Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Geschichte Israels (10) - Die Zweite Intifada
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 151 Zeilen
- Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge zur Geschichte Israels, dieses Mal in Teil 10 zur Zweiten Intifada der Jahre 2000 bis 2005.
- Los geht's! Im Mai 1999 wurde mit dem Sieg der Israelischen Arbeiterpartei
- Ehud Barak der neue israelische Premierminister. Nach den zuvorigen Regierungsjahren der rechtskonservativen Likud-Partei
- erwarteten nicht wenige in Israel nun mit dem Regierungsantritt der Arbeiterpartei einen Neuaufbruch in Hinblick auf ein besseres Verhältnis zwischen Israelis
- und Palästinensern, also sprich einen erneuten Annäherungsprozess, der seit dem Oslo-Abkommen von 1993, also nach der Ersten Intifada, ein Stück weit eingeschlafen war.
- Doch Ehud Barak war, obwohl er Teil der Arbeiterpartei war und nicht der rechtskonservativen Likud angehörte, alles andere als eine politische
- „Taube“ sozusagen. Denn Barak war ursprünglich ein Militär gewesen, war jahrelang Generalstabschef gewesen, bevor er das Amt des Premierministers übernahm und
- hatte auch selbst an zahlreichen Militäreinsätzen teilgenommen. Um den Annäherungsprozess zwischen Israelis und Palästinensern bzw. zwischen der israelischen
- Regierung auf der einen Seite und der PLO-Führung auf der anderen Seite wieder anzukurbeln - denn dieser Prozess war seit der ersten Intifada bzw. seit dem Oslo-Abkommen von 1993 wie gesagt
- liegen geblieben - lud nun im Juli 1999 der amtierende US-Präsident Bill Clinton, der auch bei der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens von 1993 bereits dabei
- gewesen war, nach Camp David, also auf einen Sitz des amerikanischen Präsidenten, zu weiteren Gesprächen, um die Zukunft der Region, die Zukunft Palästinas zu diskutieren.
- Die Teilnehmer neben dem US-Präsidenten waren natürlich hier primär der PLO-Führer Yassir Arafat, der nach wie vor eine wichtige
- Rolle inne hatte und der genannte israelische Premierminister Barak. Der Austragungsort für diese Gespräche, Camp David, war nicht zufällig gewählt,
- sondern Camp David stand zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahrzehnten symbolisch sozusagen für erfolgreiche Friedensgespräche und Verhandlungen,
- von denen auch unter anderem die Israelis profitiert hatten. Denn hier fanden auch entscheidende Gespräche statt für den israelisch- ägyptischen Friedensvertrag, der erste
- Friedensvertrag Israels mit einem arabischen Staat überhaupt, aus den ausgehenden 1970er Jahren. Doch noch stärker als 1993 beim Oslo-Abkommen war das Verhältnis zwischen der israelischen
- Seite und der PLO-Seite in Camp David nun mehr als angespannt gewesen, sodass man hier tatsächlich zu keiner nachhaltigen Lösung für die Region kam. Denn die israelische Seite und
- die palästinensische Seite, repräsentiert durch die PLO, vermochten es nicht, eine gemeinsame Lösung auszuarbeiten. Denn die Israelis waren nicht bereit, zu große Zugeständnisse
- zu machen und Yassir Arafat versuchte letztlich, Maximalforderungen für die Palästinenser und die PLO rauszuschlagen, also noch mehr autonome Gebiete beispielsweise, die man ja in Teilen
- auch schon nach dem Oslo-Abkommen bekommen hatte. Und da fand man schlussendlich nicht zusammen. Die größte und gleichzeitig problematischste Forderung Arafats an die Israelis war allerdings
- ein umfassendes Rückkehrrecht für alle Vertriebenen bzw. deren Nachkommen, die seit dem Palästinakrieg von 1948-1949 verdrängt worden waren aus ihren angestammten Gebieten. Denn
- man muss sich bewusst machen: Würden nun diese Palästinenser in nun israelisches Staatsgebiet zurückkehren - wir sprechen hier von Millionen von Menschen - würde das die Demografie Israels
- nachhaltig verändern. Und davor hatte der Staat Israel nachvollziehbar Angst. Und daher wollte man natürlich hier keine größeren Zugeständnisse machen, diese Forderung war unmöglich umzusetzen.
