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Herrschaft der Dreißig

– dauernde Terrorherrschaft von 30 Oligarchen im antiken Athen. Unterstützt vom spartanischen Feldherrn Lysander, rissen nach Oligarchie strebende Männer nach …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Voraussetzungen und Machtübernahme
  3. 3. Politik und Terrorherrschaft
  4. 4. Spartanische Besatzung und Ende
  5. 5. Quellenlage und zeitliche Einordnung

Kern und Bedeutung

Die Herrschaft der Dreißig, altgriechisch οἱ Τριάκοντα Τύραννοι („die Dreißig Tyrannen“), war eine oligarchische Terrorherrschaft im antiken Athen. Sie dauerte etwa acht Monate, von Mitte beziehungsweise Ende August 404 v. Chr. bis März 403 v. Chr. und wurde von 30 Oligarchen ausgeübt. Nach der Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg übernahmen sie mit Unterstützung Spartas die Macht. Während ihrer Herrschaft wurden mehr als 1500 politische Gegner und andere Bürger getötet. Ihr Sturz unter Führung des Demokraten Thrasybulos eröffnete den Weg zur Wiederherstellung der attischen Demokratie.

Die Dreißig schalteten die Volksversammlung als politisches Entscheidungsorgan aus und stützten sich auf einen von ihnen kontrollierten Rat. Ihre Herrschaft war daher keine normale Regierung, sondern eine auf Gewalt, Einschüchterung und willkürlichen Entscheidungen beruhende Oligarchie.

Voraussetzungen und Machtübernahme

Nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges war Athens zukünftiger politischer Status zunächst unklar. Die Stadt musste jedoch hohe Unterhaltszahlungen an Sparta leisten. Mit dem spartanischen Feldherrn Lysander kehrten Emigranten und Verbannte nach Athen zurück, darunter ehemalige Mitglieder des oligarchischen Rates der Vierhundert. Anhänger der Oligarchie und der Demokratie kämpften um den politischen Einfluss.

Kurz vor Lysanders Rückkehr aus Samos setzten sich die Oligarchen durch und ließen demokratische Führer verhaften. Unter dem Druck und den Drohungen Lysanders beschloss die Volksversammlung, 30 Männer mit der Neufassung der Gesetze zu beauftragen. Sie sollten die „Gesetze der Väter“ in einer Verfassung zusammenfassen und den Staat danach verwalten. Der Beschluss wurde jedoch unter massiver Bedrohung gefasst und diente den Dreißig anschließend dazu, ihre Macht zu rechtfertigen.

Die Dreißig wählten zunächst aus 1000 Vorgewählten die 500 Ratsmitglieder und besetzten die übrigen Ämter mit Freunden. Außerdem setzten sie zehn Archonten für den Piräus, elf Gefängnisaufseher und 300 mit Peitschen bewaffnete Gehilfen ein. Diese Gehilfen bildeten eine Art Leibgarde. Die Volksversammlung wurde zugunsten des von den Dreißig beherrschten Rates ausgeschaltet. Damit wurde die Herrschaft faktisch zu einem von Sparta abhängigen Satellitenregime.

Politik und Terrorherrschaft

Zu Beginn gaben sich die Dreißig maßvoll und behaupteten, die althergebrachte Staatsordnung wiederherstellen zu wollen. Sie entfernten bestimmte Gesetze über den Areopag, hoben die Gesetze Solons auf, schafften die Volksgerichte ab und übertrugen die Rechtsprechung dem Rat, während sie selbst den Vorsitz führten. Zunächst gingen sie gegen Strategen, Taxiarchen, angesehene Bürger, Sykophanten und Demagogen vor. Dadurch beseitigten sie Gegner und gewannen teilweise die Zustimmung der Bevölkerung.

Nach der Festigung ihrer Macht wandten sie sich jedoch umfassend gegen die Bürger. Sie wollten die Bevölkerung gewaltsam und nach eigenem Belieben beherrschen und verzögerten die schriftliche Festlegung der Gesetze. Getötet wurden vor allem Menschen, die sich durch Vermögen, Herkunft oder Ansehen auszeichneten und deshalb als mögliche Gegner galten. Neben der Furcht vor einem Machtverlust spielte Habgier eine wichtige Rolle: Das Vermögen vieler Opfer wurde unter den Dreißig verteilt.

Aristoteles berichtet, dass innerhalb kurzer Zeit nicht weniger als 1500 Menschen getötet worden seien. Diese Zahl und die kurze Zeitspanne gelten jedoch als fraglich; glaubwürdiger erscheint, dass sich die Zahl auf die gesamte Herrschaftszeit bezog. Ein weiteres Motiv war Rache, insbesondere bei Kritias, der zuvor vom Volk verbannt worden war.

