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Heizöl
Aggregatzustand, flüssig ; Viskosität. <50 mm2/s (100 °C) ; Dichte. ca. 0,990 kg/l (15 °C) ; Heizwert. 39,1 MJ/l = 39,5 MJ/kg (bei 0,990 kg/l) entspricht 10,9 kWh/ …
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Grundlagen und Sorten
Heizöl ist ein flüssiger Brennstoff. Es ist ein Mitteldestillat des Erdöls und wird aus Gasöl hergestellt. DIN 51603 beziehungsweise ÖNORM C 1109 unterscheidet die Sorten EL (Extra Leicht), EL schwefelarm, L (Leicht), M (Mittel), S (Schwer) und ES (Extra Schwer). Die Bezeichnungen richten sich nach steigender Dichte, Asche- und Schwefelanteil sowie dem Verhältnis Kohlenstoff zu Wasserstoff (C/H).
Die Sorten L und M stammen üblicherweise aus Teerölen und werden nur noch selten verwendet. Heizöl leicht war unter anderem für größere Zentralheizungen von Wohnblöcken und Betrieben vorgesehen; es ist dickflüssiger als HEL, bleibt aber bei Kellertemperatur flüssig.
Heizöl Extra Leicht und seine Herstellung
Heizöl Extra Leicht (HEL, auch IGO für Industrial Gasoil) ist ein fossiler Brennstoff vor allem für private Zwecke. Es ist eine farblose bis gelbliche Flüssigkeit mit Mineralölgeruch, wird zur Kennzeichnung aber rot eingefärbt. Seine CAS-Nummer lautet 68476-30-2. Bei der Verbrennung entstehen 2,65 kg Kohlendioxid je Liter.
HEL hat bei 15 °C eine Dichte von 0,820–0,860 kg/l, bei 20 °C eine Viskosität von höchstens 6,0 mm²/s und einen Flammpunkt von mehr als 55 °C. Der Heizwert beträgt bei 0,845 kg/l 36,0 MJ/l oder 42,6 MJ/kg, entsprechend 10 kWh/l beziehungsweise 11,8 kWh/kg. Der Brennwert beträgt 38,4 MJ/l oder 45,4 MJ/kg, entsprechend 10,7 kWh/l beziehungsweise 12,6 kWh/kg.
DIN 51603-1 unterscheidet HEL und HEL schwefelarm. Seit dem 1. Januar 2008 sind höchstens 1000 mg/kg Schwefel in HEL und höchstens 50 mg/kg in HEL schwefelarm zulässig. HEL Standard wird in Deutschland nicht mehr hergestellt und hat durch vereinzelte Importe nur noch einen Marktanteil von weniger als 1 %.
HEL ist ein Blend, also eine für die Anforderungen zusammengestellte Mischung aus Kerosin, Gasölfraktionen und Additiven im mg/kg-Bereich. Die Bestandteile entstehen überwiegend durch Fraktionierung von Erdöl und werden teilweise durch Hydrodesulfurierung entschwefelt. Auch Fraktionen aus Crackanlagen können eingesetzt werden. Weil Rohölqualitäten und der Bedarf an Diesel und Jetkraftstoff schwanken, können sich die Mischungsverhältnisse je Charge ändern. Im Unterschied zu Diesel besitzt HEL keine saisonabhängigen Spezifikationen. In Deutschland wurden 2018 etwa 10,1 Millionen Tonnen HEL hergestellt; das entsprach 10 % der Mineralölproduktion deutscher Raffinerien, gegenüber 22 % im Jahr 1990.
Eigenschaften, Zusätze und technische Anforderungen
Die Hauptbestandteile von HEL sind Alkane, Cycloalkane und aromatische Kohlenwasserstoffe mit etwa 9 bis 22 Kohlenstoff-Atomen je Molekül; ihr Siedebereich liegt bei etwa 150 °C bis 390 °C. Die Anforderungen regelt DIN 51603-1. Seit September 2011 sind auch Paraffinfraktionen aus Synthese oder Hydrierung, zum Beispiel hydrierte Pflanzenöle, erlaubt. Aufgearbeitetes Altöl, chlorhaltige Stoffe und anorganische Säuren dürfen nicht enthalten sein. Für thermisches Sediment gilt ein Grenzwert von 140 mg/kg.
