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Heinrich Carl von Schimmelmann
Er war damit an allen Stellen im Dreieckshandel vertreten und nutzte das System für die Steigerung seines Profits. In seinem Testament hinterließ er seinen …
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Überblick
Heinrich Carl von Schimmelmann (* 13. Juli 1724 in Demmin; † 16. Februar 1782 in Kopenhagen) war ein deutsch-dänischer Kaufmann, Sklavenhändler und Sklavenhalter. Er wurde zu seiner Zeit als einer der reichsten Männer Europas angesehen. Seine wirtschaftliche Bedeutung beruhte besonders auf Plantagenbesitz, Sklavenhandel und seiner Beteiligung am atlantischen Dreieckshandel. Zugleich übernahm er wichtige Aufgaben im dänischen Staatsdienst und wurde in den dänischen Grafenstand erhoben.
Der atlantische Dreieckshandel verband in seinem Geschäftssystem Europa, die Westküste Afrikas sowie Nordamerika und die Karibik: Waren wurden aus Europa nach Afrika exportiert, dort wurden versklavte Menschen erworben und in die Kolonien transportiert; karibische Rohstoffe gelangten anschließend nach Europa. Schimmelmann war an allen diesen Stationen beteiligt und nutzte sie zur Gewinnsteigerung.
Herkunft und Familie
Schimmelmann war der Sohn des Demminer Kaufmanns und späteren Ratsherrn Diedrich Jacob Schimmelmann (1683–1743) und Esther Elisabeth Ludendorff (1684–1752). Sein Bruder Jacob Schimmelmann war Pastor.
1747 heiratete er Caroline Tugendreich von Friedeborn (1730–1795). Das Paar hatte sieben Kinder, von denen fünf den Vater überlebten. Der älteste Sohn Ernst Heinrich von Schimmelmann (1747–1831) wurde später dänischer Finanz- und Außenminister. Zu den genannten Nachfahren gehören Wulf von Schimmelmann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Postbank AG, sowie der General und Friedensforscher Wolf Graf von Baudissin.
Handel, Plantagen und Sklaverei
Nach einigen Fehlschlägen begann Schimmelmann als Kaufmann in Dresden und als gemeinsamer Pächter der kursächsischen Generalaccise mit Joseph von Bolza. Während des Siebenjährigen Krieges lieferte er Getreide für das preußische Heer. Von Friedrich II. kaufte er für 120.000 Taler die beschlagnahmten Lagerbestände der Königlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur Meissen. Nach der Schlacht von Kolin 1757 ließ er die Ware über Magdeburg nach Hamburg bringen und erzielte bei einer Versteigerung im Juli 1758 einen bedeutenden Gewinn. Danach eröffnete er in Hamburg ein Handelshaus, arbeitete dort aber über Vertrauensleute mit Hamburger Bürgerrecht, weil ihm selbst nur das Fremdenrecht verliehen wurde.
1761 wurde er am dänischen Hof eingeführt und bald darauf zum Generalkommerzintendanten ernannt. 1763 erwarb er vom dänischen Staat günstig vier große Baumwoll- und Zuckerrohrplantagen in Dänisch-Westindien, heute den Amerikanischen Jungferninseln in der Karibik. Dazu gehörten La Grande Princesse bei Christiansted und La Grange in Frederiksted auf Saint Croix sowie eine Zuckerraffinerie in Kopenhagen-Christianshavn. Er besaß dadurch etwa 400 bis 500 versklavte Menschen und ließ ihre Zahl innerhalb von zwanzig Jahren auf rund 1000 erhöhen. Damit besaß seine Familie mehr Sklaven als jeder andere dänische Plantagenbesitzer.
Schimmelmann besaß 14 Schiffe. Aus seinen Manufakturen in Ahrensburg und Wandsbek exportierte er Kattun, Waffen und Alkohol über Hamburg an die westafrikanische Küste. Im Gegenzug wurden afrikanische Sklaven erworben und nach Nordamerika sowie in die Karibik transportiert. Er wurde so zum größten Sklavenhändler Dänemarks. Rohstoffe aus der Karibik gingen nach Hamburg, ins damals dänische Altona oder nach Flensburg zur Rumherstellung sowie nach Kopenhagen; dort wurden sie auch zu Waren für den Export nach Afrika weiterverarbeitet. Außerdem besaß er eine Gewehrfabrik in Hellebæk. In seinem Testament hinterließ er seinen fünf überlebenden Kindern die Erträge der karibischen Plantagen von jährlich mindestens 64.000 Reichstalern.
Staatsdienst und Finanzpolitik
1761 trat Schimmelmann als Kommerzintendant und Gesandter bei den Hansestädten in dänische Dienste. Im Dezember 1762 wurde ein königliches Beratergremium für Steuer- und Finanzierungsfragen gegründet, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Ab dem Frühjahr 1774 leitete er eine Kanalkommission, die den Bau des Eiderkanals betreiben sollte.
Unter Johann Friedrich Struensee war Schimmelmann einer von dessen wichtigsten Unterstützern. Gemeinsam mit Struensees Bruder Carl August plante er in der Finanzkommission Maßnahmen zur Konsolidierung der Staatsfinanzen. Eingeführt wurde eine Zahlenlotterie in Kopenhagen, Altona und Wandsbek; ihre Einnahmen sollten den von Struensee geplanten sozialen Verbesserungen dienen. Umstritten waren die stärkere Ausgabe von Papiergeld durch die Kopenhagener Börse und die gleichzeitige Entwertung der Scheidemünzen.
Adel, Besitz und Erinnerung
1759 kaufte Schimmelmann Schloss Ahrensburg von der Familie von Rantzau; es blieb bis 1938 im Besitz der Familie. Ihm gehörten außerdem Gut Wandsbeck und seit 1761 Schloss Lindenborg bei Aalborg in Nordjütland. In Wandsbek ließ er 1762 durch seinen Baumeister Carl Gottlob Horn ein Schloss und einen großzügigen Park bauen.
Am 17. April 1762 erhielt er den Dannebrogorden und wurde zugleich in den dänischen Freiherrenstand erhoben. Den Elephanten-Orden erhielt er am 16. November 1773 von Christian VII., 1775 das Großkreuz des Dannebrog-Ordens. Am 9. April 1779 wurde er in den dänischen Grafenstand erhoben. Sein vollständiger Name lautete Heinrich Carl Graf von Schimmelmann, Graf zu Lindenborg, Herr auf Ahrensburg und Wandsbek. Seine Bedeutung für Dänemarks Finanzgeschäfte unterstützte den späteren Aufstieg seines Sohnes Ernst Heinrich zum Finanzminister; ein Teil des Familienvermögens ging beim Staatsbankrott 1813 verloren.
Eine Schimmelmann-Büste stand vom 12. September 2006 bis Mitte 2008 in Hamburg-Wandsbek. Nach Protesten von Menschenrechtsgruppen sowie der GAL- und SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung und nach zweimaliger Beschmierung mit Farbe beschloss die Bezirksversammlung Hamburg-Wandsbek am 8. Mai 2008 einstimmig die Entfernung. Die Büste wurde am 15. August 2008 abgebaut.