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Heimatverein der Erkelenzer Lande

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein mit Sitz in Erkelenz. Der Heimat- und Geschichtsverein wurde 1948 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und Ziele
  2. 2. Entwicklung und Organisation
  3. 3. Arbeitskreise und Angebote
  4. 4. Veranstaltungen, Ausstellungen und Denkmalschutz
  5. 5. Historische und regionale Beziehungen
  6. 6. Publikationen und Dokumentation

Profil und Ziele

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande ist ein eingetragener und gemeinnütziger Heimat- und Geschichtsverein mit Sitz in Erkelenz. Er wurde 1948 gegründet und widmet sich der Erforschung und Darstellung sowie dem Schutz und der Pflege der Kultur und Natur des Erkelenzer Landes. Der Verein betreibt eine eigene Bibliothek mit rund 3300 heimatkundlichen Büchern und gibt Schriften heraus. Seine Geschäftsstelle befindet sich im Gebäude der Stadtbibliothek Erkelenz.

Der Verein versteht sich als eine der tragenden Säulen des kulturellen Lebens in den Erkelenzer Landen. Er möchte das Heimatbewusstsein der Einwohner wecken, stärken und erhalten. Zu seinen Zielen gehören:

  • die Erforschung und Darstellung der Geschichte,
  • die Kenntnis, den Schutz und die Pflege der Landschaft und der kulturellen Güter,
  • die Einflussnahme auf die Gestaltung der heimatlichen Umwelt,
  • Exkursionen zur kunst- und kulturgeschichtlichen Weiterbildung,
  • die Initiierung und Förderung kultureller Einrichtungen und Veranstaltungen sowie
  • die Pflege des Chorgesangs.

Entwicklung und Organisation

Der Verein entstand 1948 mit Josef Rick als erstem Vorsitzenden. Als Vorgänger gilt der Erkelenzer Geschichts- und Altertumsverein von 1920. Zunächst war der damalige Landkreis Erkelenz das Wirkungsgebiet. Als dieser im Kreis Heinsberg aufging, war dies eine wichtige Zäsur, weil das nördliche Kreisgebiet mit seiner Wald- und Wasserlandschaft ein bedeutendes Arbeitsfeld bildete. Der Naturforscher Edmund Knorr leitete dort zahlreiche Exkursionen und setzte sich für den Naturschutz ein. Der damalige Vorsitzende Friedel Krings engagierte sich außerdem für die Pflege der Reetdächer in Dörfern wie Schwaam und Rickelrath.

Ab 1972 entstanden in Wegberg, Beeck und Niederkrüchten neue Heimat-, Geschichts- oder Museumsvereine; um die Jahrtausendwende kam Hückelhoven hinzu. Der Heimatverein pflegt zu diesen Vereinen freundschaftliche Kontakte und tauscht mit ihnen Schriften aus. Er arbeitet weiterhin im historischen Raum des ehemaligen Landkreises Erkelenz, unter anderem durch Aufsätze in seinen Publikationen. 2012 wurde ein eigener Arbeitskreis für die Stadt Hückelhoven eingerichtet.

1980 trat Friedel Krings nach 30-jähriger Amtszeit zurück. Käthe Micus übernahm zunächst kommissarisch, noch im selben Jahr wurde Franz-Josef Pangels Vorsitzender. 1982 wurde der Verein unter Beteiligung der Stadtverwaltung und von Mitgliedern des Stadtrates neu belebt. Seitdem ist der jeweilige Erste Beigeordnete der Stadt Zweiter Vorsitzender; der Vorsitzende des Kulturausschusses ist geborenes Mitglied im Vorstand. Von 1982 an führte der Stadtarchivar Theo Görtz die Geschäfte. Diese Doppelfunktion bestand bis zu seiner Pensionierung 2013; Geschäftsführer blieb Görtz bis 2022. 2023 folgte ihm Astrid Wolters. Günther Merkens war von 2005 bis 2020 Vorsitzender, danach übernahm Rita Hündgen.

Im Dezember 2018 hatte der Verein rund 1400 Mitglieder. Neben Einzelpersonen gehören auch Vereinigungen wie der Bauverein Erkelenz dazu. Der Vorstand umfasst zehn Personen; die Leiter der Arbeitskreise gehören zum erweiterten Vorstand.

