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Geschichte Israels (9) - Die Erste Intifada

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  1. Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge zur Geschichte Israels; dieses Mal in Teil 9 zur Ersten Intifada seit 1987.
  2. Los geht's! Am 8.
  3. Dezember 1987 nahm eine verhängnisvolle Entwicklung ihren Lauf, als vier Palästinenser bei einem Unfall mit einem israelischen LKW ums Leben kamen.
  4. Schnell verbreitete sich das Gerücht, dass es sich bei diesem Unfall nicht um einen solchen handeln würde, sondern dass dieser Unfall vielmehr ein Attentat von Juden auf Palästinenser gewesen sei.
  5. Infolge kam es erstmals zu massiven gewalttätigen Protesten, einem Aufruhr sozusagen, in denjenigen Gebieten, die der Staat Israel seit 1967, seit dem Ende des Sechstagekrieges, besetzt hielt.
  6. Dieser Aufstand, der nun 1987 begann, war kein zentral organisierter Aufstand gewesen, sondern war im Grunde eine spontane Entfaltung des Widerstandes der palästinensischen
  7. Bevölkerung gegen eine Entwicklung, die zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Jahre alt war. Denn wie gesagt, seit 1967 hatte Israel verschiedene Gebiete im Sechstagekrieg erobert,
  8. den Gazastreifen, das Westjordanland, Gebiete, die zuvor unter ägyptischer bzw. jordanischer Kontrolle gewesen waren.
  9. Und damit hatte Israel eine Besiedlungs- und Besatzungspolitik durchgeführt, die bis heute in Teilen erhalten geblieben ist und natürlich immer noch kontrovers diskutiert wird.
  10. Und das war natürlich im Jahr 1987 bereits auch so. Und so kam es zu einem Aufschrei der Bevölkerung im Jahr 1987,
  11. ausgelöst durch diesen beschriebenen Unfall, aber letztlich war dieser Unfall natürlich nicht der Grund für den Aufstand,
  12. sondern es war lediglich der Auslöser für Gefühle und Problematiken, die sich bereits seit Jahrzehnten angestaut hatten.
  13. Dass dieser Aufstand nicht zentral organisiert und von langer Hand geplant gewesen war, konnte man alleine daran sehen, dass der Aufstand, der nun begann,
  14. vor allem ein Aufstand von Steinewerfern im Grunde war. Die Erste Intifada war, ganz anders als die später folgende Zweite Intifada, noch kein wirklich
  15. bewaffneter Aufstand der Bevölkerung gegen die israelische Besatzung, sondern es waren im Grunde verschiedene kleinere Aufstände, die vor allem in den palästinensischen Flüchtlingslagern
  16. ausbrachen, wo die Leute sich schlussendlich mit Steinen letztlich gegen die Besatzung wehrten. Und damit im Grunde eigentlich symbolisch zeigen
  17. sollten, wir sind nicht länger mit dem einverstanden, was hier vor sich geht. Doch von einem ausgewachsenen Bürgerkrieg, der jetzt nun mit Waffen, mit Gewehren,
  18. Pistolen usw. ausgetragen worden wäre, war bei der Ersten Intifada noch nichts zu spüren. Stattdessen, wie gesagt, beschränkte sich die erste Intifada, die 1987 ausbrach,
  19. dieser erste Aufstand im Grunde auf den Einsatz von Steinen. Selbst gebastelte Molotow-Cocktails kamen in Teilen zum Einsatz, aber darüber hinaus hatte
  20. die palästinensische Zivilbevölkerung, die diesen Aufstand voranbrachte, keine wirklichen Ressourcen, auf die man hätte hier zurückgreifen können.
  21. Entsprechend wurde auch der Name Intifada gewählt, was so viel wie Abschütteln bedeutet und im Grunde eben auf das erklärte Ziel hinweist, nämlich sich der israelischen Besatzung zu entledigen.