- Mit dem Scheitern dieser neuen von den USA ausgehenden Friedensinitiative im Jahr 1999 ließ eine Reaktion auf diese gescheiterten Gespräche natürlich nicht lange auf sich warten.
- Bereits im Oktober des Jahres 2000 kam es zu neuen Protesten in den von Israel besetzten Gebieten, die in die Geschichte als die Zweite Intifada eingingen.
- Auch hier lagen die Gründe natürlich in der jahrzehntelangen israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik begraben, ähnlich wie auch bei der Ersten Intifada.
- Doch genauso wie bei der Ersten Intifada auch, gab es auch bei der Zweiten Intifada natürlich einen konkreten Auslöser, der den Stein ins Rollen brachte.
- Am 28. September des Jahres 2000 besuchte Ariel Sharon, damals der Vorsitzende
- der rechtskonservativen Likud-Partei, den Bereich um die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem. Der Besuch eines rechten Politikers, dessen Partei ganz klar in Verbindung
- gebracht wurde mit der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik, löste in der arabischen Bevölkerung einen Aufschrei aus.
- Und dieser Aufstand, der nun ausbrach, breitete sich tatsächlich sehr schnell über das Gebiet des Staates Israel aus und über die Besatzungsgebiete im Gazastreifen und im Westjordanland.
- Anders als die Erste Intifada seit 1987, war die Zweite Intifada längst kein einfacher Aufstand von Steinewerfern mehr, sondern tatsächlich kam es während der Zweiten Intifada zu massiver Gewalt:
- Es wurden Schusswaffen eingesetzt, Sprengstoff-Attentate durchgeführt, Selbstmord-Attentate schlussendlich. Und damit
- überzogen vor allem aus heutiger Sicht Terrorgruppen wie die Hamas, worauf wir noch zu sprechen kommen werden, den Staat Israel mit Terror.
- Darüber hinaus bildeten sich palästinensische Milizen, die eben durchaus mit Schusswaffen ausgestattet waren, ganz anders als bei der Ersten Intifada,
- sodass jedes Aufeinandertreffen von israelischen Sicherheitskräften und solchen Milizen natürlich zu Schusswechseln führte, die für beide Seiten eine tödliche Gefahr bargen.
- Ein noch größerer Unterschied als die Frage, wie diese Intifada durchgeführt wurde, also mit welchen Hilfsmitteln, war schlussendlich die Gruppendynamik bzw. die Gruppenzusammensetzung.
- Bei der Ersten Intifada war es tatsächlich noch so gewesen, dass es vor allem in den Besatzungsgebieten zu Aufständen kam.
- Das bedeutet, man hatte im Gaza-Streifen und im Westjordanland Araber, die sich dort gegen die israelische Besatzung erhoben.
- Das waren in der Regel ehemalige Flüchtlinge oder die Nachkommen dieser Flüchtlinge gewesen. Doch man hatte natürlich seit dem Bestehen des Staates Israels seit
- 1948 auch eine arabische Minderheit in Israel leben, also arabische Israelis, die während der Ersten Intifada noch die Füße stillgehalten hatten.
- Doch nun bei der Zweiten Intifada wurde auch diese Gruppe im Staat Israel selbst mobilisiert, wodurch die Zweite Intifada neue Größendimensionen und eine ganz
- neue Dynamik annahm, als es noch bei der Ersten Intifada der Fall gewesen war. Diese arabischen Israelis, die als die größte Minderheit im Staat Israel bis heute leben,
- machen heute ungefähr 20 Prozent der gesamten israelischen Bevölkerung aus und waren auch im Jahr 2000 bereits eine numerisch große und wichtige Gruppe.
