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Klappe (Blasinstrument)

Klappen (englisch key, französisch clef, italienisch chiave) dienen bei Holzblasinstrumenten (selten auch bei manchen frühen Blechblasinstrumenten) dazu, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Zweck
  2. 2. Entwicklung
  3. 3. Aufbau und Wirkungsweise
  4. 4. Klappen nach Spielfunktion
  5. 5. Klappen nach Bauart
  6. 6. Weitere Fachbegriffe

Grundidee und Zweck

Klappen sind mechanische Vorrichtungen an Holzblasinstrumenten, selten auch an frühen Blechblasinstrumenten. Sie dienen dazu, Tonlöcher zu schließen oder zu öffnen, die mit der normalen Handhaltung nicht erreichbar sind oder für die Fingerkuppe zu groß wären. Damit erweitern sie praktisch die Reichweite und manchmal auch die Größe der Finger des Spielers.

Klappen sind wichtig, weil sie den Tonumfang eines Instruments vergrößern, chromatische Töne besser spielbar machen und die Intonation verbessern können. Chromatische Töne sind die Halbtonschritte der Tonleiter. Außerdem können Klappen bestimmte Spielweisen erleichtern, zum Beispiel Triller, Legato-Verbindungen oder das Bedienen von zwei Tonlöchern mit einem Finger.

Entwicklung

Die ersten einfachen Holzblasinstrumente waren Flöten, bei denen die Tonlöcher gut mit den Fingern erreichbar waren. Bei kleineren, höheren Blockflöten ist dieses Prinzip bis heute sichtbar.

Mit der Weiterentwicklung der Instrumente und der Musik wurden größere Tonumfänge und alle chromatischen Töne der Skala wichtiger. Mit den bisherigen Tonlöchern und Griffkombinationen wurde es zunehmend schwieriger, diese Töne zu erzeugen. Deshalb brachte man zusätzliche Tonlöcher an. Manche erleichterten das Überblasen, andere verbesserten die Intonation, weil die Löcher an den akustisch richtigen Stellen des Rohres gebohrt werden konnten, unabhängig davon, ob sie ergonomisch gut erreichbar waren.

Diese zusätzlichen oder ungünstig gelegenen Löcher wurden mit Klappen versehen. Klappenkombinationen konnten auch den Fingersatz, fachsprachlich Applikatur genannt, vereinfachen. Dazu kamen Zusatzklappen für bestimmte Triller, Doppelgriffklappen zum Schließen von zwei Tonlöchern mit einem Finger und Klappen für das Legato-Spiel.

Klappen sind seit dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts nachweisbar. Geschlossene Klappen scheinen erst im 17. Jahrhundert aufgekommen zu sein. Klappen an Blechblasinstrumenten zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzten sich nicht gegen die etwa gleichzeitig erfundenen Ventile durch. Bei Holzblasinstrumenten wie Querflöte und Klarinette wurde die von Theobald Böhm Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Klappenmechanik mit verlängerten Hebelarmen bis heute zum technischen Standard.

Aufbau und Wirkungsweise

Eine Klappe besteht aus einem Polster, auch Kissen genannt, das an einer runden Metallscheibe, dem Deckel, angebracht ist. Dieses Polster deckt das Tonloch ab. Über mechanische Konstruktionen aus Metallstangen ist der Deckel mit einer Fingerklappe verbunden. Durch Drücken kann der Spieler das Loch öffnen oder schließen.

Ein Beispiel ist das Fagott: Am Unterteil befinden sich Tonlöcher mit Deckeln. Eine Klappe dient dort etwa für das große Fis. Sie wird wie mehrere andere Klappen vom rechten Daumen betätigt. Die runde Taste für das große E ist zugleich der eigentliche Klappendeckel mit Polster. Dieses Tonloch ist am modernen Fagott zu groß, um allein mit dem Daumen abgedeckt zu werden. Beim Barockfagott befindet sich an dieser Stelle ein kleineres Loch ohne Klappe.

