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Jenseits (Altes Ägypten)
Der Begriff Jenseits umfasste in der altägyptischen Mythologie die beiden Bereiche Himmel und Unterwelt. In der frühdynastischen Zeit und im Alten Reich …
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Grundidee des Jenseits
In der altägyptischen Mythologie bezeichnete das Jenseits zwei Bereiche: den Himmel und die Unterwelt. Diese Vorstellung änderte sich im Lauf der Zeit. In der frühdynastischen Zeit und im Alten Reich bestand das Weltbild zunächst aus Himmel und Erde. Erst ab der Ersten Zwischenzeit wurde die Unterwelt als zweite Ebene des Jenseits einbezogen.
Der Himmel wird mit dem ägyptischen Wort pet (pt) bezeichnet, die Unterwelt mit duat (dw3t).
König als Mittler zwischen Himmel und Erde
Ein wichtiger Beleg aus der 1. Dynastie ist der Elfenbeinkamm des Pharao Wadji. Er zeigt die Vorstellung vom königlichen Himmelsaufstieg sowie die Ordnung von Himmel und Erde. Der König hatte dabei eine Mittlerrolle zwischen beiden Ebenen.
Der Name Wadjis erscheint zusammen mit einem Falkensymbol zwischen der himmlischen Jenseitsebene und der irdischen Diesseitswelt. Über ihm befindet sich ein Flügelpaar. Es steht für die außerirdische Himmelssphäre, die der Falkengott Horus auf einer Sonnenbarke durchfuhr. Falke und Königsname im Serech, einer Umrahmung des Königsnamens, füllen den Zwischenraum zwischen Himmel und Erde aus. Seitlich sind zwei himmlische Stützen dargestellt.
Die besondere Stellung des Königs
Die Pyramidentexte greifen die Bildsymbolik des Elfenbeinkamms auf. Sie machen deutlich, dass die Macht des Königs sowohl auf der Erde als auch im Himmel wirksam war. Dadurch nahm der König eine eigene Ebene zwischen den beiden Regionen ein; diese wurde in den Pyramidentexten näher beschrieben.
Der König verstand sich dabei nicht als Horus selbst. Er galt vielmehr als direkter Abkömmling des Horus und als mit dessen himmlischen Kräften ausgestattet.
Himmel und Unterwelt im Totenkult
Nach dem Zusammenbruch des Alten Reichs entwickelte sich die Vorstellung weiter: Durch den privaten Totenkult und die Theologie des Sonnengottes kam die Unterwelt als zweite Jenseitsebene hinzu. Das Jenseits umfasste nun Himmel und Unterwelt.
Aus dem Neuen Reich stammen die ältesten nachweisbaren königlichen Unterweltsbücher: Amduat, Pfortenbuch, Höhlenbuch, Grüftebuch und Buch von der Erde. Das Totenbuch gehört dagegen zum privaten Totenkult. Es nennt häufig die Aufteilung der verstorbenen Person: Der Ba, eine Form ihrer Persönlichkeit oder Lebenskraft, befindet sich im Himmel, während der Leichnam in der Unterwelt oder unter dem Erdboden liegt. Außerdem wird der Wunsch ausgesprochen, der Verstorbene möge zu seinem Ka gehen und sein Ba im Haus des Benu ruhen lassen.
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