- Dass diese Gruppe sich nun auch im Zuge der Zweiten Intifada erhob und sich an Aufständen beteiligte, hängt ein Stück weit mit einer Identitätsproblematik zusammen.
- Denn für die arabischen Israelis war natürlich von Beginn an das Problem gewesen, dass man eine palästinensische und eine israelische Identität hatte.
- Diese arabischen Israelis waren diejenige Gruppe, die sich nach 1948 nicht hatte vertreiben lassen, sondern sich in den Staat Israel hatte aufnehmen lassen als israelische Staatsbürger.
- Und deren Nachkommen wiederum lebten nun im Staat Israel und arbeiteten dort, hatten dort ihre Existenz aufgebaut, hatten aber gleichzeitig natürlich
- auch noch familiäre Wurzeln in den palästinensischen Teilen der Bevölkerung. Und daher hatte man immer wieder die Problematik, wie positioniert man sich.
- Bei der Ersten Intifada hatte man sich, wie gesagt, noch herausgehalten. Doch bei der Zweiten Intifada solidarisierte man sich in zunehmendem Maße mit den Aufständischen.
- Die Zweite Intifada, die nun im Jahr 2000 begann, war vor allem auch durch die Medienberichterstattung dauerhaft präsent.
- Man berichtete ständig über das, was vor Ort passierte und machte dabei auch keinen Halt vor massiver Instrumentalisierung.
- Man nutzte ganz gezielt Falschmeldungen, Bilder, um damit letztlich Gerüchte zu streuen und Emotionen zu schüren -
- und das natürlich auf beiden Seiten. Im September 2000 beispielsweise wurde in französischen Medien ein Bild verbreitet,
- auf dem ein palästinensischer Vater zu sehen war, der seinen getöteten Sohn - gerade einmal zwölf Jahre - in den Armen hielt.
- Der Hintergrund dieses Bildes war, dass es einen Schusswechsel zwischen palästinensischen Milizen und israelischen Sicherheitskräften
- gegeben hatte und im Kreuzfeuer war dieser Junge ums Leben gekommen. Doch ohne jeglichen Beweis über die tatsächliche Faktenlage und darüber,
- was im Genauen passiert war, verbreiteten die französischen Medien daraufhin die Nachricht, dass dieser Junge von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden sei.
- Und das suggerierte natürlich im Grunde, das wäre eine bewusste Handlung israelischer Sicherheitskräfte gewesen.
- Und damit schürte man auch im Ausland durchaus die Ressentiments gegenüber Israel, ob nun bewusst oder unbewusst.
- Dieses Bild brannte sich schlussendlich auch in die Köpfe der palästinensischen Bevölkerung ein und wurde als Symbol verwendet für den scheinbar legitimen
- Widerstand der Palästinenser gegen Israel im Zuge der Zweiten Intifada. Mit Hilfe solcher Berichterstattung wurde Israel hier im Grunde dämonisiert,
- als Tötungsmaschinerie dargestellt, die nicht einmal Halt vor Kindern machen würde. Doch natürlich funktionierte diese Berichterstattung auch in die andere Richtung.
- So wurden bereits am 12. Oktober 2000 zwei israelische Soldaten, die offenbar von ihrer Truppe getrennt
- worden waren, im Westjordanland von einem wütenden palästinensischen Mob gelyncht. Bilder von Palästinensern, die ihre blutverschmierten Hände aus dem Fenster
- einer PLO-geführten Polizeistation hielten und damit aufmerksam machten auf diese Lynchjustiz, die sie gerade vollzogen hatten, verbreiteten sich
- in Israel und schürten die Wut der jüdischen Israelis natürlich gegen die Palästinenser. Und dadurch wurde von Seite der israelischen Gesellschaft natürlich
- auch ein wesentlich härteres Vorgehen noch einmal gegen die Palästinenser gefordert. Das israelische Militär reagierte darauf, indem man vor allem mit Drohnenangriffen
- nun eine regelrechte Jagd eröffnete, vor allem auf PLO-Führungspersönlichkeiten. Doch diese Anschläge waren nicht so präzise,
- wie sie teilweise heute durchgeführt werden und erforderten durchaus auch Kollateralschäden sozusagen, bei der eben auch weitere Palästinenser ums Leben kamen.