  22. Aus Sicht der Palästinenser bildete die Erste Intifada selbstredend den berechtigten Versuch, sich von der israelischen Besatzung zu befreien,
  23. weil man sich über nahezu 20 Jahre im Grunde als unterdrückt empfunden hatte. Und tatsächlich war es so, dass die israelische Besatzung natürlich nicht unumstritten
  24. gewesen war und natürlich erhebliche Schattenseiten mit sich gebracht hatte. Die israelische Besatzung war eine rigide Besatzung gewesen, eine in Abschnitten
  25. auch gewaltvolle Besatzung, unter der die Palästinenser durchaus litten und daher erfüllte diese Besatzung aus Sicht der Palästinenser durchaus den Bestand einer Unterdrückung.
  26. Gefühle wie Erniedrigung und Ungerechtigkeit kamen im alltäglichen Leben bei den Palästinensern vor und prägten das Leben der Menschen und das Verhältnis zu den israelischen Juden nachhaltig.
  27. Über 40 Prozent der Palästinenser waren im Grunde einfache Tagelöhner, könnte man sagen, die in Israel arbeiteten, häufig zu Niedriglöhnen, häufig ohne Sozial- und Krankenversicherung. Und
  28. dadurch hatten diese Menschen natürlich auch ein hartes und recht unkalkulierbares Leben. Und das schrieb man natürlich in erster Linie den Israelis zu,
  29. die die Palästinenser letztlich nur als Bürger zweiter Klasse behandeln würden. Besonders deutlich zeigte sich dieses Missverhältnis zwischen Palästinensern
  30. auf der einen Seite und israelischen Juden auf der anderen Seite auch im Gazastreifen. Denn hier kontrollierten gerade einmal 2.500 jüdische Siedler im Grunde nahezu 30 Prozent des gesamten
  31. Gebietes und waren dabei sogar noch bevorzugt bei der so wichtigen Wasserversorgung in der Region. Man konnte also sehen, der Staat Israel hatte durchaus darauf geachtet,
  32. dass die jüdischen Siedler im Westjordanland und im Gazastreifen eine erheblich bessere Lebensweise, einen wesentlich besseren Lebensstandard hatten als die Palästinenser,
  33. die man eben, wie gesagt, eher als Bürger zweiter Klasse betrachtete. Allerdings gehört zur Wahrheit auch dazu, dass die besetzten Gebiete zwischen 1967 und den
  34. 1980er Jahren eine durchaus wirtschaftlich eindrucksvolle Entwicklung durchmachten. Im Gazastreifen beispielsweise war noch vor 1967, also zu Zeiten der ägyptischen Herrschaft,
  35. das Jahreseinkommen umgerechnet gerade einmal bei 80 US-Dollar gewesen. In den 1980er Jahren unter der israelischen Herrschaft war das
  36. Pro-Kopf-Einkommen im Jahr auf über 1.700 US-Dollar angestiegen. Hinzu kam, dass der Staat Israel enorm in
  37. den Ausbau der Infrastruktur in den besetzten Gebieten investiert hatte. Man hatte Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten begründet
  38. oder weiter ausgebaut und damit erheblich zur Entwicklung der besetzten Gebiete beigetragen. Insofern lässt sich nicht sagen, dass die Situation im Gazastreifen oder im
  39. Westjordanland unter ägyptischer bzw. jordanischer Kontrolle zuvor wesentlich besser gewesen wäre - ganz im Gegenteil.
  40. Doch das änderte natürlich nichts daran, dass die Palästinenser eben von diesen Vorteilen in geringerem Maße profitierten als die israelischen Siedler in diesen Regionen.
  41. Und dieses Missverhältnis prägte natürlich das Verhältnis der beiden Gruppen, Palästinenser auf der einen Seite und Juden auf der anderen Seite, zueinander.
  42. Der Aufstand, also sprich die Erste Intifada, die nun im Jahr 1987 ausbrach, kam tatsächlich für beide Seiten in diesem Konflikt sehr überraschend;
  43. sowohl für die Palästinenser bzw. für den organisierten Widerstand der Palästinenser in Form der PLO, aber natürlich auch für den Staat Israel auf der anderen Seite,
  44. der auch mit einem solch starken Widerstand aus der Zivilbevölkerung heraus nicht gerechnet hatte. Man war über Jahrzehnte im Grunde gewöhnt gewesen, dass man Konflikte mit der PLO,
  45. also der Palästinensischen Befreiungsorganisation, gehabt hatte, durch Anschläge und andere Dinge, das war im Grunde der erklärte Gegner in diesem Konflikt.
