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Inverse Matrix

Eine reguläre Matrix ist die Darstellungsmatrix einer bijektiven linearen Abbildung und die inverse Matrix stellt dann die Umkehrabbildung dieser Abbildung dar.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Wichtige Rechenregeln und besondere Fälle
  3. 3. Berechnung mit Gauß-Jordan
  4. 4. Explizite und weitere Berechnungswege
  5. 5. Bedeutung und Anwendungen

Grundidee und Definition

Die inverse Matrix (auch reziproke Matrix oder Kehrmatrix) zu einer quadratischen Matrix A ist eine ebenfalls quadratische Matrix A⁻¹, für die bei der Matrizenmultiplikation die Einheitsmatrix I entsteht:

A · A⁻¹ = A⁻¹ · A = I.

Nur reguläre, also invertierbare, Matrizen besitzen eine Inverse. Eine reguläre Matrix beschreibt eine bijektive lineare Abbildung; ihre Inverse beschreibt die Umkehrabbildung. Für A ∈ Rⁿˣⁿ, wobei R ein unitärer Ring ist, gilt diese Definition. Ist R ein kommutativer Ring, ein Körper oder ein Schiefkörper, sind Rechts- und Linksinverse gleichwertig: Eine rechtsinverse Matrix ist dann auch linksinvers und umgekehrt.

Die regulären Matrizen fester Größe bilden mit der Matrizenmultiplikation die allgemeine lineare Gruppe GL(n,R). Die Einheitsmatrix ist darin das neutrale Element, A⁻¹ das inverse Element zu A.

Wichtige Rechenregeln und besondere Fälle

Die Inverse einer regulären Matrix ist eindeutig. Es gilt:

  • I⁻¹ = I
  • (A⁻¹)⁻¹ = A
  • (A · B)⁻¹ = B⁻¹ · A⁻¹
  • (A₁ · A₂ · … · Aₖ)⁻¹ = Aₖ⁻¹ · … · A₂⁻¹ · A₁⁻¹
  • (Aᵏ)⁻¹ = (A⁻¹)ᵏ = A⁻ᵏ

Die umgekehrte Reihenfolge beim Invertieren eines Produkts ist wichtig, weil Matrizenmultiplikation im Allgemeinen nicht kommutativ ist. Für einen von null verschiedenen Skalar c gilt (cA)⁻¹ = c⁻¹A⁻¹. Außerdem gelten

(Aᵀ)⁻¹ = (A⁻¹)ᵀ und (Aᴴ)⁻¹ = (A⁻¹)ᴴ.

Für eine reguläre n×n-Matrix ist rang(A⁻¹) = rang(A) = n und det(A⁻¹) = (det A)⁻¹. Ist λ ein Eigenwert von A zum Eigenvektor x, dann ist λ⁻¹ ein Eigenwert von A⁻¹ zum selben Eigenvektor.

Bei einer Diagonalmatrix diag(d₁,…,dₙ) mit d₁,…,dₙ ≠ 0 erhält man die Inverse besonders einfach durch Kehrwerte auf der Diagonale: diag(d₁⁻¹,…,dₙ⁻¹). Unter der Inversion bleiben unter anderem Dreiecksmatrizen, positiv oder negativ definite Matrizen, symmetrische Matrizen sowie unimodulare und ganzzahlige unimodulare Matrizen in ihrer jeweiligen Klasse.

Berechnung mit Gauß-Jordan

Die j-te Spalte âⱼ der Inversen ist die Lösung des linearen Gleichungssystems

A · âⱼ = eⱼ,

wobei eⱼ der j-te Einheitsvektor ist. Daher setzt sich A⁻¹ spaltenweise aus den Lösungen von n Gleichungssystemen zusammen:

A⁻¹ = (â₁ | â₂ | … | âₙ).

Beim Gauß-Jordan-Algorithmus löst man diese Systeme gleichzeitig. Dazu erweitert man A um die Einheitsmatrix und formt die Zeilen elementar um:

(A | I) → (I | A⁻¹).

Zunächst wird die linke Seite auf obere Dreiecksgestalt gebracht. A ist genau dann invertierbar, wenn dabei keine Null auf der Hauptdiagonalen entsteht. Anschließend werden die Einträge oberhalb der Diagonale eliminiert und die Diagonaleinträge auf 1 normiert. Die rechte Seite ist dann die gesuchte Inverse.