Arbeitskreise und Angebote

Die Arbeitskreise setzen die Ziele des Vereins praktisch um. Der älteste Arbeitskreis widmet sich der Erforschung und Darstellung der Geschichte und ist auch für die Herausgabe der Schriftenreihe zuständig. Jeden Monat finden Ausstellungs- und Museumsfahrten sowie Städtefahrten zu nationalen und internationalen Zielen statt. Zusätzlich werden zahlreiche Wanderungen und Fahrradtouren angeboten. Eigene Themenrouten werden entwickelt und mit Handzetteln vorgestellt.

Der Cornelius-Burgh-Chor pflegt den Chorgesang und widmet sich nicht nur den Werken seines Namensgebers. Der Arbeitskreis Freunde der Mineralien und Fossilienkunde umfasst teilweise Mitglieder aus den benachbarten Niederlanden und unterhält am Franziskanermarkt in einem Vereinsraum ein eigenes Museum.

Weitere Arbeitsbereiche bewahren regionale Besonderheiten. Die Mundart unterscheidet sich im Erkelenzer Land je nach Ort; regelmäßige Treffen tragen dazu bei, dass sie gesprochen und erhalten wird. Der Alte Friedhof Brückstraße wird gärtnerisch gepflegt. Seine Grabstätten und Kleindenkmale werden in Schrift und Bild dokumentiert. Ein eigener Arbeitskreis erforscht die Geschichte Hückelhovens und seiner Ortsteile, während sich die Genealogie mit den Familien der Region beschäftigt.

Der jüngste Arbeitskreis ist das 2015 gebildete Virtuelle Museum der verlorenen Heimat. Es entwickelt zunächst beispielhaft für das Dorf Keyenberg ein virtuelles Museum, da Keyenberg dem Tagebau Garzweiler II weichen muss. Im Herbst 2018 wurde das virtuelle Museum online gestellt.

Veranstaltungen, Ausstellungen und Denkmalschutz

Der Verein veranstaltet alljährlich, vor allem zu historischen Themen, Vorträge im Alten Rathaus. Gemeinsam mit wissenschaftlichen Einrichtungen organisiert er außerdem Symposien und Tagungen. Beispiele sind das im Oktober 2011 mit der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf veranstaltete Symposium „Wallfahrt und Kulturbegegnung. Das Rheinland als Ausgangspunkt und Ziel spätmittelalterlicher Pilgerreisen“ in der Leonhardskapelle und im Alten Rathaus sowie die dreitägige Tagung „Die Wissenstradition zwischen Handschrift und Wiegendruck – Das Kreuzherrenkloster Hohenbusch an der Wende von Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit“ im März 2013 im ehemaligen Kloster Hohenbusch. Diese wurde von Ralf Georg Czapla und Harald Horst geleitet; Kooperationspartner war die Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln. Im November 2014 folgte in Hohenbusch eine interdisziplinäre Tagung mit internationalen Referenten zum Thema „Heimat in Literatur, Sprache und Kunst. Annäherungen an einen problematischen Begriff“. Mitveranstalter war das Institut Germanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, geleitet wurde die Veranstaltung von Helmut Brall-Tuchel. Seit 2017 gibt es die eintägigen „Erkelenzer Museumsgespräche“ unter Leitung von Professor Hiram Kümper vom Historischen Institut der Universität Mannheim. Dort werden Aspekte des Virtuellen Museums diskutiert.

Der Verein organisiert auch Ausstellungen. Im September 1958 wurde mit Unterstützung von Hans Kisky im Alten Rathaus „Christliche Kunst im Erkelenzer Land“ gezeigt; Anlass war die 500-Jahr-Feier des Lambertiturmes. In Haus Spiess fanden Ausstellungen über Arnold von Harff und Anton Raky statt, 2008 beziehungsweise 2012. Die Anton-Raky-Ausstellung wurde vom Verein selbst kuratiert. 2017 folgte eine Ausstellung über Erkelenzer Bildhauer vom 18. bis zum 20. Jahrhundert unter der kuratorischen Leitung der Kunsthistorikerin Christina Clever-Kümper. 2020 wurde eine Ausstellung über Ordensschwestern im Erkelenzer Land veranstaltet.

Neben dem Cornelius-Burgh-Chor unterstützt der Verein Konzerte anderer Künstler. Er ließ bronzene Gedenktafeln an ehemaligen Standorten historischer Bauwerke und der Stadtbefestigung anbringen und wies einen Historischen Stadtrundgang aus, der diese Orte verbindet. An einigen Standorten können über QR-Codes historische Informationen abgerufen werden.