  46. Doch ein größerer bewaffneter Widerstand, auch wenn es nur mit Steinen sein sollte, aus der Zivilbevölkerung heraus, das hatte man in Israel zuvor so
  47. nicht gekannt und musste dadurch erstmal die Sicherheitskräfte, also Polizei und Militär, auf nun völlig neue Gegebenheiten einstellen, was durchaus Probleme mit sich brachte.
  48. Für die PLO, also die Palästinensische Befreiungsorganisation, den organisierten Widerstand der Palästinenser sozusagen, kam die Erste Intifada, wie gesagt überraschend,
  49. aber natürlich durchaus als vorteilhaft. Denn man muss sich klar machen: Die PLO hatte im
  50. Jahr 1987 bereits seit Jahrzehnten ihren Kampf gegen den Staat Israel geführt. Die PLO unter dem bekannten Jassir Arafat war und ist immer noch eine
  51. palästinensische Organisation, die vor allem säkular-nationalistisch organisiert ist. Das bedeutet, anders als beispielsweise die Hamas oder andere Organisationen in der Region, ist die
  52. PLO eine nicht-islamistische Organisation, eine nationalistische Organisation, die letztlich das Ziel hat, nach eigener Auffassung, einen säkularen demokratischen Staat in der Region zu schaffen;
  53. also einen eigenen palästinensischen Staat, der aber eben kein religiöses Regime sein sollte. Und dadurch unterscheidet sich natürlich die PLO insbesondere
  54. von den islamistischen Organisationen in der Region, von denen seit 1987, worauf wir noch zu sprechen kommen werden, natürlich vor allem die Hamas eine Rolle spielte.
  55. Wie gesagt, wollte die PLO von dem Ausbruch der Ersten Intifada durchaus in ihrem Befreiungskampf profitieren.
  56. Doch im Jahr 1987 stellte das für die PLO durchaus ein Problem dar. Denn seit dem Ende des Libanonkriegs von 1982 war die PLO vor allem aus dem Libanon,
  57. beziehungsweise im Südlibanon, wo sie zuvor ansässig gewesen war, verdrängt worden ins Ausland und hatte sich vor allem im nordafrikanischen
  58. Tunesien niedergelassen und damit weit ab des eigentlichen palästinensischen Gebietes. Insofern war der Einfluss der PLO bei der Ersten Intifada durchaus beschränkt.
  59. Denn tatsächlich war die Erste Intifada mehr ein spontaner Aufstand von mehreren Orten aus, der sich vor allem in den palästinensischen Flüchtlingslagern abspielte.
  60. Und hier spielte insbesondere im Gaza-Streifen eine neue Organisation eine Rolle, die wir bis heute als die Hamas kennen.
  61. Die Hamas war im Grunde eine islamistische Organisation, die sich aus dem palästinensischen Zweig der Muslimbruderschaft herausentwickelte im Jahr 1987 und als militanter Zweig der
  62. Muslimbruderschaft in gewisser Weise herhalten sollte im Kampf gegen Israel. Doch die Gräben zur PLO waren kaum überwindbar und sollten noch lange anhalten.
  63. Wie bereits angedeutet, bedeutete die Erste Intifada von 1987 für die Sicherheitskräfte des Staates Israel, die ja auch in den
  64. Besatzungsgebieten logischerweise aktiv waren, eine vollkommene Neuaufstellung. Man war es über die Jahrzehnte gewohnt gewesen,
  65. vor allem Kriege zu führen gegen arabische Nachbarstaaten. Das bedeutet, die israelische Armee konnte hier ihre große militärische
  66. Überlegenheit ausspielen mit Panzern, Flugzeugen, Bomben, Artillerie etc. und hatte hier häufig die Oberhand gewonnen und zwar sehr schnell.
  67. Doch dieses Mal war man mit einer völlig anderen Form des Krieges konfrontiert, nämlich einem Krieg von innen heraus, einem Krieg bzw.
  68. Aufstand der Zivilbevölkerung, gegen die man natürlich, wollte man in der westlichen Welt nicht komplett den Rückhalt verlieren, nicht mit Panzern vorgehen konnte.
