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Hans Rosenthal

Hans Günter Rosenthal genannt: Hänschen (geboren am 2. April 1925 in Berlin; gestorben am 10. Februar 1987 ebenda) war ein deutscher Entertainer, Moderator, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Leben und Überleben während des Nationalsozialismus
  2. 2. Vom Rundfunk zum beliebten Quizmaster
  3. 3. Fernsehen und Dalli Dalli
  4. 4. Engagement, Familie und bleibende Erinnerung

Leben und Überleben während des Nationalsozialismus

Hans Günter Rosenthal, genannt „Hänschen“, wurde am 2. April 1925 in Berlin geboren und starb am 10. Februar 1987 dort im Alter von 61 Jahren an Magenkrebs. Er wurde als deutscher Entertainer, Moderator und Regisseur bekannt, war Abteilungsleiter für Unterhaltung beim RIAS und Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Rosenthal wuchs in einer jüdischen Familie im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg auf. Sein Vater Kurt Rosenthal wurde 1937 als „Nichtarier“ von der Deutschen Bank entlassen und starb kurz darauf an Nierenversagen. Seine Mutter Else Rosenthal starb 1941 an Darmkrebs. Nach ihrem Tod kam Hans mit seinem Bruder Gert in jüdische Waisen-Erziehungs-Anstalten. Dort erhielt er den nationalsozialistischen Zwangsnamen Hans Israel Rosenthal. Sein Bruder wurde am 19. Oktober 1942 mit dem 21. Osttransport nach Riga deportiert und kurz darauf in einem nahe gelegenen Wald erschossen; als Todesdatum wird vermutlich der 22. Oktober 1942 angegeben. Weitere Angehörige wurden im Holocaust ermordet.

Rosenthal besuchte zunächst ein jüdisches Ausbildungslager, eine sogenannte Hachschara, in Jessen bei Sommerfeld. Nach dessen Verbot musste er ab 1940 Zwangsarbeit leisten, unter anderem als Totengräber, in einer Blechemballagenfabrik in Berlin-Weißensee und in Torgelow. Ab dem 27. März 1943 versteckte er sich in der Berliner Kleingartenanlage „Dreieinigkeit“ im heutigen Ortsteil Fennpfuhl. Dort überlebte er bis zum Kriegsende. Die Einnahme Berlin-Lichtenbergs durch die Rote Armee am 25. April 1945 bedeutete für ihn die Befreiung.

Unterstützt wurde er von Ida Jauch sowie später von Maria Schönebeck und Emma Harndt. Ida Jauch und Maria Schönebeck wurden posthum als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Rosenthal schilderte seine Verfolgung, sein Überleben und sein späteres Leben in der 1980 veröffentlichten Autobiografie Zwei Leben in Deutschland.

Vom Rundfunk zum beliebten Quizmaster

Nach dem Krieg absolvierte Rosenthal eine Ausbildung beim Berliner Rundfunk und arbeitete anschließend als Regieassistent. Dort betreute er unter anderem das erste Hörspiel Nathan der Weise. Seine Tätigkeit im Betriebsrat führte zu Konflikten mit den Aufsichtsgremien des sowjetisch gesteuerten Berliner Rundfunks. Deshalb wechselte er 1948 in die Westsektoren und zum RIAS.

Beim RIAS begann Rosenthal als Aufnahmeleiter und Unterhaltungsredakteur. In den 1950er bis 1980er Jahren entwickelte und gestaltete er zahlreiche Rate- und Unterhaltungssendungen, darunter Wer fragt, gewinnt, Allein gegen alle, Kleine Leute – große Klasse, Das klingende Sonntagsrätsel, Spaß muß sein, Die Rückblende und Spiel über Grenzen. Bei Günter Neumann und seine Insulaner arbeitete er zunächst als Aufnahmeleiter und später als Regisseur. 1962 wurde er Abteilungsleiter Unterhaltung beim RIAS.

Besonders dauerhaft waren zwei von ihm begründete Reihen: Das klingende Sonntagsrätsel, später Sonntagsrätsel, und das Städtequiz Allein gegen alle. Das Sonntagsrätsel wird weiterhin sonntags im Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt; Allein gegen alle wird dort monatlich im Rahmen der Reihe Aus den Archiven gesendet. Zu den wichtigsten Laufzeiten gehören 1954–1974 für Wer fragt, gewinnt, 1963–1977 für Allein gegen alle und 1965–1987 für Das klingende Sonntagsrätsel.

Rosenthal produzierte auch einzelne Sendungen im Ausland. Dazu gehörten Spaß muß sein 1966 in London, Wer fragt, gewinnt 1970 in Tondern in Dänemark, Spaß muß sein 1984 in Linz sowie jeweils zwei jährliche Sendungen von Dalli, Dalli aus Wien. 1968 kaufte er auf Teneriffa Sendezeit und startete den DTF – Deutschsprachiger Touristen-Funk. Das auf deutsche Touristen ausgerichtete Werbeprogramm scheiterte nach einigen Monaten; Rosenthal verlor dabei rund 35.000 D-Mark.