Der Verein unterstützt außerdem „Die Route gegen das Vergessen“, die an zwölf ausgewählten Stationen an nationalsozialistisches Unrecht erinnert, sowie Stolpersteine in Erkelenz. Zu diesen Themen werden Stadtführungen angeboten. Seit der Vereinsgründung gab es zahlreiche Spendenaktionen zum Erhalt historischer Objekte. Um den Ersten Advent findet im Alten Rathaus eine Bücherbörse mit heimatkundlicher und sonstiger Literatur statt. 2015 unterstützte der Verein den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz bei der Herausgabe des Heftes „Erkelenz“, Heft 556 der Reihe „Rheinische Kunststätten“.

Historische und regionale Beziehungen

Eine besondere Aufgabe übernahm der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg für den beschädigten Lambertiturm, den Kirchturm von St. Lambertus in Erkelenz. Weil der Turm einzustürzen drohte, bildete der Verein im Oktober 1951 das „Komitee zur Wiederherstellung des Lambertiturmes“ und veröffentlichte einen Aufruf. Mit Hilfe der Kreisbevölkerung konnte der Turm gerettet werden. Später wurde er zum Mahnmal für alle Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus dem Gebiet des Kreises Erkelenz erklärt. Eine von dem Kölner Josef Jaekel geschaffene Bronzetafel an der Nordwestseite zeigt den Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen und den im Krieg beschädigten Lambertiturm. Zum Volkstrauertag legt der Verein dort jedes Jahr einen Kranz nieder.

Der Verein fühlt sich außerdem dem Herzogtum Geldern verbunden, zu dem das historische Erkelenz als Teil des Oberquartiers Geldern gehörte. Sein Emblem orientiert sich am Erkelenzer Stadtwappen und zeigt den Geldernschen Löwen sowie die Geldernsche Rose, eine Mispelblüte. Der Verein nimmt an den Gelderntagen teil, einem internationalen Treffen von Geschichts- und Heimatvereinen. In allen Erkelenzer Stadtteilen, die zum Herzogtum Geldern gehörten, wurden Mispelbäume gepflanzt.

Aufgrund seiner Geschichte und räumlichen Nachbarschaft bestehen neben den rheinischen auch Beziehungen zum maasländischen Raum. Dies zeigt sich beispielsweise in der Architektur des Lambertiturms. Städte dieses Raumes sind häufige Ziele von Studienfahrten. Mit einigen niederländischen und belgischen Heimatvereinen pflegt der Verein Kontakte und Schriftentausch.

Publikationen und Dokumentation

Der Heimatverein veröffentlicht unterschiedliche Medien zur Geschichte, Kultur und Regionalforschung. Von Januar 1949 bis 1956 erschien in der „Erkelenzer Volkszeitung“ unregelmäßig die Beilage „Unsere Heimat“ mit mehreren Aufsätzen, teilweise mit Zeichnungen oder Fotos. Von 1952 bis 1972 gab der Verein gemeinsam mit dem Landkreis Erkelenz die „Heimatkalender der Erkelenzer Lande“ heraus.

Die „Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande“ erschienen als Schriftenreihe mit Monografien und Sammelbänden von 1981 bis 2021. In dieser Reihe wurden bisher 32 Bücher veröffentlicht. 2012 erschien außerdem der Bildband „Erkelenz. Mittendrin und Rundherum. Stadt und Land im Wandel“.

Zu den Ausstellungen über Anton Raky, Erkelenzer Bildhauer und Ordensschwestern wurden Dokumentationen in Form von Broschüren erstellt. CDs behandeln unter anderem die Mundart, die Genealogie und Konzerte des Cornelius-Burgh-Chores. Faltblätter informieren über ausgewählte Radtouren, weitere Broschüren über historische Themen. Historische Bauwerke werden auch als Kartonmodellbauten angeboten.

Im September 2016 gaben Hiram Kümper und ein Team des Historischen Instituts der Universität Mannheim die „Chronik der Stadt Erkelenz und des Landes von Geldern“ von Mathias Baux heraus. Die Neu-Edition umfasst zwei Bände und enthält ein Faksimile, eine Transkription, eine Übersetzung sowie Erläuterungen und Kommentare.

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