Beispiel: Für A = ((1,2),(2,3)) ergibt der Algorithmus

A⁻¹ = ((-3,2),(2,-1)).

Die Korrektheit beruht darauf, dass die Zeilenumformungen einer Multiplikation mit Elementarmatrizen N₁,…,Nₘ entsprechen. Wenn I = Nₘ · … · N₁ · A gilt, folgt A⁻¹ = Nₘ · … · N₁ · I. Die Laufzeit für eine n×n-Matrix beträgt O(n³).

Explizite und weitere Berechnungswege

Über die Adjunkte lässt sich die Inverse explizit angeben:

A⁻¹ = 1/det(A) · adj A.

Dabei ist Aᵢⱼ die Untermatrix, die durch Streichen der i-ten Zeile und j-ten Spalte entsteht. det Aᵢⱼ heißt Minor, (-1)ⁱ⁺ʲ · det Aᵢⱼ heißt Kofaktor. Die Kofaktoren bilden die Kofaktormatrix; ihre Transponierte ist die Adjunkte adj A. Die Formel gilt, sofern det A invertierbar ist.

Für eine 2×2-Matrix lautet sie:

((a,b),(c,d))⁻¹ = 1/(ad-bc) · ((d,-b),(-c,a)).

Für größere Matrizen werden solche Formeln schnell aufwändig. Eine weitere Formel nutzt das charakteristische Polynom χ_A(t) = α₀ + α₁t + … + αₙtⁿ. A ist genau dann regulär, wenn α₀ ≠ 0; dabei ist α₀ = det(A). Nach dem Satz von Cayley-Hamilton gilt:

A⁻¹ = -1/det(A) · (α₁Iₙ + α₂A + … + αₙAⁿ⁻¹).

Bei Blockmatrizen können Inversen mithilfe von Schur-Komplementen berechnet werden. Für M = ((A,B),(C,D)) ist beispielsweise M/A = D - CA⁻¹B. Sind A und M/A regulär, ist auch M regulär. Die blockweise Inversion einer k×k-Blockmatrix mit b×b-Blöcken hat die Laufzeit O(k² · b³ · 4ᵏ), gegenüber O(n³) = O(k³ · b³) beim Gauß-Jordan-Algorithmus.

In der Numerik löst man Ax = b normalerweise nicht über x = A⁻¹b: Das wäre aufwändiger und weniger stabil als spezielle Verfahren für lineare Gleichungssysteme. Für sehr große Matrizen können Näherungen verwendet werden, etwa die bei Konvergenz gültige Neumann-Reihe A⁻¹ = Σₖ₌₀^∞(I-A)ᵏ. Auch für Bandmatrizen und Toeplitz-Matrizen gibt es eigene effiziente Verfahren.

Bedeutung und Anwendungen

Inverse Matrizen kennzeichnen wichtige Matrixklassen: Bei einer selbstinversen Matrix gilt A⁻¹ = A, bei einer orthogonalen Matrix A⁻¹ = Aᵀ und bei einer unitären Matrix A⁻¹ = Aᴴ.

Für bijektive lineare Abbildungen f: V → W zwischen n-dimensionalen Vektorräumen gilt f⁻¹ ∘ f = f ∘ f⁻¹ = id. Wählt man Basen von V und W, dann ist die Matrix der Umkehrabbildung die Inverse der Abbildungsmatrix:

A_f⁻¹ = A_{f⁻¹}.

Auch bei dualen Basen tritt die Inverse auf. Besteht die Basismatrix A_v aus den Koordinatenvektoren einer Basis, dann ist die duale Matrix A_{v*} = A_v⁻¹. Die duale Basis ist durch vᵢ*(vⱼ) = δᵢⱼ charakterisiert, wobei δᵢⱼ das Kronecker-Delta ist.

Weitere Anwendungen liegen bei Ähnlichkeit und Äquivalenz von Matrizen, bei Normalformen wie Jordan- und Frobenius-Normalform, bei Matrixzerlegungen wie der Singulärwertzerlegung sowie bei der Berechnung der Kondition regulärer Matrizen.

Lernvideos zu Inverse Matrix

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