Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Hermaphroditismus

Hermaphroditismus (griechisch von Hermes und Aphrodite, siehe dazu Hermaphroditos), Zwittrigkeit oder Zwittertum bezeichnet in der Biologie den Zustand von …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Einordnung
  2. 2. Zwittrigkeit bei Pflanzen
  3. 3. Geschlechtswechsel bei Tieren
  4. 4. Gleichzeitige und vorgetäuschte Zwittrigkeit
  5. 5. Zellbiologie und Medizin

Begriff und Einordnung

Hermaphroditismus, auch Zwittrigkeit oder Zwittertum, bezeichnet in der Biologie doppeltgeschlechtliche Individuen: Sie besitzen männliche und weibliche Geschlechtsausprägungen und bilden sowohl männliche als auch weibliche Keimzellen oder Geschlechtsorgane. Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit außerhalb der Biologie, etwa in Psychologie oder Mythologie, heißen Androgynie.

Zwittrigkeit bei Pflanzen

Bei Samenpflanzen gibt es zwei Formen:

  • Einhäusige Pflanzen tragen auf einem Exemplar männliche, staminate Blüten und weibliche, karpellate Blüten, beispielsweise Zucchini.
  • Echt zwittrige Pflanzen besitzen nur staminokarpellate Blüten. In jeder solchen Staubblattfruchtblattblüte befinden sich gleichzeitig männliche und weibliche Geschlechtsorgane.

Die meisten Pflanzenarten vermeiden Eigenbefruchtung. Dazu dienen etwa unterschiedliche, abwechselnde Blütezeiten männlicher und weiblicher Blüten, Mechanismen zur Förderung der Fremdbestäubung oder Selbstinkompatibilität.

Geschlechtswechsel bei Tieren

Konsekutive Zwitter ändern im Laufe ihrer Entwicklung ihr Geschlecht. Sie erzeugen daher während ihres Lebens sowohl männliche Keimzellen als auch weibliche Eizellen. Diese Dichogamie vermeidet Autogamie, also Selbstbefruchtung, und fördert die gegenseitige Befruchtung.

Bei Proterandrie oder Erstmännlichkeit wird ein zunächst Spermien produzierendes Tier später zu einem Eizellen produzierenden Weibchen. Die meist vollständige Umwandlung ist bei konsekutiven Zwittern der Normalfall. Proterandrie ist häufiger als Proterogynie, weil für die Produktion kleiner Spermien eine geringere Körpergröße genügt als für die Produktion meist großer, dotterhaltiger Eizellen. Sie kommt unter anderem bei vielen Platt- und Ringelwürmern, zahlreichen Schnecken und Manteltieren sowie bei Kompassqualle, Buckelfliegen und Seesternen vor.

Ein Beispiel sind Anemonenfische wie der echte Clownfisch: Alle Fische werden männlich geboren. Der älteste, größte und ranghöchste Fisch einer Gruppe ist das Weibchen, der nächsthöhere ist das begattende Männchen; die übrigen Männchen sind nicht geschlechtsreif. Stirbt das Weibchen, wird das geschlechtsreife Männchen weiblich, und der nächste Junggeselle wird geschlechtsreif. Cortisol, das unter Stress ausgeschüttet wird, unterdrückt Geschlechtsreife und Geschlechtswechsel. Das weibliche Leittier verhindert durch Stress verursachendes Verhalten die Umwandlung der Junggesellen.

Bei Proterogynie oder Erstweiblichkeit reifen zuerst Eizellen und später beim selben Tier Samenzellen. Beispiele sind einige marine Barschverwandte, darunter Sägebarsche und Meerbrassen, außerdem Kiemenschlitzaale, Papageifische, Grundeln, Großkopfschnapper und bei Krebstieren Asseln.

Gleichzeitige und vorgetäuschte Zwittrigkeit

Simultanzwitter bilden gleichzeitig männliche und weibliche Geschlechtsorgane aus. Regenwürmer sind echte Zwitter mit Hoden und Eierstock. Zwar können sie sich ausnahmsweise selbst befruchten, gewöhnlich paaren sie sich jedoch mit einem Partner und tauschen Samenzellen aus. Dabei liegen die Tiere entgegengesetzt zueinander, sodass ihre Samentaschen einander gegenüberliegen. Die Gürtelzone produziert Schleim; die Spermien werden in den Samentaschen aufbewahrt, bis Eizellen herangereift sind und befruchtet werden können.