- Und damit wurde diese Gewaltspirale im Grunde immer weiter angetrieben. Man konnte also sehen, diese Medienpropaganda letztlich
- funktionierte sehr gut in beide Richtungen. Vielleicht noch mehr als die Instrumentalisierung der Zweiten
- Intifada in den Medien und die neue Zusammensetzung und Dynamik dieser Zweiten Intifada war sicherlich auch das gewaltsame Vorgehen in dieser Zeit.
- Wie gesagt, die Erste Intifada war vor allem ein Aufstand von Steinewerfern, von Leuten, die mit Knüppeln aufeinander einschlugen und so weiter.
- Doch die Zweite Intifada war eben schon durchaus wesentlich grausamer noch als die Erste. Und das zeigte sich insbesondere in einer großen Anzahl von Sprengstoffattentaten,
- die palästinensische Milizen und vor allem eben die PLO, aber auch die Hamas, gegen israelische Siedler und auch Staatsbürger in Israel selbst durchführten.
- Insbesondere islamistische Gruppen wie die besagte Hamas oder der Islamische Dschihad rekrutierten regelrecht verschiedene Leute mit dem Ziel,
- diese zu Selbstmordattentätern „auszubilden“ sozusagen und sie dann mit Sprengstoffgürteln in die Menschenmenge zu schicken in den größeren israelischen Städten.
- Solche Sprengstoffattentate bzw. Selbstmordattentate waren natürlich im Jahr 2000 keine Neuheit mehr gewesen.
- Es hatte solche Attentate bereits in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre gegeben, vor allem auch durch die Hamas ausgelöst, die natürlich das Ziel hatte, den
- Osloer Friedensprozess zu stören, der nach 1993 begonnen hatte. Doch während der Zweiten Intifada, also in den Jahren zwischen 2000
- und 2005, nahm die Anzahl solcher Attentate eine neue Dimension an. Ihren Höhepunkt erlebten diese Selbstmordattentate in den Jahren 2001 bis 2003, auch angetrieben
- dadurch, dass man international ohnehin einen viel größeren Blick auf islamistische Bewegungen warf, nicht zuletzt natürlich auch durch die Anschläge auf das World Trade Center vom 11.
- September 2001. Und damit hatte die Hamas als eine islamistische Bewegung
- durchaus den Blick auf sich und nutzte letztlich diese Selbstmordattentate auch, um auf sich und ihre Sache sozusagen aufmerksam zu machen.
- Alleine im Jahr 2002 kam es in Israel bzw. in den besetzten Gebieten zu 47 Attentaten, bei denen mehrere hundert Israelis ihr Leben verloren.
- Bei der Rekrutierung solcher Selbstmordattentäter ging die Hamas sehr perfide vor und versuchte im Grunde, die Notlage unterschiedlicher Menschen auszunutzen.
- Man kann dabei noch nicht einmal sagen, dass die Hamas hier eine bestimmte Gruppe im Auge gehabt hätte.
- Tatsächlich waren über 30 Prozent derjenigen Selbstmordattentäter, die die Hamas rekrutierte, Hochschulabsolventen gewesen.
- Das bedeutet, man kann noch nicht mal sagen, das wären ungebildete Leute gewesen, sondern scheinbar hatten weder der soziale Background noch der Bildungs-Background
- einen größeren Einfluss darauf, ob man sich rekrutieren ließ oder nicht. Denn in erster Linie sprach die Hamas letztlich eine Abneigung gegenüber den
- israelischen Juden an, die bei vielen Leuten offenbar verfing, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie entstammten.
