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Kampf um die Westerplatte

Überfall auf Polen. Schleswig-Holstein feuert auf die Westerplatte (1. September 1939). Datum, 1. bis 7. September 1939. Ort, Westerplatte. Ausgang, Deutscher …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern des Geschehens
  2. 2. Lage und Entstehung des Stützpunkts
  3. 3. Politische Spannungen und Befestigung
  4. 4. Vorbereitung des Angriffs
  5. 5. Der siebentägige Kampf
  6. 6. Erinnerung und Westerplatte heute

Kern des Geschehens

Der Kampf um die Westerplatte war ein Gefecht zwischen Polen sowie dem Deutschen Reich und der Freien Stadt Danzig vom 1. bis 7. September 1939. Er gilt zusammen mit dem Luftangriff auf Wieluń als Auftakt des Überfalls auf Polen, der als Beginn des Zweiten Weltkriegs gilt. Deutschland und Danzig errangen einen Sieg, obwohl etwa 218 polnische Soldaten eine rund 3500 Mann starke deutsche und Danziger Übermacht sieben Tage lang aufhielten.

Am 1. September 1939 um 04:47 Uhr beschoss das deutsche Schulschiff Schleswig-Holstein die polnische Befestigung auf der Westerplatte etwa zehn Minuten lang mit schweren Schiffsgeschützen. Anschließend griffen deutsche Marinestoßtruppen, Wehrmachts- und Danziger Einheiten die Stellung an. Die polnischen Verteidiger kapitulierten erst am 7. September, nachdem sie wiederholte Angriffe, Artilleriebeschuss und einen schweren Luftangriff überstanden hatten.

Lage und Entstehung des Stützpunkts

Die Westerplatte war ursprünglich eine Sandbank an der Weichselmündung. Durch Aushubmaterial des Danziger Hafenkanals wurde sie zunächst zur Insel; nach der Schließung der Mündung der Toten Weichsel entstand die heutige Halbinsel. Der mit ihr verbundene Teil der Danziger Nehrung wird heute Wyspa Portowa, polnisch für „Hafeninsel“, genannt.

Seit etwa 1830 war die waldreiche Westerplatte als Ostseebad mit Kurpark, Kurhaus und drei Badeanlagen ausgebaut worden. Seit 1920 verlangte Polen von der Freien Stadt Danzig ein Gelände für ein Munitionsdepot. Der Völkerbund genehmigte dies am 14. März 1924. Polen erhielt die Westerplatte als Platz zum „Löschen, Lagern und Transport von Sprengstoffen und Kriegsgerät“. Danzig musste sich trotz Protesten an den hohen Kosten beteiligen. Neben dem Hafeneingang wurden ein Hafenbecken, Lagerschuppen und ein Anschluss an das Danziger Eisenbahnnetz gebaut.

Die Westerplatte wurde jedoch kein polnisches Staatsgebiet. Der Hauptteil war dem polnischen Militär vorbehalten und für Unbefugte gesperrt. Die zulässige Wachmannschaft legte der Völkerbund auf zwei Offiziere, 20 Unteroffiziere und 66 Mannschaften fest. Seit einer Vereinbarung von 1928 durfte Danzig an den Zugängen zwei Polizeiposten unterhalten.

Politische Spannungen und Befestigung

Die sogenannte Affäre Westerplatte bestand aus zwei Konflikten. Am 14. Juni 1932 verweigerte der Danziger Senat der polnischen Marine beim Besuch britischer Zerstörer das Recht, ein eigenes Kriegsschiff im Hafen anlegen zu lassen. Daraufhin lief der polnische Zerstörer ORP Wicher unangekündigt ein; die polnische Wachmannschaft wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Am 6. März 1933 landete Polen nach dem Ausschluss polnischer Vertreter aus der Hafenpolizei zusätzlich eine verstärkte Kompanie Marineinfanterie mit dem Truppentransporter ORP Wilia. Der Völkerbund zwang Polen, diese Verstärkung zurückzunehmen. Die Aktion sollte nach dem Willen Józef Piłsudskis Hitler zu Gesprächen bewegen und die stark antipolnische Deutschnationale Volkspartei in Danzig schwächen. Stattdessen erhielt die NSDAP bei der Wahl vom 28. Mai 1933 50,03 Prozent der Stimmen; ab Juni 1933 regierte Danzig nationalsozialistisch.

