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Johann Heinrich Voß

Johann Heinrich Voß (* 20. Februar 1751 in Sommerstorf; † 29. März 1826 in Heidelberg) war ein deutscher Dichter, Übersetzer und Hochschullehrer.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Göttingen, Wandsbek und Eutin
  3. 3. Heidelberg und Haltung
  4. 4. Übersetzungen und eigene Dichtung
  5. 5. Schriften und Aufklärung
  6. 6. Familie, Erinnerung und Namen

Bedeutung und Lebensweg

Johann Heinrich Voß (* 20. Februar 1751 in Sommerstorf; † 29. März 1826 in Heidelberg) war ein deutscher Dichter, Übersetzer und Hochschullehrer. Besonders wichtig wurde er durch seine deutschen Übertragungen der antiken Epen Homers, also der Ilias und der Odyssee. Als Übersetzer verband er genaue Kenntnis der antiken Sprachen und Versformen mit einer kraftvollen deutschen Sprache.

Voß wurde als Sohn von Johann Heinrich Voß und Katharina Dorothea Karsten geboren; die Eltern heirateten kurz nach seiner Geburt im April 1751. Seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen prägte ihn stark, besonders in seiner Haltung zur Französischen Revolution und zum Adel. Er wuchs in Penzlin auf, besuchte dort von 1759 bis 1765 die Stadtschule und konnte trotz der Verarmung seines Vaters durch den Siebenjährigen Krieg von Ostern 1766 bis 1769 die Gelehrtenschule in Neubrandenburg besuchen. Dort gründete er mit anderen Schülern eine Griechische Gesellschaft.

Da ihm das Geld für ein Studium fehlte, arbeitete Voß zunächst als Hauslehrer in Ankershagen. 1771 schickte er auf Anregung des Pastors Ernst Theodor Johann Brückner erstmals eigene Gedichte an den Göttinger Musenalmanach. So begann sein Kontakt zu Heinrich Christian Boie, dem Begründer und Herausgeber dieses Almanachs.

Göttingen, Wandsbek und Eutin

Ab 1772 studierte Voß auf Einladung Boies an der Georg-August-Universität Göttingen Evangelische Theologie und Philologie, besonders Gräzistik, also die wissenschaftliche Beschäftigung mit der griechischen Sprache und Literatur. Das Studium fand unter schwierigen finanziellen Bedingungen statt und blieb ohne Abschluss. In Göttingen wurde Voß einer der Gründer und der führende Geist des Göttinger Hainbundes, eines frühen deutschen Dichterbundes.

1774 übernahm Voß von Boie die alleinige Redaktion des Musenalmanachs und gab ihn bis 1800 heraus, von 1780 bis 1788 gemeinsam mit Leopold Friedrich Günther von Goeckingk. Ebenfalls 1774 trat er mit Boies jüngster Schwester Ernestine in Kontakt, die er 1777 heiratete. In Wandsbek lebte er in der Nähe von Friedrich Gottlieb Klopstock und Matthias Claudius. In dieser Zeit arbeitete er besonders an seiner Übersetzung der Odyssee in deutschen Hexametern. Der Hexameter ist ein antikes Versmaß, das Voß für die deutsche Wiedergabe klassischer Dichtung nutzte.

1778 wurde Voß Rektor der Lateinschule in Otterndorf. 1781 erkrankte seine ganze Familie schwer am Marschenfieber. Voß hatte in dem Gedicht An den Wind bereits die schlechte Wasserqualität Otterndorfs beschrieben; das Grundwasser war wegen der Lage an der Unterelbe stark salzhaltig. 1782 verließ er den Ort.

Im selben Jahr wurde Voß Rektor des Gymnasiums in Eutin. Seit dem 1. Mai 1784 wohnte er dort im später sogenannten Voß-Haus, 1786 wurde er Hofrat. Die Eutiner Jahre waren seine produktivste Zeit. Er reiste viel, stand mit bedeutenden Schriftstellern und Gelehrten in Kontakt und empfing Gäste wie Klopstock, Claudius, Jens Baggesen, Wilhelm von Humboldt und Friedrich Heinrich Jacobi. Um Voß und Friedrich Stolberg bildete sich der Eutiner Kreis; später kam es jedoch zum Zerwürfnis mit Stolberg. 1802 bat Voß um Versetzung in den Ruhestand.

Heidelberg und Haltung

Von 1802 bis 1805 lebte Voß als Privatier in Jena. Obwohl Goethe ihn gern in seiner Nähe behalten hätte, nahm Voß eine gut bezahlte Professur an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg an, die ihm die Regierung des neu entstandenen Großherzogtums Baden anbot. Diese Stellung erlaubte ihm, sich bis zu seinem Tod vor allem literarischen Arbeiten, Übersetzungen und antiquarischen Forschungen zu widmen.

In Heidelberg trat Voß deutlich als Vertreter eines aufgeklärten, freiheitlichen Luthertums auf. Die Aufklärung betonte Vernunft, Kritik an Aberglauben und religiöse Toleranz. Voß polemisierte heftig gegen die Romantiker, die ihrerseits Kritik an ihm übten. Er wandte sich besonders gegen Tendenzen, die er als rückschrittlich, abergläubisch, mystisch und mittelalterverherrlichend ansah.