  69. Insofern musste man mit anderen Mitteln diesen Aufstand niederschlagen. Und das bedeutete den Einsatz von Gummiknüppeln, Gummigeschossen, Schlagstöcken,
  70. Tränengas und was man eben sonst alles hatte, um die Massen wieder zu beruhigen. Doch das produzierte natürlich enorm unschöne Bilder,
  71. die auch um die Welt gingen und natürlich auch den Staat Israel einmal mehr in die Kritik brachten. Bis heute symbolisch für das Vorgehen der israelischen Sicherheitskräfte in
  72. diesem Konflikt steht die Aussage des damaligen israelischen Verteidigungsministers Yitzhak Rabin, der spätere Ministerpräsident, der im Grunde klar gesagt hat, Arme und Beine brechen.
  73. Und damit wurde ziemlich klar gesagt, was das israelische Militär hier durchführen sollte. Und zwar ein durchaus brutales Vorgehen, eine Niederschlagung eines Aufstandes.
  74. Hinzu kam, dass die israelischen Sicherheitskräfte in der Regel auch Kollektiv- Strafen verhängten gegen die palästinensische Bevölkerung.
  75. Man verhängte also nicht nur Strafen gegen Randalierer sozusagen, sondern die Bevölkerung wurde durch die Politik in dieser Zeit im Grunde insgesamt abgestraft.
  76. Man hatte Ausgangssperren, man hatte teilweise überhaupt keinen Schulunterricht in den besetzten Gebieten über zwei Jahre hinweg, wodurch natürlich auch Kinder und Jugendliche, die normalerweise in
  77. der Schule sein müssten, auch mit auf die Straße getrieben wurden, dort auch in Schlägereien mit den Sicherheitskräften gerieten, wodurch natürlich nochmals unschöne Bilder produziert wurden,
  78. sodass im Grunde hier eine Gewaltspirale in Gang gesetzt wurde, die noch tatsächlich bis 1993 andauern sollte, bis dann die Gewalt so langsam im Zuge des
  79. Oslo-Abkommens, über das wir gleich noch sprechen werden, einschmolz. Obgleich die PLO für den Ausbruch der Ersten Intifada so gut wie keine Rolle gespielt hatte,
  80. so wollte sie jedoch am Ende der Ersten Intifada ihren Einfluss dazu nutzen, sich zum Vorreiter und Repräsentanten der palästinensischen Bevölkerung insgesamt aufzuschwingen.
  81. Und das bedeutete, dass man natürlich in Verhandlungen, in offizielle diplomatische Verhandlungen, mit dem Staat Israel eintreten wollte.
  82. Tatsächlich hatte die PLO schon wenige Monate nach dem Beginn der ersten Intifada angezeigt, dass man bereit wäre, eine diplomatische Lösung mit dem Staat Israel zu suchen.
  83. Das war natürlich daran geknüpft, dass man autonome Gebiete haben wollte, möglicherweise Israel aus den besetzten Gebieten seit 1967 zurückdrängen könnte und so weiter.
  84. Doch tatsächlich war das Misstrauen auf beiden Seiten durchaus groß, denn Jassir Arafat glaubte nicht unbedingt an den Erfolg der ganzen Geschichte und die israelische Regierung genauso
  85. wenig, denn auch dort war man skeptisch, was bei Verhandlungen mit der PLO herauskommen könnte. Und somit blieb ein erster diplomatischer Vorstoß
  86. tatsächlich zwischen 1988 und 1991 zunächst einmal liegen. Doch dann kam es im Jahr 1991 tatsächlich zu einem Impuls von
  87. außen beziehungsweise durch eine neue geopolitische Situation im Nahen Osten, die mit Israel und der PLO nur am Rande etwas zu tun hatte.