Fernsehen und Dalli Dalli

1955 trat Rosenthal erstmals als Fernseh-Quizmaster auf, und zwar mit einer Adaption der Hörfunkreihe Wer fragt, gewinnt. Es folgten zahlreiche Quiz-, Musik- und Unterhaltungssendungen, darunter Gut gefragt ist halb gewonnen, Rate mal mit Rosenthal, KO OK, Erinnern Sie sich noch?, Gefragt – Gewußt – Gewonnen!, Zug um Zug und Bitte zur Kasse. Die meisten dieser Sendungen liefen im ZDF. 1960 war Rosenthal ein Jahr lang Unterhaltungschef bei der Bavaria Film.

Sein größter Fernseherfolg war die ZDF-Unterhaltungsshow Dalli Dalli. Sie wurde von 1971 bis 1986 insgesamt 153-mal ausgestrahlt. Zu weiteren wichtigen Sendungen gehörten Das Schlagerfestival der 20er Jahre, zunächst abwechselnd mit Axel von Ambesser und Theo Lingen, sowie Rate mal mit Rosenthal, die von 1979 bis 1986 lief.

Eine Folge von Dalli Dalli erhielt besondere Bedeutung: Folge 75 fiel auf den 9. November 1978, den vierzigsten Jahrestag der Novemberpogrome. Rosenthal wollte die Sendung verschieben, um an einer großen Gedenkveranstaltung in der Kölner Synagoge teilzunehmen, an der mit Helmut Schmidt erstmals auch ein Bundeskanzler beteiligt war. Das ZDF lehnte eine Verschiebung ab und ergänzte das Programm stattdessen um eine Dokumentation im Anschluss an die Sendung.

1983 verarbeitete Rosenthal in der ARD-Show Das gibt’s nur einmal – Noten, die verboten wurden die Zeit des Nationalsozialismus in einer Unterhaltungssendung. Seine Schlussconference lautete: „Vor 50 Jahren fing alles an, und wir alle können nur hoffen, dass diese Vergangenheit keine Zukunft hat!“ Damit verband er Unterhaltung mit einer ausdrücklichen Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangenheit.

Zu seinem 100. Geburtstag wurden 2025 das ZDF-Biopic Rosenthal und die Terra-X-History-Dokumentation Hans Rosenthal – zwei Leben in Deutschland veröffentlicht.

Engagement, Familie und bleibende Erinnerung

Rosenthal engagierte sich seit den 1960er Jahren im Zentralrat der Juden in Deutschland, ab 1973 als Mitglied des Direktoriums, außerdem in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und in sozialen Projekten. Im Fußball gehörte er 1947 zu den Gründungsmitgliedern des SC Hakoah Berlin. Von 1965 bis 1973 war er Präsident von Tennis Borussia Berlin. Die von ihm mitgegründete „Prominenten-Elf“ trägt seit seinem Tod den Namen Hans-Rosenthal-Team und sammelt Geld für die Stiftung „Schnelle Hilfe in akuter Not e. V.“

Rosenthal heiratete am 30. August 1947 Traudl Schallon, die er beim Berliner Rundfunk kennengelernt hatte. Das Paar hatte die Tochter Birgit und den Sohn Gert, der in Berlin als Rechtsanwalt und Notar tätig ist. Rosenthal erlebte mehrere Enkelkinder. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße in Berlin in einem Ehrengrab des Landes Berlin beigesetzt.

Die Hans-Rosenthal-Stiftung wurde nach seinem Tod 1987 gegründet. Sie führt die Arbeit von Dalli Dalli hilft fort und unterstützt Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Die Stiftung finanziert sich aus Spenden, Nachlässen und Veranstaltungen und vergibt seit 2003 jährlich den mit 10.000 Euro dotierten Hans-Rosenthal-Ehrenpreis.

Rosenthal erhielt unter anderem 1972 das Bundesverdienstkreuz, 1973 einen Bambi, 1975 und 1980 eine Goldene Kamera, 1983 das Verdienstkreuz 1. Klasse, 1985 eine Goldene Kamera und eine Goldene Europa sowie 1986 den Telestar. 1987 wurde er Ehrenbürger von Utersum auf Föhr. Nach ihm wurden unter anderem ein Platz vor dem früheren RIAS-Funkhaus, die Hans-Rosenthal-Sportanlage in Berlin-Westend, das Hans-Rosenthal-Bad in Berlin-Schöneberg und eine Berliner Grundschule benannt. 1994 erhielt der Asteroid 1994 TL16 den Namen (100268) Rosenthal. 2025 gab die Deutsche Post AG zu seinem 100. Geburtstag eine Sonderbriefmarke zu 0,95 EUR heraus.

Neben seiner Autobiografie veröffentlichte Rosenthal Quiz- und Spielebücher, darunter Allein gegen alle, Der kleine Spielmeister und Das ist Spitze. Sein Wirken wurde nach seinem Tod in mehreren Dokumentationen gewürdigt, darunter 1987 Man muss Menschen mögen, 2003 Hans Rosenthal – Das war spitze und 2025 Terra X History: Hans Rosenthal – zwei Leben in Deutschland.

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