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Joana Cotar

Sie war von 2017 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestags, bis November 2022 als Mitglied in der AfD-Fraktion, danach bis März 2025 als fraktionslose …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Parteiarbeit und Bundestag
  4. 4. Konflikte in der AfD und Austritt
  5. 5. Politische Positionen
  6. 6. Veröffentlichung

Überblick

Joana Eleonora Cotar, geboren am 6. April 1973 in Pitești in der damaligen Sozialistischen Republik Rumänien als Joana Eleanora Tamas, ist eine ehemalige deutsche Politikerin. Sie war bis 2022 Mitglied der AfD und ist seitdem parteilos. Von 2017 bis 2025 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an: zunächst bis November 2022 als Mitglied der AfD-Fraktion, danach bis März 2025 als fraktionslose Abgeordnete.

Für das Verständnis ihrer politischen Laufbahn ist wichtig, dass Cotar zunächst in der CDU aktiv war, später am Aufbau der AfD in Hessen beteiligt war und schließlich die AfD verließ. Ihren Austritt begründete sie mit schweren Vorwürfen gegen die Partei, unter anderem mit einer aus ihrer Sicht problematischen Nähe zu autoritären Regimen und innerparteilichen Machtkämpfen.

Ausbildung und beruflicher Weg

Cotar ist die Tochter einer deutschen Mutter und eines rumänischen Vaters. Als sie fünf Jahre alt war, floh ihre Familie vor dem Ceaușescu-Regime nach Deutschland. 1993 machte sie ihr Abitur am Burggymnasium Friedberg.

Von 1993 bis 1999 studierte sie Politikwissenschaft und Germanistik an der Universität Mannheim. Sie schloss das Studium als Magistra Artium ab. Nach ihrer Heirat im Jahr 2000 lebte sie einige Jahre in der Schweiz.

Beruflich arbeitete Cotar nach dem Studium zunächst als Veranstaltungsmanagerin für Finanzinstitute in Deutschland und der Schweiz. Danach war sie selbständige Projektmanagerin. Außerdem war sie als Feng-Shui-Beraterin tätig.

Ihr Bruder Alexander Tamas ist mit seiner Firma Vy Capital Großinvestor im Technologiesektor. Er organisierte 2009 den Einstieg des russischen Investmentfonds Digital Sky Technologies bei Facebook.

Parteiarbeit und Bundestag

Während ihres Studiums war Cotar Mitglied der CDU und gehörte dem Vorstand der CDU Mannheim-Schwetzingerstadt/Oststadt an. 2013 trat sie der Alternative für Deutschland bei. Kurz darauf wurde sie Co-Vorsitzende des hessischen Landesverbandes. Im Juli 2014 trat sie nach internen Konflikten zurück. Sie erklärte, sie wolle die Praxis des hessischen Landesvorsitzenden Gunther Nickel, andere Parteimitglieder mit Abmahnungen anzugehen, nicht mehr mittragen.

2013 kandidierte Cotar auf Platz 6 der AfD-Landesliste für den Hessischen Landtag. Die AfD erreichte bei der Landtagswahl 4,1 % der Stimmen, scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde und erhielt keine Mandate. Von 2016 bis 2021 war Cotar Mitglied des Kreistages Gießen.

Für die Bundestagswahl 2017 kandidierte sie auf der Landesliste der AfD Hessen. Nach einer Wiederholung der Listenwahl wegen Unregelmäßigkeiten wurde sie auf Platz 2 gewählt. Bei der Bundestagswahl 2017 erhielt die AfD in Hessen 11,9 % der Zweitstimmen. Cotar zog als zweite von sechs Kandidaten der Landesliste in den Bundestag ein. Dort war sie ordentliches Mitglied und Obfrau im Ausschuss Digitale Agenda. Außerdem war sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie im Ausschuss für Inneres und Heimat.

Ab 2020 war Cotar Beisitzerin im AfD-Bundesvorstand. Sie wurde dem gemäßigten Flügel der AfD zugerechnet, zu dem auch der damalige AfD-Co-Bundessprecher Jörg Meuthen zählte.

Konflikte in der AfD und Austritt

Vor der Bundestagswahl 2021 war Cotar zeitweise als mögliche Spitzenkandidatin zusammen mit AfD-Co-Bundessprecher Tino Chrupalla im Gespräch. Laut Cotar reagierte Chrupalla nicht auf ihre mehrfachen Anfragen. Später bildete Chrupalla ein Spitzenteam mit Alice Weidel. Cotar trat mit Joachim Wundrak als konkurrierendes Spitzenteam an; diese Kandidatur wurde von Jörg Meuthen begrüßt. Am 25. Mai 2021 setzte sich das Team Weidel und Chrupalla in einer parteiinternen Abstimmung mit 71 % der Stimmen durch.

Bei der Bundestagswahl 2021 kandidierte Cotar im Wahlkreis Frankfurt am Main II direkt und erreichte mit 4,61 % Platz 5. Über die Landesliste der AfD Hessen zog sie erneut in den Bundestag ein. Nachdem sie zusammen mit anderen AfD-Abgeordneten den erneut kandidierenden Bundessprecher Chrupalla kritisiert hatte, trat sie beim AfD-Bundesparteitag im Juni 2022 nicht wieder für den AfD-Bundesvorstand an.

Am 21. November 2022 verließ Cotar die AfD und die AfD-Bundestagsfraktion. Sie erklärte, die AfD habe „zu viele rote Linien überschritten“. Dazu zählte sie unter anderem die „Anbiederung an die diktatorischen und menschenverachtenden Regime in Russland, China und jetzt auch den Iran“, außerdem „Opportunismus und das Dauermobbing im Kampf um Posten und Mandate“ sowie den „Aufbau korrupter Netzwerke in der Partei“.

2024 kündigte Cotar an, bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr anzutreten. Nach der Wahl schloss sie sich dem Team Freiheit an, einer politischen Bewegung, die von der früheren AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und dem ehemaligen thüringischen FDP-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich gegründet wurde. Außerdem beteiligte sie sich an der Gründung des Javier-Milei-Instituts für Deregulierung in Europa.

Politische Positionen

Cotar kritisierte die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und forderte eine Schließung der Grenzen für Migranten. Sie unterstützte die frühere Forderung der CSU nach einer Obergrenze für Asylbewerber und kritisierte, dass die CSU davon abgerückt sei. In einem Interview des ZDF sprach sie sich gegen einen antisemitischen Kurs der AfD aus.

Während des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 kritisierte Cotar eine geplante Reise mehrerer AfD-Abgeordneter in russisch okkupierte Gebiete als „nicht hinnehmbar“. Sie erklärte, sie erwarte ein hartes Durchgreifen vom Bundesvorstand.

Ende 2020 wandte sie sich auf dem AfD-Parteitag in Kalkar gegen „das betreute Denken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Im April 2021 bezeichnete sie den Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Thomas Haldenwang, in einem Interview als „Marionette“. Die Ankündigung des Verfassungsschutzes, die AfD zum Rechtsextremismus-Verdachtsfall zu erklären, nannte sie „instrumentalisiert“; dies solle „vor der Bundestagswahl Wähler beeinflussen“. Zur Corona-Politik sagte sie, sie sehe die „Gefahr, dass der Staat übergriffig“ werde.

Veröffentlichung

Als Veröffentlichung wird das Buch „Inside Bundestag. Wie ich in acht Jahren im Zentrum der Macht das Vertrauen in unsere Demokratie verlor“ genannt. Es erschien 2026 im Westend-Verlag in Neu-Isenburg. Die ISBN lautet 978-3-98791-365-5.

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