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Greensleeves

Greensleeves (englisch für „grüne Ärmel“, sinngemäß „Grünkleid“) ist ein englisches Lied, dessen Melodie seit dem Elisabethanischen Zeitalter zu den …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und musikalische Grundlage
  2. 2. Inhalt und Sprache des Liedtextes
  3. 3. Überlieferung und frühe Bekanntheit
  4. 4. Weihnachtslieder und Bühnenmusik
  5. 5. Moderne Bearbeitungen und Medien
  6. 6. Namensgebung

Überblick und musikalische Grundlage

„Greensleeves“ ist ein englisches Lied, dessen Melodie seit dem Elisabethanischen Zeitalter zu den bekanntesten der Musikgeschichte gehört. Sie beruht auf der Romanesca, einer musikalischen Grundform, und ist in verschiedenen Varianten überliefert, beispielsweise in G-Dorisch und A-Moll.

Der genaue Adressat des ursprünglichen Volksliedes ist unbekannt. Vermutlich war es einem Mädchen oder einer Frau in einem grünen Kleid gewidmet; der englische Titel bedeutet wörtlich „grüne Ärmel“ und sinngemäß „Grünkleid“.

Inhalt und Sprache des Liedtextes

Die traditionellen Verse schildern das Wehklagen eines Liebenden, der von seiner Geliebten zurückgewiesen wurde. Im Refrain bezeichnet er Lady Greensleeves als seine Freude, sein Entzücken und sein „goldenes Herz“. Es existieren zahlreiche Textvarianten, die sich häufig nur in der Silbendichte unterscheiden.

In der ersten gedruckten Fassung stehen Schreibweisen wie „loue“ statt „love“ und „Greensleeues“ statt „Greensleeves“. Das ist kein Fehler: Das englische Alphabet der Tudorzeit umfasste nur 24 Buchstaben. Die Laute u und v wurden beide als u geschrieben; entsprechend galt Ähnliches für i und j. Eine bekannte deutsche Textfassung stammt vom Dramatiker Peter Hacks.

Überlieferung und frühe Bekanntheit

Eine häufig wiederholte Legende schreibt das Lied König Heinrich VIII. (1491–1547) zu und behauptet, er habe es für seine zweite Frau Anne Boleyn komponiert. Diese Zuschreibung gilt jedoch als unzutreffend: „Greensleeves“ verwendet einen italienischen Stil, der sich in England erst nach Heinrichs Tod verbreitete.

Wahrscheinlich wurde das Lied zunächst auf handschriftlichen Blättern weitergegeben. 1580 verzeichnete Richard Jones es bei der London Stationer’s Company unter dem Titel „A New Northern Dittye of the Lady Greene Sleeves“. Von diesem Druck ist keine Kopie bekannt. In der erhaltenen Sammlung „A Handful of Pleasant Delights“ von 1584 erschien es als „A New Courtly Sonnet of the Lady Green Sleeves. To the new tune of Green Sleeves“.

William Shakespeare bezog sich in seinem um 1602 entstandenen Bühnenstück „Die lustigen Weiber von Windsor“ mehrfach auf die Melodie. Falstaff ruft dort: „Let the sky rain potatoes! Let it thunder to the tune of Greensleeves!“ Die selbstverständliche Verwendung solcher Anspielungen zeigt, dass das Lied damals bereits weithin bekannt war.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erschienen Instrumentalbearbeitungen im „Lute Book“ von William Ballet und als Lautenduett im Lautenbuch von John Dowland. Auch von Francis Cutting ist eine Version überliefert.

Weihnachtslieder und Bühnenmusik

Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Melodie für Weihnachts- und Neujahrslieder verwendet. 1642 erschien sie erstmals als geistliches Neujahrslied unter dem Titel „The old yeare now away is fled“. Im 19. Jahrhundert verbreiteten sich mehrere Texte, die jeweils mit den Worten „On Christmas Day in the morning“ enden.

Das heute bekannteste Weihnachtslied zu dieser Melodie ist „What Child Is This?“ von William Chatterton Dix (1837–1898). Es wurde unter anderem von Joan Baez, The Moody Blues und Dan Fogelberg aufgenommen. Französische und deutsche Fassungen heißen beispielsweise „Bébé Dieu“, „Wer ist das Kind“ von Jochen Rieger und „So wie bei anderen Kindern“ von Dominique Lacasa.

Auch in Bühnenwerken wurde die Melodie verarbeitet: 1728 erscheint sie in John Gays und Johann Christoph Pepuschs „The Beggar’s Opera“ im Lied „Tyburn Tree“, das Macheath unter dem Galgen singt. Ferruccio Busoni setzte sie in seiner 1917 uraufgeführten Oper „Turandot“ ein. Ralph Vaughan Williams (1872–1958) verwendete eine Bearbeitung in „Sir John in Love“ von 1928; Ralph Greaves verband sie später mit dem Volkslied „Lovely Joan“ zur „Fantasia on Greensleeves“, auf die viele Gesangsinterpretationen zurückgehen.

Moderne Bearbeitungen und Medien

„Greensleeves“ wurde in sehr unterschiedlichen Musikstilen neu gestaltet. Beispiele sind John Coltranes Jazzfassung für „Africa/Brass“, Jeff Becks Instrumentalversion für akustische Gitarre auf „Truth“ von 1968, Leonard Cohens „Leaving Green Sleeves“ auf „New Skin for the Old Ceremony“ von 1974 und die Punkrock-Version auf Slimes Album „Yankees raus“ von 1982. Sergio Drabkin komponierte 2010 für Joel Blido und Louise Engel Variationen für zwei Violoncelli, die unter anderem Klassik, Jazz und Rock aufgreifen.

Die Melodie erhielt häufig neue Texte. Drafi Deutscher veröffentlichte 1965 „Denn da waren wir beide noch Kinder“, Vicky Leandros 1966 „Young Love“ und Elvis Presley 1968 „Stay Away“. Rainbow veröffentlichte 1975 „Sixteenth Century Greensleeves“ mit einem eigenen Text von Ritchie Blackmore. George Martin verwendete die Melodie 1967 im Schlussteil der Beatles-Single „All You Need Is Love“.

In Film, Fernsehen und Spielen erscheint sie ebenfalls: Mit dem Text „Home in the Meadow“ dient sie als Thema im Film „Das war der Wilde Westen“ von 1962. Fassungen oder Zitate finden sich außerdem in „A Charlie Brown Christmas“, „Jericho – Der Anschlag“, „Sons of Anarchy“, dem Anime „The Anthem of the Heart“ sowie in den Spielen „Final Fantasy 10“ und „Anno 1602“.

Namensgebung

Der Hauptgürtelasteroid (19631) Greensleeves wurde nach dem Lied benannt.

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