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Kästner und der kleine Dienstag

Kästner und der kleine Dienstag ist ein an historischen Fakten orientiertes biografisches Drama aus dem Jahr 2016 über die Freundschaft zwischen dem …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Einordnung
  2. 2. Freundschaft und Verfolgung
  3. 3. Krieg und Verlust
  4. 4. Entstehung, Auszeichnungen und Zitate

Gegenstand und Einordnung

„Kästner und der kleine Dienstag“ ist ein 2016 erschienendes, 102 Minuten langes biografisches Drama aus Deutschland und Österreich. Regie führte Wolfgang Murnberger, das Drehbuch schrieb Dorothee Schön. Der Film ist ab FSK 6 freigegeben.

Im Mittelpunkt steht die an historischen Fakten orientierte Freundschaft zwischen dem Schriftsteller Erich Kästner und seinem jungen Bewunderer Hans-Albrecht Löhr. Die Handlung zeigt Kästners Lage vom Ende der Weimarer Republik bis zur nationalsozialistischen Diktatur: Als gesellschafts- und zeitkritischer Autor steht er zwischen Anpassungsdruck und persönlicher Widerspruchshaltung. Seine Beziehung zu Löhr macht zugleich sichtbar, wie politische Verfolgung, Krieg und Nationalsozialismus persönliche Freundschaften und Lebenswege prägen.

Freundschaft und Verfolgung

In den Berliner „Goldenen Zwanzigern“ wird der junge Kästner durch politische Gedichte zum Star des Feuilletons. 1929 schreibt er eher zufällig das Kinderbuch „Emil und die Detektive“. Obwohl er sich selbst nicht als Kinderbuchautor versteht, begeistert das Buch jüngere Leser.

Der achtjährige, vaterlose Hans-Albrecht Löhr schreibt Kästner einen begeisterten Brief, besucht ihn und spielt das Buch mit Freunden nach. Als „Emil und die Detektive“ 1931 verfilmt wird, erhält Löhr die Rolle des „kleinen Dienstag“. Zwischen dem Autor und dem Jungen entsteht eine enge Freundschaft; Löhr sieht in Kästner einen Ersatzvater.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten werden Kästners Bücher verboten und öffentlich verbrannt. Kästner wird für Löhr gefährlich und beendet den Kontakt, um ihn zu schützen. Anders als viele Intellektuelle emigriert Kästner nicht, sondern bleibt in Berlin. Er lebt von Einnahmen aus im Ausland verkauften Büchern und von unter Pseudonym geschriebenen Drehbuchaufträgen.

Krieg und Verlust

Nach einer Falschmeldung über Kästners Tod sucht der inzwischen erwachsene Löhr ihn wieder auf. Beide treffen sich regelmäßig und sprechen über die schweren Zeiten. Löhr hält außerdem zu seinem Freund Wolfi, dessen Vater Jude ist; dadurch gerät er wiederholt in Bedrängnis.

Bei einer Hausdurchsuchung findet die Gestapo Löhrs Sammlung von Kästner-Büchern und -Briefen, darunter eine nationalsozialismusverachtende Zeichnung. Seine Schwester Ruth, eigentlich überzeugte Nationalsozialistin, schützt ihn spontan. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wird Löhr zur Wehrmacht eingezogen und damit zum „Primaner in Uniform“. Er und der pazifistische Kästner lehnen den Krieg ab, können die Einberufung aber nicht verhindern. Kästner selbst ist wegen eines schwachen Herzens ausgemustert.

Nach dem Suizid seines in Gestapo-Haft befindlichen Freundes Erich Ohser, bekannt unter dem Pseudonym e.o.plauen, und nachdem Bombenangriffe der Alliierten Kästners Wohnung zerstören, verlässt Kästner Berlin. Bei fingierten Dreharbeiten in Tirol erfährt er von US-Amerikanern das Kriegsende. Kurz darauf teilt Löhrs Mutter ihm brieflich mit, dass Löhr an der Ostfront gefallen ist. Der Film hält fest, dass Kästner den „kleinen Dienstag“ nie vergaß und an diesem Verlust ermessen konnte, was Hitler millionenfach zu verantworten hatte. Von den vielen Kinderdarstellern der ersten „Emil und die Detektive“-Verfilmung überlebten nur zwei den Krieg.

Entstehung, Auszeichnungen und Zitate

Der Film wurde im Sommer 2015 in Wien gedreht. Das Café Bräunerhof diente als Drehort für Kästners Berliner Stammcafé Carlton am Nürnberger Platz; im Film heißt es „Carlston“. Gefördert wurde die Produktion vom RTR Fernsehfonds und vom Filmfonds Wien. Die Uraufführung war beim Filmfest München 2016, die internationale Premiere als Eröffnungsfilm des Portland German Filmfestivals 2016. Am 21. Dezember 2017 lief der Fernsehfilm erstmals im Ersten und auf ORF2.

2018 erhielt er die Romy für „Bestes Buch TV-Film“ und war für „Beste Produktion TV-Film“ nominiert. Beim 50. Fernsehpreis der Österreichischen Erwachsenenbildung wurden Dorothee Schön, Wolfgang Murnberger und Sabine Weber in der Kategorie „Fernsehfilm“ ausgezeichnet. Weitere Ehrungen waren der Drehbuchpreis der Deutschen Akademie für Fernsehen für Schön sowie der 3sat-Zuschauerpreis beim Fernsehfilmfestival Baden-Baden; beim Festival de Télévision de Monte-Carlo 2018 war der Film für die Goldene Nymphe nominiert.

Im Film werden Kästner-Gedichte zitiert, darunter „Die andere Möglichkeit“ (1929), „Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?“ (1927), „Ganz rechts zu singen“ (1930), „Moral“ (1936), „Denn ihr seid dumm (oder Marschliedchen)“ (1932) und „Primaner in Uniform“ (1929). Mehrfach erscheint ein Zitat aus „Das fliegende Klassenzimmer“: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“

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