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Gunlög Fur
Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Kolonialismus, Postkolonialismus ... Anschließend studierte sie amerikanische Geschichte mit Fokus auf der …
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Profil und Bedeutung
Gunlög Maria Fur (* 1957) ist eine schwedische Historikerin und Professorin für Geschichte an der Linné-Universität. Ihre Arbeit untersucht vor allem Kolonialismus und Postkolonialismus, also koloniale Herrschaft und deren fortdauernde gesellschaftliche und kulturelle Folgen. Weitere Schwerpunkte sind Kulturbegegnungen, Geschlecht und Sexualität sowie die Geschichte und die Rechte indigener Völker.
Besonders wichtig ist ihr vergleichender Blick auf unterschiedliche Kolonialräume. Sie erforscht unter anderem die Kontakte europäischer Kolonisatoren mit den Lenni Lenape in Nordamerika und mit den Sámi in Skandinavien. Dadurch verbindet sie amerikanische, schwedische und indigene Geschichte und untersucht, wie koloniale Beziehungen durch Macht, Geschlechterrollen, kulturelle Unterschiede und verschiedene Formen historischer Überlieferung geprägt wurden.
Ausbildung und akademischer Weg
Fur studierte an der Universität Uppsala Geschichte und Gesellschaftswissenschaften und schloss das Studium 1982 mit dem Magister Artium ab. Danach arbeitete sie einige Jahre als Lehrerin. Anschließend studierte sie an der University of Oklahoma amerikanische Geschichte mit einem Schwerpunkt auf der Geschichte der amerikanischen Indianer.
1993 wurde sie promoviert. Ihre Dissertation verglich das Verhältnis der Schweden zu den Lenni Lenape in der Kolonie Neuschweden Mitte des 17. Jahrhunderts mit den gleichzeitigen Kontakten zwischen den Sámi und der schwedischen Krone. Die 2006 veröffentlichte Monographie „Colonialism in the Margins. Cultural Encounters in New Sweden and Lapland“ ist eine erweiterte und überarbeitete Fassung dieser Dissertation.
1996 wurde Fur Assistenzprofessorin an der Hochschule in Växjö. Diese wurde 1999 zur Universität und trägt seit der Zusammenlegung mit der Hochschule Kalmar im Jahr 2010 den Namen Linné-Universität. Im Studienjahr 2001/2002 war Fur Fulbright-Gastdozentin am Institute for Research on Women der Rutgers University. Seit 2007 ist sie Professorin für Geschichte an der Linné-Universität. Von 2012 bis 2016 leitete sie dort das Linnaeus University Center for Concurrences in Colonial and Postcolonial Studies, dem sie weiterhin angehört. Seit 2016 ist sie Dekan der Fakultät für Kunst und Geisteswissenschaften.
Forschung und Lehre
In ihrer Lehre behandelte Fur die amerikanische Geschichte mit einem Schwerpunkt auf der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die Geschichte und Rechte indigener Völker, Kolonialismus, Kulturbegegnungen, Geschlecht und Sexualität sowie postkoloniale Studien und feministische Theorie. Weitere Themen waren amerikanische Freiheiten und Unfreiheiten sowie Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft. Viele Lehrveranstaltungen entstanden interdisziplinär, also in Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen, darunter Komparatistik, Gender Studies, Rechtswissenschaft und Religionswissenschaft.
Zu ihren zentralen Forschungsinteressen gehören Kulturbegegnungen, Geschlechterverhältnisse und postkoloniale Perspektiven. Sie beschäftigt sich außerdem mit mündlicher Geschichte, dem gesellschaftlichen Gebrauch von Geschichte sowie der Bedeutung und Überschreitung von Grenzen. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Wurzeln der modernen Globalgeschichte in der europäischen Expansion und in kulturellen Konfrontationen.
Fur verwendet ethnohistorische Methoden. Ethnohistorie verbindet historische Quellenarbeit mit Ansätzen zur Erforschung von Kulturen und Gesellschaften. Dabei achtet sie besonders auf das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, also darauf, wie Wissen mündlich beziehungsweise schriftlich überliefert und dadurch unterschiedlich sichtbar gemacht wird.
Zu ihren Forschungsprojekten gehörten „Women’s Authority, Gendered Practices and the Anomalies of Vision. Gender relations in Lenape Indian contacts with European colonization 1630s–1800“ (1997–2002) und „Gender and colonization in Swedish Lapland. Saami women at the local courts“ (2004–2007). Von 2011 bis 2016 arbeitete sie an „Concurrences: Narrating Conflicting and Simultaneous Voices“ sowie an einem Projekt über Oscar Jacobson, Stephen Mopope und die Entwicklung der Kiowa-Kunst. Ihre neueren Projekte untersuchen die schwedische Auswanderung nach Nordamerika und die Begegnungen, Konfrontationen und Gleichzeitigkeiten mit den Urvölkern Nordamerikas im 19. und 20. Jahrhundert. Außerdem wirkte sie am Weißbuch über die Beziehungen zwischen der Schwedischen Kirche und den Sámi mit.
Fachliche Ämter und Mitgliedschaften
Fur ist Gründungsmitglied der Swedish Association for American Studies (SAAS) und war von 2002 bis 2005 deren Vorsitzende. Von 2007 bis 2015 vertrat sie Schweden in der Generalversammlung des Comité International des Sciences Historiques. Seit 2014 gehört sie der historisch-antiquarischen Klasse der Kungliga Vitterhets Historie och Antikvitets Akademien an. Ebenfalls seit 2014 ist sie Mitglied des Advisory Board des Centre for Postcolonial Studies an Goldsmiths, University of London.
Ausgewählte Veröffentlichungen
Furs Veröffentlichungen spiegeln ihre Schwerpunkte Kolonialismus, indigene Geschichte, Geschlecht und Kulturbegegnungen wider. Nach frühen Aufsätzen über Joe Hill und die I.W.W. (1989) sowie über Geschlecht und Sexualität im indigenen Nordamerika (1996) veröffentlichte sie 2006 „Colonialism in the Margins. Cultural Encounters in New Sweden and Lapland“. Im selben Jahr erschien ihr Aufsatz „Reading Margins: Colonial Encounters in Sapmi and Lenapehoking in the Seventeenth and Eighteenth Centuries“.
Das Buch „A Nation of Women. Gender and Colonial Encounters Among the Delaware Indians“ von 2009 behandelt Geschlecht und koloniale Begegnungen bei den Delaware beziehungsweise Lenni Lenape. Gemeinsam mit Anna Lydia Svalastog gab Fur 2015 „Visions of Sápmi“ heraus. 2019 veröffentlichte sie den Aufsatz „Different ways of seeing ‘savagery’: Two Nordic travellers in 18th-century North America“ sowie das Buch „Painting Culture, Painting Nature: Stephen Mopope, Oscar Jacobson, and the Development of Indian Art in Oklahoma“. Letzteres untersucht Stephen Mopope, Oscar Jacobson und die Entwicklung indigener Kunst in Oklahoma.