Pseudohermaphroditismus ist unechte Zwittrigkeit. Bei Tüpfelhyänen ist das ranghöchste Tier stets weiblich, verhält sich jedoch ebenso aggressiv wie Männchen. Weibchen sind größer; besonders ranghohe Weibchen besitzen eine stark vergrößerte Klitoris in Form eines sichtbaren Pseudopenis. Dadurch kann die Unterscheidung von Männchen und Weibchen mit vermännlichtem Genitaltrakt fast unmöglich sein.

Zellbiologie und Medizin

Ende des 19. Jahrhunderts entstand in der Zellbiologie die Theorie eines Hermaphroditismus von Zellen. Man konnte mikroskopisch erkennen, dass vermutete weibliche und männliche Erbanlagen zu gleichen Teilen auf die erste embryonale Zelle übertragen werden. Das geschlechtsbestimmende XY/XX-System entdeckten Edmund B. Wilson und Nettie Stevens erst 1905.

Beim Menschen ist echter Hermaphroditismus, das gleichzeitige Vorliegen von Hoden- und Ovarialgewebe, sehr selten. Als seltenste Form einer Störung der Geschlechtsentwicklung (disorders of sex development, DSD) wird er heute „ovotestikuläres Syndrom“ genannt. Schätzungsweise betrifft er eine von 100.000 Lebendgeburten; bis 1991 wurden etwa 500 Fälle dokumentiert. In der ICD-10 steht Q56 für „Unbestimmtes Geschlecht und Pseudohermaphroditismus“; in der ICD-11 bezeichnet LD2A.0 „Ovotestikulare Störungen der Sexualentwicklung“. Ein Pseudohermaphroditismus des Menschen wird als Intersexualität bezeichnet.

Weiterlesen

Biologie Auf dem Gebiet der Pharmazie werden Medikamente, wie beispielsweise Insulin oder zahlreiche Antibiotika, aus genetisch veränderten Mikroorganismen statt aus … Psychologie Analyseebenen der Psychologie · Biologische Einflüsse · Psychologische Einflüsse · Soziokulturelle Einflüsse. Mythologie Das deutsche Wort „Mythologie“ fand erstmals 1712 Verwendung in dem Buch Die teutsche Mythologie oder Beschreibung heidnischer Götter. Englische Sprache Die englische Sprache (Eigenbezeichnung: [ˈɪŋɡlɪʃ]) ist eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache, die zum westgermanischen Zweig gehört. Homosexualität Gleichgeschlechtliche Sexualität wurde in verschiedenen Epochen und Kulturen unterschiedlich behandelt: teils befürwortet und toleriert, teils untersagt und … Samenpflanzen Die Samenpflanzen (Spermatophytina) sind eine der Gruppen im Reich der Pflanzen. Sie bilden Samen als Ausbreitungsorgane. Der Entstehung von Samen geht die … Fremdbestäubung Als Fremdbestäubung (auch indirekte oder heterokline Bestäubung) bezeichnet man bei Pflanzen die Übertragung von Pollen einer Blüte auf die Narbe einer anderen … Schnecken Schnecken (Gastropoda, griechisch für ‚Bauchfüßer'), von althochdeutsch snahhan, ‚kriechen', sind eine Tierklasse aus dem Stamm der Weichtiere (Mollusca). Meer Unter Meer (Niederdeutsch: „die“ See) versteht man die miteinander verbundenen Gewässer der Erde, welche die Kontinente umgeben, auch „die Ozeane“. Hoden Die Hoden entwickeln sich erst in der Pubertät zu ihrer vollen Größe und erreichen im 4. Lebensjahrzehnt ihre Maximalgröße. Im Alter nimmt die Hodengröße … Serengeti Die Serengeti ist eine Savanne, die sich vom Norden Tansanias, östlich des Victoriasees, bis in den Süden Kenias erstreckt und eine Fläche von etwa 30.000 … Zellbiologie Mit Hilfe der Mikroskopie und molekularbiologischer Methoden erforscht die Zellbiologie Zellen, um biologische Vorgänge auf zellulärer Ebene zu verstehen und …