Polen begann im März 1933, das Munitionslager zu befestigen. Nach einer Beschwerde Danzigs ordnete der Völkerbund an, die Feldbefestigungen aufzugeben und abzubauen. Zwischen 1933 und 1936 entstand unter Leitung von Major (Ing.) Mieczysław Kruszewski dennoch heimlich, vor allem nachts, ein befestigtes Verteidigungssystem. Alte Bauten wurden abgerissen und durch Unterkunfts- und Wachhäuser mit vorbereiteten Maschinengewehrstellungen in den Kellern ersetzt. Im März 1939 wurden die Anlagen weiter verstärkt. Bis zum 31. August wuchs die Besatzung heimlich auf etwa 218 Mann. Sie verfügte über ein 7,62-cm-Feldgeschütz, zwei 3,7-cm-Panzerabwehrkanonen, 18 schwere und 23 leichte Maschinengewehre sowie Gewehre, Pistolen und Handgranaten.

Vorbereitung des Angriffs

Der ursprüngliche Auftrag der Westerplatte-Besatzung lautete, einen deutschen Angriff sechs Stunden lang abzuwehren, bis polnische Truppen aus Danzig zu ihrer Befreiung eintreffen würden. Dieses Versprechen war im Sommer 1939 von Oberst i. G. Hoszowski gegeben worden. Am 31. August teilte Oberstleutnant Sobocinski dem Kommandanten Henryk Sucharski jedoch mit, dass das für den Entsatz gebildete Einsatzkorps aus der 13. und 17. Division der Pommern-Armee aufgelöst und nach Skierniewice zurückgezogen worden war. Die Besatzung sollte nun zwölf statt sechs Stunden Widerstand leisten; Sucharski behielt diese Information für sich.

Die Schleswig-Holstein lief am 25. August 1939 zu einem angeblichen Freundschaftsbesuch in Danzig ein. Bereits am 24. August waren 225 Marinestoßtruppsoldaten unter vier Offizieren und einem Arzt auf See an Bord gebracht worden. Unter ihnen befand sich die für die Einnahme der Westerplatte vorgesehene Marinestoßtruppkompanie. Die Soldaten wurden unter Deck verborgen. Am 25. August berieten Generalmajor Friedrich-Georg Eberhardt und sein Stabsoffizier mit Kapitän zur See Gustav Kleikamp über den Angriff. Der für den 26. August geplante Angriff wurde am selben Abend von Hitler zurückgenommen, nachdem er vom britisch-polnischen Beistandspakt und Mussolinis Nichtbeteiligung erfahren hatte. Am 28. August erhielt Kleikamp detaillierte Luftaufnahmen der Westerplatte.

Der siebentägige Kampf

In der Nacht zum 1. September verlegte die Schleswig-Holstein ihre Position auf etwa 400 Meter an die Westerplatte heran. Die deutsche Seite kannte Lage und Stärke der polnischen Befestigungen nicht genau; vom Schiff aus waren sie nicht einsehbar. Nach dem verschlüsselten Angriffsbefehl griffen die Marinestoßtruppen am 1. September um 04:47 Uhr nach einem Feuerüberfall der Schiffsgeschütze an. Oberleutnant Wilhelm Henningsen führte zwei Infanteriezüge und einen Pionierzug; ein Beobachtungstrupp stand unter Leutnant Harny. Zusätzlich beschossen die SS-Heimwehr Danzig und ein Maschinengewehrzug unter Leutnant Hartwig die Stellung.

