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Hegau
Hegau ist der Name eines historischen Gaus des Herzogtums Schwaben nordwestlich des Bodensees im Süden des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg, …
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Lage und Einordnung
Der Hegau ist ursprünglich ein historischer Gau des Herzogtums Schwaben nordwestlich des Bodensees im Süden Baden-Württembergs. Er wurde 787 erstmals als „in pago Egauinsse“ erwähnt. Historisch reichte er vom Überlinger See und Konstanz bis zum Hochrhein zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen, im Westen bis vor den Randen und über die Hegaualb bis zur jungen Donau; im Nordosten lag Stockach.
Heute meint Hegau meist die jungmoräne Kernlandschaft ohne die Anteile im Schweizer Kanton Schaffhausen. Jungmoränen sind Landschaftsformen, die während der letzten Eiszeiten durch Gletscher entstanden. Der Naturraum liegt zwischen 395 m am Bodensee und 867,2 m am Neuhewen. Besonders bekannt sind die vulkanisch geprägten, einzeln stehenden Kegelberge westlich von Singen.
In der naturräumlichen Gliederung gehört der 715 km² große Hegau zum Alpenvorland, genauer zum Voralpinen Hügel- und Moorland sowie zum Subalpinen Jungmoränenland. Die heutige Abgrenzung der LUBW ist weiter als die frühere Haupteinheit von 1953 mit 306 km²: Sie umfasst unter anderem Bodanrück, Konstanzer Halbinsel, Insel Reichenau, Schiener Berg und Höri und reicht nördlich des Überlinger Sees bis Owingen. Wichtige Teilräume sind das Hegauer Kegelbergland, die Mittlere Hegau-Untersee-Senke, die Hohe Bodanrück-Homburg-Höhen und das Stockacher Bergland.
Vulkanberge und ihre Entstehung
Das Hegauer Kegelbergland besteht aus kuppigen bis kegelförmigen Schloten erloschener Vulkane. Ein Schlot ist der Förderkanal eines Vulkans. Rund ein Dutzend Vulkane liegen beiderseits einer Linie von ungefähr Geisingen bis Singen und ragen mit Höhen von 643 m bis 867 m über die etwa 400 m hoch gelegene Umgebung.
Im Tertiär wurden zunächst Molassesedimente des nordalpinen Molassebeckens abgelagert. Bedeutend ist der im Ottnangium entstandene Randgrobkalk, ein flachmariner Stein, der regional als Baustein genutzt wurde. In der Mitte des Miozäns, vor etwa 14 Mio. Jahren, setzte am Schnittpunkt zweier Störungssysteme ein starker Vulkanismus ein; beim Hohenstoffeln begann er erst 1,5 Mio. Jahre später. Tephra, also ausgeworfenes vulkanisches Lockermaterial, bildete eine bis zu 100 m mächtige Tuffschicht.
Vor 10 Mio. Jahren drang Melilithit, der sogenannte „Hegauer Basalt“, in westliche Schlote ein. Vor 7 bis 8 Mio. Jahren intrudierte Phonolith in östliche Schlote, erreichte aber die Oberfläche nicht und erstarrte unter dem Tuff. Als Ursache der Vulkantätigkeit nennt der Text die für geologische Verhältnisse schnelle Absenkung des Oberrheingrabens. Während der Riß-Kaltzeit vor etwa 150.000 Jahren trugen Gletscher weichere Molasse und Tuff ab. Die härteren Magmakerne aus Phonolith oder Basalt widerstanden und wurden dadurch freigelegt; so entstanden die heutigen Kegelberge.
Zu den Phonolithbergen gehören Mägdeberg (654,2 m), Hohenkrähen (636,6 m), Staufen (594 m) und der Hohentwiel (696,2 m). Der Hohentwiel ist Wahrzeichen Singens, Typlokalität des Zeolith-Minerals Natrolith und trug mit 9,92 ha die größte und wichtigste Hegauer Festung; sie wurde 1800 auf Anweisung Napoleons geschleift. Die wichtigsten Basaltberge sind Wartenberg (844,8 m), Höwenegg (812 m), Neuhewen (867,2 m), Hohenhewen (845,3 m) und Hohenstoffeln (841,8 m). Alle hatten oder haben Burgruinen auf ihren Gipfeln. Der als Hegau-Basalt bezeichnete Fels ist geologisch kein eigentlicher Basalt, sondern Olivin-Nephelinit beziehungsweise Olivin-Melilithit.