Additive sind Zusatzstoffe, die gewünschte Eigenschaften von Brennstoffen erreichen oder verbessern. Sie können die Filtrierbarkeitsgrenze, den Cold Filter Plugging Point (CFPP), senken. Antioxidantien, Metalldeaktivatoren, Detergentien und Dispergatoren vermindern Alterungsprodukte und erhöhen die thermische Stabilität; sie werden Premium-HEL zugesetzt. Lubricity-Additive stellen die Schmierfähigkeit von schwefelarmem HEL ein. Aschebildende Zusätze wie Ferrocen sind darin verboten.
Bei Kälte können Paraffinkristalle Filter und Brennstoffversorgung verstopfen. Außenliegende Leitungen sollen daher frostsicher verlegt sein; bei mindestens 1 Meter Tiefe ist dies der Fall. Der Cloud Point (CP) beschreibt den Beginn der Kristallausscheidung und darf höchstens +3 °C betragen. Der CFPP ist daran gebunden: maximal −12 °C bei CP +3 °C, maximal −11 °C bei CP +2 °C und maximal −10 °C bei CP ≤ +1 °C. Ein niedrigerer CP erfordert mehr Kerosin im Blend. Weitere wichtige Werte sind Dichte ≤ 860 kg/m³, Brennwert ≥ 45,4 MJ/kg, Viskosität ≤ 6,0 mm²/s bei 20 °C und Flammpunkt > 55 °C. Für HEL schwefelarm soll die mit der HFRR-Methode gemessene Schmierfähigkeit höchstens 460 µm betragen.
Schwefelarmes Heizöl: Einsatz und Wirkung
Der Bundestagsbeschluss vom 26. Oktober 2006 führte Heizöl EL schwefelarm ab dem 1. Januar 2009 als neuen Standard in Deutschland ein; HEL Standard wird durch eine Steueränderung höher besteuert. Schwefelarmes HEL enthält höchstens 50 mg/kg Schwefel, HEL Standard bis zu 1000 mg/kg. Es wurde besonders für Brennwertkessel entwickelt. Bei seinem Einsatz kann die Neutralisierung des Kondensats entfallen; der Umgang mit Kondensat richtet sich nach DWA-Arbeitsblatt A 251 von November 2011.
Der geringere Schwefelanteil verringert Schadstoff- und insbesondere Schwefeldioxidemissionen. Damit sollen Smog und saurer Regen, besonders in Ballungsgebieten, vermindert werden. Weil sich kaum Verbrennungsrückstände an Kesselwänden ablagern, wird der Wärmeübergang weniger behindert; die Anlage arbeitet effizienter und Heizkessel halten länger.
Das Heizöl ist für moderne Heizungsanlagen und Ölbrennwerttechnik bestimmt, kann aber meist auch in herkömmlichen Niedertemperaturkesseln verwendet werden. Im Zweifel soll der Gerätehersteller die Nutzung freigeben. Alle ab Juli 2005 hergestellten Geräte waren laut Artikel bereits als geeignet eingestuft. Schwefelarmes Heizöl ist bundesweit erhältlich und erreichte 2015 99,9 % des Gesamtabsatzes.
Verbrauch, Handel, Preise und Abgaben
In Deutschland wurden 2015 etwa 16,13 Millionen Tonnen HEL verkauft. Importe, hauptsächlich über Rotterdam, deckten das Defizit gegenüber der niedrigeren inländischen Herstellung. Im Jahr 2001 entfielen 60 % des Verbrauchs auf private Haushalte, 30 % auf Gewerbe, 8 % auf Industrie und 2 % auf Strom-, Fernwärme- und Gaserzeugung.