  88. Denn im Jahr 1991 brach mit dem Angriff des Iraks unter dem Regime von Saddam Hussein auf Kuwait der Erste Golfkrieg aus und infolge führten die USA ihre sogenannte Koalition
  89. von Staaten in einen Krieg gegen den Irak, den man natürlich erfolgreich abschloss. In diesem Konflikt zwischen dem Irak und der
  90. von den USA geführten Koalition hatte Israel nur eine Nebenrolle. Israel war zwar zu diesem Zeitpunkt vom Irak beschossen worden mit Raketen
  91. und hätte möglicherweise in diesen Krieg hineingezogen werden können. Doch Israel zog es vor, sich aus diesem Konflikt herauszuhalten und den eigenen Schutz
  92. den USA als Garantiemacht sozusagen für die eigene Existenz zu überlassen. Die PLO hingegen positionierte sich auf der Seite von Saddam Hussein und
  93. war damit am Ende mit ein Verlierer der Entwicklung, denn der Irak wie gesagt verlor diesen Krieg und damit hatte auch die PLO eine geschwächte Position.
  94. Und infolge nutzte nun der damalige US-Präsident George Bush die Gelegenheit, Israel und die PLO an den Verhandlungstisch zu drängen, um diesen Konflikt der ersten Intifada zu lösen.
  95. Denn die US-Regierung hatte nun auf der einen Seite eine geschwächte PLO und auf der anderen Seite ein finanziell von den USA abhängiges Israel,
  96. sodass man diese zwar durchaus zwingen konnte, Verhandlungen einzugehen. Und tatsächlich sollte es 1991 zu solchen Verhandlungen kommen und
  97. zwar in der spanischen Hauptstadt Madrid, wo erstmals unter dem Vorsitz des US-Präsidenten Bush und dem damaligen Machthaber der Sowjetunion Mikhail Gorbatschow
  98. nun Gespräche zustande kamen, die einen Frieden ermöglichen sollten. Doch tatsächlich sollten die Gespräche von Madrid 1991 noch kein durchschlagendes Ergebnis bringen.
  99. Tatsächlich kam der Durchschlag sozusagen dann erst im Jahr 1993 im Zuge des Oslo-Abkommens, also von Friedensgesprächen, die in der norwegischen Hauptstadt Oslo geführt wurden.
  100. Am 13. September 1993 schließlich kam es dann vor dem Weißen Haus in Washington D.C. zum
  101. Oslo-Abkommen unter der Aufsicht des nun amtierenden US-Präsidenten Bill Clinton, wo sich nun der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin und der PLO-Führer Jassir Arafat in einem
  102. Vertragswerk sozusagen zusammenfanden für die Gestaltung des Zusammenlebens von Palästinensern auf der einen Seite und den jüdischen Israelis auf der anderen Seite in Palästina.
  103. Das Oslo-Abkommen war vor allem daran geknüpft, dass man eine neue Perspektive aufzeigen wollte für ein Zusammenleben insbesondere in den zuvor von Israel vollständig kontrollierten Gebieten.
  104. Die Entwicklung führte nun dazu, dass man im Gaza-Streifen einen Großteil dieses Gebietes an eine palästinensische Autonomiebehörde abgab und gleichzeitig im Westjordanland
  105. verschiedene Sektoren einrichtete, die die Kontrolle Israels durchaus zurückschraubten. Man hatte also insgesamt im Westjordanland nun drei Zonen: Zone A, Zone B und Zone C.
  106. Zone A stand unter der Kontrolle einer palästinensischen Autonomiebehörde. Das bedeutet, die Palästinenser hatten nun ein eigenes Gebiet, das man verwalten konnte.
  107. Zone B stand unter einer gemeinschaftlichen Verwaltung von Palästinensern und Israelis und Zone C, nebenbei gesagt die größte
  108. dieser drei Zonen, blieb weiterhin unter ausschließlich israelischer Kontrolle. Natürlich hatten die Israelis durch diese Aufspaltung immer noch den Einfluss über einen
  109. großen Teil des Westjordanlandes und über einen Teil des Gaza-Streifens erhalten. Doch man hatte hier durchaus einen Schritt auf die Palästinenser zugemacht und so sahen das die Palästinenser auch.
  110. Man sah hier durchaus eine Möglichkeit, in den kommenden Jahren, den folgenden Jahren, ein friedliches Miteinander von Palästinensern und
  111. Israelis anzustreben, sollte sich das alles so entwickeln wie vorgesehen. Doch tatsächlich muss man sich natürlich auch klar machen,
  112. dass es auch 1993 schon Gruppen gab auf beiden Seiten, die kein großes Interesse an einer friedlichen Koexistenz hatten und jede Gelegenheit nutzten, Benzin ins Feuer zu gießen.
