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Höhenstufen in Äthiopien
Die Höhenstufen in Äthiopien sind meist vier hauptsächliche agroklimatische Höhenstufen, mit denen die physische Geographie in Äthiopien vertikal gegliedert …
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Grundprinzip der Höhenstufen
Die Höhenstufen gliedern die physische Geographie Äthiopiens vertikal nach agroklimatischen Bedingungen, also nach dem Zusammenspiel von Höhenlage, Klima und landwirtschaftlicher Nutzung. Meist werden vier Hauptstufen unterschieden. Entscheidend ist die Höhenlage, weil zwischen der zum heutigen Eritrea gehörenden Küste am Roten Meer und den Gipfeln des äthiopischen Hochlandes mehr als 4000 Höhenmeter liegen. Dadurch verändern sich Temperatur, Niederschlag und Vegetation stark.
Den größten Teil des Landes bildet das zentrale Hochland von Abessinien. Seine Hochflächen liegen im Mittel über 2500 Meter. Nach Osten fällt es steil zur Wüstenzone des Danakil-Tieflandes ab, nach Westen zur tief gelegenen Savanne des Sudan und Südsudan. Anders als bei vielen anderen Höhengliederungen richtet sich die äthiopische Einteilung nicht nur nach der natürlichen Vegetation. Sie berücksichtigt auch menschliche Einflüsse auf Bodenbildung und Pflanzenvielfalt. Die Höhengrenzen und Bezeichnungen sind deshalb in der Fachliteratur nicht vollständig einheitlich.
Klima und räumliche Unterschiede
Äthiopien liegt zwischen 4° N und 18° N in der tropischen Klimazone. Weiter westlich folgen auf ähnlichen Breitengraden von Norden nach Süden Sahara, Savanne und tropischer Regenwald. Am äthiopischen Hochland wird diese breitenparallele Anordnung durch die Höhenlage unterbrochen: Das Hochland gehört überwiegend zur Feuchtsavanne und besitzt trotz seiner tropischen Lage ein gemäßigtes Klima.
Im Osten erfolgt am Steilabfall zum Danakil-Tiefland ein schroffer Übergang von der Feuchtsavanne zur Vollwüste am Roten Meer. Im Südosten trennt der Große Afrikanische Grabenbruch das Hochland von Abessinien vom Somali-Hochland. Dessen Feuchtsavanne geht zur somalischen Grenze hin allmählich in Trockensavanne über. Nach Südwesten fällt das regenreiche Berggebiet YeDebub zunächst zur ariden Region um den Turkanasee ab; jenseits davon beginnt das immerfeuchte äquatoriale Kongobecken. Im Nordwesten geht das Hochland in das Becken des Weißen Nil über.
Typisch für die Tropen sind die monatlichen Temperaturschwankungen mit weniger als 5 °C deutlich kleiner als die Unterschiede zwischen Tag und Nacht. Im Hochland können diese tageszeitlichen Schwankungen mehr als 20 °C betragen.
Modelle der Höhengliederung
Die knappe Dreiteilung nach Declan Conway (2000) unterscheidet:
• Kola oder Kolla: Tiefland unter 1800 Metern, Jahresmitteltemperatur 20–28 °C. • Woina Dega: 1800–2400 Meter, Jahresmitteltemperatur 16–20 °C. • Dega: Hochland über 2400 Metern, Jahresmitteltemperatur 6–16 °C; die Baumgrenze liegt bei 3900 Metern.
Üblicher ist eine Gliederung in vier Hauptstufen:
• Kola: unter 1500 Metern, arid bis semiarid, weniger als 800 Millimeter Jahresniederschlag. • Woina Dega: 1500–2400 Meter, semihumid, 800–1200 Millimeter. • Dega: 2400–3200 Meter, kalt und feucht, 1200–2200 Millimeter. • Werch oder Wurch: über 3200 Meter, kalte und nasse afroalpine Zone mit mehr als 2200 Millimetern.
Diese Niederschlagswerte sind nur Durchschnittswerte. Bei gleicher Höhe sind Nordäthiopien, Eritrea und die südöstlichen Hochlandausläufer Richtung Somalia und Kenia deutlich trockener als Kaffa und Shewa in Mittel- und Südwestäthiopien.
Eine feinere Gliederung beschreibt Bereha oder Kola I unter 500 Metern als heißes, wüstenartiges Tiefland mit über 25 °C Jahresmitteltemperatur und weniger als 400 Millimetern Niederschlag. Darauf folgen Kola von 500 bis 1500 Metern als warm-gemäßigte Trockensavanne, Woina Dega von 1500 oder 1800 bis 2300 oder 2600 Metern als hauptsächliches Kulturland und Bergsavanne sowie die untere Dega bis 3000 Meter als Bergwaldzone mit Ackerbau und Viehzucht. Die obere Dega reicht bis 3300 oder 3400 Meter und bildet eine kalt-feuchte Ericaceae-Zone mit kaum noch Ackerbau. Oberhalb von 3300 Metern liegt die afroalpine Werch beziehungsweise Wurch oder Kur. Die Gipfelregion Tschoke beginnt bei 3900 oder 4000 Metern; dort kann mehrere Monate Schnee liegen. Sie reicht bis zum 4533 Meter hohen Ras Daschän, dem höchsten Berg Äthiopiens.
Mesele Negash unterteilt mithilfe der Jahresniederschläge weiter in elf agroklimatische Zonen. Bercha unter 500 Metern erhält weniger als 200 Millimeter. Kola von 500 bis 1500 Metern wird in eine trockene Form mit 200–800 und eine feuchte Form mit 800–1400 Millimetern geteilt. Woina Dega von 1500 bis 2400 Metern umfasst eine trockene Zone unter 900, eine feuchte mit 900–1400 und eine nasse mit über 1400 Millimetern. Dega von 2400 bis 3200 Metern sowie Werch von 3200 bis 3700 Metern werden jeweils in feuchte Zonen mit 900–1400 und nasse Zonen mit über 1400 Millimetern gegliedert. Die hohe Werch über 3700 Metern ist extrem kalt und feucht und erhält über 1400 Millimeter.