Am Höwenegg blieb nach Basaltabbau ein 80 m tiefer Steinbruchsee zurück; an seinen südlichen Hangfüßen liegt eine bedeutende tertiäre Fossilienfundstätte. Eine postmagmatische Bildung ist der rötliche Riedöschinger Travertin, auch „Roter Stein“, eine durch Hämatit verunreinigte Heißwasserablagerung in einer Spalte.
Weitere Landschaftsräume, Gewässer und Orte
Südwestlich der Kegelberge gliedert ein verzweigtes Netz von Tälern die Landschaft in einzelne Höhenzüge. Der Schiener Berg erreicht 716,9 m. Weitere genannte Erhebungen sind Rauhenberg (621,6 m), Plören (579,7 m), Heilsberg (572,5 m), Rosenegg mit 552,8 m am Ostgipfel, Buechberg (546 m), Berg (533 m), Kapf (532,1 m) und Blatt (501,1 m).
Die Mittlere Hegau-Untersee-Senke umfasst das Gebiet von Singen und Aach bis zu Radolfzell, Allensbach und Konstanz. Ihre Basis liegt nur leicht über dem Bodensee. Einzelne Kuppen sind etwa der Friedinger Schlossberg (547,2 m), Homberg (529,2 m), Fronholz (527,9 m), Hartberg (517,4 m) und Hochwart auf der Insel Reichenau (439,9 m). Nordöstlich schließt eine Bergkette von den Engen-Langensteiner Randhöhen zur Halbinsel Bodanrück an. Dort liegen unter anderem Kirnberg (632,8 m), Rossberg (640,2 m), Mühlberg (673,6 m) und eine namenlose Kuppe am Lerchenacker (693,4 m).
Das Stockacher Bergland erstreckt sich um Stockach bis ungefähr Owingen. Stockacher Aach, Mahlspürer Aach, Rickenbach und Mühlbachtal gliedern es in mehrere Teilräume. Bedeutende Erhebungen sind Hochbühl (717,1 m), Sipplinger Berg (706,5 m), Pfeifferberg (687,5 m), Nellenburger Berg (624,9 m) und Wilhelmshöhe (572,1 m).
Der größte Fluss des Hegaus ist die Radolfzeller Aach. Sie ist bis zur Mündung in den Untersee nur etwa 32 km lang, führt aber Wasser der Donauversickerung und entspringt im Aachtopf, der größten Quelle Deutschlands. Überlinger See, Zeller See, Untersee und der aus dem Untersee abfließende Rhein begrenzen den Hegau im Osten und Süden. Die Stockacher Aach mündet in den Überlinger See, die Biber im Westen in den Rhein. Wichtige Orte sind Singen am Fuß des Hohentwiel als Hauptort, Industriestadt und Eisenbahnknotenpunkt, Stockach an der Stockacher Aach, Engen nahe Hohenhewen, Radolfzell am Untersee sowie Aach mit dem Aachtopf.
Geschichtliche Entwicklung
Der Hegau ist eine alte Kulturlandschaft. Am Ende der Eiszeit lebten Rentierjäger im Wasserburgertal, beim Petersfels und im Umfeld der Gnirshöhle. Funde aus der Steinzeithöhle Petersfels bei Bittelbrunn belegen Menschen im Hegau bereits in der Altsteinzeit. In der Jungsteinzeit von 5000 bis 2000 v. Chr. entstanden am Bodenseeufer Pfahlbaudörfer, die bis in die Bronzezeit von 2000 bis 800 v. Chr. bestanden. Um 1000 v. Chr. wurden neben Bronze zunehmend Eisenmetalle verarbeitet; die Hegaualb war vermutlich wegen ihres Bohnerzes ein bevorzugter Siedlungsraum.