Die schlecht vorbereiteten deutschen Angriffe und der Vorstoß der Pioniere auf dem Landweg scheiterten am polnischen Abwehrfeuer. Henningsen wurde tödlich verwundet; Oberleutnant Schug übernahm das Kommando. Die Verluste der Marinestoßtruppkompanie betrugen zunächst 13 Tote und 58 Verwundete; vier Verwundete starben am folgenden Tag. Insgesamt wurden die deutschen Verluste des ersten Angriffs auf 40 bis 50 Tote geschätzt. Auf polnischer Seite gab es zunächst einen Toten, Wojciech Najsarek, und sieben Verletzte, von denen drei später starben.

Am 2. September griffen zwischen 18:05 Uhr und 18:45 Uhr etwa 60 Sturzkampfflugzeuge des Schlachtgeschwaders 2 „Immelmann“ mit Sprengbomben und Bordwaffen an. Sie beschädigten die Befestigungen schwer und demoralisierten die Besatzung. Nach Sucharskis späterer Darstellung hätte sie einem unmittelbar folgenden Angriff wahrscheinlich nicht standgehalten, zumal die Kommunikationswege zerstört waren. Wegen mangelnder Abstimmung erfolgte jedoch kein sofortiger Infanterieangriff. Eine hinzugezogene Wehrmacht-Pionierkompanie unter Oberstleutnant Karl Henke riet von einem weiteren Angriff ohne vorherige Erkundung ab.

Beschuss und Bombardement dauerten bis zum 7. September. Nach einem an diesem Tag abgewehrten bewaffneten Aufklärungsvorstoß kapitulierten die Verteidiger. Deutsche Offiziere salutierten vor den abziehenden Polen; Sucharski wurde sein Säbel mit dem Recht zurückgegeben, ihn während der Gefangenschaft zu tragen. Der Funker Kazimierz Rasiński wurde nach einem brutalen Verhör ermordet, weil er die Funkcodes nicht verraten hatte. Die polnischen Verluste werden in einer Quelle mit 15 Gefallenen, 13 Schwerverwundeten und 25 bis 40 Leichtverwundeten angegeben. Die Zahl der während der Woche gebundenen deutschen Soldaten wird auf 3400 geschätzt; die Übersicht nennt insgesamt 300 bis 400 deutsche Gefallene und Verletzte. Die Angaben weichen damit je nach Quelle und Zählweise voneinander ab.

Erinnerung und Westerplatte heute

In Polen wurde die Verteidigung der Westerplatte nach dem Krieg zu einem Symbol des Widerstands gegen Deutschland. Deutsche Kriegsveteranen berichteten später, der harte Kampf sei unter deutschen Soldaten bald als Schlacht um „Klein-Verdun“ bezeichnet worden. Ein 1966 eingeweihtes Denkmal erinnert an die Verteidiger. Die Schüsse der Schleswig-Holstein um 04:47 Uhr werden häufig als Beginn des Zweiten Weltkriegs genannt; wenige Minuten zuvor hatte jedoch bereits ein deutscher Luftangriff auf Wieluń stattgefunden, bei dem es etwa 1200 Opfer gab.

Heute erinnert ein blumengeschmücktes Denkmal an 15 polnische Soldaten, von denen die meisten am 2. September gefallen sind. Die zerstörte dreistöckige Kaserne ist begehbar und durch Betonbögen vor weiterem Verfall geschützt. Drei Gruppen großer Schautafeln informieren über die Ereignisse und die Kapitulation am 7. September 1939.

Die Geschichte wurde unter anderem 1967 in Stanisław Różewiczs Kriegsdrama „Westerplatte“ verfilmt. 1988 entstand ein Dokumentarfilm gleichen Titels unter Beteiligung von 30 polnischen Kriegsveteranen. Weitere Filmprojekte waren „Tajemnica Westerplatte“ von 2013 und der Dokumentarfilm „Sommer 1939“ von Mathias Haentjes und Nina Koshofer aus dem Jahr 2014. In Danzig war außerdem ein Westerplatte-Museum geplant, das mit dem Museum des Zweiten Weltkriegs zusammengelegt werden sollte; diese Pläne führten 2016 und 2017 zu Konflikten um Leitung und Ausstellungskonzept.

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