- Hinzu kam, dass natürlich die meisten dieser Selbstmordattentäter natürlich Männer waren, aber es gab auch durchaus Frauen und vereinzelt auch Kinder oder Jugendliche,
- die zu diesem Schritt „motiviert“ wurden. Man kann also nicht sagen, dass es sich bei diesen Selbstmordattentätern um eine homogene
- Gruppe gehandelt hätte, sondern tatsächlich war diese Zusammensetzung sehr heterogen. Das änderte natürlich nichts daran, dass diese Gruppe der Selbstmordattentäter sowohl
- von palästinensischer als auch von israelischer Seite als eine einheitliche Gruppe wahrgenommen wurde. Denn aus der Sicht der Palästinenser waren sie natürlich allesamt im Grunde Helden,
- Märtyrer, die sich für die „gute Sache“ opfern würden. Und aus israelischer Sicht waren das im Grunde einfach nur alle feige Mörder und Terroristen.
- Nach Jahren des Terrors und entsprechender Vergeltung endete die zweite Intifada schlussendlich im Jahr 2005 mit einem Abzug Israels aus dem Gazastreifen.
- Mit diesem Schritt zog Israel nicht nur die militärische Besatzung aus dem Gazastreifen ab, sondern löste tatsächlich alle israelischen bzw. jüdischen Siedlungen im Gazastreifen auf.
- Man musste also die verschiedenen jüdischen Siedler im Gazastreifen teilweise sogar unter Anwendung von Gewalt aus der Region abziehen und auf israelischem Staatsgebiet neu ansiedeln.
- Diese Entscheidung des damaligen israelischen Premierministers Ariel Scharon von der Likud war nicht abgesprochen mit der PLO oder mit irgendwelchen Palästinenserbehörden,
- sondern geschah für die ganze Welt im Grunde sehr überraschend. Die Entscheidung Scharons, dass Israel sich aus dem Gazastreifen zurückziehen sollte,
- war allerdings nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern war eine Reaktion auf eine bereits laufende Friedensinitiative, die vor allem von der israelischen Linken in Gang gesetzt wurde.
- Die israelische Linke hatte also sich dafür eingesetzt, die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung wieder stärker ins Zentrum zu schieben. Und so hatte Ariel Scharon im Grunde erst einmal Druck
- aus dem Kessel rausgenommen, hatte signalisiert, man sei als Regierung im Grunde bereit, auch in eine friedliche Richtung letztlich mitzugehen und hatte den Gazastreifen aufgegeben.
- Man muss sich dabei allerdings bewusst machen, dass der Gazastreifen im Grunde für Israel damals weder wirtschaftlich noch strategisch und auch religiös letztlich keine größere Rolle spielte.
- Das Westjordanland war von Beginn an das wesentlich wichtigere Element der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik, sodass es kein größeres Problem war tatsächlich
- für Israel oder kein größeres Opfer, sich von dieser Region zu trennen. Doch dass die Idee eines Abzugs aus einer Besatzungsregion vor allem
- bei der rechtskonservativen Likud, die ja die Siedlungs- und Besatzungspolitik unterstützte, nicht gut ankam, verwundert nicht, und somit war es vielleicht nur konsequent,
- dass Ariel Sharon aus der Likud austrat und letztlich eine neue Partei der Mitte begründete. Doch das Ende der israelischen Besatzung im Gazastreifen bedeutete natürlich nicht,
- dass jetzt überall Frieden in Gaza gewesen wäre, sondern ganz im Gegenteil begann nun im Anschluss eine ebenso gewaltvolle Zeit, nämlich dieses Mal ein Kampf
- zwischen der PLO und der Hamas, die nun um die Vorherrschaft im Gazastreifen kämpften. Dieser Kampf dauerte nahezu zwei Jahre und wurde im Jahr 2007 dann zugunsten der Hamas entschieden,
- die infolge die politische Macht im Gazastreifen erlangte und bis heute hält. Wie gesagt war der Abzug Israels aus dem Gazastreifen für Israel kein größeres Opfer
- gewesen, sondern tatsächlich hatten viele Palästinenser befürchtet, dass Israel in dem Moment, wo man den Gazastreifen aufgeben würde, die Besatzungspolitik im Westjordanland nur
- noch einmal intensivieren würde. Und tatsächlich sollten sie recht behalten. Denn mit dem Abzug aus dem Gazastreifen wurden alleine über 12.000 neue Siedler im Westjordanland angesiedelt.