1808 wurde Voß auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1814 der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Er starb 1826 in Heidelberg und wurde zunächst auf dem St.-Anna-Friedhof beigesetzt. Später wurden seine Gebeine auf den Heidelberger Bergfriedhof umgebettet.

Übersetzungen und eigene Dichtung

Voß verdankt seinen festen Platz in der deutschen Literatur vor allem seinen Übersetzungen der großen Epen Homers. Am bekanntesten wurde seine Übersetzung der Odyssee, die 1781 „auf Kosten des Verfassers“ erschien. Ihre einprägsame und bildhafte Sprache machte Homer für Generationen deutscher Leser zugänglich. 1793 erschien der ganze Homer, also Ilias und Odyssee, in überarbeiteter Form. Voß’ Ilias-Übersetzung regte Goethe zu dem unvollendeten Werk Achilleis an.

Voß übersetzte außerdem Hesiod, Theokrit, Bion und Moschos, Vergil, Ovid, Horaz, Tibull, Properz und andere klassische Dichter. Zu Tibull bereitete er eine kritische Ausgabe vor, die 1811 in Heidelberg erschien. Eine kritische Ausgabe ist eine wissenschaftlich geprüfte Textfassung. Außerdem übersetzte Voß Antoine Gallands französische Übertragung der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht; diese erschien 1782–1785 und war die erste deutsche Fassung überhaupt. Von 1818 bis 1829 veröffentlichte er mit Hilfe seiner Söhne Heinrich und Abraham eine neunteilige Übersetzung der Dramen William Shakespeares.

Als eigener Dichter schrieb Voß Idyllen, Elegien, Oden, Lieder, satirische Gedichte und Epigramme. Seine Gedichtsammlungen erschienen 1785 bis 1795 in zwei Ausgaben und wurden später erweitert. Als seine beste poetische Arbeit gilt das idyllische Gedicht Luise von 1795. Darin versuchte er, zeitgenössisches deutsches Geistesleben und Gefühl in Formen klassischer antiker Poesie auszudrücken, unter anderem im Hexameter. Goethe wurde dadurch zu Hermann und Dorothea angeregt, das 1797 erschien. Der bekannte Trinkspruch „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“ stammt aus Voß’ Gedicht An Luther.

Schriften und Aufklärung

Voß verfasste auch theoretische und wissenschaftlich ausgerichtete Schriften. In den Mythologischen Briefen, die 1794 in zwei Bänden erschienen, und in der Antisymbolik, die 1824–1826 ebenfalls in zwei Bänden erschien, trug er zum Studium der Mythologie bei. Mythologie bedeutet hier die wissenschaftliche Beschäftigung mit Götter- und Sagenerzählungen, besonders der Antike. Die Antisymbolik schrieb Voß in Opposition zu Friedrich Creuzer.

Voß setzte sich außerdem für Religionsfreiheit ein. 1819 veröffentlichte er im Sophronizon, einer von Heinrich Eberhard Gottlob Paulus herausgegebenen Zeitung, einen aufsehenerregenden Artikel gegen den Übertritt seines früheren Freundes Friedrich Leopold Graf zu Stolberg zum Katholizismus im Jahr 1800. Mit weiteren Schriften gegen Stolberg und Creuzer griff Voß allgemein Tendenzen der Romantik an, die seiner Meinung nach gegen Vernunft und Protestantismus gerichtet waren.

Damit erscheint Voß in seinen philosophischen, gesellschaftlichen und politischen Anschauungen als einer der konsequentesten Vertreter der deutschen Aufklärung und Spätaufklärung. Seine Schriften lösten viele Gegenschriften, aber auch zustimmende Äußerungen aus. Sein Nachlass gehört zum Boie-Voß-Familienarchiv in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek.

Familie, Erinnerung und Namen

Voß war seit 1777 mit Marie Christine Ernestine Boie verheiratet. Aus der Ehe stammten fünf Söhne. Der älteste, Fritz, starb als Kind. Hans Voß wurde ein bekannter Architekt; Heinrich und Abraham wurden wie ihr Vater Philologen und führten sein Werk fort. Wilhelm wurde Arzt in Eutin. Abraham wurde nach Johann Abraham Peter Schulz benannt, einem Freund des Vaters.

An Voß erinnern mehrere Gedenkstätten. Sein früheres Wohnhaus in Otterndorf ist heute ein Johann-Heinrich-Voß-Museum. In Penzlin wurde im März 2019 im früheren Rektorhaus, in dem Voß einst zur Schule ging, das Johann-Heinrich-Voß-Haus eröffnet, ein Literaturhaus mit Stadtbibliothek, Touristinformation und einer ständigen Ausstellung unter dem Titel „Johann Heinrich Voß. Ein Grieche aus Mecklenburg.“ Außerdem gibt es Büsten in Eutin, Penzlin und Otterndorf.

Sein Name wird bis heute für Auszeichnungen und Einrichtungen verwendet. Nach ihm benannt sind der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Literatur und Politik sowie der 2022 gestiftete, mit 5.000 Euro dotierte Preis des Johann-Heinrich-Voß-Literaturhauses in Penzlin für Literaturübersetzungen aus dem Griechischen, der erstmals 2023 verliehen wurde. Auch Straßen, Wege, Plätze und Schulen tragen seinen Namen. Der am 11. Oktober 1990 entdeckte Asteroid (23473) Voss und die Pflanzengattung Vossia Wall. & Griff. aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) sind ebenfalls nach ihm benannt.

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