  113. Auf der israelischen Seite waren das vor allem radikale jüdische Siedler und Teile der Likud, also der politischen Rechten in Israel, die eben Unterstützer
  114. dieser Besiedlungs- und Besatzungspolitik waren und kein Interesse daran hatten, den Palästinensern irgendwelche Zugeständnisse zu machen.
  115. Und auf der anderen Seite, auf der palästinensischen Seite, war das natürlich die Hamas im Gaza-Streifen, die selber politische Ambitionen verfolgte
  116. und nicht bereit war, sich einer PLO-geführten Palästinenser-Autonomiebehörde unterzuordnen. Der Widerstand in Israel und die Polarisierung innerhalb
  117. der Gesellschaft durch diese Entscheidung des Oslo-Abkommens führte dann 1995 schließlich soweit, dass der amtierende Ministerpräsident
  118. bei einem Attentat ums Leben kam, das von einem jüdischen Fundamentalisten begangen wurde. Und damit konnte man eben sehen, wie sehr
  119. polarisiert die Gesellschaft in dieser Zeit bereits war. Die politische Führung im Land übernahm im Anschluss die rechte Likud mit ihrem schon
  120. damals wichtigen Protagonisten Benjamin Netanyahu, der ja noch bis heute in Israel eine Rolle spielt. Und damit begann diese Übereinkunft des Oslo-Abkommens erneut zu bröckeln.
  121. Denn mit den Jahren, bis in die frühen 2000er hinein, verlor dieses Oslo-Abkommen immer mehr an Rückhalt und immer weniger hielt man sich an diese Bestimmungen,
  122. sodass die alte Fede zwischen Palästinensern und Israelis natürlich zurückkehrte und dann in den frühen 2000ern in die sogenannte Zweite Intifada führte, die nebenbei bemerkt eben nicht mehr nur
  123. mit Schlagstöcken und Tränengas geführt wurde, sondern mit Anschlägen und massivster Gewalt. Doch darüber sprechen wir dann in einer eigenen Folge.
  124. Soviel erstmal bis hierhin in dieser kurzen Folge zur Ersten Intifada. Ich fasse zusammen:
  125. Im Jahr 1987 brach in den israelisch besetzten Gebieten die Erste Intifada aus. Die Erste Intifada wurde ausgelöst durch einen Unfall zwischen Palästinensern und
  126. Israelis, der schnell zu einem Attentat hochgeschaukelt wurde. Insgesamt war das aber lediglich der Auslöser, denn die Gründe für die Erste Intifada lagen in
  127. einer jahrzehntelangen israelischen Besiedlungs- und Besatzungspolitik, die man spätestens seit 1967, seit dem Ende des Sechstagekrieges, vorgefunden hatte.
  128. Die Palästinenser hatten in dieser Zeit erhebliche Schwierigkeiten beim Leben unter der israelischen Besatzung gehabt.
  129. Man war im Grunde Bürger zweiter Klasse und teilweise hatten die Israelis eben auch mit massiver Gewalt die Palästinenser in den Besatzungszonen unterdrückt.
  130. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass man innerhalb der Besatzungszonen eine erhebliche wirtschaftliche Entwicklung hatte,
  131. die weitaus besser war als das, was die Palästinenser zuvor unter jordanischer bzw. ägyptischer Herrschaft im Westjordanland bzw. im Gazastreifen vorgefunden hatten.
  132. Dennoch blieb aus Sicht der Palästinenser die israelische Fremdherrschaft eben genau das - eine Fremdherrschaft, die man abschütteln wollte, weil man sie als eine Besatzung empfand.