- Und damit zeigte sich einmal mehr, dass das Westjordanland in der israelischen Denke einen wesentlich größeren Stellenwert hatte als der Gazastreifen.
- Und das konnte man sogar in konservativen Kreisen religiös begründen. Denn der Gazastreifen war im Grunde - aus der biblischen Tradition her gesehen - das Land der Philister,
- das Land des Kriegers Goliath, über den ja David nach der biblischen Vorstellung gesiegt hatte. Und diese Region hatte man im Grunde abgestoßen und das war im Grunde Feindesland,
- mit dem man eigentlich auch nicht viel zu tun hatte historisch. Doch beim Westjordanland verhielt sich die Sache vollkommen anders.
- Denn über das Westjordanland zogen sich die alten biblischen Reiche von Israel und Judah und damit die Tradition eines Königs David, eines Königs Salomon und so weiter,
- mit denen sich natürlich das religiöse Israel identifizierte. Insofern waren auch religiöse Gründe natürlich entscheidend,
- warum Israel am Westjordanland festhielt und natürlich auch noch bis heute festhält. Soviel erstmal bis hierhin in dieser kurzen Darstellung zur Zweiten Intifada.
- Ich fasse zusammen: Nach der Ersten Intifada und dem Oslo-Abkommen von 1993 wurde zunächst einmal ein Friedensprozess
- in Gang gesetzt, der allerdings in den 1990er Jahren bereits zusammenschmolz. Im Jahr 1999 versuchte die US-Regierung unter dem amtierenden Präsidenten Bill Clinton erneut,
- eine Initiative ins Leben zu rufen. Man versammelte sich auf dem Sitz des US-Präsidenten in Camp David mit dem Versuch,
- hier zwischen der israelischen Regierung und der PLO-Führung unter Yassir Arafat zu vermitteln. Doch die Maximalforderungen letztlich von beiden Seiten führten zu keinem Kompromiss,
- und somit standen die Zeichen auf Konfrontation. Ausgelöst durch einen Besuch des Likud-Führers Ariel Scharon in der Nähe der Al-Aqsa-Moschee in
- Jerusalem wurde im Jahr 2000 ein Aufstand ausgelöst auf palästinensischer Seite, der sich schnell auch auf den Gaza-Streifen und das Westjordanland ausdehnte.
- Anders als bei der Ersten Intifada kamen bei der Zweiten Intifada durchaus Sprengstoffe und Schusswaffen zum Einsatz. Es war
- also längst nicht mehr ein Aufstand von Steinewerfern wie noch die Erste Intifada. Hinzu kam, dass sich eine völlig neue Gruppendynamik bildete. Denn anders als
- bei der Ersten Intifada wurden auch in Israel lebende Araber, die israelische Staatsbürger waren, von dieser aufständischen Welle erfasst,
- sodass dieser Aufstand eine völlig neue Dynamik bekam und anwuchs. Die Zweite Intifada wurde bis in das Jahr 2005 geführt und war vor allem geprägt durch zahlreiche
- Sprengstoff-Attentate, die vor allem durch die Hamas vorangetrieben wurden, die überall verzweifelte Menschen letztlich rekrutierte und zu Selbstmordattentätern „ausbildete“.