Landschaft, Niederschlag und Landnutzung
Die tiefsten Gebiete liegen im Afar-Dreieck. Dort treffen drei Grabenbrüche zusammen; Depressionen in der Danakil-Wüste reichen bis rund 125 Meter unter den Meeresspiegel. Die Wüste erstreckt sich auf 9700 Quadratkilometern parallel zum Roten Meer. In der Afar-Ebene liegen aktive Vulkane wie der 613 Meter hohe Erta Ale sowie Salzseen. Das Hochland erhebt sich an einer über 2000 Meter hohen Abbruchkante. Seine Hochfläche steigt, ohne einzelne Gipfel einzurechnen, von etwa 2000 Metern im Südwesten bis rund 3000 Meter im Nordosten an. Das Plateau entstand durch vulkanische Tätigkeit und tektonische Verschiebungen bei der Bildung des Großen Afrikanischen Grabenbruchs.
Die Niederschläge kommen vor allem mit Winden aus dem Süden. Der Südwestmonsun bringt von Juni bis September die „große Regenzeit“, deren Maximum im Juli und August liegt. Februar bis April gelten als trockenere „kleine Regenzeit“, während der Nordostpassat weht. In Addis Abeba auf 2400 Metern regnet es ganzjährig; Gonder auf rund 2100 Metern hat dagegen drei Monate Trockenzeit. Der Nordostpassat bringt der nördlichen Küste des Roten Meeres und den nordöstlichen Hochlandgipfeln zusätzliche Winterniederschläge.
45 Prozent der Landesfläche liegen oberhalb von 1500 Metern; dort leben 88 Prozent der Bevölkerung. Die trockene, tiefe Kolla dient überwiegend der Viehzucht und Subsistenzlandwirtschaft, also der Versorgung der Erzeuger selbst. Woina Dega und Dega sind die wichtigsten Landwirtschaftszonen. 66 Prozent der Landesfläche gelten als landwirtschaftlich nutzbar, doch nur rund 20 Prozent werden tatsächlich als Ackerland genutzt. Davon werden 75 Prozent jährlich neu bepflanzt; auf den übrigen Flächen wachsen mehrjährige Pflanzen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums von 2010 sind 27 Prozent des Landes mit Bäumen, 21 Prozent mit Sträuchern und 12 Prozent mit offenem Grasland bedeckt; 14 Prozent sind Brachland und knapp 4 Prozent natürliche Waldgebiete.
Anbau, Höhenvegetation und Umweltprobleme
Welche Pflanzen angebaut werden können, hängt stark von Höhe und Feuchtigkeit ab. Eine Studie von 1987 nennt für den Distrikt Nonno westlich von Addis Abeba in der trockenen Kola vor allem Sorghumhirsen, Mais und Sesam. In der feuchten Kola wachsen Sorghum, Mais, Teff und Chili. Die feuchte Woina Dega ermöglicht Teff, Gerste, Mais, Sorghumhirsen, Weizen, Ramtillkraut und Fingerhirse; in der nassen Woina Dega kommen Bohnen und Kichererbsen hinzu. Auf bewässerten Feldern werden dort außerdem kleinere Mengen Linsen, Kohl, Zwiebeln und Knoblauch angebaut.
Kaffee ist ein wichtiges Exportprodukt und wächst in der Provinz Kaffa zwischen 1500 und 1800 Metern auch wild. Ensete, eine Bananenart, deren Scheinstamm einen Stärkebrei liefert, trägt zur Selbstversorgung von über 20 Prozent der Bevölkerung bei. Die Pflanze gedeiht im südlichen Äthiopien hauptsächlich in der Woina Dega oberhalb von 1600 Metern, im Norden in feuchten Tälern bis rund 3000 Meter.
Im höher gelegenen Grasland mit Resten afromontaner Koniferenwälder werden Teff, Weizen, Hafer und bis 3000 Meter Gerste angebaut. Bis zu dieser Höhe wachsen auch Akazien, Riesenhülse und Kosobaum. Darüber kommen Wacholder- und Rosenarten vor. An der oberen Grenze von Sträuchern und kleinen Bäumen wachsen Hypericum leucoptychodes, die bis 7 Meter hohe Baumheide und die bis 5 Meter hohe Riesenlobelie. Regional werden Pferde, Esel, Rinder und Schafe bis zur Waldgrenze von etwas über 4000 Metern geweidet. Die Herden dienen als Zugtiere sowie als Fleisch- und Milchlieferanten und gelten bei den Oromo auch als Zeichen von Wohlstand. Ohne gezielten Futteranbau führen sie jedoch zu Überweidung und Waldverbiss.
Zu den wichtigsten Umweltproblemen zählen Bodenerosion, die Austrocknung von Gewässern bei ausbleibendem Regen und der Verlust natürlicher Wälder. Wiederkehrende Dürren treffen Äthiopien in Abständen von wenigen Jahren und können Hungersnöte auslösen, weil die Landwirtschaft überwiegend vom Niederschlag abhängt. Rund 85 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft; sie erzeugt 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 90 Prozent der Exporte, hat international aber niedrige Hektarerträge. Im wärmeren und feuchteren Süden und Südwesten ermöglicht eine zehnmonatige Wachstumsphase eher die Selbstversorgung durch Hackbau. Im zentralen und nördlichen Hochland erschweren schwankende Klimabedingungen den Getreideanbau mit dem Pflug und die Viehwirtschaft.