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Islamische Ethik
Als islamische Ethik lassen sich unterschiedliche Konzeptionen bezeichnen, die in Geschichte und Gegenwart durch islamisch geprägte religiöse Lehrer, …
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Begriff und Grundverständnis
Islamische Ethik bezeichnet unterschiedliche Auffassungen, die islamisch geprägte religiöse Lehrer, Juristen und Philosophen in Geschichte und Gegenwart vertreten haben. Sie stützen sich in unterschiedlichem Maß auf den Koran, die Hadithe und weitere Traditionen.
Im klassischen Verständnis gehören religiöse und sittliche Normen zur Scharia, dem islamischen Recht. Die Rechtswissenschaft Fiqh legt diese Normen aus und lässt dabei häufig einen Interpretationsspielraum zu. Zusätzlich vermittelte besonders die Adab-Literatur Regeln für richtiges Verhalten, die über die Scharia hinausgehen.
Das arabische Wort akhlāq wird manchmal mit „islamischer Ethik“ übersetzt. Gemeint ist damit genauer die Lehre von den Charaktereigenschaften des Menschen.
Quellen und Begründung ethischer Normen
Die erste und unstrittige Quelle islamischer Gebote ist der Koran. In fast allen Richtungen des Islam gelten außerdem Überlieferungen von Worten Mohammeds, die Hadithe, und von seinen Handlungen, die Sira, als Quellen göttlicher Gebote. Mohammed gilt dabei als Gesandter Gottes (Rasul Allah).
Wenn Koran und Überlieferungen keine ausreichende Antwort geben, werden Analogieschluss (Qiyas) und traditioneller Konsens (Idschma') herangezogen. Durch den Idschma' wurden zahlreiche zur Zeit Mohammeds verbreitete Bräuche Teil islamischer Normen. Dahinter steht wohl die Annahme, dass Bräuche, die Mohammed stillschweigend billigte, den göttlichen Geboten entsprechen.
Nach klassischem Verständnis beruhen Handlungsnormen sowohl in ihrer Geltung als auch in ihrem Inhalt unmittelbar auf Allahs Geboten. Die menschliche Vernunft kann keine eigenen Normen setzen; sie soll geoffenbarte Normen erkennen und anwenden. Gut ist demnach, was Gott befiehlt, und schlecht oder böse, was er verbietet. Peter Antes ordnet dieses Verständnis als Variante einer Divine-Command-Theorie ein: Gut und Böse sind nicht Eigenschaften von Handlungen an sich, sondern folgen göttlicher Setzung; dazu wird Koran 11,107 angeführt.
Viele muslimische Theologen sehen die Goldene Regel „Was du willst, das man dir tut, das tue auch den anderen!“ in Suren des Korans und in Hadithen enthalten. Muslime stimmten ihr 1993 in der „Deklaration des Weltparlaments der Religionen – Die Weltethos-Erklärung“ als „unverrückbare, unbedingte Norm für alle Lebensbereiche“ zu.