- Damit überzog man die israelische Gesellschaft im Grunde mit Angst. Denn das israelische Militär stand diesen Sprengstoff-Attentaten relativ
- hilflos gegenüber, denn man hatte kein klares Kriegsziel, das man hätte bekämpfen können. Denn im Grunde war jedes Einkaufszentrum, jedes Café, jede Bushaltestelle, jeder Bus,
- letztlich ein potenzielles Ziel, was angegriffen werden konnte und die israelischen Sicherheitskräfte konnten gegen diesen Terror nicht viel tun,
- sodass die israelische Gesellschaft zwischen 2000 und 2005 im Grunde in eine Schockstarre verfiel, weil man nicht wusste, von wo die Gefahr eigentlich drohte.
- Im Jahr 2005 trennte sich der Staat Israel vom Gazastreifen, einem Gebiet, das weder wirtschaftlich noch strategisch und auch religiös keine größere Bedeutung für Israel hatte.
- Die Hamas feierte im Gazastreifen diesen Abzug Israels mit Euphorie. Denn man hatte den Eindruck, dass der eigene Widerstand dazu beigetragen hätte.
- Infolge brach im Gazastreifen ein Machtkampf zwischen der Hamas und der PLO aus, den die Hamas im Jahr 2007 für sich entscheiden konnte und dort regiert sie letztlich bis heute.
- Im Westjordanland hingegen wurde die israelische Siedlungs- und Besatzungspolitik weiter forciert, auch gerade, weil man den Gazastreifen ja jetzt verloren hatte. Das bedeutet,
- neue Siedler kamen in das Westjordanland, über 12.000 neue Siedler. Und damit zeigte sich erneut, dass das eigentliche Zentrum der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik von Beginn an das
- Westjordanland war, das Land, das in biblischer Zeit durch die Reiche Israel und Judah geprägt war, also auch eine religiöse und historische Identität hatte für das Volk Israel. Und daher
- war von Beginn an dort das eigentliche Zentrum gewesen. Und daher ist es auch nachvollziehbar, dass Israel bis heute am Westjordanland letztlich festhält und diese Region nicht aufgeben möchte.
- Auch heute - im Jahr 2024 - haben wir natürlich immer noch anhaltende Konflikte zwischen Palästinensern auf der einen Seite und dem Staat Israel auf der anderen Seite,
- immer wieder intensiviert durch unterschiedliche Ereignisse, aktuell natürlich vor allem durch die Geschehnisse, die seit dem Oktober 2023 laufen,
- sprich die Terroranschläge der Hamas auf den Staat Israel und den massiven israelischen militärischen Kampf gegen die Hamas im Gaza-Streifen, der derzeit immer noch läuft.
- Und wie das Verhältnis zwischen Palästinensern und Israelis in Zukunft sein wird in den nächsten Jahren oder gar Jahrzehnten, das wird
- in Anbetracht der derzeitigen Entwicklungen wohl kaum jemand seriös beantworten können. Falls euch diese Folge gefallen hat, dann hinterlasst doch bitte einen Daumen hoch,
- abonniert den Kanal, teilt und empfehlt das Video weiter. Hinterlasst auch gerne einen Kommentar mit Feedback, Themenvorschlägen, anderen Anregungen und ähnlichem. Und ansonsten
- sehen wir uns dann das nächste Mal, bei welcher Folge und welchem Thema auch immer. Macht's gut!
Zum Nachlesen
Zweite IntifadaDie Zweite Intifada, auch bekannt als „Al-Aksa-Intifada“ bzw. „Al-Aqsa-Intifada“, war ein gewaltsamer Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, …
IntifadaAbgeleitet davon wurde Intifada ein arabischer Begriff für einen Aufstand oder eine Rebellion. Außerhalb der arabischsprachigen Welt erlangte der Begriff vor …
Erste IntifadaTeil von: Israelisch-Palästinensischer Konflikt / Nahostkonflikt ; Teil von: Israelisch-Palästinensischer Konflikt / Nahostkonflikt · Dezember 1987 bis 1993.
Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts1 Anfänge (1878–1920) · 2 Mandatszeit (1920–1948) · 3 Staatsgründung Israels (1948–1966) · 4 Kriege (1967–1986) · 5 Intifadas (1987–2005) · 6 Trennungsplan und …