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Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie
Das Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie (IPWS) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn entstand 2006 aus dem Zusammenschluss …
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Überblick und Bedeutung
Das Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie (IPWS) war von 2006 bis 2025 eine sozialwissenschaftliche Einrichtung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Es entstand durch den Zusammenschluss des Seminars für Politische Wissenschaft und des Seminars für Soziologie. Sein Sitz befand sich in der Lennéstraße 25–27 in Bonn; die Institutsbibliothek war in der Villa am Hofgarten 15 untergebracht. Zuletzt waren 102 wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt, Hilfskräfte nicht mitgerechnet.
Das Institut verband politikwissenschaftliche und soziologische Forschung und Lehre. Besondere Bedeutung erlangte die Bonner Politikwissenschaft durch Arbeiten zu Demokratie, Diktatur, Extremismus und Totalitarismus sowie durch ihre Nähe zur Geschichtswissenschaft. Das IPWS war außerdem für die 1969 von Karl Dietrich Bracher gegründete Schriftenreihe „Bonner Schriften zur Politik und Zeitgeschichte“ verantwortlich.
Geschäftsführender Direktor war zuletzt der Soziologe Jörg Blasius, sein Stellvertreter der Politikwissenschaftler Wolfram Hilz. 2025 wurde das gemeinsame Institut aufgelöst. An seine Stelle traten zwei eigenständige Institute für die zuvor verbundenen Fächer.
Entwicklung der Politikwissenschaft
Das Seminar für Politische Wissenschaft wurde 1959 eingerichtet, nachdem Karl Dietrich Bracher zum außerplanmäßigen Professor der Universität Bonn ernannt worden war. Bracher holte seinen Assistenten Hans-Helmuth Knütter von der Freien Universität Berlin nach Bonn. In den folgenden Jahren lud das Seminar zahlreiche Wissenschaftler aus dem In- und Ausland zu Gastvorträgen ein.
Während der Westdeutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre kam es am Seminar zu Protesten. Einige Studierende reagierten darauf ablehnend mit der Aktion Demokratische Mitte (ADM). 1969 erhielt das Seminar einen weiteren Lehrstuhl für Politische Wissenschaft. Zugleich wurde ein Seminarrat geschaffen, der eine Hochschulreform ausarbeiten sollte. Linke Gruppen wie die Sozialistische Gruppe (SG) protestierten unter anderem gegen Manfred Funkes Tätigkeit als Assistent und dagegen, dass Hans-Helmuth Knütter den Lehrstuhl Karl Dietrich Brachers vertrat.
1973 fand am Seminar ein Symposium der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) statt. Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK) wurde zudem die Carl-von-Ossietzky-Gastprofessur für Friedens- und Konfliktforschung eingerichtet. Ihr erster Inhaber war der norwegische Friedensforscher Johan Galtung.
Das Seminar wurde überregional als Schnittstelle zwischen Politik- und Geschichtswissenschaft bekannt. Seine Forschung zu Demokratie, Diktatur, Extremismus und Totalitarismus brachte Veröffentlichungen hervor, die als Standardwerke galten. Auch der Wissenschaftsstandort der damaligen Bundeshauptstadt Bonn begünstigte seine Entwicklung. Tilman Mayer und Volker Kronenberg bezeichneten diese Ausrichtung 2009 in einer Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen als „unverwechselbare Tradition“. Die Mehrzahl der Politikwissenschaftler im Bundestag wurde dem Artikel zufolge in Bonn ausgebildet. In den letzten Jahren des IPWS machte unter anderem Frank Decker diese Bonner Traditionslinie in den Medien bekannt.
Soziologie und Zusammenschluss
Das Seminar für Soziologie entstand 1974, als das Fach in die Philosophische Fakultät aufgenommen wurde. Martinus Emge, Justin Stagl und Alfred Bellebaum wirkten wesentlich an seinem Aufbau mit. Inhaltlich entwickelte das Seminar einen Schwerpunkt in der Kultursoziologie, also in der Untersuchung der gesellschaftlichen Bedeutung von Kultur.
2006 wurden die bis dahin getrennten Seminare für Politische Wissenschaft und Soziologie aus finanzpolitischen Gründen zum IPWS zusammengeschlossen. Erster Direktor des gemeinsamen Instituts war der Politikwissenschaftler Tilman Mayer. Das IPWS arbeitete unter anderem mit dem Bonn International Center for Conversion (BICC), dem Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) und der von Bodo Hombach initiierten Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP) zusammen.
Bibliothek und Schriftenreihe
Die Bibliothek der Bonner Politikwissenschaft wurde früh gezielt aufgebaut. 1960 unterstützte die Rockefeller-Stiftung das Seminar für Politische Wissenschaft beim Aufbau eines eigenen Bestands. 1977 übergaben Vertreter der Botschaft der Vereinigten Staaten in Bonn eine Bücherspende, zu der auch eine mehrbändige „Encyclopædia Britannica“ gehörte. Bis zur Auflösung des IPWS umfasste die Institutsbibliothek rund 40.000 Exemplare.
Die Reihe „Bonner Schriften zur Politik und Zeitgeschichte“ begann 1969 mit einem ersten Band im Düsseldorfer Droste-Verlag. Herausgegeben wurde sie anschließend von der Leitung des Seminars für Politische Wissenschaft; später lag sie in der Verantwortung des IPWS. Zu den Autoren gehörten unter anderem Karl Dietrich Bracher, Manfred Funke, Hans-Helmuth Knütter, Ulrich von Alemann, Paul Noack und Hans-Gert Pöttering.
Prägende Personen und Absolventen
Zu den prägenden Lehrenden gehörten der Begründer Karl Dietrich Bracher sowie unter anderem Jörg Blasius, Frank Decker, Manfred Funke, Johan Galtung, Hans-Helmuth Knütter, Volker Kronenberg, Tilman Mayer und Justin Stagl. Die vollständige Gruppe umfasste Professoren, Honorarprofessoren, Gastdozenten, Lehrbeauftragte, Assistenten und Promovierende aus Politikwissenschaft und Soziologie.
Aus dem Umfeld des Instituts gingen Personen hervor, die später besonders in Wissenschaft, Politik und Medien tätig waren. Genannt werden etwa die Politiker Christian Lindner und Andrea Nahles sowie die Journalisten Markus Feldenkirchen, Hanni Hüsch, Theo Koll und Elmar Theveßen. Als wissenschaftliche Alumni führt der Artikel unter anderem Karsten Fischer und Michael Th. Greven auf.