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Internationale Gesellschaft für Neue Musik
Die International Society for Contemporary Music (ISCM) ist die älteste internationale Dachorganisation zur Förderung der Neuen Musik.
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Aufgabe und Bedeutung
Die International Society for Contemporary Music (ISCM), im deutschsprachigen Raum auch Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM), ist die älteste internationale Dachorganisation zur Förderung der Neuen Musik. Als Dachorganisation verbindet sie nationale und regionale Vereinigungen, die zeitgenössische Musik unterstützen. Sie gilt als eine der bedeutendsten musikkulturellen Gesellschaften der Welt.
Ihr wichtigstes Ziel ist es, Neue Musik international sichtbar und aufführbar zu machen. Dazu organisiert sie vor allem die jährlich an wechselnden Orten stattfindenden World New Music Days, auf Deutsch Weltmusiktage. Außerdem gibt sie das World New Music Magazine heraus.
Entstehung und Aufbau
Die IGNM ging aus einer Initiative der Zweiten Wiener Schule während der Salzburger Festspiele hervor. Gegründet wurde sie am 11. August 1922 im Café Bazar in Salzburg, angeregt von Rudolf Réti und Egon Wellesz. Anwesend waren unter anderem Béla Bartók, Paul Hindemith, Arthur Honegger, Zoltán Kodály, Darius Milhaud und Anton Webern. Richard Strauss übernahm das Präsidium des Gründungskomitees; Edward Dent wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Der 1923 entstandene Dachverband ISCM erhielt seinen Sitz in London. Seit 2018 befindet sich das Sekretariat in Wien.
Die ISCM besitzt 64 internationale Sektionen in 43 Ländern. Diese Sektionen sind gewöhnlich von der Dachorganisation unabhängig und entsenden Delegierte zur Hauptversammlung. Wer einer Sektion angehört, ist zugleich Mitglied der ISCM. Jede Sektion kann bis zu sechs Werke zur Aufführung bei den Weltmusiktagen vorschlagen.
Organisationen, die zeitgenössische Musik fördern, aber keine offizielle Landessektion sind, können als assoziierte Mitglieder aufgenommen werden. Ihr Mitgliedsstatus überträgt sich auch auf die Mitglieder der jeweiligen Organisation. Daneben werden einzelne Berufsmusiker als Ehrenmitglieder geführt. Die Mitgliederstruktur umfasst Sektionen etwa in Australien, Österreich, Deutschland, der Schweiz, den USA, Südafrika, Japan, Südkorea und Neuseeland sowie mehrere regionale chinesische Sektionen. Hinzu kommen verschiedene Arten assoziierter Mitglieder, darunter Musikzentren, Hochschulen, Ensembles und Festivals.
Weltmusiktage
Die World New Music Days sind die zentrale Veranstaltung der ISCM. Sie verbinden Konzerte und weitere musikalische Veranstaltungen zur Neuen Musik mit der Generalversammlung der Organisation. Durch den jährlich wechselnden Austragungsort sollen zeitgenössische Werke in unterschiedlichen Ländern und Kulturräumen präsentiert werden.
Die ersten Weltmusiktage fanden 1923 in Salzburg statt. In den folgenden Jahrzehnten wurden sie in zahlreichen europäischen Städten veranstaltet, darunter Prag, Venedig, Zürich, Frankfurt am Main, Amsterdam, London, Wien, Paris, Köln und Stockholm. Später kamen Veranstaltungsorte auf anderen Kontinenten hinzu, beispielsweise Boston 1976, Jerusalem und weitere israelische Orte 1980, Toronto und Montreal 1984, Hongkong 1988, Mexiko-Stadt 1993, Seoul 1997, Yokohama 2001, Sydney 2010 und Peking 2018.
Die Veranstaltungen für 2020 und 2021 wurden wegen der COVID-19-Pandemie verschoben. 2022 fanden die Weltmusiktage in Auckland und Christchurch statt. Zum 100. Gründungsjahr der ISCM wurden sie 2023 unter der Leitung von Lukas Ligeti erstmals auf dem afrikanischen Kontinent veranstaltet, und zwar in Johannesburg, Soweto und Kapstadt. Es folgten 2024 die Färöer-Inseln und 2025 Porto und Lissabon. Als weitere Austragungsorte nennt der Artikel Bukarest für 2026, Kaunas und Vilnius für 2027 sowie Montreal für 2029.