  133. Und im Jahr 1987 entzündete sich nun die Erste Intifada, die allerdings weit davon weg gewesen war, ein konzentrierter und organisierter Aufstand gewesen zu sein, sondern im Grunde waren
  134. es mehrere kleine Aufstände, die vor allem aus den Flüchtlingslagern heraus organisiert wurden. Und der Aufstand beschränkte sich in der Regel auf Menschen,
  135. die Steine warfen oder sich Molotow-Cocktails selbst bauten. Doch es war kein größerer bewaffneter Aufstand im Sinne eines umfassenden Bürgerkrieges,
  136. anders als später die zweite Intifada, wo man durchaus mit massiver Gewalt vorging. Die Erste Intifada hielt tatsächlich bis in das Jahr 1993, wurde dann allerdings bereits
  137. seit 1991 ein Stück weit schon eingedämmt durch eine äußere Entwicklung. Denn durch den Beginn des Golfkrieges und den Sieg schlussendlich, den die USA und ihr Bündnis davontrugen, konnten die
  138. Amerikaner in der Region aktiv werden und Israel und die PLO an den Verhandlungstisch zwingen. Doch die ersten Gespräche in Madrid führten noch nicht zum Durchbruch,
  139. sondern tatsächlich kam es erst dann im Rahmen des Oslo-Abkommens von 1993 zu einer Neuorganisation und Neuausrichtung der israelischen Besatzung,
  140. insbesondere auch im Westjordanland, wo man nun ein Dreisektorsystem einführte. Man hatte einen Sektor A mit einer palästinensischen Autonomiebehörde,
  141. man hatte einen Sektor B, den Israelis und Palästinenser gemeinsam verwalteten, und man hatte einen Sektor C, der unter israelischer Besatzung blieb.
  142. Und damit hatten die Palästinenser im Gazastreifen genauso wie im Westjordanland ein großes Stück an Autonomie dazu gewonnen im Verhältnis zu zuvor.
  143. Und daher standen die Zeichen durchaus auf der Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders, einer friedlichen Koexistenz.
  144. Doch natürlich gab es auch damals bereits auf beiden Seiten Gruppen und Akteure, die an einem dauerhaften Frieden kein Interesse hatten und versuchten, Benzin ins Feuer zu gießen.
  145. Auf israelischer Seite vor allem rechtskonservative Kräfte und radikale Siedler, die den Palästinensern keine Zugeständnisse machen wollten.
  146. Und das waren letztlich natürlich auch dann diejenigen, die später in die Regierungsverantwortung rückten.
  147. Bis heute regiert ja schlussendlich auch noch die Likud in Israel unter dem amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, der ja eine sehr
  148. umstrittene Persönlichkeit ist aus verschiedensten Gründen. Und auf der palästinensischen Seite hatte man natürlich die
  149. Hamas, die 1987 im Zuge der Ersten Intifada erst begründet worden war. Denn die Hamas war im Grunde ein militanter Ableger des palästinensischen
  150. Zweigs der Muslimbruderschaft, eine radikal-islamistische Organisation, ganz anders als die PLO, die eine säkular-nationalistische Organisation war.
  151. Und die Hamas hatte natürlich selbst politische Ambitionen nicht nur im Gazastreifen und hatte kein großes Interesse daran, sich einer palästinensischen Autonomiebehörde unterzuordnen,
  152. die von der PLO kontrolliert wurde, mit der man eben nicht viel anfangen konnte, ja geradezu verfeindet war über Jahre.
  153. Destabilisiert durch diese Entwicklungen wurde das Osloer Abkommen über die Jahre bis in die frühen 2000er immer unwichtiger, sodass schlussendlich Platz war für eine
  154. weitere Intifada, die Zweite Intifada in den frühen 2000ern, die allerdings eben nicht nur noch mit Gummiknüppeln und Steinen geführt wurde, sondern hier ging es um massive Gewalt,
  155. Anschläge und so weiter und eine genauso radikale Reaktion letztlich von Seiten Israels. Doch über die weiteren Entwicklungen sprechen wir dann in eigenen Folgen.
  156. Falls euch diese Folge gefallen hat, dann hinterlasst doch bitte einen Daumen hoch, abonniert den Kanal, teilt und empfehlt das Video weiter. Hinterlasst auch gerne einen Kommentar
  157. mit Feedback, Themenvorschlägen, anderen Anregungen und ähnlichem. Und ansonsten sehen wir uns dann das nächste Mal, bei welcher Folge und welchem Thema auch immer.
  158. Macht's gut!

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