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Grundtyp
Ein Grundtyp umfasst also mehr als das populationsgenetische Artkonzept der Biologie. Die Biologie kennt verschiedene Artkonzepte. Das Kriterium beim …
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Grundidee und Einordnung
Der „Grundtyp“ ist ein Konzept der sogenannten Schöpfungsbiologie, einer dem Kreationismus zugerechneten Theorie. Es soll den biblischen Schöpfungsbericht mit einer historischen biologischen Wissenschaft vereinbaren. Nach dieser Vorstellung schuf Gott verschiedene Grundtypen. Diese entwickelten sich anschließend durch natürliche Prozesse innerhalb des jeweiligen Grundtyps zu mehreren Arten weiter.
Die Anhänger des Konzepts akzeptieren daher eine Evolution innerhalb der Grundtypen, die sie „Mikroevolution“ nennen. Eine Evolution der Grundtypen selbst, die sie „Makroevolution“ nennen, sei dagegen niemals erfolgt und unmöglich. Grundtypen seien direkt von Gott geschaffen, untereinander nicht verwandt und durch keine Übergänge miteinander verbunden. In der Evolutionsbiologie wird das Konzept als unwissenschaftlich abgelehnt und nicht verwendet.
Als Grundlage dient unter anderem die biblische Aussage, Gott habe die Lebewesen „jedes nach seiner Art“ geschaffen. Kreationistische Autoren verstehen die hebräische „Art“ (min) jedoch nicht als biologische Art, sondern als übergeordnete Einheit, die mehrere oder viele biologische Arten umfassen kann.
Begriff, Abgrenzung und Kriterien
Der Begriff „Grundtyp“ (englisch „basic type“) wurde 1993 durch den Mikrobiologen und Evolutionskritiker Siegfried Scherer geprägt. Vorläufer war das von Frank Lewis Marsh 1941 eingeführte Kunstwort „baramin“. Marsh definierte diesen Begriff jedoch im Lauf der Zeit widersprüchlich: Zunächst sollte fehlende Hybridisierung entscheidend sein, später die Verschmelzung der Keimzellen oder morphologische Unterschiede. Die Definition wurde dadurch teilweise unklar oder tautologisch.
Scherers Konzept sollte diese Probleme lösen, blieb aber ebenfalls umstritten. Zwischenartliche Kreuzungen können erfolgreich, erfolglos oder in zahlreichen Zwischenformen mit unterschiedlich vitalen Nachkommen verlaufen. Außerdem kann eine Kreuzung aus äußeren Gründen scheitern, obwohl sie grundsätzlich möglich wäre. Deshalb sei es schwierig, Grundtypen anhand realer Lebewesen eindeutig festzustellen.
Das wichtigste Kriterium ist die Möglichkeit der Kreuzung: „Zwei Arten, die durch zwischenartliche Kreuzungen miteinander verbunden sind, gehören zu einem Grundtyp.“ Auch ein indirekter Nachweis über eine dritte Art ist möglich: „Zwei Arten, welche mit der gleichen dritten Art durch Kreuzungen verbunden sind, gehören zum gleichen Grundtyp.“ Als weiteres Kriterium gilt, dass eine Zygote, also die aus zwei Keimzellen entstandene Zelle, die Embryonalentwicklung mit abgestimmter Ausprägung des väterlichen und mütterlichen Erbguts fortsetzt.
Vorgeschlagene Grundtypen und Artbildung
Kreationisten führen verschiedene Kandidaten an. Beim Menschen sollen Homo erectus, der Neandertaler und Homo sapiens zu einem Grundtyp gehören; Australopithecinen werden einem anderen Grundtyp zugeordnet. Bei den Canidae werden Kreuzungen unter anderem zwischen Rotfuchs und Eisfuchs, Rotfuchs und Graufuchs sowie zwischen Haushund und Wolf genannt. Kamele und Lamas können sich kreuzen, obwohl sie biologisch verschiedenen Gattungen angehören.
Weitere Beispiele sind Crocodylia, obwohl Alligatoren, Krokodile und Ghariale nicht miteinander kreuzbar sind, sowie der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana) und der Indische Elefant (Elephas maximus). Von diesen ist ein Zoo-Hybrid namens Motty bekannt, der nur wenige Tage überlebte. Bei den Entenvögeln (Anatidae) sollen 126 der 149 Arten direkt oder indirekt durch Kreuzungen verbunden sein. Die Weizenartigen (Tribus Triticeae) umfassen über 300 Biospezies mit vielen Art- und Gattungskreuzungen. Bei den Kernobstgewächsen werden 24 Gattungen mit über 200 Arten und vitalen Bastarden genannt.
Ein Grundtyp umfasst damit häufig mehr Arten als das populationsgenetische Artkonzept der Biologie und liegt oft auf der Ebene einer biologischen Familie. Im Konzept entstehen aus einem Grundtyp durch Aufspaltung mehrere Arten. Ursprünglich habe der Grundtyp bereits eine gewisse Variabilität besessen; durch natürliche Evolution, Isolation von Populationen und Anpassung an Umweltfaktoren hätten sich die Unterschiede verstärkt. Der grundlegende Bauplan könne dabei nicht verändert werden.
Verhältnis zur Evolutionsbiologie
Das Grundtypen-Konzept gilt nicht als wissenschaftliche Theorie und spielt in der Evolutionsbiologie keine Rolle. Seine Begründung liegt vor allem im Versuch, wissenschaftliches Denken mit einem wortwörtlich verstandenen christlichen Glauben zu verbinden. Dabei haben Aussagen der Heiligen Schrift Vorrang vor empirisch gestützten Theorien. Im Unterschied zu Intelligent Design beruht das Konzept ausdrücklich auf christlicher Lehre.
Ähnliche Vorstellungen grundlegender, voneinander getrennter Baupläne gab es vor Darwin auch innerhalb der Wissenschaft. Georges Cuvier teilte 1817 die Tierwelt nach ihrer Morphologie in vier grundlegende Baupläne ein: Wirbeltiere, Weichtiere, Strahlentiere und Gliedertiere. Evolution zwischen diesen Bauplänen hielt er für unmöglich. Solche Vorstellungen wurden mit der Entwicklung der Evolutionstheorie aus den Naturwissenschaften verdrängt. Die Evolutionsbiologie sieht zwar offene Fragen zur Konstanz bestimmter Baupläne, erkennt darin aber keine prinzipielle Schwierigkeit für Makroevolution.