Über die Jahrzehnte wirkten bedeutende Komponistinnen und Komponisten als Juroren, darunter Ernest Ansermet, Béla Bartók, Alban Berg, Nadia Boulanger, Pierre Boulez, Elliott Carter, Aaron Copland, György Ligeti, Olivier Messiaen, Maurice Ravel, Anton Webern und Iannis Xenakis. Sie waren an der Auswahl der präsentierten zeitgenössischen Musik beteiligt.
Prägende Aufführungen und Uraufführungen
Die Bedeutung der Weltmusiktage zeigt sich besonders an der großen Zahl wichtiger Aufführungen und Uraufführungen. Eine Uraufführung ist die erste öffentliche Aufführung eines neuen Werkes. Bereits 1923 wurden in Salzburg Paul Hindemiths Quintett für Streichquartett und Klarinette, op. 30, sowie William Waltons Streichquartett Nr. 1 uraufgeführt. 1924 folgten in Prag Arnold Schönbergs Erwartung, op. 17, unter Alexander von Zemlinsky und Alexander von Zemlinskys Lyrische Symphonie, op. 18.
Weitere hervorgehobene Uraufführungen waren Anton Weberns 5 Stücke für Orchester, op. 10, 1926 in Zürich, Alban Bergs Violinkonzert 1936 in Barcelona mit Louis Krasner und Pierre Boulez’ Le Marteau sans Maître 1955 in Baden-Baden. 1957 fand in Zürich die szenische Uraufführung von Schönbergs Moses und Aron statt. Bei den Weltmusiktagen 1960 in Köln wurden unter anderem Mauricio Kagels Anagrama, György Ligetis Apparitions und Karlheinz Stockhausens Kontakte uraufgeführt. Spätere Beispiele reichen von Witold Lutosławskis Symphony Nr. 3 im Jahr 1983 über Wolfgang Rihms Jagden und Formen, Zustand X/2000 bis zu Slawomir Kupczaks Symphony Nr. 2 für 100 Motorräder, elektrische Gitarre, Perkussion und Elektronik im Jahr 2014.
Neben neuen Werken wurden zahlreiche bereits bestehende Schlüsselwerke der Neuen Musik aufgeführt. Dazu gehörten Schönbergs Die hängenden Gärten, op. 15, und Alban Bergs Streichquartett, op. 3, im Jahr 1923, Igor Strawinskys Chant du Rossignol 1924, Béla Bartóks Konzert für Orchester und Olivier Messiaens Quatuor pour la Fin du Temps 1946 sowie Werke von Luigi Nono, Krzysztof Penderecki, György Ligeti, John Cage, Steve Reich, Arvo Pärt, Kaija Saariaho, Unsuk Chin und vielen weiteren. Die Programme umfassen Orchester-, Kammer-, Vokal-, elektronische und multimediale Musik und zeigen damit die stilistische und technische Vielfalt zeitgenössischen Komponierens.
Leitung und Präsidenten
Die Leitung der ISCM wechselte im Lauf ihrer Geschichte zwischen Musikerinnen und Musikern aus zahlreichen Ländern. Edward Dent war zunächst von 1922 bis 1938 und erneut von 1945 bis 1947 Präsident. Weitere langjährige Präsidenten waren Heinrich Strobel von 1956 bis 1969, André Jurrès von 1969 bis 1975, Jacques Guyonnet von 1975 bis 1981, Michael Finnissy von 1991 bis 1996 und Arne Mellnås von 1996 bis 2002.
2019 wurde bei den Weltmusiktagen in Tallinn mit der Neuseeländerin Glenda Keam erstmals in der Geschichte der IGNM eine Frau zur Präsidentin gewählt. Sie amtierte von 2019 bis 2025. Seit 2025 ist der US-Amerikaner Frank J. Oteri Präsident; der Artikel bezeichnet ihn mit Stand vom 7. Juni 2025 als aktuellen Präsidenten.
Dem Vorstand gehörten im Juni 2025 Frank J. Oteri als Vorsitzender, Rebecca Diependaele als stellvertretende Vorsitzende, Chia-Lin Pan, Deborah Keyser und Magnus Bunnskog an. David Pay von Music on Main/Kanada war Schatzmeister, Olga Smetanová Generalsekretärin. Zu den historisch bedeutenden Vorstandsmitgliedern zählten unter anderem Darius Milhaud, Béla Bartók, Alois Hába, Francis Poulenc, Elliott Carter, Aaron Copland, Alberto Ginastera, Witold Lutosławski und Friedrich Cerha. Zahlreiche prägende Persönlichkeiten der Neuen Musik wurden außerdem als Ehrenmitglieder geführt.