den langen „I-aah“-Ruf.
Le Coucou au fond des bois stellt einen Kuckuck in der Tiefe des Waldes dar. Die Klaviere spielen leise Akkorde; eine Klarinette ruft aus der Ferne mit einer fallenden großen Terz. Volière ist das Vogelhaus. Die Querflöte imitiert Vogelgezwitscher mit Trillern, Akkordbrechungen und chromatischen Läufen; Klaviere und hohe Streicher verstärken das lebhafte Flattern.
Pianistes ist ein humorvoller Satz über Pianisten selbst. Zwei Klaviere üben Tonleitern wie in einer Etüde, begleitet von Streichern. Fossiles ist ein „Allegro ridicolo“ in Rondoform. Das Xylophon stellt klappernde Knochen dar und erinnert an Saint-Saëns’ eigenen Danse macabre. Zitiert oder parodiert werden unter anderem J’ai du bon tabac, Ah! Vous dirai-je maman, Au clair de la lune, Partant pour la Syrie und Rossinis Una voce poco fa aus Der Barbier von Sevilla.
Le Cygne, der Schwan, ist ein ruhiges Stimmungsbild für Violoncello und zwei Klaviere. Das Cello spielt eine gesangliche Melodie, während der Schwan auf dem Wasser zu gleiten scheint. Dieses Stück wurde auch als Musik zum Tanzsolo Der sterbende Schwan bekannt. Das Finale bringt die Tiere noch einmal zusammen: Nach einer brillanten Einleitung beginnt ein sehr schneller Galopp, in dem viele der zuvor vorgestellten Tiere kurz wieder auftauchen.
Bearbeitungen und Medien
Der Karneval der Tiere wurde vielfach literarisch und medial bearbeitet. Es gibt mehrere Bilderbuchfassungen und deutsche Ausgaben unter anderem von Loriot, Peter Ustinov, Marko Simsa, Roger Willemsen, Boris Aljinovic und Siegfried Carl.
Auch im Film wurde das Werk verwendet oder umgesetzt. 1990 entstand eine filmische Animation des gesamten Karnevals mit Origami-Papierfiguren unter der Regie von Zülal Aytüre-Scheele. Einzelne Sätze dienten außerdem als Filmmusik, zum Beispiel L’Éléphant in Das total verrückte Campingparadies, Aquarium in In der Glut des Südens, Tortues und Aquarium in Die tödliche Maria, Le Cygne in Idioten und Quartett sowie das Finale in Walt Disneys Fantasia 2000. Aquarium diente außerdem als Inspirationsquelle für den Prolog des Zeichentrickfilms Die Schöne und das Biest von 1991.
Als Hörbeispiel nennt der Artikel eine Aufnahme des Seattle Youth Symphony Orchestra. Außerdem gibt es den Dokumentarfilm Der Karneval der Tiere – Ein Musikstück erzählt von Holger Preusse und Philipp Quiring aus dem Jahr 2021, eine 52-minütige Produktion von WDR und ARTE.