HEL wird am Rotterdamer Markt als IGO in US-Dollar je 1.000 kg gehandelt; als Referenzdichte sind 0,845 kg/dm³ vereinbart. Neben dem Marktpreis beeinflussen Transport- und Lagerkosten sowie die gewünschte Verzinsung des Kapitals den Preis. Er hängt direkt am Rohölpreisniveau; eine verlässliche Prognose ist laut Artikel kaum möglich. Der jährliche Durchschnittspreis in Deutschland lag beispielsweise bei 48,9 Cent/l im Jahr 2016, 132,4 Cent/l im Jahr 2022, 94,2 Cent/l im Jahr 2025 und 121,03 Cent/l im Jahr 2026.
In Deutschland kommen zur Preisbildung beim HEL unter anderem Beiträge zum Erdölbevorratungsverband von etwa 3,50 €/m³, Energiesteuer von 61,35 €/m³ — ab 2009 für HEL mit 1000 ppm Schwefel 76,35 €/m³ — sowie 19 % Umsatzsteuer auf die Summe aller Preisbestandteile hinzu.
Schweres Heizöl und unzulässige Verwendung
Heizöl schwer (HOS, Heavy Fuel Oil oder Schweröl; CAS-Nummer 93821-66-0) ist ein fossiler Brennstoff für kommerzielle Nutzung, besonders in Kraftwerken. Es besteht vor allem aus Raffinerierückständen, die mit beispielsweise Schwergasöl oder Light Cycle Oil verdünnt werden. Seine Bestandteile haben etwa 20 bis 70 Kohlenstoff-Atome je Molekül. Neben Kohlenwasserstoffen enthält es unter anderem Stickstoff- und Schwefelverbindungen sowie angereicherte Metalle wie Nickel und Vanadium.
HOS ist bei Raumtemperatur pastös und muss für die Pumpfähigkeit auf 60 °C bis 100 °C erwärmt werden. Für die Verbrennung ist eine Erwärmung auf etwa 150 °C nötig, damit an der Brennerspitze eine Viskosität von ungefähr 12·10−6 m²/s erreicht wird. Es hat einen Heizwert von 39,5 MJ/kg, eine Dichte von etwa 0,990 kg/l bei 15 °C und einen Flammpunkt von mehr als 80 °C. Der Schwefelanteil ist nach § 10 Abs. 2 der 10. BImSchV grundsätzlich auf 1 % begrenzt; Anlagen mit Rauchgasentschwefelung dürfen auch höherschweflige Sorten einsetzen. 2007 wurden in Deutschland etwa 12,0 Millionen Tonnen HOS hergestellt und 6,1 Millionen Tonnen verbraucht. Rund 83 % des Verbrauchs entfielen auf die Industrie, 9 % auf öffentliche Elektrizitätswerke und 7 % auf Fernwärme.
HEL darf technisch zwar in älteren Dieselmotoren funktionieren, sein Einsatz als Fahrzeugkraftstoff ist jedoch Steuerhinterziehung; außerdem erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs. Die rote Einfärbung und der seit 2002 EU-weit verwendete Gelbmarker Solvent Yellow 124 dienen dem Nachweis. Moderne Dieselmotoren können durch HEL geschädigt werden, unter anderem wegen des höheren Schwefelanteils, fehlender Cetanzahl-Spezifikation und eines möglicherweise höheren Anteils schwerer Komponenten.
Eine „Reibachleitung“ ist eine betrügerische Rücklaufleitung in einem Tankfahrzeug: Nach dem Zähler fließt ein Teil der Lieferung zurück in den Fahrzeugtank, sodass Rechnung und Messuhr mehr anzeigen als tatsächlich geliefert wurde. Testläufe von TÜV oder Eichamt können dies aufdecken; eine Tankuhr kann einen Hinweis liefern. Bereits der Versuch erfüllt in Deutschland den Betrugstatbestand nach § 263 Strafgesetzbuch.