In der Eisenzeit prägten Kelten, darunter Gallier und Helvetier, die Gegend. Grabhügel der Hallstattzeit von 800 bis 400 v. Chr. und weitere Funde aus dem 8. bis 2. Jahrhundert v. Chr. verweisen darauf. Als Ariovist von Norden vorrückte, wichen die Kelten den Sueben. Der Text nennt zugleich ein römisches Eindringen im Jahr 15 n. Chr. und eine über zweihundertjährige römische Präsenz im Zehntland ab 50 v. Chr.; der Hegau gehörte zur Provinz Raetien. Um 260 n. Chr. überwanden Alemannen den Limes und besiedelten das Gebiet. Ortsnamen auf „-ingen“ gelten als Hinweis darauf. Durch den Hegau verläuft die Dialektgrenze zwischen Hochalemannisch und Mittelalemannisch.
496 besiegte der Frankenkönig Chlodwig I. die Alemannen; sie standen danach unter fränkischer Oberhoheit. Im 8. Jahrhundert beseitigte Pippin das alemannische Herzogtum, und die Verwaltung wurde Gaugrafen übertragen. Die Grafschaft wurde 787 erstmals als Hegau erwähnt. Früh setzte die Christianisierung ein, breiter durch Klöster wie Reichenau, das 724 genannt wird, und St. Gallen. Im 10. Jahrhundert zerstörten ungarische Raubzüge viele kulturelle Ansätze der Karolingerzeit. 915 siegten die Grafen zu Bodman bei Wahlwies gegen König Konrad I., wurden später jedoch gefangen genommen und hingerichtet.
Ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gehörte die Grafschaft den Grafen von Pfullendorf; nach dem Tod Rudolfs von Pfullendorf um 1180 fiel sie an Kaiser Friedrich Barbarossa. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Burgen auf den Bergkegeln. Viele Hegauburgen wurden später von verbündeten oberschwäbischen Städten zerstört; im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 wurde weiterer Bestand auf Befehl Konrad Widerholts zerstört. Nach dem Aussterben der Grafen von Nellenburg 1442 kam die Grafschaft an die von Tengen, die sie 1465 an Erzherzog Sigismund von Österreich verkauften.
Als Teil Vorderösterreichs gehörte die Landgrafschaft Nellenburg 350 Jahre lang zum Haus Österreich. 1805 wurde die Region Württemberg zugeteilt, 1810 kam der Hegau unter napoleonischer Herrschaft mit Ausnahme des Hohentwiels an Baden. Bahnverbindungen nach Waldshut, Konstanz und Winterthur entstanden 1863 beziehungsweise 1875 und förderten die Industrieansiedlung. Heute ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Kultur, Natur und Schutz
Zu den wichtigen Natur- und Kulturzielen zählen der Aachtopf, der Eiszeitpark bei Bittelbrunn mit Petersfels und Gnirshöhle, die Vulkanberge sowie die Halbinsel Höri. Das Archäologische Hegau-Museum im Schloss Singen behandelt 15.000 Jahre Leben im Hegau. Weitere genannte Museen sind das Städtische Kunstmuseum und das Museum Art and Cars in Singen. Die zahlreichen Schlösser, Burgen und Ruinen, besonders Hohentwiel, Hohenhewen, Hohenkrähen, Hohenstoffeln, Mägdeberg und Rosenegg, erinnern an die mittelalterliche Herrschafts- und Siedlungsgeschichte.
Große Teile des Hegaus stehen seit dem 19. September 1952 unter Landschaftsschutz. Das Landschaftsschutzgebiet Hegau im Landkreis Konstanz trägt die Schutzgebietsnummer 3.35.004 und umfasst derzeit 8425 Hektar. Ein weiteres LSG Hegau liegt im Landkreis Tuttlingen auf der Gemarkung Immendingen und hat die Schutzgebietsnummer 3.27.057.
Der Nordluchs zählt im Hegau zu den ausgestorbenen Tierarten. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg prüft, ob gemeldete Luchssichtungen im schweizerischen Bargen bei Schaffhausen und im angrenzenden deutschen Randen plausibel sind.