Der Gegensatz zwischen Kritias und Theramenes verschärfte sich. Theramenes wollte die Herrschaft auf Bürger ausweiten, die sich als Reiter oder Hopliten ausrüsten konnten. Kritias strebte dagegen eine möglichst kleine Gruppe von Herrschenden an. Die Dreißig legten eine Liste von 3000 Bürgern an, die künftig an den Amtsgeschäften teilnehmen sollten. Nur diese Dreitausend sollten der Gerichtsbarkeit des Rates unterliegen; alle anderen blieben der unmittelbaren Gerichtsbarkeit der Dreißig ausgesetzt. Die Liste wurde wiederholt verändert und wahrscheinlich vor allem nach dem Kriterium der Zuverlässigkeit zusammengestellt.

Spartanische Besatzung und Ende

Ein Wendepunkt war die Besetzung der Festung Phyle durch Thrasybulos im Spätherbst oder frühen Winter. Der Feldzug der Dreißig gegen Phyle scheiterte; sie mussten „schmachvoll wieder abziehen“. Danach traten die inneren Probleme offen hervor und der demokratische Widerstand gewann an Stärke.

Die Quellen ordnen die Ereignisse teilweise unterschiedlich. Nach Aristoteles führte die Niederlage bei Phyle zur Beseitigung des Theramenes und zur Entwaffnung der Bürger bis auf die Dreitausend. Bei Xenophon erfolgten die Verurteilung und Hinrichtung des Theramenes vor der Niederlage bei Phyle. Der Artikel hält für die Chronologie den Bericht des Aristoteles für glaubwürdiger. Theramenes widersetzte sich der Entwaffnung und kritisierte die willkürlichen Tötungen. Kritias ließ ihn daraufhin vor dem Rat anklagen, schüchterte den Rat durch Bewaffnete ein, strich Theramenes aus der Liste der Dreitausend und ließ ihn zum Tod verurteilen.

Nach Theramenes’ Tod steigerten die Dreißig ihre Gewalt. Sie entwaffneten die Bürgerschaft bis auf die Dreitausend, vertrieben oder töteten Bürger und verboten Personen außerhalb dieser Gruppe den Aufenthalt in Athen. Auch 30 Metöken wurden ergriffen und getötet; ihr Vermögen wurde wahrscheinlich aus Habgier beschlagnahmt. Der Redner Lysias konnte später fliehen, sein Bruder Polemarchos wurde getötet.

Die Athener erbaten eine 700 Mann starke spartanische Besatzung unter dem Harmosten Kallibios. Aristoteles zufolge kam sie erst nach der Niederlage bei Phyle und dem Tod des Theramenes; andere Berichte setzen ihre Ankunft früher an. Der Artikel folgt Aristoteles. Die Besatzung diente nicht hauptsächlich dem Schutz vor äußeren Feinden, sondern half den Dreißig, ihre Herrschaft gegen die eigene Bevölkerung durchzusetzen. Soldaten schüchterten Ratsherren und Bürger ein und unterstützten die Verhaftung und Verurteilung von Gegnern. Dadurch wurden die Dreißig zugleich von Sparta abhängig.

Thrasybulos widerstand einem Bestechungsversuch, besiegte einen Beobachtungsposten bei Acharnä und setzte sich schließlich im Piräus militärisch durch. Die Dreißig mussten nach Eleusis auswandern; zehn andere Männer wurden gewählt, um den Krieg zu beenden. Der Einfluss Lysanders wurde durch den spartanischen König Pausanias eingeschränkt. Pausanias setzte eine Amnestie zwischen demokratisch und oligarchisch gesinnten Athenern durch. Nur die Hauptschuldigen wurden hingerichtet; den übrigen Oligarchen wurde eine Sondergemeinde in Eleusis erlaubt. Damit war die Wiederherstellung der demokratischen Verfassung möglich.

Quellenlage und zeitliche Einordnung

Die wichtigsten Darstellungen stammen von Aristoteles, Xenophon und Diodor. Sie stimmen bei den entscheidenden Ereignissen weitgehend überein: der Besetzung Phyles durch Thrasybulos, der Ausweisung des Demos aus Athen, der Niederlage der Dreißig bei Acharnä, der Besetzung von Eleusis, dem Kampf und der Niederlage im Piräus sowie der Absetzung der Dreißig.

Sie unterscheiden sich jedoch bei der Reihenfolge einzelner Ereignisse. Besonders umstritten sind die Entwaffnung des Volkes, die Ankunft der spartanischen Besatzung und die Hinrichtung des Theramenes. Xenophon berichtet ausführlicher über die Reden von Kritias und Theramenes, während Aristoteles die Ereignisse knapper darstellt und für die Chronologie im Artikel teilweise als zuverlässiger bewertet wird.

Die Angabe einer achtmonatigen Herrschaft stammt von Xenophon. Da Lysanders Fahrt nach Samos mit einer Sonnenfinsternis am 3. September 404 v. Chr. verbunden wird und er nach der Einsetzung der Dreißig zunächst nach Samos reiste, wird der Beginn auf Mitte beziehungsweise Ende August 404 v. Chr. datiert. Eine rechnerische Ableitung könnte unter Einbeziehung des ersten und letzten Monats zu einer Absetzung im April 403 v. Chr. führen; unter Berücksichtigung der Reisezeit Lysanders wird jedoch der März 403 v. Chr. als Ende der Herrschaft angenommen.

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