Klappen nach Spielfunktion

Nach der Spielfunktion unterscheidet man mehrere Klappentypen. Eine Bindeklappe erleichtert Legato-Bindungen, also das gebundene Spielen bestimmter Töne. Eine Doppelgriffklappe, etwa bei Saxophon und Klarinette, ermöglicht es, zwei Klappen mit einem Finger zu betätigen; sie ist nicht mit Doppelgriffen bei Streichinstrumenten zu verwechseln.

Eine Trillerklappe erleichtert bestimmte Triller, also den schnellen Wechsel zwischen zwei Tönen. Eine Oktavklappe, auch Überblas- oder Schleifklappe genannt, erleichtert das Überblasen und ist auf der Unterseite des Rohres angebracht. Bei Klarinetten spricht man von einer Duodezklappe oder Registerklappe, weil Klarinetten in die Duodezime überblasen, nicht in die Oktave. Diese Klappe wurde circa 1690 von Johann Christoph Denner erfunden. Bassklarinetten hatten früher zwei Duodezklappen als Doppelklappe; heute werden sie durch mechanische Lösungen auf eine reduziert.

Klappen nach Bauart

Nach der Bauart gibt es offene und geschlossene Klappen. Eine offene Klappe hält durch Federdruck, etwa durch Blattfeder oder Nadelfeder, in ihrer Normalstellung ein Loch offen. Eine geschlossene Klappe schließt durch Federdruck in der Normalstellung ein Loch.

Eine Kippklappe ist eine einfache Klappe, bei der ein Hebel über ein Lager das Polster auf das Loch senkt; sie wird durch Blattfedern zurückgestellt. Bei einer Drehklappe wird die Bewegung des Hebels durch eine am Rohr entlangführende Welle, also eine Achse, auf den Deckel übertragen; sie wird durch Nadelfedern zurückgestellt. Eine Plateauklappe ist eine ungelochte Klappe.

Eine Ringklappe ist ein ringförmiger Betätigungshebel über einem offenen Griffloch. Beim Greifen bewegt sie die Klappe über einem anderen Tonloch mit. Sie wurde 1808 von Rev. Fred. Nolan erfunden, 1832 von Theobald Böhm auf die Querflöte übertragen und Anfang der 1840er Jahre durch Hyacinthe Klosé und Luis Auguste Buffet auf die Böhm-Klarinette übertragen. Eine Löffelklappe ist ein Mechanismus zum Schließen auch größerer, versenkter Löcher und wurde 1813 von Iwan Müller erfunden.

Eine Daumenklappe wird durch den Daumen betätigt und kann zum Überblasen dienen. Bei Klarinetten mit Bechermechanik kann sie auch am Unterstück zur Bedienung der Tief-E/F-Verbesserung eingesetzt werden; bei Bassettklarinetten dienen Daumenklappen am Unterstück zur Bedienung der Bassettklappen. Eine Brillenklappe kombiniert Ringklappe und Plateauklappe und wurde von Adolphe Sax erfunden. Eine Wasserklappe kommt bei Blechblasinstrumenten vor und dient dazu, Kondenswasser aus dem Spieleratem abfließen zu lassen.

Weitere Fachbegriffe

Als Klappenmechanik bezeichnet man das gesamte mechanische System der Klappen. Die Klappenanordnung beschreibt, wie die Klappen am Instrument verteilt sind. Ein Klappenloch kann einfach oder versenkt sein, bei Klarinetten mit Rand oder flach.

Das Klappenpolster ist der gepolsterte Verschlussdeckel für das Tonloch. Anfangs bestand es aus Filz, später aus weichem Leder, meist Ziegenleder; diese spätere Form wurde von Iwan Müller entwickelt. Der Klappenlöffel ist der löffelförmige Teil der Mechanik, auf dem das Polster sitzt. Der Klappenstengel verbindet Klappenlöffel und Klappenstiel. Der Klappenhebel ist der Teil des Klappenmechanismus, auf dem der Finger aufliegt.

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